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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 126
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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124. J. David Beil an Maler Müller

Frankfurt d. Mittwoch
77.

Da siehst Du mich nun liebster Müller wieder auf'm Marsch, da der Kerl droben auf'm Schloss ein Erznarr und Hundsfott ist. Sieh, lang mach ich's Ding nicht, Dir's der langen Reih nach zu erzehlen; so viel aber mußt Du immer doch wissen, daß ich in einer jeden Lage und neuem Posten stets der ehrliche Kerl bin und Dein Freund zu bleiben wünsche. Bahrdt – ihn zu charakterisiren ist überflüssig, und wie ers mit mir gemacht fasst seinen völligen Charakter in sich. Der Fuchs trug mir anfänglich die ganze Oberwache an, mich so drin herum zu sehen, und ihm Rapport abzustatten. Da ich's Gebäude auf schwanken und zerbrechlichen Stützen aufgestellt fand, setzt' ich mich gleich nach Tisch, wie ich ohngefähr 8 Tage da gewesen, nieder, ihm zu sagen, daß weder Er, noch sein ganzes Geschmeiß Kerdels wären, auf ihren Achseln ein so ungeheures ...? tragen, geschweige ganz lenken zu können.

Der Schmächtling fand sich übermachtet und wir fanden für gut, uns zu sagen, daß wir nicht für einander da seyn konnten – und siehe wir schieden.

Du weißt Klopstock sucht mich, und ich schreibe ihn jetzo, vielleicht zum Hamburger Theater, vielleicht als Declamateur irgend eines Hofes glaube ich will er mich bestimmt wissen.

Von Hamburg, wie ich itzt höre geht Brockmann und Schütze, seine besten Akteurs ab. Unterdessen geh' ich auf Hanau und Darmstadt, und so weiter fort, und nähere mich den vaterländischen Grenzen. Dich bitte ich nur noch, meine Briefe Klingern zu zu senden, der sie mir einhändigen will. Inzwischen bleibst Du stets mein herzlich guter Müller, und ich bin stolz darauf, Dich (zu) kennen, und handeln gesehen zu haben.

Bleib mein, ich bin Dein
J. D. Beil.

Noch ein Bischen von Klinger und uns. Sieh' ich denke, nach der ietzigen Lage, in der Klinger sich befindet, muss er'n guter Kerl immer für uns bleiben. Er steckt darin so wie ich – daß ist genug. Ich bin überzeugt ietzt, daß er mir zuvor ohnmöglich hat helffen können. In einem folgenden Briefe erklär' ich mich weitläufiger gegen Dich. Laß ihn, ich bitte Dich Bester, lass ihn so gut wenigstens bey Dir seyn, wie ich zuverlässig weis, daß ich bey Dir stehe, laß ihn um Gottes willen bey Dir es Auch seyn. Sey gegrüßt und geküßt von uns, wir lieben Dich brüderlich, wie fern wir auch stets seyn mögen, Guter, lieber Müller.

 

Nur Wenig Worte bester Müller, daß ich Sie herzlich liebe und mich sehne Sie bald zu sehen. Ihr Warmer freundschaftlicher Brief hat mir viel Freude gemacht, und Sie wißen wie Sehr ich Freude nöthig habe; ich sitze hier und kämpfe gegen Tod, Teufel und Hölle; einer von die Pursche wird mich doch unter die Füße kriegen. Bis dahin aber geht es uns erträglich, und ich weiß dass freut Sie. In Zeit von 14 Tagen adressire ich meinen Sohn, der nach Strasburg geht; es ist ein guter junger Mensch, aus dem etwas werden wird; ich empfehl ihn Ihrer Freundschaft. Kommen Sie bald zu uns – Juno grüßt Sie.

Der Ihrige
A. Seyler.

Ich wollte Dich fragen ob Du mir bei Sch... (unlesbar) nicht Vorschuß auf einen Roman, wovon Beil gesehen hat, schaffen wolltest? Wenn's nur 6 Carol. wären für meine Mutter. Für Güte des Werks steh' ich – so weit Du meiner Reputation glauben »machst«. Auf die Ostern soll's gedruckt werden. Eine Zeile hierüber! Adieu.

Klinger.

*

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