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Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten

Verschiedene Autoren: Deutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten - Kapitel 102
Quellenangabe
typeletter
authorJulius Zeitler
titleDeutsche Freundesbriefe aus sechs Jahrhunderten
publisherVerlag Julius Zeitler
editorJulius Zeitler
year1909
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140417
projectid5cbef5e6
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100. Bürger an Anton Matthias Sprickmann

Wöllmersh[ausen], den 26. Decbr. 1776.

Sey mir herzlich gegrüßt du Krafftmann mit deinem Briefe! Mir war schon bange, daß ich sobald keinen kriegen würde, weil Ihr Schifflein noch eine Zeit lang auf dem hohen Meere herumkreuzen soll und ich beym Abschied das Schreiben, wie mir dünkt, Ihnen nicht recht nachdrücklich empfohlen habe. Ich hätte schon an Sie geschrieben, wenn ich gewiß gewußt hätte daß Sie noch in M[ünster] wären. Neülich wollte ich mich gar an Ihre Frau wenden und nach Ihnen fragen.

Es that mir weh, Freünd, wie Ihr abreistet; weil mir das Zueinanderstreichen von Benniehausen nach Wöllmersh[ausen] so behäglich geworden war. Ich wollte daß Ihr noch da wäret.

Daß es mir in meiner Lage gar nicht behäglich ist und seyn kann, und warum es nicht seyn kann? werden Sie wohl wissen. Phantasie und Herz werden mir wohl bis ans Ende ihre tollen Streiche spielen. Ich brumme so einen Tag nach dem andern hin und bin schier mit nichts als meinen Schwachheiten zufrieden: und doch sind es bloß diese, die mir wehren, glücklich zu seyn. Es ist ein elend jämmerlich Ding um das Menschen Leben. Warum hab ich doch keine Einsiedeley auf dem Pico! –

Von meinen Kräfften werdet Ihr bald Eüer blaues Wunder hören, wie ich denn auch mein blaues Wunder von den Eürigen aus Amerika gelesen habe. Stampfet Eüre Markknochen nur fein öfter aus. Boie schmiert das Mark auf geröstete Semmel und schmazt daß ihm das Maul schaümt. Ich habe nunmehr Stollbergs homerische Probe gelesen und es gereüt mich fast ein solches Gedicht an ihn dem Druck übergeben zu haben. Er wird mir nichts schaden; aber seine Tollkühnheit wird ihn noch einmal kränken. Glaubt mirs, Freünd, wenn ich seinen Versuch sichten wollte wie ich ihn sichten könnte, so würde ich mich wegen meines Gedichts noch mehr schämen müssen. Ich will nächstens nur noch den 20ten Gesang auch geben, dann die Subscription ankündigen und mich weiter nicht nach ihm umsehen. Der Markt wird kramen lehren.

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