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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

Verschiedene Autoren: Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch - Kapitel 186
Quellenangabe
typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDeutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
publisherSteingrüben Verlag
editorFerdinand Avenarius
year1951
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150217
projectid374d4959
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Moritz Graf Strachwitz

Das Herz von Douglas

»Graf Douglas, presse den Helm ins Haar,
        Gürt um dein lichtblau Schwert,
Schnall an dein schärfstes Sporenpaar
        Und sattle dein schnellstes Pferd!

Der Totenwurm pickt in Scones Saal,
        Ganz Schottland hört ihn hämmern,
König Robert liegt in Todesqual,
        Sieht nimmer den Morgen dämmern!« –

Sie ritten vierzig Meilen fast
        Und sprachen Worte nicht vier,
Und als sie kamen vor Königs Palast,
        Da blutete Sporn und Tier.

König Robert lag im Norderturn,
        Sein Auge begann zu zittern:
»Ich höre das Schwert von Bannockburn
        Auf der Treppe rasseln und schüttern!

Ha! Gottwillkomm, mein tapfrer Lord!
        Es geht mit mir zu End,
Und du sollst hören mein letztes Wort
        Und schreiben mein Testament:

Es war am Tag von Bannockburn,
        Da aufging Schottlands Stern,
Es war am Tag von Bannockburn,
        Da schwur ichs Gott dem Herrn:

Ich schwur, wenn der Sieg mir sei verliehn
        Und fest mein Diadem,
Mit tausend Lanzen wollt ich ziehn
        Hin gen Jerusalem.

Der Schwur wird falsch, mein Herz steht
        Es brach in Müh und Streit:
Es hat, wer Schottland bändigen will,
        Zum Pilgern wenig Zeit.

Du aber, wenn mein Wort verhallt
        Und aus ist Stolz und Schmerz,
Sollst schneiden aus meiner Brust alsbald
        Mein schlachtenmüdes Herz.

Du sollst es hüllen in roten Samt
        Und schließen in gelbes Gold,
Und es sei, wenn gelesen mein Totenamt,
        Im Banner das Kreuz entrollt.

Und nehmen sollst du tausend Pferd
        Und tausend Helden frei
Und geleiten mein Herz in des Heilands Erd,
        Damit es ruhig sei!«

*

»Nun vorwärts, Angus und Lothian,
        Laßt flattern den Busch vom Haupt:
Der Douglas hat des Königs Herz,
        Wer ist es, ders ihm raubt?

Mit den Schwertern schneidet die Taue ab,
        Alle Segel in die Höh!
Der König fährt in das schwarze Grab,
        Und wir in die schwarzblaue See!«

Sie fuhren Tage neunzig und neun,
        Gen Ost war der Wind gewandt,
Und bei dem hundertsten Morgenschein
        Da stießen sie an das Land.

Sie ritten über die Wüste gelb,
        Wie im Tale blitzt der Fluß,
Die Sonne stach durchs Helmgewölb
        Als wie ein Bogenschuß.

Und die Wüste war still, und kein Lufthauch blies,
        Und schlaff hing Schärpe und Fahn,
Da flog in Wolken der stäubende Kies,
        Draus flimmernde Spitzen sahn.

Und die Wüste ward voll, und die Luft erscholl,
        Und es hob sich Wölk an Wölk.
Aus jeder berstenden Wolke quoll
        Speerwerfendes Reitervolk.

Zehntausend Lanzen funkelten rechts,
        Zehntausend schimmerten links.
»Allah, il Allah!« scholl es rechts,
        »Il Allah!« scholl es links.

Der Douglas zog die Zügel an,
        Und still stand Herr und Knecht:
»Beim heiligen Kreuz und St. Alban,
        Das gibt ein grimmig Gefecht!«

Eine Kette von Gold um den Hals ihm hing,
        Dreimal um ging sie rund,
Eine Kapsel an der Kette hing,
        Die zog er an den Mund:

»Du bist mir immer gegangen voran,
O Herz! bei Tag und Nacht;
Drum sollst du auch heut, wie du stets getan,
Vorangehn in die Schlacht.

Und verlasse der Herr mich drüben nicht,
        Wie ich hier dir treu verblieb,
Und gönne mir noch auf das Heidengezücht
        Einen christlichen Schwerteshieb.«

Er warf den Schild auf die linke Seit
        Und band den Helm herauf,
Und als zum Würgen er saß bereit,
        In den Bügeln stand er auf:

»Wer dies Geschmeid mir wieder schafft,
        Des Tages Ruhm sei sein!«
Da warf er das Herz mit aller Kraft
        In die Feinde mitten hinein.

Sie schlugen das Kreuz mit dem linken Daum,
        Die Rechte den Schaft legt' ein,
Die Schilde zurück und los den Zaum!
        Und sie ritten drauf und drein. –

Und es war ein Stoß, und es war eine Flucht
        Und rasender Tod rundum,
Und die Sonne versank in die Meeresbucht,
        Und die Wüste war wieder stumm.

Und der Stolz des Ostens, er war gefällt
        Im meilenweiten Kreis,
Und der Sand ward rot auf dem Leichenfeld,
        Der nie mehr wurde weiß.

Von den Heiden allen durch Gottes Huld
        Entrann nicht Mann noch Pferd,
Kurz ist die schottische Geduld
        Und lang ein schottisch Schwert!

Doch wo am dicksten ringsumher
        Die Feinde lagen im Sand,
Da hatte ein falscher Heidenspeer
        Dem Grafen das Herz durchrannt.

Und er schlief mit klaffendem Kettenhemd.
        Längst aus war Stolz und Schmerz;
Doch unter dem Schilde festgeklemmt
        Lag König Roberts Herz.

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