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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 141
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
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139. Goethe an Behrisch

[Leipzig) d. 26. Apr. 1768.

Lange nicht geschrieben Behrisch, lange nicht, und doch immer ebenderselbe wie ich war. Siehe ich habe dich noch so lieb als ich dich hatte und Netten noch so lieb als ich sie hatte, mehr noch beyde wenn ich die Wahrheit sagen soll, denn stärker ist eine Leidenschaft, wenn sie ruhiger ist, und so ist meine. O Behrisch ich habe angefangen zu leben! Daß ich dir alles erzählen könnte! Ich kann nicht, es würde mich zu viel kosten. Genug sey Dirs, Nette, ich, wir haben uns getrennt, wir sind glücklich. Es war Arbeit, aber nun sitz ich wie Herkules, der alles getahn hat, und betrachte die glorreiche Beute umher. Es war ein schröcklicher Zeitpunkt bis zur Erklärung, aber sie kam die Erklärung und nun – nun kenn ich erst das Leben. Sie ist das beste, liebenswürdigste Mädgen, nun kann ich dir schwören, daß ich nie nie aufhören werde das für sie zu fühlen was das Glück meines Lebens macht, das zu dencken was ich dir neulich geschrieben habe, und das zu wollen. Behrisch, wir leben in dem angenehmsten freundschaftlichsten Umgange, wie du und sie; keine Vertraulichkeit mehr, nicht ein Wort von Liebe mehr, und so vergnügt, so glücklich, Behrisch sie ist ein Engel. Es sind heute zwey Jahre daß ich ihr zum erstenmale sagte, daß ich sie liebte, zwey Jahre Behrisch und noch. Wir haben mit der Liebe angefangen und hören mit der Freundschaft auf. Doch nicht ich. Ich liebe sie noch, so sehr, Gott so sehr. O daß du hier wärest, daß du mich trösten, daß du mich lieben könntest. Ich käme gern zu dir; recht gerne; aber deine Umstände, die sind nicht vorteilhaft für Freunde, die dich besuchen wollen. Da hast du eine Landschaft, das erste Denckmal meines Nahmens, und der erste Versuch in dieser Kunst. Bessere nachfolgende werden es rechtfertigen, ich hoffe weiter zu kommen.

Da hast du das Lustspiel, du wirst es kaum mehr kennen. Horn will, ich soll nichts mehr dran korrigiren aus Furcht es zu verderben, und er hat fast recht. Es mag gut seyn, es fehlt nur noch ein Auftritt daran, der siebente der nicht fertig ist. Schreibe bald deine Gedancken ... Adieu.

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