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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 139
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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137. Goethe an Moors

Mein lieber Moors.

Endlich schreibe ich dir. Die verworrenen Umstände in denen ich mich befinde, werden mich entschuldigen, daß ich so lange unschlüssig gewesen bin, was ich tuhn sollte. Ich habe mich endlich entschlossen, dir alles zu entdecken, und Horn hat die Mühe über sich genommen, es dir zu schreiben, eine Sache, die mir dennoch nicht die angenehmste gewesen wäre. Du weißt also alles. Du wirst daraus ersehen haben, daß dein Goethe noch nicht so bestrafenswerth ist, als Du glaubst. Denke als Philosoph, und so mußt du denken wenn du in der Welt glücklich sein willst, und was hat alsden meine Liebe für eine scheltenswürdige Seite? Was ist der Stand? Eine eitle Farbe, die die Menschen erfunden haben, um Leute die es nicht verdienen mit anzustreichen. Und Geld ist ein ebenso elender Vorzug in den Augen eines Menschen der denkt. Ich liebe ein Mädgen, ohne Stand und ohne Vermögen, und jetzo fühle ich zum allererstenmale das Glück das eine wahre Liebe macht. Ich habe die Gewogenheit meines Mädchens nicht denen elenden kleinen Trakasserien des Liebhabers zu danken, nur durch meinen Charakter, nur durch mein Herz habe ich sie erlangt. Ich brauche keine Geschenke um sie zu erhalten, und ich sehe mit einem verachtenden Aug auf die Bemühungen herunter, durch die ich ehemals die Gunstbezeugungen einer W. erkaufte. Das fürtreffliche Herz meiner S. ist mir Bürge, daß sie mich nie verlassen wird, als dann wenn es uns Pflicht und Nothwendigkeit gebieten werden uns zu trennen. Solltest du nur dieses fürtreffliche Mädchen kennen, bester Moors, du würdest mir diese Thorheit verzeihen, die ich begehe, indem ich sie liebe. Ja Sie ist des großen Glückes Werth, das ich ihr wünsche, ohne jemals hoffen zu können etwas dazu beyzutragen. Lebe wohl. Ich werde an deinen Bruder schreiben, es ist kein Stolz, es ist Nachlässigkeit die mich ihn vergessen gemacht hat. Ich muß dir noch am Ende im namey der Freundschaft das heiligste Stillschweigen auflegen. Laß es keinen Menschen wissen, keinen ohne ausnahm?. Du kannst denken welches Uebel daraus entstehen könnte. Lebe wohl.

Leipzig d. 1. Oct. 1766.

Goethe.

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