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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

Verschiedene Autoren: Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch - Kapitel 49
Quellenangabe
typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDeutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
publisherSteingrüben Verlag
editorFerdinand Avenarius
year1951
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150217
projectid374d4959
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Mären

Volkslied

Hildebrand

»Ich will zu Land ausreiten«, sprach sich Meister Hildebrand,
»Der mich die Weg tat weisen gen Bern wohl in die Land.
Die sind mir unkund gwesen vil manchen lieben Tag;
In zwei und dreißig Jahren Frau Uten ich nie gesach.«

Do er zum Rosengarten ausritt wohl in des Berners Mark,
Do kam er in große Arbeit von einem Helden stark,
Von einem Helden junge ward er do angerannt.
»Nun sag an, du vil Alter, was suchst in meins Vaters Land?«

Ich weiß nicht, wie der Junge dem Alten gab ein'n Schlag,
Daß sich der alte Hildebrand von Herzen sehr erschrak;
Er sprang sich hinderrucke wohl sieben Klafter weit.
»Nu sag an, du vil Junger, den Streich lehrt dich ein Weib.«

Er erwischt ihn bei der Mitte, da er am schwächsten was,
Er schwang ihn hinderrucke wohl in das grüne Gras.
»Nu sag mir, du vil Junger, dein Beichtvater will ich wesen.
Bist du ein junger Wölfing, vor mir magst du genesen.«

»Du sagst mir viel von Wolfen, die laufen in dem Holz;
Ich bin ein edler Degen aus Griechenlanden stolz,
Mein Mutter heißt Frau Ute, ein gewaltige Herzogein,
So ist Hildebrand der Alte der liebste Vater mein.«

»Heißt deine Mutter Frau Ute, ein gewaltige Herzogein,
So bin ich Hildebrand der Alte, der liebste Vater dein.«
Er schloß ihm auf sein'n güldin Helm und kußt ihn an sein'n Mund.
»Nun muß es Gott gelobet sein! wir sind noch beide gesund.«

»Ach Vater, liebster Vater! Die Wunden, die ich dir hab gschlagen,
Die wollt ich dreimal lieber in meinem Haupte tragen.«
»Nun schweig, du lieber Sune! der Wunden wird gut Rat,
Seit daß uns Gott all beide zusammen gefüget hat.«

Das währet von der None bis zu der Vesperzeit,
Bis daß der jung Herr Alebrant gen Berne einhin reit.
Was führt er an seinem Helme? von Gold ein Kränzelein.
Was führt er an der Seiten? den liebsten Vater sein.

Er führt ihn mit ihm in sein'n Saal und satzt ihn oben an'n Tisch,
Er bot ihm Essen und Trinken, das daucht die Mutter unbillich.
»Ach Sune, lieber Sune! ist der Ehren nicht zu vil,
Daß du mir ein'n gefangnen Mann setzst oben an den Tisch?«

»Nun schweige, liebe Mutter! ich will dir Neumär sagen:
Er kam mir auf der Heide und hätt mich nahet erschlagen;
Und höre, liebe Mutter, kein Gefangner soll er sein;
Es ist Hildebrand der Alte, der liebste Vater mein!

Ach Mutter, liebe Mutter! nun beut ihm Zucht und Ehr!«
Do hub sie auf und schenket und trug ihms selber her.
Was hat er in seinem Munde? von Gold ein Fingerlein,
Das ließ er in'n Becher sinken der liebsten Frauen sein.

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