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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 252
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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250. Friedrich von Beethoven an Dr. Franz Wegeler

(zwischen 1794-1796).

Liebster, bester! inwas für einem abscheulichen Bilde hast du mich mir selbst dargestellt ich erkenne es, ich verdiene deine Freundschaft nicht, Du bist so edel, so gutdenkend, und das ist das erste mal, daß ich mich nicht neben Dir stellen darf, weit unter Dir bin ich gefallen, ach ich habe meinem besten edelsten Freund wochenlang Verdruß gemacht, Du glaubst ich habe an der Güte meines Herzens verlohren, dem Himmel sei Dank: nein, es war keine absichtliche, ausgedachte Bosheit von mir, die mich so handeln ließ, es war mein unverzeihlicher Leichtsinn, der mich die Sache nicht in dem Lichte sehen ließ, wie sie wirklich war – o wie schim ich mich für Dir, wie für mir selbst – fast traue ich mich nicht mehr, dich um deine Freundschaft wieder zu bitten – ach Wegeler nur mein einziger Trost ist, daß Du mich fast seit meine Kindheit kanntest, und doch o laß michs selbst sagen, ich war doch immer gut und bestrebte mich immer der Rechtschaffenheit und Biederkeit in meinen Handlungen, wie hättest du mich sonst lieben können! sollte ich denn jetzt seit der kurtzeu Zeit auf einmal mich so schrecklich, so sehr zu meinem Nachtheil geändert haben – unmöglich, diese Gefühle des großen, des guten sollten alle auf einmal in mir erloschen seyn? nein Wegeler, lieber, bester, o wag es noch einmal, dich wieder ganz in die Arme deines B. zu werfen, baue auf die guten Eigenschaften, die Du sonst in ihm gefunden hast, ich stehe Dir dafür, den reinen Tempel der heiligen Freundschaft, den Du darauf aufrichten wirst, er wird fest, ewig stehen, kein Zufall, kein Sturm wird ihn in seinen grundfesten erschütern können – fest – Ewig – unsere Freundschaft – Verzeihung – Vergessenheit – wieder aufleben der sterbenden sinkenden Freundschaft, – o Wegeler verstoße sie nicht diese Hand der Aussöhnung, gib die Deinige in meine – ach Gott – doch nichts mehr – ich selbst komme zu Dir, und werfe mich in deine Arme, und bitte um den verlohrenen Freund, und Du gibst Dich mir, dem reuevollen, Dich liebenden, Dich nie vergessenden

Beethoven

wieder.

*

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