Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Verschiedene Autoren >

Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch

Verschiedene Autoren: Deutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch - Kapitel 105
Quellenangabe
typepoem
authorVerschiedene Autoren
titleDeutsche Balladen. Aus Ferdinand Avenarius' Balladenbuch
publisherSteingrüben Verlag
editorFerdinand Avenarius
year1951
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150217
projectid374d4959
Schließen

Navigation:

Volkslied

Der Lindenschmid

Es ist nit lang, daß es geschah,
Daß man den Lindenschmid reiten sah
Auf einem hohen Rosse.
Er reit den Rheinstrom auf und ab,
Hat sein gar wohl genossen, ja genossen.

»Frisch her, ihr lieben Gsellen mein!
Es muß sich nur gewaget sein,
Wagen, das tut gewinnen;
Wir wollen reiten Tag und Nacht,
Bis wir ein Beut gewinnen!«

Dem Markgrafen von Baden kamen neue Mär,
Wie man ihm ins Geleit gefallen wär,
Das tät ihn sehr verdrießen.
Wie bald er Junker Kasparn schrieb,
Er sollt ihm ein Reislein dienen!

Junker Kaspar zog dem Bäuerlein ein Kappen an,
Er schickt ihn allzeit vorne daran
Wohl auf die freie Straßen:
Ob er den edlen Lindenschmid fünd,
Denselben sollt er verraten.

Das Bäuerlein schiffet über Rhein,
Er kehret zu Frankental ins Wirtshaus ein:
»Wirt, haben wir nichts zu essen?
Es kommen drei Wagen, sind wohlbeladen,
Von Frankfurt aus der Messen.«

Der Wirt, der sprach dem Bäuerlein zu:
»Ja, Wein und Brot hab ich genug!
Im Stall da stehn drei Rosse,
Die seind des edlen Lindenschmid,
Er nährt sich auf freier Straßen.«

Das Bäuerlein dacht in seinem Mut:
Die Sach wird noch werden gut,
Den Feind hab ich vernommen.
Wie bald er Junker Kaspar schrieb,
Daß er sollt eilends kommen.

Der Lindenschmid, der hätt einen Sohn,
Der sollt den Rossen das Futter tun,
Den Habern tät er schwingen:
»Steht auf, herzliebster Vater mein!
Ich hör die Harnisch klingen.«

Der Lindenschmid lag hinterm Tisch und schlief,
Sein Sohn, der tät so manchen Rief,
Der Schlaf hat ihn bezwungen:
»Steh auf, herzliebster Vater mein!
Dein Verräter ist schon kommen.«

Junker Kaspar zu der Stuben ein trat,
Der Lindenschmid von Herzen sehr erschrak.
»Lindenschmid, gib dich gefangen!
Zu Baden an den Galgen hoch,
Daran sollst du hangen.«

Der Lindenschmid, der war ein freier Reutersmann
Wie bald er zu der Klingen sprang:
»Wir wollen erst ritterlich fechten!«
Es waren der Bluthund also viel,
Sie schlugen ihn zu der Erden.

»Kann und mag es dann nicht anders gesein,
So bitt ich um den liebsten Sohne mein,
Auch um meinen Reutersjungen;
Und haben sie jemands Leid getan,
Darzu hab ich sie gezwungen.«

Junker Kaspar, der sprach »nein« darzu:
»Das Kalb muß entgelten der Kuh,
Es soll dir nicht gelingen!
Zu Baden in der werten Stadt
Muß ihm sein Haupt abspringen!«

Sie wurden alle drei gen Baden gebracht,
Sie saßen nit länger denn eine Nacht;
Wohl zu der selbigen Stunde
Da ward der Lindenschmid gericht't,
Sein Sohn und der Reutersjunge, ja Junge.

 << Kapitel 104  Kapitel 106 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.