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Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

Verschiedene Autoren: Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch - Kapitel 123
Quellenangabe
typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDeutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
publisherSteingrüben Verlag
editorFerdinand Avenarius
year1951
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150217
projectid374d4959
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Schuld und Sühne

Johann Gottfried Herder

Edward

»Dein Schwert, wie ists von Blut so rot?
            Edward, Edward!
Dein Schwert, wie ists von Blut so rot,
            Und gehst so traurig her? – O!«
»O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
            Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
            Und keinen hab ich wie er – O!«

»Deins Geiers Blut ist nicht so rot,
            Edward, Edward!
Deins Geiers Blut ist nicht so rot,
            Mein Sohn, bekenn mir frei – O!«
»O ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
            Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
            Und 's war so stolz und treu – O!«

»Dein Roß war alt, und hasts nicht not,
            Edward, Edward!
Dein Roß war alt, und hasts nicht not,
            Dich drückt ein ander Schmerz – O!«
»O ich hab geschlagen meinen Vater tot,
            Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Vater tot,
            Und weh, weh ist mein Herz – O!«

»Und was für Buße willt du nun tun?
            Edward, Edward!
Und was für Buße willt du nun tun?
            Mein Sohn, bekenn mir mehr – O!«
»Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
            Mutter, Mutter!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
            Will gehn fern übers Meer – O!«

»Und was soll werden dein Hof und Hall?
            Edward, Edward!
Und was soll werden dein Hof und Hall?
            So herrlich sonst und schön – O!«
»Ich laß es stehn, bis es sink und fall,
            Mutter, Mutter!
Ich laß es stehn, bis es sink und fall,
            Mag nie es wieder sehn – O!«

»Und was soll werden dein Weib und Kind?
            Edward, Edward!
Und was soll werden dein Weib und Kind,
            Wann du gehst über Meer? – O!«
»Die Welt ist groß, laß sie betteln drin,
            Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß, laß sie betteln drin,
            Ich seh sie nimmermehr – O!«

»Und was willt du lassen deiner Mutter teur?
            Edward, Edward!
Und was willt du lassen deiner Mutter teur?
            Mein Sohn, das sage mir – O!«
»Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
            Mutter, Mutter!
Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
            Denn Ihr, Ihr rietets mir! – O!«

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