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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 125
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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123. Johann Friedrich Hahn an Maler Müller

Zweybrücken den 20. [Symbol]8bris
1776.

Lieber Müller!

Der warme redliche treuherzige Müller ist zum Gaukler worden, zum kalten, alles Vorherige verachtenden – vergeßenden Manne. Das ist wunderlich – ist ohnverantwortlich! Zwar was brauchen Sie einen Zweybrücker – wozu solt Ihnen das nutzen, wenn Sie sich zu Zweybrücken einen Freund hielten, wenn man anderer Orten genug, und Freunde von Gewicht und Ansehen besitzet. Doch möcht ich alte Bekannte, darum nicht in die Schanze schlagen, ihnen so verächtlich begegnen. Es sieht so kleingeistisch drein, und läßt wie tummer Bauernstolz. Ich kannte einen Bauernpurschen, der war so höflich, so gesprächig, wenn ich bey seinem Vatter einkehrte, der würklich ein reicher Mann war, daß ich mich oft wunderte, woher der junge Kerl so viel Lebensart hätte – so viel liebreiches, vertrautes Wesen? Diesen Purschen traf ich neulich vor der Wachstube am untern Thore an. Ey, Adam, redete ich ihn an, Er hier, und in der Soldaten-Montur? Wie ist das zugegangen?

Ich vermuthete, er würde mir, nach seiner sonst gewöhnlichen Höflichkeit, die ausführliche Geschichte seiner Verwandlung erzählen? Aber statt deßen gab er mir eine sehr unbedeutende Antwort, und seine Minen schienen mir zu sagen: Herr, hab Er Respekt; Ich bin ein Musketier, und kein so wenig bedeutendes Geschöpf mehr, wie vorher!

So wenig hat der arme Mensch oft Ursachen stolz zu werden. Denn das müsen Sie mir doch zugestehen, daß dieser Pursch hinterm Pflug, voller Sorgen für seines Vatterlandes, seiner Eltern und Geschwistern Wohl, mehr Achtung verdiente, als vor der Wachtstube in einem Lande, wo man keinen feindlichen Überfall zu erwarten hat.

Ich habe die Ursachen, warum Sie von uns so abgewandt scheinen, sich so entfernt halten, schon öfters wie eine Stecknadel gesucht, und so wahr ich lebe, keine einzige beruhigendere gefunden, als etwa diese: Sie wollen nicht mehr freundschaftlich mit uns leben, weil Sie uns nun nicht mehr nöthig haben.

Verzeihen Sie mir! Ich wollte Ihnen nichts hartes sagen, aber einem schwellenden Herzen entfällt oft wider Willen dergleichen hartes.

Hats ein Mann denn einmal so weit gebracht, daß er niemandes Hülfe mehr braucht, keines alten Bekannten Freuden-Bezeigung mehr fühlt, sich über die Eitelkeit emporgeschwungen sie zu fühlen, so ist er ein wahrer Glücklicher Mann – und gros in einer Art, die ich zwar nicht beneide.

Genug aber wenn Sie glücklich und vergnügt dabei sind, denn am Ende, was komts auf die Art an, wie man's war, genug, daß mans ist.

Ich hatte anfänglich Lust, noch bitterer zu seyn, allein ich denke Sie werden hieran genug haben, und fernerhin nicht mehr glauben, daß wir gegen alte Freunde so gleichgültig sind, als Sie. Beßern Sie sich aus dieser Lektion, so sollen Sie wieder ganz angenommen seyn. Wo nicht, nun, so hab ich einen Freund einmal gehabt der Müller hies, Verse machte, Idyllen schrieb und abschwöhrte.

Ich bin Ihr
gehorsamster Diener
Hahn.

*

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