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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

Verschiedene Autoren: Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch - Kapitel 127
Quellenangabe
typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDeutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
publisherSteingrüben Verlag
editorFerdinand Avenarius
year1951
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150217
projectid374d4959
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Volkslied

Die Frau von Weißenburg

Wer mir zu trinken gäbe, ich säng ihm ein neues Lied,
All von der Frau von Weißenburg, wie sie ihren Landsherrn verriet.

Sie tät ein Brieflein schreiben so fern ins Niederland,
Zu Friedrich ihrem Buhlen, auf daß er käm zuhand.

Er sprach zu seinem Knechte: »Nu sattel mir mein Pferd:
Zu der Weißenburg will ich reiten, der Weg ist Reitens wert.«

Da er zu der Weißenburg käme wohl unter das hohe Haus,
Da lag die edle Fraue zu ihrer Zinne heraus.

Er sprach: »Gott grüß Euch, Fraue, Gott geb Euch guten Tag!
Wo ist mein edel Herre, dem ich zu dienen pflag?«

»Ich darfs Euch nicht wohl sagen, ich wills Euch nicht verratn;
Zu der Grünbach ritt er gestern mit seinen Winden aus jagn.«

Er sprach zu seinem Knechte: »Nu sattel mir mein Pferd:
Zu der Grünbach will ich reiten, der Weg ist Reitens wert.«

Da er zu der Grünbach käme unter ein Linden grün,
Da lag der edel Herre mit seinen Winden kühn.

Er sprach: »Gott grüß Euch, Herre, Gott geb Euch guten Tag!
Ihr sollt nicht länger leben dann diesen halben Tag!«

»Soll ich nicht länger leben dann diesen halben Tag,
So klag ichs Gott im Himmel, daß ich je meine Frauen sach.«

Er zog aus seiner Scheiden ein Messer von Stahle gut,
Er stach den Herrn von Weißenburg in seines Herzens Blut.

Er sprach zu seinem Knechte: »Nu sattel mir mein Pferd:
Zu der Weißenburg will ich reiten, der Weg ist Reitens wert.«

Da er zu der Weißenburg kame wohl unter das hohe Haus,
Da kam die falsche Fraue von ihrer Zinne heraus.

Er sprach: »Gott segen Euch, Fraue, Gott geb Euch guten Tag!
Euer Wille ist ergangen, Euer Verrat der ist vollbracht.«

»Und ist mein Wille ergangen, habt Ihr meinen Sinn vollbracht,
So gebt mir solches Zeichen, daß ich dran glauben mag.«

Er zog aus seiner Scheiden ein Schwert von Blute rot:
»Seht dar, ihr edel Fraue, Eures edel Landherren Tod!«

Sie zog von ihrem Halse von Perlen ein Kränzelein:
»Seht dar, mein liebster Buhle, da ist die Treue mein.«

»Eure Treue die will ich nicht, ich will sie nicht empfahn:
Ihr möget mich auch verraten, wie Ihr Euren Landsherrn habt getan.«

Zu Weißenburg auf der Mauer da läuft ein Wasser klar,
Da sitzt die edel Fraue, macht ihre Heimlichkeit offenbar.

zuhand: sogleich. – Treue: Treuezeichen. – möget: könnt.

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