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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

Verschiedene Autoren: Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch - Kapitel 28
Quellenangabe
typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDeutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
publisherSteingrüben Verlag
editorFerdinand Avenarius
year1951
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150217
projectid374d4959
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Wunder und Spuk

Volkslied

Ulinger

Gut Reuter der ritt durch das Ried,
Er schwenkt sich um und sang ein Lied,
Ein Lied von dreierlei Stimmen,
Das drüben im Walde tat klingen.

Die Jungfrau auf der Zinne stund
Und hörte, wie er schön singen kunnt.
»Ach könnt ich singen doch wie der,
Ich gab ihm mein Treu und mein Ehr!«

»Schöne Jungfrau, wollt ihr mit mir gan,
Ich will euch lehren, was ich kann:
Ein Lied von dreierlei Stimmen,
Das drüben im Walde tut klingen.«

Er nahm sie bei dem Gürtelschloß
Und schwang sie hinter sich aufs Roß,
Er ritt gar eilend und balde
Zu einem grünen Walde.

Sie kamen zu einem Haselstrauch,
Darauf da saß ein Turteltaub;
Das Täubchen fing an ruggieren:
»Brauns Mädchen, er will dich verführen.«

»Schweig still! du lügst in deinen Kragen,
Wir wollen weiter vorwärts traben
Zu einem kühlen Waldbronnen« –
Mit Blut war er umronnen.

Er spreit seinen Mantel in das Gras,
Er bat sie, daß sie zu ihm saß:
»Schöne Jungfrau, du mußt mir lausen,
Mein gelbkraus Härlein zerzausen.«

So manches Löcklein als sie zertat,
So manche Träne fiel ihr herab.
Er schaut ihr unter die Augen:
»Feinsliebchen, was bist du so traurig?

Weinst du um deines Vaters Gut
Oder weinst du um deinen stolzen Mut
Oder weinst du um deinen Jungfernkranz?
Der ist zerbrochen und wird nicht ganz.«

»Ich wein nicht um meines Vaters Gut,
Ich wein nicht um meinen stolzen Mut,
Ich wein ob jener Tannen,
Daran eilf Jungfräulein hangen.«

»Weinst du ob jener Tannen,
Dran eilf Jungfräulein hangen,
So sollst du bald die zwölfte sein,
Sollst hangen am höchsten Dölderlein.«

»So bitt ich dich, du Ulinger,
So bitt ich dich, du trauter Herr,
Du wollest mir erlauben
Ein' Schrei, zween oder dreie.«

»Drei einzige Schrei erlaub ich dir wohl,
's ist niemand im Walde, ders hören soll,
Als nur die kleinen Wildtäubelein,
Die fliegen den grünen Wald aus und ein.«

Den ersten Schrei und den sie tut,
Den schreit sie ihrem Vater zu:
»Ach liebster Vater, komm balde,
Sonst muß ich hier sterben im Walde!«

Den zweiten Schrei und den sie tut,
Den schreit sie ihrer Mutter zu:
»Ach Mutter, komm behende,
Sonst nimmt mein Leben ein Ende!«

Den dritten Schrei und den sie tut,
Den schreit sie ihrem Bruder zu:
»Und kommst du nit so drate,
Mein Leben würd mir zu spate.«

Ihr Bruder über den Hof einreit,
Ihr Bruder zu den andern seit:
»Mich dunkt in allem meim Sinne,
Ich hör meiner Schwester Stimme.«

Er ließ seinen Falken fliegen,
Er ließ seine Windhunde stieben,
Er focht mit Ulerich dritthalb Stund,
Bis daß er die Oberhand überkummt.

Er hatte ein zweischneidig Schwert,
Er stach es dem Reuter durch das Herz,
Er tat ein Wiedelein klenken
Und tat den Reuter aufhenken.

Er schwang sein' grünen Schild neben ihn,
Sein schöne Schwester hinter ihn,
Er eilte also feste,
Da er seins Vaters Königreich weßte.

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