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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 132
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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130. Klinger an Georg Schleiermacher

16. Juni 1776.

Bruder Herz! Deinen zukenden Brief hab ich kriegt. Ich erwartete wohl so was und war noch auf ärgeres gewappnet. Es konnte freylich in den ersten Tagen nicht anders seyn, und die leere Stunden, derer wir beyde leyder Gottes so viel mehr als andre unschuldige und schuldige Menschen haben, wollen doch neue Fülle haben. Geht mirs doch selbst so in meiner Klauß hier. Denn weil die Menschen gut sind, liegt man ihnen nicht schwer, wie sie einem nicht, und da würkt jeder für sich und in sich, und alles würkt hier. Und Bruder, das wär ja eben eine von den großen Weltgeister Eigenschaften, in seinem Herzen die unendliche Morgenröthe zu haben, den ewigen Sang und Klang rein und treu, daß man nur brauchte anzuschlagen, um Antwort zu hören, die fortfährt. Und noch all das dazu was ich in meinem Grisaldo sagte und sagen wollte. Doch ist das all garstig Gerede iezt für dich, denn ich weiß wohl, daß an wem es zukt, und in disharmonirender Bewegung ist, an dem ists und bleibts, biß er anfängt, sich und seinem Herzen treu zu werden, als dann umfängt ihn Fülle, und er tritt außer sich und um sich, bekleidet mit dem seeligen Licht. Nur bitte ich dich schraube dich nicht auf und überspanne dich nicht, und nichts um dich, drük dich und andre nicht, und schieß am Ende alle Pfeile auf mich, weil du weißt, daß ichs allein und gut aufnehm. Wüthe und fluche gegen mich – werf mir all deine gute und wilde Gefühle hin, vielleicht wird dir manchmal leicht, auch müste der Mensch was haben wohin er gösse und schütte. Das hatt ich all an Göethe, und ohne daß ich Goethe bin, so bin ich Deinem Herzen nah und also der einzige der dir zum Scheibenschießen taugen kann und es mit Freuden thut. Mir ist leid daß du dich um die Leute so um dich herum kümmerst und ärgerst, sie können keinen Strahl deines Lichts auffangen, folglich fährt ihnen ieder grell ins Aug und sie müßen doch zeigen daß ihnen das wehe thut; und das wär iust das was uns lachen geben müßte, was mirs so oft gab, und was dirs noch tausendmal geben wird. Aus Kaysers Brief kannst du viel gelernt haben – der schwimmt immer noch fort ohne in dieser reichen Schöpfung ein Bretgen kriegen zu können, woran er sich hielte, daß doch so leicht zu kriegen wär.

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