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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 121
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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119. Friedr. Müller (Maler Müller) an Ludwig Philipp Hahn

Zweybrücken d. 2ten January 1774.

Freund!

Nein Sie sollen weder den Hund noch ein Meßbuch tragen, verlaßen Sie sich drauf. Sie haben es mit einem Knaben zu thnn dessen Hertz für Sie bestochen ist, und wenn Sie auch dreymal länger (zwar kann ich nicht bergen, daß mir diese 4 Monathe schon beschwerlich genug waren) geschwiegen, was hätte ich thun wollen, ich hätte gedacht mein Hahn kann, will Dir nicht schreiben. Er wird gute Gründe dazu haben. Du darfst nicht grüebeln.

O wie haben Sie die Handlungen und Aufwallungen meines Busens so cronologisch in ihren Epochen gemahlt, wahrhaftig Nicht einmal geht mir's so, – täglich – stündlich augenblicklich hätt ich das alles schon gethan was ich in schlaffloßer Nacht in meinem Bette bey gesellschaft der Sterne mir entworffen, aus meinem Bette gesprungen, Feuer geschlagen, dann in der Stube herumgegangen, voll wältzender Scenen, indeß ich endlich, wie im Wirbel betäubt, wieder auf den ersten Hundt zurückkehre, ohne mehr oder weniger gethan zu haben als ein träumender – allein das dauert doch nicht immer die Wolcken wältzen sich im Gewitter gegeneinander ihre eygne Überladung der Kräften stockt ihren Gang biß vom mächtigern gewicht niedergedruckt Sie ihre Locken dem Sturm enthüllen dann platzet der Schwall dann stiegen Blitze, dann mein Hahn fliegen Heften und flogen Heften, die Sie mir alle schicken müssen.

Aber warum halt ich meine Hand auf's Hertz? Darf ich's nicht schlagen hören – warum liebster H. weil' ich länger, Ihnen, und Ihren und meinen Freunden zu danken – o wenn Sie das Entzücken wüßten, mit welchem Sie mich überrascht ach so wonniglich – so wehmüthig süß – wenn sich der Gedanke hineinmischte solltest Du auch das verdien –

Nein ich nehme sie an mit der wärmsten Bruder Liebe an, diese mir so theure Freundschaft aber es ist doch nichts als Gütigkeit daß Sie mir sie geben.

Auch er rief ich, auch er der unsterbliche hat Dich nicht verschmäht, als ich die Stelle las wo Sie mir von Klopstock schriebedaß er mein adler Lied selbst verbeßert – gewiß bester H. der Gedanke hat mir Tränen gekostet gewiß wie von selbst gingen sie aufs Papier über hier haben Sie es –

Ob ich boße bin, so böß daß Sie nicht getrauen mir ihre Abhandlung zuzuschicken, wie Konte diß Ihnen einfallen nein mein Bruder in Braga glaube das nie von

Müller.

*

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