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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 244
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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242. Hoffmann an Hippel

Sonntag den 10. Januar 1796.

Vor drei Stunden habe ich deinen Brief vom fünften Januar erhalten, und schon jetzt setze ich mich hin, dir ihn mit unruhigem Herzen, und von tausend qualvollen Vorstellungen gemartert zu beantworten. Dein Plan, in Hinsicht meines Fortkommens, hat mich gerührt, weil er michs fühlen läßt, wie aufrichtig deine Freundschaft für mich ist. Mein Verhältniß mit ... ist dasselbe, und vielleicht enger als je. – Die Unannehmlichkeiten und Zänkereien haben eine gute Wendung bekommen, nachdem eine gewisse Mittelsperson aufgehört hat, dumme Streiche zu machen. – Du hast alles in Anschlag gebracht; nur nicht, daß ich sie bis zum Unsinn liebe, und daß gerade das mein ganzes Unglück macht. – Du mußt mich für den wankelmüthigsten Menschen halten, wenn du dieß liesest – ich schäme mich fast, dir mehr von einer Sache zu schreiben, die mich zum Fangball der heterogensten Launen macht, die mich vielleicht in deinen Augen herabwürdigt und lächerlich macht. – Ich liebe sie, und bin unglücklich, weil ich sie nicht besitzen kann, weil in dem süßesten Genuß der Liebe ich qualvoll daran erinnert werde, daß sie nicht mein ist – nicht mein seyn kann.

Da hast du meine ganze Schwachheit – ich weiß, daß du, ohne mich lächerlich zu finden, mich bemitleiden wirst. – Du bist der einzige, dem ich die Schwachheiten meines Herzens gern eröffne.

Unmöglich kann ichs verlangen, daß sie mich mit dem ausgelassenen Grad von Schwärmerei lieben soll, die mir den Kopf verrückt – und auch das quält mich. – Und nun – soll ich mich von diesem Gegenstande trennen – trennen mit der vollkommenen Gewißheit, sie nie wieder zu sehen? – Du kannst mich trösten über vieles, aber kannst du dieß Gefühl, diese Leidenschaft, die mich zu Boden drückt, besiegen, so nenne ich dich den Meister des menschlichen Herzens! – Wäre sie frei – so eilte ich zu dir, denn alsdann hätte ich den gewissen Zweck vor mir, und könnte ihn erreichen – aber jetzt! ...

Glaube, daß ich dich ewig – ewig schätzen und lieben werde; – lebe wohl, lieber, lieber Freund!

Ewig bis in den Tod dein
H.

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