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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 204
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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202. Schäslin an Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher

Barby, den 3. Juni 1787.

Lieber Schleier, wenn Du diesen Brief aufbrichst wirst Du wohl schon in Albertini seinem die traurige Nachricht von Okely's Tod gelesen haben. Ich will es nicht versuchen Dich zu trösten; ich wäre es auch nicht im Stande. Du hast wenigstens mehr Freiheit unseren gemeinschaftlichen Freund in der Stille zu beweinen: ich wünsche nichts mehr als meine Ohren verstopfen zu können, um die Seelenmessen nicht zu hören, die ihm von allerlei Zungen nachgelesen werden. Ich könnte Dir ganz eigne Auftritte von der Art schildern, wenn ich Lust dazu hätte. Ich weiß schon wie es bei solchen Gelegenheiten zugeht, wirst Du sagen. O nein, Du weißt es nicht; denn es hat sich in kurzer Zeit hier alles umgekehrt. Unsre alten Kameraden haben wir fast alle verloren; die wenigen die noch da sind werden auch nicht mehr lange bleiben; mit der neuen Colonne ist es über alle Vorstellung fade abgelaufen – kurz es ist jezt so spießig, daß man hypochondrisch werden müßte, wenn es nicht ungesund wäre. Dieses scheint mir wenigstens Albertini's Deukungsart zu sein; denn eher wird er ein Stück nach dem andern verlieren, als das mindeste von seiner göttlichen Apathie. Nun sollte ich Dir noch auf Deine witzigen Spöttereien, die Du Dir gegen meine herrlichen Briefe erlaubst, antworten; statt dessen werfe ich mich lieber Dir zu füßen und bekenne als ein armer Sünder in Demuth, daß ich nicht einen einzigen solchen witzigen Einfall hervorzubringen vermag, wie man sie zu Hunderten in Deinen Briefen findet. Erlaube sie Dir immer auf meine Kosten, und sei versichert, daß ich niemals in den serieusen Scheltton hineingerathen werde; denn, bei allen Briefstellern voriger und künftiger Jahrhunderte! um Deine witzigen Einfälle möchte ich nicht kommen. Das Papier ist zu Ende, ich muß aufhören. Diesen Brief schrieb ich unter der Predigt; doch denke ich ist es immer noch besser, als in die Predigt zu gehen, um neologische Sätze daraus zu ziehen, wie unser einige thun. Davon ein andermal mehr.

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