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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

Verschiedene Autoren: Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch - Kapitel 215
Quellenangabe
typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDeutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
publisherSteingrüben Verlag
editorFerdinand Avenarius
year1951
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150217
projectid374d4959
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Alfons Paquet

Aus der »Ballade von George Fox«

George Fox ist in Suffolk und Lancashire
Bei allen Leuten bekannt;
Er sammelt das Volk an der Scheunentür,
Er ist Gottes voll bis zum Rand.
Eines Morgens saß er am Feuer warm
In der Herberg im Beavor-Tal,
Da trat in das Zimmer von Räubern ein Schwarm,
Versuchung und Wolke zumal
Mit leuchtendem, blitzendem Strahl,
Als kämen die Elemente zuhauf
Und die Sonne mit güldenem Helmbusch darauf;
George Fox, der Jüngling, stand ruhig auf
Und sah auf die kahle Flur
Und seufzte und wartete nur
Bis schweigend der letzte von dannen schlich,
Bis plötzlich das stolze Strahlen verblich
Und alles wieder sich selber glich
Und stand fester in Gottes Spur.
Er hat Hosen aus Leder, er trägt einen Rock,
Der jeden Messerstich fängt;
Er ist gefeit gegen Galgen und Block
Und zählt der Freunde heimlich ein Schock
In dem Volke, das an ihm hängt.
Was er sagt, das pflanzt sich wie Heidfeuer fort,
Die Hungernden kommen und lauschen dem Wort,
Und die Suchenden sagen im Land:
Er ist unser, wir sahn ihn am Strand.
Er kam herunter von Pendle Hill,
Sein Gesicht war verklärt, er war friedlich und still;
Er hat die Erwählten gesehn
Am kristallenen Meere stehn,
Wie ein Erzengel war er, so schön.

In Lincolnshire schoß
Empor der Ankläger Wut:
Sie schrien, er rühmt sich als Gottes Sproß,
Er nennt sich wie Christus gut
Und tut mehr noch, als Paulus tut.
George Fox stieg ruhig auf seinen Stuhl,
Die Faust auf dem Bibelbuch:
Wer nicht jetzt schon drinsteckt im höllischen Pfuhl
Wie ein Wildschwein im schmutzigen Suhl,
Der wisse, ich bin nur der Mann am Pflug;
Für das Samenkorn ist es genug,
Denn das Samenkorn Christus ist überall. –
So sprach er das Gleichnis gar fein,
Und es war um ihn her ein seliger Schall
Und aus manchen Herzen ein Widerhall
Und ein Sehnen insgemein:
Wie wir vernehmen zu dieser Stund
Gottes Wort so offen und so rein,
So möge dereinst auf der Erde rund
Nur die Eine Kirche noch sein.

Und es war in Londons Häusermeer
Wie im offenen ländlichen Kreis:
George Fox kam wie ein Windstoß daher,
Wie Frühsommer fruchtbar und heiß,
Er ließ die verlangenden Herzen nicht leer
Und erbarmte sich ihres Geschreis,
Und sein Auge strahlte mächtig umher,
Blau wie Kornblume auf Eis.
Er stand auf dem Stein auf dem grünen Plan
Und zog das Volk zu Vieltausenden an,
Er saß auf dem niedrigen Scheunendach
In des Dorfes Mitte im Schweigen wach,
Eh er endlich das Schweigen der Wartenden brach
Und Worte des Lebens sprach:
Gott wohnt nicht in Tempeln, von Händen gemacht,
Und nicht in der dämmernden Nacht,
Die ihr dem Turmhaus erdacht;
Sein Auge strahlte mächtig umher,
Wie ein Samenkorn ist er, so klein.

*

Und es nahm ihn das rasche, vollbusige Schiff
Nach Jamaika wie Sturmvogel kühn
Zu den bläulichen Bergen, zum schaumweißen Riff,
In das funkelnde blumige Grün,
Zu den Sümpfen, zum Mahagoniwald,
Zu den kantigen Türmen aus schwarzem Basalt
In der Schlingpflanze giftigem Blühn;
Und die herzlichen Freunde jubelten dort
Und führten ihn eifrig von Ort zu Ort,
Den gewaltigen Sprecher, den mächtigen Hort,
Dann aber zogs ihn aufs neue an Bord
Nach dem fernen Maryland hin.

Und im Golf von Florida lagen sie jäh
Und lauerten vor dem Wind;
Die Luft war wie eines Untiers Gebläh
Vom Dunste hitzig und blind,
Bis der Windwirbel aufsprang in ihrer Näh
Mit des Orkanes Gebrüll
Und malmte das Schiff in seinem Gebiß,
Daß die Stange zerbrach und das Segel zerriß,
Und der Schiffmann sein Schiff sich selbst überließ,
Und sie schaukelten ängstlich und still.
John Jay war dabei, der im folgenden Jahr
Im Shrewsbury-Wald aus der Todesgefahr
Auch zum andern Male gerettet war,
Als er stürzt' aus dem Sattel und lag auf der Bahr;
Sie sagten: Wohlan, wie Gott will.
Sie trieben nordwärts, es plätscherte matt
Das Meer an die hölzerne Wand;
Sie wurden von Wasser und Brot nicht mehr satt
Und sahen schon über der ewigen Stadt
Den Regenbogen gespannt:
Da entdeckten sie glitzernden Strand,
Virginien, das liebliche Land.
Und ein Segelschiff kam, das Meer war glatt
Bis hinein in den Delaware,
Der von Schiffen und Booten so schwärzlich war
Wie der Themse silbernes Band.

Es winkte am Ufer der Freunde Schar,
George Fox begrüßte sie freundlich und klar
Wie aus himmlischer Heimat gesandt.
Und er stand sogleich auf dem freien Feld
Auf dem Baumstumpf im windigen Raum
Wie eine Säule dahingestellt,
Und sprach zwischen Wachen und Traum
Wie ein Strom mit glitzerndem Schaum.
Und wie er den Gruß und das Wort ihnen bot,
Da spürten sie Liebe so stark wie der Tod
Und faßten das Wunder kaum.
Wie goß er die Wurzel sorgsam und gut
Mit dem Wasser des Lebens, der köstlichen Flut
Um Amerikas sprossenden Baum.

Und er kehrte ein unter manches Dach
Und eroberte friedlich das Land,
Und sie winkten dem Vater, dem scheidenden, nach,
Wenn geflickt war sein graues Gewand,
Den sie heimlich schon König genannt.
Es fand sich zusammen von weit und breit
Das tapfere, das junge Geschlecht,
Die Frauen in strahlender Sittsamkeit
Und die Männer brav und gerecht,
Und gaben ihr Zeugnis feierlich,
Daß dem Samenkorne ein jedes glich,
Und waren nicht Herr mehr noch Knecht.

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