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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 103
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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101. J. Franz Hieronymus Brockmann an Bürger

Hamburg den 22ten Merz
1777.

Guter lieber Bürger! Sie sind mir also würklich von Herzen gut? Gott weis es, ich ihnen auch. Und also von nun an keine Versicherungen von Liebe, und Freundschaft mehr, sie sind überflüssig. Ich fühl es warm, innig fühl ich es, d. sie der Mann sind, der meinem Herzen so lange gefehlt hat, der liebe warme theilnehmende Freund, ohne Eigennutz, ohne Nebenabsichten. O Bester, so mit ihnen zu leben, es sey in welchem Theile der Welt, in welchem Stande es wolle, d. wär' eine Glückseeligkeit für mich, wie ich mir sie nicht höher wünschen könnte. Eitle leere Wünsche! Ihr werdet nie erfüllt werden. Aber sie wieder zu sehen, sie vielleicht noch öfter zu sehen, dazu geb' ich wahrlich nicht alle Hofnung auf. Schreiben sie mir nur fein fleissig, ich will es auch so machen und da wollen wir unsre Herzen gegeneinander ausgiessen, und uns mit einander freuen, und traurig sein. Nur müssen sie nicht böse werden, wann sie zuweilen ein paar Posttage auf einen Brief von mir lauern müssen, Ich habe manchmal Verhinderungen, manchmal üble Laune, Laune von der bösesten Art, wo man zu nichts auf der Welt Lust hat, zu nichts fähig ist, Ich will es dann ein andermal wieder einbringen, und Ihnen desto mehr schreiben, so wie es kömmt.

Sie sind vermutlich schon wieder in Wölmershausen und zerplacken sich mit ihren Bauern! Armer Freund! ich beklage sie!

Machen sie doch, d. ihr wilder Jäger bald fertig wird, ich habe denen Leuthen hier schon den Mund darnach wässern gemacht, und vergessen sie auch nicht ein stük fürs Theater zu schreiben, hören sie? wann es auch gleich nicht die vier lichter sind.

Was haben sie mit Klopstok? Ich bin schön angekommen, bringe ihm einen Recht warmen Gruß von Ihnen unbekannter Weise, da sieht er mich groß an, und fragt ob d. Ernst wäre? Sie können nicht glauben, wie verlegen ich war, als er mir sagte, d. sie nicht auf den besten Fuß miteinander stünden. Sie haben den deutschen Hexameter touchirt und d. pezt ihn schmerzlich. Er hat auch schon Etwas zu seiner Vertheidigung fertig, d. soll ins Museum kommen.

Übrigens schätzt er sie sehr hoch, und wünschte recht herzlich d. sie d. hätten bleiben lassen, und ich wünschte auch, d. sie beyde Freunde wären, oder würden. Klopstock ist ein braver Mann, und verdient wahrlich ihr Freund zu sein.

Leben sie wohl lieber Bürger. Ich umarme sie leider nur in Gedanken, aber mit dem wärmsten Herzen

Brockmann.

*

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