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Detektiv Nobody's Erlebnisse und Reiseabenteuer. 6. Band

Robert Kraft: Detektiv Nobody's Erlebnisse und Reiseabenteuer. 6. Band - Kapitel 5
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typefiction
authorRobert Kraft
titleDetektiv Nobody's Erlebnisse und Reiseabenteuer. 6. Band
publisherH.G. Münchmeyer
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senderGeorge Huberty
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4. Um ein Millionenhalsband

Ganz Petersburg sprach von dem sensationellen Ereignis, das sich am vergangenen Abend beim Hofball im Winterpalais abgespielt hatte.

Fürst Boris Lubanow hatte angesichts der ganzen Gesellschaft, die natürlich aus der Elite Petersburgs gebildet wurde, von dem englischen Baronet Francis Kingworth eine schallende Ohrfeige erhalten.

Man bedenke – auf dem Hofball eine Ohrfeige – Fürst Boris Lubanow, einer der reichsten Großgrundbesitzer Rußlands, Kämmerer Sr. Majestät des Zaren, Ritter des St. Andreasordens und Inhaber vieler andrer Auszeichnungen – ein Mann, der im Kabinett des Zaren fast jederzeit Zutritt hatte, und der längst Minister gewesen wäre, wenn er nur die geringste Lust gezeigt hätte, diesen in Rußland so überaus gefährlichen Posten anzunehmen!

Aber auch die Person dessen, der zu der kräftigen Ohrfeige ausgeholt und sie mit so furchtbarer Gewalt gegeben hatte, verstärkte die Sensation; denn auf ganz besonderen Wunsch des Zaren war Baronet Kingworth mit seiner jungen Gemahlin zu den Winterfestlichkeiten in Petersburg eingetroffen. Er befand sich also als Gast des Zaren in der nordischen Hauptstadt.

Nicht zum ersten Male besuchte Baronet Kingworth Petersburg. Er hatte viele Jahre hier gelebt, und zwar in seiner Eigenschaft als Attaché der englischen Botschaft.

Damals war er freilich noch unverheiratet gewesen. – Fünf Jahre waren seitdem vergangen.

Baronet Kingworth hatte sich stets der größten Gunst des Zaren erfreut, und zwar ganz besonders der ausgezeichneten Geschicklichkeit wegen, die er auf der Jagd zu beweisen pflegte.

Zar Alexander war ein passionierter Jäger, den längst nicht mehr die zahme Jagd befriedigte, sondern der mit Vorliebe sein Leben in die Schanze schlug, um irgend ein gefährliches Raubtier zu erlegen.

Da er nun selbst in Rußland über Raubtiere erster Klasse – wir sprechen hier von vierbeinigen – nicht ausgiebig verfügte, denn mit den paar Bären und Auerochsen war er längst fertig geworden, die tötete er mit unfehlbarer Sicherheit – so hatte er in einem Walde bei Tiflis Tiger und Leoparden aussetzen lassen, auch ein paar gute Löwenexemplare.

Der Wald war mit einem hohen, galvanisierten Drahtnetz umgeben, dem selbst die Raubtiere nichts anhaben konnten.

In diese gewiß nicht ungefährliche Wildnis begab sich Zar Alexander von Zeit zu Zeit, um dem Löwen entgegenzutreten oder den Tiger zu belauern, und bei diesen Jagdabenteuern war Baronet Kingworth sein unzertrennlicher Begleiter gewesen.

Aber durch welchen Umstand sich der Zar gerade am Beginn der Wintersaison, von der hier die Rede sein soll, an seinen Jagdfreund erinnerte, das wußte man nicht. Nur das stand fest, daß Kingworth, der sich damals in London befand, durch den russischen Botschafter aufgefordert wurde, sich am kaiserlichen Hofe einzufinden.

Kingworth wurde bald der Mittelpunkt aller Festlichkeiten, und da er in hohem Ansehen beim Zaren stand, so bemühte sich jedermann um ihn, und selbst die russischen Adligen, welche sonst Fremden unnahbar sind, öffneten ihm ihre Salons und betrachteten es als eine Ehre, seinen Besuch zu empfangen.

Es war vielleicht nicht so sehr die Persönlichkeit des Baronets, die diesem alle Wege ebnete, vielleicht war es auch die schöne Gattin, die er nach Petersburg mitgebracht hatte.

Lady Ruth war eine vollendete Schönheit, eine Erscheinung, die jedem Fest, auf dem sie erschien, einen besonderen Reiz verlieh.

In Petersburg gaben ihr die Hofkreise allerdings sogleich einen Beinamen. Sie wurde die ›bleiche Lady‹ genannt, weil ihre Haut so weiß wie Marmor war.

Dazu denke man sich große, dunkle, bildschöne, auf blauem Grunde ruhende Augen, die unter herrlich geschwungenen Brauen bald schmachtend blickten, bald leidenschaftlich erstrahlten, ferner eine Gestalt von solcher Formenschönheit, daß kein Bildhauer dieselbe aus der Phantasie reizvoller hätte gestalten können, und man wird begreifen, daß Baronet Kingworth um dieses junge Weib allgemein beneidet wurde.

Schade! – Man hätte ersterem zu alledem nur gewünscht, daß sein Vermögen größer gewesen wäre. Denn es war eine bekannte Tatsache, die auch dem Hofe von Rußland nicht verborgen geblieben war, daß sich Baronet Kingworth in höchst mißlichen Vermögensverhältnissen befand.

Er war zwar der Sprosse eines alten englischen Geschlechts, aber sein Großvater und sein Vater hatten so leichtsinnig gewirtschaftet, daß dem armen Baronet nur ein einziges Gut von allen geblieben, welche die Familie einst besessen hatte.

Trotz alledem machte auch Kingworth ein großes Haus, lebte wie ein Grandseigneur und sorgte natürlich auch dafür, daß seine entzückende Frau im entsprechenden Rahmen, das heißt umflossen von wunderbaren Toiletten, erscheinen konnte.

In Petersburg hatten die Kingworths für den Winter ein kleines Palais gemietet, das am Newsky-Prospekt lag und mit großer Pracht ausgestattet war.

Weshalb hatte nun Baronet Kingworth dem Fürsten Lubanow die Ohrfeige gegeben, welche in Petersburg so großes und berechtigtes Aufsehen erregte, und die unfehlbar das Signal zu einem fürchterlichen Duell sein mußte?

Denn es war ja nicht anzunehmen, daß Lubanow diese tödliche Beleidigung so ruhig ertragen werde. Einem Manne, der von seinem Gegner öffentlich in das Gesicht geschlagen wird, bleibt nichts andres übrig, als diesem eine Kugel ins Herz zu jagen. –

Der Hofball verlief wie immer glänzend. Der Zar hatte soeben Cercle gehalten und dabei sowohl den Baronet Kingworth, als auch Fürst Lubanow durch huldvolle Ansprachen ausgezeichnet.

Ganz besonders gnädig war der Zar gegen Lady Ruth gewesen, welcher er mit lauter Stimme versichert hatte, daß ihre Schönheit seinen Festen erst den wahren Glanz verleihe. Dann hatte er noch etwas andres getan, was Lady Ruths Ansehen wiederum steigerte.

Diejenigen, die sich in der Nähe des Zaren befanden, hatten genau gehört, wie er zu der englischen Dame sagte:

»Sie tragen da ein Brillantkollier, Lady Kingworth, welches würdig ist, an Ihrem weißen Halse zu prangen. Wahrhaftig, ich habe selten schönere und prachtvollere Brillanten gesehen.«

Lady Ruth verneigte sich tief. Ein flüchtiges Rot überflog dabei ihre Wangen.

»Wie viele Brillanten sind zu diesem Kollier vereint?« fragte der Zar weiter.

»Majestät,« antwortete die Engländerin, »es enthält in drei Reihen je neunzehn Brillanten.«

»Das macht also im ganzen siebenundfünfzig,« lachte der Zar. »Mögen Ihnen noch ebenso viele Jahre zu leben vergönnt sein und an Ihnen selbst die Gesetze der Natur zuschanden werden, daß Ihnen, wie diese Brillanten nie Glanz und Feuer verlieren, auch niemals Ihre unvergleichliche Schönheit schwinde.«

Der Zar ging weiter. – Neidisch blickten die Höflinge auf die durch eine so huldvolle Ansprache ausgezeichnete Fremde.

Schon war übrigens Baronet Kingworth an der Seite seiner Gemahlin, nahm ihren Arm und war eben im Begriff, mit ihr zur Polonäse anzutreten, die sich im großen Muschelsaale ordnete, als ganz plötzlich Fürst Lubanow vor dem englischen Ehepaar stand.

»Haben Sie die Güte, Baronet Kingworth,« stieß der Russe, der sehr bleich und erregt schien, hervor, »mit mir einen Moment auf die Seite zu treten.«

»Verzeihen Sie, Fürst Lubanow,« antwortete der Engländer, »wie Sie sehen, will ich gerade meine Gattin zur Polonäse führen. Später stehe ich Ihnen natürlich zur Verfügung.«

»Nein jetzt!« rief der Fürst hastig aus, und die Blässe seines von einem schwarzen Vollbart umrahmten Gesichtes vertiefte sich noch mehr. »Jetzt habe ich mit Ihnen zu reden, und wenn Sie mir diese Unterredung nicht gewähren, so werde ich vor Ihrer Frau Gemahlin sprechen.«

Da wandte sich der Baronet schnell an Ruth:

»Du hast wohl die Güte, dich in den Nebensaal zu begeben. Ich werde in wenigen Minuten wieder bei dir sein.«

Ein leichtes Lächeln erhellte die Züge der schönen Frau, sie warf ihrem Gatten noch einen Blick voll Liebe zu und schritt in der Haltung einer Königin in den anstoßenden Raum.

»Fürst Lubanow,« wandte der Engländer sich jetzt an den Russen, »ich kann Ihnen nicht verhehlen, daß die Art, in der Sie mich gezwungen haben, mich von meiner Gattin zu entfernen, etwas Herausforderndes hat!«

»Ich bitte, meine Erregung zu entschuldigen,« entgegnete Lubanow einlenkend. »Sie werden dieselbe vielleicht begreifen, sobald ich Ihnen meine Frage vorlege.«

»Eine Frage? Bitte!«

»Bei welchem Juwelier kauften Sie das Brillantenkollier, das Ihre Gemahlin trägt?«

Der Engländer trat einen Schritt zurück. Sein bartloses Gesicht rötete sich dunkel.

»Muß ich Ihnen auf diese Frage eine Antwort geben, Fürst Lubanow?«

»Wenn Sie mir die Antwort schuldig bleiben, so werde ich wissen, was ich von Ihnen zu halten habe.«

»Was wollen Sie damit sagen?«

»Damit will ich sagen,« schrie der Russe, der nicht länger lm sich halten konnte, »daß dieses Brillantenhalsband, dieses unvergleichliche Kleinod, mit dem sich Ihre Gemahlin schmückt – gestohlen ist!«

»Gestohlen?! Nehmen Sie das Wort zurück!«

»Gestohlen! Gestohlen!« brüllte der Russe. »Gestohlen! Und zwar nicht einer Lebenden, sondern einer Toten!«

Im nächsten Augenblick hob der Engländer die Hand auf. Der Russe wollte sich ihm entgegenstürzen, aber schon brannte der entehrende Schlag auf seiner Wange.

Man eilte herbei. Die Freunde rissen den vor Wut sich wie rasend gebärdenden Fürsten zurück. Baronet Kingworth verschwand.

Wenige Minuten später hatte er mit der Lady den Saal verlassen.

Der Zar zog sich gleichfalls augenblicklich zurück, sobald er von dem Vorfall Kenntnis erhalten, und selbstverständlich waren die Hofschranzen sofort bereit gewesen, dem Herrscher alles haarklein zu erzählen, denn die Gelegenheit warf ja im großen und ganzen auf den Baronet ein höchst ungünstiges Licht, und man wünschte nichts sehnlicher, als den Engländer in Ungnade fallen zu sehen.

Am nächsten Morgen schon standen sich die beiden Gegner in einem kleinen Wäldchen an der Newa, in welchem gewöhnlich Meinungsdifferenzen mit Pistolen und Degen ausgefochten zu werden pflegten, gegenüber.

Der Ausgang des Duells konnte nicht zweifelhaft sein. Baronet Kingworth war einer der brillantesten Schützen Europas.

Er hatte einmal einer Brieftaube, die man hatte aufsteigen lassen, eine Kugel nachgesendet und auf Verabredung das rote Siegel des Briefes, den man der Taube um den Hals gebunden hatte, durchschossen.

Die Sekundanten des Fürsten Lubanow hielten diesen mithin für einen Todeskandidaten.

Er hatte als Beleidigter den ersten Schuß. Er zielte auf das Herz des Engländers, streifte ihn aber nur an der linken Schulter.

Die Wunde war ganz unbedeutend, der Arzt hatte nicht einmal nötig, einen Verband anzulegen.

Unter lautloser Stille erhob jetzt Baronet Kingworth seine Pistole. Lubanow hatte eine Zigarre in den Mund gesteckt und die Hände auf dem Rücken verschränkt. Er erwartete nichts andres als den Tod.

Zum größten Erstaunen der Sekundanten Francis Kingworths trat dieser jedoch ein wenig zur Seite, zielte und rief:

»Gestatten Sie, daß ich Ihnen Feuer gebe?«

Ein Schuß krachte. Dem Fürsten war die Zigarre aus dem Munde fortgerissen worden – ein Meisterschuß ohnegleichen.

Damit war das Duell beendet, da nur ein Waffengang verabredet war.

Kingworth lüftete den Hut und schritt den Fußpfad hinan, an dessen Ende sein Wagen wartete.

Lubanow wollte nacheilen. Seine Sekundanten suchten ihn zurückzuhalten.

»Was wollen Sie, Fürst?« rief Graf Schuwalow. »Ihr Gegner hat Ihnen ja vollkommene Genugtuung geleistet!«

»Laßt mich, laßt mich!« schrie der Russe, indem er sich aus den Händen seiner Sekundanten zu befreien suchte. »Ich muß ihn fragen – das Diamanthalsband – ich muß, ich – ha – es ist gestohlen – ich behaupte es noch einmal – gestohlen einer Toten!«

Nur mit Mühe besänftigte man den Erregten.

Graf Schuwalow brachte ihn nach Hause, und in seinem Arbeitszimmer angekommen, brach Fürst Lubanow in einem Sessel zusammen und begann bitterlich zu schluchzen.

»Warum weinst du?« fragte ihn Graf Schuwalow. »Zum Teufel, du wirst dir doch nichts aus der Ohrfeige machen, die der Mann dir offenbar in einem Anfall von Geistesgestörtheit versetzt hat!«

»Nein, laß mich weinen!« rief Lubanow. »Du weißt nicht, wie wehe mir der Mann getan hat! Ich muß – ich will zu ihm! Ich habe gestern unrecht getan, daß ich so schroff Aufklärung von ihm verlangte, aber ich will auf die Knie niedersinken und ihn bitten, sie mir doch noch zu geben.«

»Welche Aufklärung?« forschte Schuwalow.

»Er soll mir nur sagen, woher Lady Ruth das Diamanthalsband hat, das sie gestern auf dem Hofball trug.«

»Nun gut! Ich halte es für das beste, wenn du zu ihm fährst,« entschied Graf Schuwalow. »Wenn du ruhig zu ihm sprichst, wird er gewiß zu jeder Aufklärung bereit sein. Gestatte mir, daß ich dich begleite. Meine Gegenwart wird vielleicht von heilsamem Einfluß auf dich sein.«

Lubanow nickte, dann klingelte er und befahl, seine besten Pferde vor den Schlitten zu spannen.

Eine Viertelstunde später hielt dieser mit den beiden Herren vor dem Palais Kingworths am Newsky-Prospekt.

Der Türhüter trat ihnen entgegen, doch als Lubanow diesen aufforderte, ihn und den Grafen Schuwalow beim Baronet Kingworth zu melden, antwortete der Mann:

»Es tut mir leid, dem Wunsche des gnädigen Herrn nicht entsprechen zu können, denn Baronet Kingworth und Gemahlin sind vor einer halben Stunde abgereist, sie haben Petersburg verlassen.«

»Wohin haben sie sich gewendet?«

»Nach London.«

Eine Stunde später ging folgendes Telegramm an Nobody ab:

»Bitte, möglichst bald in Petersburg einzutreffen, zwecks Konsultation in hochwichtiger, rätselhafter Angelegenheit.

Honorar ½ 12 Million Rubel bei Erfolg, 100.000 bei Mißlingen. Erbitte herzlichst größte Eile.

Fürst Boris Lubanow.«

Detektiv Nobody saß dem Fürsten Lubanow im Arbeitszimmer des letzteren gegenüber. Auf dem Schreibtische brannte die Lampe unter einem Schleier und erfüllte das luxuriös ausgestattete Gemach mit gedämpftem Licht.

Fürst Lubanow sah leidend aus, und bei diesem athletisch gebauten Körper konnte es wohl nur ein Seelenschmerz sein, der ihm in der letzten Nacht den Schlaf geraubt zu haben schien.

»Mister Nobody,« stieß Lubanow mit bewegter Stimme hervor und streckte dem berühmten Detektiv beide Hände entgegen, »nehmen Sie vor allen Dingen meinen Dank an, daß Sie so schnell gekommen sind!«

»Ich komme entweder sofort oder überhaupt nicht; denn wenn es hier irgend etwas zu entdecken gibt, so war keine Zeit zu verlieren. An sich klärt sich jedes Geheimnis leichter, wenn man es frisch in die Hand bekommt. Nur veraltete Fälle machen Schwierigkeiten.«

»Mister Nobody, es handelt sich um ein Verbrechen, das wohl selten verübt wurde. Haben Sie schon von dem Streit gehört, der –«

»Zwischen Ihnen und dem Baronet Kingworth? Allerdings,« antwortete Nobody, »davon habe ich gehört, und ich habe mir auch schon gedacht, daß meine Berufung damit zusammenhängen würde. Sie beschuldigen den Baronet Kingworth, seiner Gemahlin ein Brillanthalsband geschenkt zu haben, das gestohlen worden ist?«

»Das habe ich getan,« rief Lubanow, »und halte diese Behauptung vollständig aufrecht!«

»Es handelt sich um jenes Brillanthalsband, welches Lady Ruth auf dem Hofball trug?«

»Um dieses handelt es sich!«

»Nun gut, Fürst Lubanow, sagen Sie mir, worauf stützen Sie Ihre Behauptung, daß dieses Kollier aus Diebeshänden an den schönen Hals der englischen Lady gelangt ist?«

»Hören Sie mich an, Mr. Nobody,« rief Lubanow, »ich will Ihnen kurz erzählen, was mir geschehen ist, und Sie werden mir beipflichten, daß ich mit meiner Behauptung recht hatte.

»Vor fünf Jahren war ich noch der glücklichste Mensch auf der Welt! Daß ich reich bin, wissen Sie, so reich, daß, wenn alle meine Güter zusammenlägen, ich über ein Gebiet verfügen würde, um das mancher regierende Fürst mich beneiden könnte! Meine Goldbergwerke im Ural machen mich noch heute alle Tage reicher; meine Petroleumgruben in Baku liefern mir ungeheure Erträgnisse; aber was bedeutet das alles gegen den Schatz, den ich begraben mußte! Ein Weib war mein, Mr. Nobody, wie es kein schöneres in Rußland gab! Ich habe es nämlich – im Spiele gewonnen!

»Eines Tages besuchte ich eine meiner Petroleumgruben in Baku. Dort traf ich mit meinem größten Konkurrenten zusammen, dem Grafen Szienkiewicz, einem Polen, der für ungeheuer reich galt, mit Unrecht, denn der Mann hatte sein Vermögen in Paris verschwendet, seine Maitressen hatten es an sich gerissen, und er stand jetzt vor dem Bankerott.

»›Lubanow,‹ sagte er zu mir, als er mich eines Abends besuchte, ›du kannst mich retten – borge mir eine Million Rubel!‹

»›Das werde ich nicht tun,‹ antwortete ich ihm, ›aber ich mache dir einen andern Vorschlag, Szienkiewicz. Ich werde dir eine Million Rubel schenken, gib mir dafür deine Tochter Helena!‹

»Er schüttelte den Kopf.

»›Für eine Million Rubel ist mir meine Tochter nicht feil,‹ antwortete er.

»›So will ich dir einen andern Vorschlag machen,‹ unterbrach ich ihn, ›ich setze fünf Millionen Rubel um die Hand deiner Tochter; wir spielen eine Partie Ecarté darum. Gewinnst du, so hast du fünf Millionen Rubel und behältst deine Tochter, verlierst du, so hast du nur nötig, mir Helena zu geben!‹

»›Einverstanden!‹ rief Szienkiewicz, und wir setzten uns sogleich an den Spieltisch.

»In fünf Minuten war alles erledigt. Ich hatte gewonnen, Helena war mein!«

»Und war Komtesse Helena mit dieser Art, über ihre Zukunft zu disponieren, einverstanden?« fragte Nobody.

»Das weiß ich nicht, das ging mich auch nichts an! Als gute Tochter hatte sie die Spielschuld ihres Vaters zu bezahlen! Sie tat es und wurde mein Weib!«

»Und wie gestaltete sich die Ehe?«

»Die Ehe? Wenn überhaupt von einer solchen die Rede sein kann! Wir waren im ganzen nur sieben Wochen miteinander verheiratet, und Helena kränkelte immer während dieser Zeit, so daß ich ihr nicht die geringste Zärtlichkeit erweisen durfte. Indes muß ich sagen, unsre Ehe war gut. Meine Frau hat mir niemals den geringsten Vorwurf gemacht, und sie nahm alles, was ich ihr zu Füßen legte, willig entgegen. Nun, Sie können sich denken, Mr. Nobody, daß ich mit Aufmerksamkeiten nicht geizte; ich überschüttete sie mit Geschenken. Unter anderem erstand ich für sie das schönste Stück, das der berühmte Juwelier Tiffany in New-York damals zu vergeben hatte.

»Es war ein Brillantenhalsband, aus siebenundfünfzig erlesenen Steinen bestehend, einer so schön wie der andre, so rein, so hell, so feurig. Das Halsband kostete mich eine halbe Million Rubel! – Ich hätte auch zwei Millionen bezahlt, denn ich wünschte, daß meine Frau sich mit dem Schönsten schmücken könnte, was es auf Erden gab.

»Und sehen Sie, Mister Nobody, bis dahin hatte eigentlich nichts, was ich ihr geschenkt hatte, sie gefreut. Als ich ihr aber dieses herrliche Kollier überreichte, drückte sie mir die Hand und sagte: ›Ich danke dir!‹ Sie fragte mich sogar, was das Präsent gekostet habe.

»›Eine halbe Million Rubel,‹ antwortete ich ihr. ›Aber das bedeutet wenig! – Doch lies diesen Brief! Tiffany versichert mir in demselben, daß ein kostbareres Stück aus seinem Atelier niemals wieder hervorgehn werde. ›Du siehst also, meine teure Helena, daß du über einen Schmuck verfügen wirst, wie ihn kein zweites Weib auf Erden besitzt!‹

»Sie lächelte wieder, erhob sich, legte das herrliche Halsband an und beschaute sich im Spiegel.

»›Jetzt ist sie mein,‹ sagte ich zu mir, ›jetzt habe ich ihr Herz gewonnen, wenn es bisher nicht mir gehört hat!‹

»Ich irrte mich! Vielleicht mag sie den Willen gehabt haben, mich mit ihrer Liebe zu beglücken, aber sie konnte denselben leider nicht mehr ausführen! Am nächsten Tage schon begann sie zu fiebern, und als ich die Aerzte kommen ließ, schüttelten diese den Kopf und meinten, sie stünden vor einem Rätsel. Sie könnten mir nicht sagen, was meiner Frau fehle, aber krank sei sie – sehr gefährlich krank!!

»›Hunde,‹ schrie ich die Aerzte an, ›fordert von mir, was ihr wollt, aber rettet mir mein Weib, rettet mir Helena!!‹ Dann ließ ich die berühmtesten Professoren kommen aus Moskau und Dorpat, ich telegraphierte nach Berlin, Wien, Paris, aber – als die Herren eintrafen – war meine teure Helena schon tot! – Nein, nein, ich will mir diesen Moment nicht wieder ins Gedächtnis zurückrufen, in welchem ich bei der Leiche meines Weibes stand! Ha, ich glaubte ja wahnsinnig werden zu müssen! Und wie schön sah sie noch als Leiche aus! Noch waren ihre Wangen rosig, noch zeigte sich nicht die geringste Veränderung an ihr, nur die Hände, die ich in den meinen hielt und mit Küssen bedeckte, waren eiskalt!!«

»Der Tod ist doch wohl konstatiert worden?« fragte der berühmte Detektiv ganz leichthin.

»Alle Professoren konstatierten ihn! Trotzdem ordnete ich an, daß Helena vier Tage lang aufgebahrt bleiben sollte. Dann wurde sie in einen Sarg gelegt, wie er kostbarer vorher in Petersburg niemals hergestellt worden war, und ich ließ sie im Erbbegräbnis meiner Vorfahren feierlich beisetzen. Im letzten Moment aber, als man schon den Sargdeckel schließen wollte, legte ich selbst das kostbare Brillantenkollier, über das sie sich so sehr gefreut hatte, um ihren Hals. Sie soll es mit in die Gruft nehmen! sagte ich zu mir. Es wird zwar Leute geben, die mich für wahnsinnig halten werden; daß ich eine halbe Million Rubel auf diese Weise fortwerfe, aber – sie hat gelächelt, als ich ihr das Halsband gab, sie war einen Moment lang glücklich – es möge denn also mit ihr begraben werden!!«

Fürst Lubanow machte eine kleine Pause in seiner Erzählung. Er wischte sich mit einem seidenen Tuche verstohlen ein paar Tränen aus den Augen.

In diesem Menschen lag eine seltsame Mischung von Brutalität und Weichheit, von Sentimentalität und Berechnung – eine Mischung, wie man sie nur im Charakter der Russen findet.

»Fünf Jahre sind vergangen, seit Helena begraben ist!« fuhr Fürst Lubanow fort. »Ich habe mein Weib seitdem nicht vergessen!! Mein Arbeitszimmer schmückte ich mit ihren Bildern, und oft schloß ich mich tagelang in diesem Raume ein. Dann betrachtete ich wehmütig die Bilder meiner Frau und sprach mit ihnen, wie wenn Helena noch lebend vor mir stände. Ich habe seitdem kein Weib berührt – ich werde niemals eine andre lieben, denn ich habe die Schönste, die es auf der Welt gab, in die kalte Erde legen müssen. – Oft wandelte mich die Lust an, mir den Sarg noch einmal öffnen zu lassen, um Helena auch im Tode zu betrachten – aber dazu fehlte mir der Mut! Nein, ich wollte nicht die Züge, die mir so teuer waren, da sie in Lebensherrlichkeit blühten, im Verfall der Verwesung wiedersehen. –

»Vor einigen Tagen besuchte ich den Hofball. Da hörte ich, wie Majestät der Lady Kingworth einige Artigkeiten sagte. Dann richteten sich seine Blicke plötzlich auf den Hals der Lady, von dem ein ganzes Feuermeer aus herrlichen Brillanten strahlte. Ich vernahm, wie der Zar diese Brillanten lobte! – Auch ich blickte nunmehr auf das Halsband der Lady, und – ich erkannte sofort das kostbare Kleinod wieder, das ich meinem Weibe – meiner Helena mit in den Sarg gegeben hatte!«

»Haben Sie sich nicht geirrt?« unterbrach ihn Nobody. »Glauben Sie wirklich, daß es das Halsband der Toten war?!«

»Ich habe mich nicht geirrt!! – Es waren siebenundfünfzig erlesene Brillanten, einer so groß wie der andre, und dann – auch das Schloß besaß ein besonderes Merkmal. Auf ihm befand sich nämlich der Stempel Tiffanys und, wie es bei diesem Juwelier üblich, eine Nummer, und zwar Nummer 7311!!

»Ich trat dicht hinter die Lady! – Ich heftete meine Blicke fest auf das Schloß und las die Nummer ohne jede Schwierigkeit! Jetzt war ich meiner Sache sicher, und ich zögerte nicht, Baronet Kingworth darauf aufmerksam zu machen, daß seine Gemahlin ein Kleinod trage, das einer Toten geraubt worden! Kingworth sah darin eine Beleidigung und ließ sich zu einer Tat hinreißen, die er gewiß jetzt selbst bedauert!«

»Woraus schließen Sie das?«

»Weil er mich in dem Duell, das der Beleidigung natürlich folgte, mit Absicht nicht getötet hat! – Er schoß mir nur die Zigarre aus dem Munde!«

»Und das ist alles?« fragte Nobody nach einer kleinen Pause.

»Alles!! O, Mister Nobody!« rief der Fürst, indem er aufsprang. »Schaffen Sie uns das Halsband wieder und entlarven Sie den Verbrecher, der seine gierige Hand nach dem Schatze der Toten ausgestreckt hat. Sie sind der einzige Mensch auf Erden, der das Rätsel, das mit diesem Diebstahl verbunden ist, zu lösen vermag!!«

»Ich werde tun, was ich kann,« antwortete Nobody; »vorher aber muß ich mich überzeugen, ob Ihr Verdacht auch wirklich begründet ist!

»Sind Sie bereit, Fürst, mir den Sarg Ihrer verstorbenen Gemahlin öffnen zu lassen?!«

Lubanow seufzte und holte schwer Atem.

»Ich wußte, daß Sie das verlangen würden,« antwortete er. »Es ist ja leider auch unbedingt notwendig, daß es geschieht! Wohlan, besteigen wir einen Schlitten und fahren wir nach dem Erbbegräbnis meiner Väter hinaus!«

»Wo befindet sich dasselbe?« fragte Nobody.

»Kennen Sie die Insel, auf welcher die Peter-Paulsfestung liegt?« fragte Fürst Lubanow, und als Nobody diese Frage mit einem Kopfnicken bejahte, fuhr jener fort: »Katharina die Große hatte die seltsame Laune, auf derselben Insel, auf welcher sich das berüchtigte Gefängnis befindet, einen Friedhof anlegen zu lassen, auf welchem jedoch nur gewisse Familien des Adels ihre Toten bestatten durften und noch dürfen. Unter diesen Familien befindet sich auch die meinige!«

»Dann werden wir unsre Fahrt nach dem Friedhof aufschieben müssen,« erklärte Nobody. »Denn bei hellichtem Tage können wir die Angelegenheit nicht betreiben! Ich will alles vermeiden, was in Petersburg die Nachricht von meiner Anwesenheit verbreiten könnte. Ich bin in einem kleinen Hotel unter falschem Namen abgestiegen. Aber wenn es Ihnen beliebt, so treffen wir heute nacht elf Uhr an der Stelle zusammen, von der aus wir nach der Peter-Paulsfestung über den Fluß fahren müssen! – Wird Ihnen das Betreten dieser Insel zu jeder Zeit gestattet?!«

»Ich habe einen Paß, der mir und meinem Begleiter zu jeder Zeit das Landen auf der Peter-Paulsinsel erlaubt, und ich werde dafür sorgen, daß ein Boot bereitliegt – ebenso werde ich einen Schlosser mitbringen, der den Sarg öffnen kann!«

»Das letztere ist nicht nötig!« rief Nobody. »Ich werde mich mit Werkzeugen versehen und die Arbeit selbst verrichten! Also heute nacht elf Uhr!«

»Mein Boot wird an der Brücke liegen, die an der Isaaks-Kathedrale über die Newa führt!«

»Ich werde pünktlich sein!« rief Nobody und verließ den Fürsten.

Nachts um elf Uhr stand ein Mann, den man für einen gewöhnlichen Arbeiter halten konnte, unter der Isaaksbrücke und wartete.

Es dauerte nicht lange, so fand sich ein zweiter zu ihm: Fürst Boris Lubanow.

Er blickte sich zuerst forschend um, und es schien ihm unangenehm, daß dieser Arbeiter sich hier unter der Brücke aufhielt.

Endlich schritt dieser auf ihn zu und flüsterte ihm zu:

»Ich bin es, Fürst Lubanow! Kommen Sie also, dort liegt das Boot, steigen wir ein!«

Die beiden Männer fuhren über die Newa, deren Eisdecke von der ersten Frühlingswärme bereits wieder aufgetaut war.

Nobody selbst führte das Steuer. Sie landeten an einer Stelle der Insel, wo sonst selten angelegt wurde.

Nobody sprang aus ziemlicher Entfernung an den Strand und zog das Boot mit großer Kraft heran, so daß auch Lubanow es verlassen konnte.

Kaum hatten sie jedoch einige Schritte in die Insel hineingetan, als ein Gewehrlauf vor ihnen aufblitzte und eine rauhe Stimme ihnen zurief:

»Halt oder ich schieße!«

»Sieh her, Kosak!« antwortete Lubanow und zeigte dem Wachposten seinen Paß.

»Es ist gut, Väterchen, du kannst passieren!« sagte der Posten und salutierte.

»Sehen Sie dort drüben die weißen Kreuze leuchten?« flüsterte Lubanow seinem Begleiter zu. »Das ist der Friedhof auf der Peter-Paulsinsel, wir werden ihn in fünf Minuten erreicht haben.«

»Und dort das graue Gebäude ist jedenfalls das berüchtigte Gefängnis?« fragte Nobody. »Sagen Sie mir, Fürst, ist es wahr, was man von der Peter-Paulsfestung erzählt? Schmachten wirklich so viele Unglückliche in derselben? Sind die Kerker in der Tat so schrecklich, wie man sie schildert?«

Fürst Lubanow bekreuzigte sich.

»Möge Gott jeden frommen Christen davor behüten, mit der Peter-Paulsfestung Bekanntschaft zu machen,« antwortete er. »Doch – wir sind an der Pforte des Friedhofes angelangt! – Treten wir ein!!«

Der Fürst besaß einen Schlüssel zu dem Tore. Er öffnete es, und durch den Schnee schritten sie bis zu einem aus Marmor errichteten Bau.

»Das ist das Erbbegräbnis der Lubanow!« rief der Fürst mit einem leichten Schauder. »Hier werde auch ich einst zu Staub vermodern!«

Wieder zog er einen Schlüssel hervor, die beiden Männer stiegen eine Anzahl Stufen hinunter, die zu dem Standort der Särge führten.

Nobody hatte seine kleine Blendlaterne hervorgezogen und angezündet.

Moderluft wehte ihnen entgegen, der Hauch des Todes umgab sie. Und als sie unten angelangt waren, blieb Fürst Lubanow plötzlich stehn, drückte die Hände an die Schläfen und stöhnte:

»Ich bin dem Wahnsinn nahe! Ich soll sie wiedersehen, sie, die ich geliebt habe, die ich noch immer liebe, Helena, mein teures, unvergeßliches Weib!!«

»Welches ist der Sarg?« fragte Nobody kurz. »Ich vermute, es ist der dort mit den verwelkten Rosengirlanden.«

»Es ist der Goldsarg,« antwortete Lubanow, »alle Beschläge daran sind aus echtem Golde gefertigt.«

Nobody zuckte die Achseln, er schien die ganze Nichtigkeit dieser Worte zu durchschauen und sich innerlich zu sagen: »Ein paar Bretter, leicht zusammengefügt, tun dem Toten denselben Dienst!«

Aber er war nicht der Mann, mit unnützen Worten Zeit zu versäumen, er trat an den Sarg, zog unter seiner Bluse Werkzeuge hervor und begann die Schrauben zu lockern, welche den Sargdeckel festhielten.

Bei jeder Schraube, die er hervorzog, ächzte Lubanow auf und zitterte am ganzen Körper.

Ebenso beseitigte Nobody die Verlötung und hob den Sargdeckel empor. Er legte ihn neben sich auf den Boden.

»Werfen Sie einen Blick auf die, welche Sie so sehr geliebt haben, Fürst Lubanow!« sagte der Detektiv mit ruhiger Stimme. »Hier liegt alles, was von Ihrem Weibe auf Erden noch übriggeblieben ist!«

Lubanow neigte sich bebend über den Sarg, seine wie im Wahnsinn funkelnden Augen hefteten sich auf die Tote – ein heiserer Schrei entrang sich seinen Lippen.

»Die Leiche ist beraubt!« rang es sich von seinen Lippen. »Sehen Sie, Mister Nobody – das Halsband ist fort. – Ich habe mich nicht geirrt. Man hat meinem armen Weibe nicht einmal die Ruhe des Grabes gegönnt. – Man ist eingedrungen in diese Gruft und hat mit frechem Griffe das Diamantenkollier vom Halse der Toten gestohlen.

»O, meine arme Helena, du mein einziggeliebtes Weib. – Ich werde dich rächen, ich werde den Grabschänder vor Gericht ziehen, und Sie, Nobody, Sie müssen mir helfen!«

»Sie sind sehr aufgeregt,« antwortete dieser. »Es wäre besser, wenn Sie mich für einige Minuten mit der Leiche allein ließen. Ich habe wichtige Untersuchungen anzustellen, und es würde Ihnen schmerzlich sein, mich dabei zu beobachten.«

»Sie mögen recht haben,« stöhnte Lubanow, »der Anblick der Leiche meiner Frau macht mich fast wahnsinnig.«

Nobody geleitete den Zitternden bis zur Treppe, Fürst Lubanow schwankte dieselbe schweren Schrittes hinauf.

Schnell kehrte der Detektiv zum Sarge zurück und leuchtete in denselben hinein.

Aufmerksam betrachtete er die mumienhafte Leiche, er schüttelte den Kopf, als wenn ihm etwas nicht richtig erscheinen wollte.

Schließlich hob er eine Hand leicht empor, betrachtete sie genau, ließ sie aber sogleich wieder auf die Brust der Leiche zurücksinken.

»Es ist kein bestimmtes Zeichen mehr mit Sicherheit festzustellen,« murmelte er. »Seltsam – der Sarg schien unverletzt, die Lötung war vollkommen in Ordnung. Aber – das beweist nichts – die Räuber, die hier gearbeitet haben, sind jedenfalls mit Ruhe vorgegangen. Sie brauchten nicht zu fürchten, daß andre sie hier unten störten. Sie können den Sarg auch wieder verlötet haben.«

Nobody zog ein Vergrößerungsglas hervor und untersuchte den Hals der Leiche.

»Eins steht fest,« sagte er sich. »Der Raub des Brillantenkolliers muß fast unmittelbar nach der Bestattung der Fürstin stattgefunden haben, sonst hätten die schweren Brillanten unbedingt einen Eindruck im Fleische des Halses erzeugen müssen. Sie hätten in demselben Male hinterlassen.«

Dann leuchtete Nobody im ganzen Erbbegräbnis umher, um irgendwo Spuren zu finden, welche die Grabschänder hinterlassen haben könnten; aber es herrschte eine musterhafte Ordnung in dem unterirdischen Grabgewölbe. Keiner der hier aufgestellten Särge war im geringsten beschädigt oder aus seiner Lage verrückt, an keinem der Särge fehlten die Beschläge, die vielfach aus Gold oder Silber waren.

Jedenfalls war es den Räubern nur auf das Brillanthalsband angekommen.

Als Nobody wenige Minuten später wieder ins Freie trat, sagte er zu dem Fürsten Lubanow:

»Entweder Sie haben recht, das Brillanthalsband der Lady Ruth ist das, welches Sie Ihrer verstorbenen Gemahlin mit in den Sarg gegeben haben, oder aber – Tiffany hat nicht Wort gehalten und zwei gleiche Schmuckstücke angefertigt.«

»Das ist nicht der Fall,« antwortete Fürst Lubanow, indem er ein Telegramm hervorzog. »Ich habe mich sogleich, nachdem ich das Kleinod am Halse der Lady entdeckt hatte, telegraphisch an Tiffany gewendet und angefragt, ob aus seiner Werkstätte ein Halsband hervorgegangen wäre, welches dem mir gelieferten auch nur ähnlich gewesen wäre. Ueberzeugen Sie sich selbst, Mister Nobody, Tiffany hat mir geantwortet: ›Es gibt kein ähnliches Halsband auf Erden!‹«

»Er lügt nicht,« antwortete Nobody, »der Ruf seiner Firma geht ihm über alles. Nun gut, Fürst Lubanow, haben Sie die Güte, mir vier Wochen Frist zu geben, und ich werde dieses Rätsel gelöst haben. Bis dahin dürfen Sie sich um die Angelegenheit nicht kümmern. – Sprechen Sie mit niemandem darüber und betreiben Sie keine Nachforschungen auf eigne Faust!«

Lubanow leistete dieses Versprechen, und Nobody reiste am nächsten Tage aus Petersburg ab – nach London.

Der erste Schritt, den Nobody in der Angelegenheit des Fürsten Lubanow unternahm, bestand darin, daß er sich ganz genau nach den Vermögensverhältnissen des Baronets Francis Kingworth erkundigte.

Auch er erfuhr, daß die finanzielle Lage des Baronets eine sehr, sehr kritische sei. Derselbe hatte zwar Hoffnung, einen alten Onkel zu beerben, welcher große Reichtümer besaß; aber vorläufig hielt dieser mit jeder Unterstützung zurück, und so war der Baronet lediglich auf seine eignen Hilfsmittel angewiesen.

Diese waren schmal genug, sie reichten kaum hin, die Kosten des Haushalts des Baronets zu bestreiten, und Nobody ermittelte weiter, daß sich der Baronet sehr oft in den fürchterlichsten Geldverlegenheiten befand.

Ja, Nobody stellte sogar fest, daß Kingworth die Familienkleinodien verkauft hatte, die sicherlich sehr teuer waren.

Kingworth hatte außerdem Schulden bei reichen Londoner Geschäftsleuten. Diese liefen ihm das Haus ein und verklagten ihn sogar, aber er bezahlte sie nicht, oder doch nur sehr, sehr langsam.

»Warum,« fragte sich Nobody, »befreit sich der Baronet nicht aus all diesen Verlegenheiten dadurch, daß er das kostbare Brillanthalsband seiner Gattin veräußert? Man würde ihm wahrscheinlich eine bedeutende Summe dafür zahlen, da die Preissteigerung, welche Brillanten in letzter Zeit erfahren haben, auch den Wert dieses Kleinodes fast auf das Doppelte emporgeschnellt hat.«

Andererseits stellte Nobody fest, daß sich in ganz London vielleicht kaum ein einziges Ehepaar befand, das so glücklich miteinander lebte, wie Francis Kingworth mit seiner durch Schönheit, Anmut und Tugend ausgezeichneten Frau.

Die beiden Leute liebten einander innig. Der Baronet trug seine Frau auf Händen, er las ihr jeden Wunsch von den Augen ab und erfüllte ihr denselben, auch wenn er sich damit noch größere finanzielle Sorgen auferlegte.

Die Lady dagegen, die um ihrer Schönheit willen viel umworben wurde, und welcher Männer huldigten, die ihr ein königliches Vermögen hätten zu Füßen legen können, wankte niemals in ihrer Treue. Sie schien ihrem Gatten so ergeben zu sein, daß sie nicht ohne ihn leben konnte.

Das ist fatal, sagte sich Nobody. Baronet Kingworth hat kein Geheimnis vor seiner Frau. – Da wird sich schwer etwas ermitteln lassen.

Trotzdem verlegte sich Nobody darauf, hinter ein Geheimnis der Eheleute zu kommen. Denn er nahm ohne weiteres an, daß auch sie ein solches hätten, wie fast jeder Mensch auf Erden.

Acht Tage lang stand Nobody immer in einer andern Verkleidung in der Nähe des Palais, welches Kingworth in Westend bewohnte. Bald war er als Bettler verkleidet, bald als Arbeiter, bald als polnischer Jude, bald als Polizist, bald als Soldat. Er verfolgte Kingworth und seine Frau, wohin sie auch immer gingen, ob zusammen oder einzeln, doch niemals konnte er etwas Unrechtes entdecken.

Eines Tages sollte er trotzdem hinter ein kleines Geheimnis der Lady kommen.

Es war an einem ziemlich nebligen Tage, als dieselbe gegen fünf Uhr nachmittags allein und zwar zu Fuß das Palais verließ.

Nobody, der diesmal als vornehmer, weißbärtiger Herr mit goldener Brille verkleidet war, ließ die Lady nicht aus den Augen, blieb aber immer in genügender Entfernung hinter ihr.

Lady Kingworth verließ Westend und begab sich hinüber nach der City.

Vor einem kleinen Drogengeschäft, das sich in einem alten Hause der Circusstreet verbarg, machte sie Halt.

An der Ladentür blickte sie sich noch einmal nach allen Seiten um, als fürchte sie beobachtet zu werden, dann aber trat sie schnell ein.

»Also doch ein Geheimnis!« sagte sich Nobody.

»Nur Geduld, wir werden schon dahinterkommen.« Er wartete geduldig, bis die Lady den Laden wieder verließ. Sie rief einen Cabman an und befahl ihm, sie nach einer Straße in der Nähe ihres Palais in Westend zu fahren.

Wenige Minuten später trat Nobody in das Drogengeschäft ein. Ein kleiner, buckliger Mann kam ihm entgegen und fragte nach seinen Wünschen.

Nobody zog seine Brieftasche hervor, legte eine Fünfpfundnote auf den Ladentisch und sagte zu dem Verkäufer: »Geben Sie mir auch das Bewußte!«

»Ja, was meinen Sie denn? – Was wollen Sie eigentlich haben?«

»Nun, Sie wissen schon,« lächelte Nobody ihn an. »Die Dame, welche Sie soeben besuchte, hat es mir empfohlen. Man spricht nicht gern darüber.«

»Welche Dame?« fragte der Drogist mißtrauisch.

»Tun Sie doch nicht so, als ob Sie nicht soeben den Besuch einer vornehmen Dame empfangen hätten. Nun, ich will Ihnen sagen, wer sie war: Lady Ruth Kingworth.«

»Ah, Sie kennen die Lady?«

»Ich bin ein guter Freund ihres Gatten,« antwortete Nobody. »Kürzlich kam einmal das Gespräch darauf – nun, Sie wissen doch – auf das Bewußte! – Und da gestand mir die Lady nach einigem Zögern, daß sie den Bedarf bei Ihnen decke. Ich möchte nun auch davon haben. Aber es muß ebensogut wirken wie bei der Lady.«

Der kleine Drogist betrachtete Nobody aufmerksam, dann sagte er: »Sie waren früher offenbar schwarz! – Ihr Haupthaar, sowie Ihr Bart müssen schwarz gewesen sein!«

»Ganz richtig!« rief Nobody, der jetzt schon Bescheid wußte. »Und ich frage Sie: Können Sie mir helfen?«

»Nichts leichter als das, mein Herr!« antwortete der Drogist. »Mein Haarfärbemittel wirkt unbedingt sicher. Auch ist es unschädlich.«

»Ja, das hat mir schon die Lady versichert,« sagte Nobody. »Geben Sie mir also genau dasselbe, was die Lady von Ihnen bezieht.«

»Dasselbe? – Ja, Sir, das wird nicht gut möglich sein. Sie müssen bedenken, bei der Lady handelt es sich darum, ihr wunderbar goldblondes Haar schwarz zu färben, während Sie für Ihr früher schwarzes Haar ein Mittel brauchen.«

Nun wußte Nobody, was er hatte wissen wollen. Die Lady färbte ihr blondes Haar schwarz.

Weshalb tat sie das? – Was zwang sie dazu, einen so wunderbaren Haarschmuck, wie ihr goldblondes Haar bildete, verschwinden zu lassen? War hier nur Eitelkeit im Spiele oder lag ein andrer Grund vor?

»Also geben Sie mir eine Flasche von Ihrem Haarfärbemittel,« sagte Nobody, und als der Drogist ihm dasselbe eingehändigt und ihm versichert hatte, daß die Gebrauchsanweisung dabeiliege, blickte der Detektiv plötzlich wie überlegend drein und sagte: »Lieber Freund, ich möchte Sie noch eins fragen. Ich bin überzeugt, daß mein weißes Haar infolge Ihres Mittels wunderbar schwarz werden wird. Wie aber, wenn ich eines Tages des Haarfärbens überdrüssig würde! Werde ich die Farbe dann wieder von demselben herunterbekommen?«

»Nichts leichter als das. – Ich gebe Ihnen eine zweite Flasche. Wenn man mit dem Inhalt derselben sich das Haar gewaschen hat, erscheint die natürliche Farbe wieder.«

»Ah, das ist gut! Bitte gleich um drei Flaschen! – Was kosten sie?«

»Mit der Fünfpfundnote, die Sie mir soeben eingehändigt haben, ist alles bezahlt.«

»Gut denn, auf Wiedersehen!«

Nobody eilte auf die Straße hinaus, nachdem er die Flaschen in seinem Ueberrock geborgen hatte. Er zweifelte nicht daran, daß er heute einem Geheimnis der Lady auf die Spur gekommen sei. Dieses Färben der Haare konnte nicht bloß eine Laune sein – dahinter steckte mehr!

Hatte diese Frau eine dunkle Vergangenheit, hatte sie einen Grund, sich denen, unter welchen sie jetzt lebte, anders zu zeigen, als sie früher ausgesehen?

Nobody sprang in einen Wagen und befahl dem Kutscher, ihn zu Lifton & Co. zu fahren.

Lifton & Co. besaßen damals das größte Auskunftsbureau in London.

Ihre Auskünfte waren mustergültig, erschöpfend, und was vor allem das wichtigste ist, man konnte sich unbedingt auf sie verlassen. Auch gewährten Lifton & Co. ihren Kunden den großen Vorteil, daß diese nicht erst auf Erhebung der Auskünfte zu warten brauchten, nein, jede Persönlichkeit, die nur einigermaßen interessierte, hatte bei ihnen ihr Aktenstück, und aus diesem war ihre ganze Vergangenheit zu ersehen.

Nobody war mit dem Chef der Firma eng befreundet, denn er hatte ihm selbst schon wesentliche Dienste geleistet, für die er sich niemals hatte bezahlen lassen. So wurde er sogleich ins Privatkontor des Chefs geführt, und dieser empfing ihn herzlich und liebenswürdig wie sonst immer.

»Womit kann ich heute dienen, lieber Nobody?«

»Mit einer schnellen und präzisen Auskunft. Was wissen Sie über Lady Ruth Kingworth? Ich wünsche ihre Vergangenheit zu erfahren, und zwar bis zu dem Augenblicke, da sie Lady Kingworth wurde.«

Lifton berief durch einen Glockenton einen seiner Angestellten in das Kontor und beauftragte ihn, die Vorakten der Lady Ruth Kingworth zu bringen.

Wenige Minuten später lag das Heft auf dem Schreibtisch; Lifton reichte es Nobody und sagte: »Lesen Sie selbst, vor Ihnen haben wir keine Geheimnisse!«

Aus dem Aktenstück war jedoch herzlich wenig zu ersehen.

Es war selbst der Firma Lifton & Co. nicht gelungen, über die Vergangenheit der Lady Genaueres zu erfahren.

Kingworth hatte sich als Attaché in Petersburg aufgehalten, so meldete das Aktenstück, hatte dann drei Monate in Paris gelebt, und als er nach London zurückkehrte, war er bereits mit Lady Ruth vermählt gewesen.

Man vermutete indes, daß diese identisch sei mit der Tochter einer reichen Plantagenbesitzerin auf Jamaika.

Die Damen hatten sich zur Zeit, als Kingworth in Paris weilte, in der französischen Hauptstadt aufgehalten.

Kingworth war sehr oft in Gesellschaft der beiden Damen gesehen worden; man hörte zwar nichts davon, daß eine Verlobung zwischen der schönen jungen Dame aus Jamaika und ihm stattgefunden hatte, indes verschwanden die beiden Damen genau an demselben Tage, an dem auch Kingworth die französische Hauptstadt verließ.

Es wird also gefolgert, schlossen die Darlegungen in dem Aktenstück, daß die Mutter wieder nach Jamaika zurückgekehrt, während die Tochter, die Kingworth wahrscheinlich in irgend einer kleinen Dorfkirche Frankreichs angetraut worden war, mit ihm nach London gegangen sei.

Das war alles, was Nobody über Lady Ruth bei Lifton & Co. erfuhr.

Aber schon reifte im Gehirn des erfindungsreichen Detektivs ein Plan, von dem er sich das beste versprach, mittels dessen er prüfen wollte, wie es um das Gewissen der schönen Lady Ruth Kingworth stünde.

»Lord Chesterfield gibt sich die Ehre, Ew. Herrlichkeit nebst Gemahlin zu der heute nacht stattfindenden spiritistischen Seance einzuladen. Der berühmteste Spiritist der Welt, der Italiener Svengali, wird in meinem Hause vor einer geladenen Gesellschaft die Vermittlung zwischen den Anwesenden und der Geisterwelt herstellen.«

»Nun, was meinst du, Ruth?« rief Francis Kingworth aus. »Sollen wir die seltsame Seance besuchen? Ich halte nicht viel vom Spiritismus, da derselbe lediglich gewissen gewinnsüchtigen Personen für ihre Zwecke und Pläne dient. Aber da Lord Chesterfield diesen Spiritisten einführen will, muß an dem Manne schon etwas sein.«

»Ich bin sehr begierig, einmal einer spiritistischen Sitzung beizuwohnen,« antwortete Lady Ruth. »Aber sprich, Francis, glaubst du wirklich, daß es auch nur im entferntesten möglich ist, Verstorbene aus ihrem Grabe erstehn zu lassen?«

»Ich kann das nicht annehmen, mein liebes Weib,« antwortete der Baronet; »der Körper eines Verstorbenen wird immer und ewig in seinem Grabe liegen bleiben, beziehungsweise in demselben vermodern. Die Spiritisten behaupten auch nur, daß das unsterbliche Teil, welches uns innewohnt, die Seele, die nach unserem Tode den Körper verläßt, noch einmal, ja, sogar ganz nach Wunsch zu den Lebenden zurückkehren könne. Nun, jedenfalls werden wir die Sitzung besuchen, und ich bitte dich daher, dich um elf Uhr fertig zu halten, damit wir nach dem Hause des Lords fahren können.«

»Was macht man denn da für Toilette?« fragte Ruth. »Ich weiß zwar sehr gut, was mich für einen Ball, für einen Theater- oder Konzertbesuch kleidet, für eine Landpartie oder für eine Promenade; aber für eine spiritistische Seance –«

»Schwarz natürlich, schwarz,« rief Francis lächelnd. »Schwarz in Schwarz!«

Dann küßte er sein junges Weib auf die Stirn und wollte das Zimmer schon verlassen, als er sich noch einmal umwandte und Ruth zurief: »Apropos! Die Lady Chesterfield hat mich kürzlich gebeten, dein berühmtes, wir müssen jetzt leider sagen dein berüchtigtes Diamantenhalsband sehen zu dürfen.«

»Mein Skandal mit jenem Fürsten Lubanow,« die Stimme Kingworths erzitterte leicht, als er den Namen des Fürsten aussprach, wahrscheinlich war es der Grimm über die unverschämte Behauptung, der noch in ihm nachtobte, »dieser unselige Skandal ist leider allgemein bekannt geworden, und nun will die ganze Welt deine Brillanten sehen. Tu mir also den Gefallen und lege das Halsband heute an.«

»Wenn du es wünschest, lieber Mann,« rief Ruth, die noch einmal in seine Arme geeilt war und jetzt das Köpfchen an seine Schultern legte, um zärtlich zu ihm aufzuschauen, »wenn du es wünschest, daß ich das Brillantenkollier trage, so will ich es tun!«

»Tust du es denn nicht gern?«

Ein leiser Schauer flog über die holdselige Gestalt der Lady.

»Du fragst noch? Wie könnte ich diese Brillanten nicht gern tragen? Sie sind ja mein bester, eigentlich mein einziger Schmuck, nachdem ich alles andre hingegeben habe, damit wir uns über Wasser halten können. Doch, Geliebter, ist denn gar keine Aussicht, daß sich unsre Lage einmal ändern wird?«

»Warum sollte ich dich täuschen?« antwortete der Baronet. »Die Aussichten sind sehr trübe. Mein Oheim, der Lord Ravenhorst, lebt trotz seiner achtzig Jahre sehr vergnügt, und obwohl ich mich mit verzweiflungsvollen Briefen an ihn gewendet, ihn gebeten habe, er möge mir beistehn, mir schon bei Lebzeiten einen Teil meines Erbes übergeben, vermag sich dieser vom Geiz wie von einem Wahnsinn besessene Mann doch nicht von einem noch so kleinen Teil seines Vermögens zu trennen.«

»So möchte ich dir einen Vorschlag machen, Geliebter! Verkaufe das Diamantenhalsband. Glaube mir, es wäre besser, wenn es aus dem Hause käme: dann werden wir vielleicht mehr Glück haben. Die Erinnerung an eine vergangene Zeit ruht wie ein Fluch auf uns.«

»Wie? Du willst dich von diesen herrlichen, strahlenden Steinen trennen, meine Ruth?« stieß Francis hervor und küßte sein Weib auf Stirn und Wange. »Ich wagte dir niemals diesen Vorschlag zu machen; da du ihn jedoch nun selbst aussprichst, nun, so werde ich die Diamanten veräußern.«

»Mein höchstes Kleinod ist deine Liebe!« antwortete das treue Weib und bot ihre rosigen Lippen noch einmal ihrem Gatten zum Kusse an.

Dann verließ Francis seine Gemahlin, und diese eilte in ihr Boudoir.

Hier öffnete sie einen kleinen geheimen Wandschrank. In diesem befand sich in einem Kasten, auf blauen Samt gebettet, das aus siebenundfünfzig herrlichen Steinen bestehende Kollier.

Sie nahm den Kasten heraus und betrachtete mit seltsamen Blicken der Juwelen Pracht.

»Die einzige Erinnerung!« flüsterte sie. »Fort, fort! – Ich will euch nicht mehr sehen, ihr gleißenden Steine. – Ihr seid das letzte, was mich an jene Zeit meines Lebens mahnt, die für mich begraben ist – begraben in des Wortes wahrster Bedeutung! Heute abend will ich euch zum letzten Male tragen und dann – niemals wieder.«

Sie schloß das Diamantenhalsband wieder in den geheimen Wandschrank. Dann ging sie mit der Kammerfrau in ihr Boudoir, um ihre Toilette für die spiritistische Sitzung vorzubereiten.

 

In dem herrlichen Hause Lord Chesterfields in der Nähe der Westminsterabtei war eine erlesene Gesellschaft versammelt.

Selbst der Prinz von Wales war erschienen. Auch er hatte von dem berühmten Italiener gehört, dessen Manifestationen aus der Geisterwelt bereits das Staunen der höchsten Kreise in Madrid und Rom erregt hatten, und der sich jetzt auch den Norden erobern wollte.

In der aus vierzig Personen bestehenden Gesellschaft befand sich nicht ein einziges Mitglied, das nicht mindestens eine Pairskrone auf seiner Visitenkarte hätte vorweisen können.

Lord Chesterfield versammelte seine Besucher zuerst in dem sogenannten japanischen Salon und empfing sie wie immer auf das gastfreundlichste.

Als Francis Kingworth mit seiner Gattin eintrat, ging ein leises Flüstern durch die Gesellschaft! So schön hatte die junge Lady noch niemals ausgesehen.

Ein mit Perlenschmuck besetztes schwarzes Kleid umschloß ihre Gestalt und verlieh derselben einen ätherischen Hauch, als wäre Ruth selbst aus der Geisterwelt gekommen.

An ihrem Halse blitzten und funkelten die Brillanten.

Der Prinz von Wales selbst zog Baronet Franeis Kingworth und seine Gemahlin sogleich ins Gespräch.

»Also auch Sie, Mylady,« lächelte der Thronfolger die schöne junge Frau an; »also auch Sie glauben an die Möglichkeit, mit Geistern Abgeschiedener zu verkehren? Nun, in mir erblicken Sie eigentlich einen unverbesserlichen Skeptiker. Ich kann mir nicht denken, daß ein Mensch, der schon begraben ist, wieder aufleben kann!«

Da blickte Lady Ruth den Thronfolger mit ihren großen, dunklen Augen lange und träumerisch an und erwiderte dann mit leiser Stimme:

»Das ist möglich, königliche Hoheit! – Man kann begraben sein und doch wieder zur Erde emporsteigen!«

In diesem Momente wandte sich Lord Chesterfield an seine Gäste mit den Worten:

»Darf ich die Herrschaften bitten, mir in das Gemach zu folgen, in welchem die Experimente stattfinden sollen? Signor Svengali erwartet uns bereits!«

Die Stimmung wurde plötzlich sehr ernst, ja gedrückt. Selbst die Spötter fingen an, sich zu fragen, ob es nicht doch möglich sei, daß sie in dem Gemache, in das sie geführt wurden, Uebernatürliches sehen würden.

Lautlos, von unsichtbaren Händen geöffnet, erschlossen sich die Türen vor dem Zuge, dem Lord Chesterfield an der Seite des Prinzen von Wales vorausschritt. Dann ging es eine Anzahl Stufen hinab – und man befand sich in der Hauskapelle.

Diese war sehr geschmackvoll erbaut. Sechzehn Säulen aus karrarischem Marmor trugen die Decke, geschmückt mit herrlichen biblischen Gemälden, die ihre Entstehung der Hand eines Meisters verdankten.

Die Bänke, die sich sonst in der Kapelle befanden, waren hinausgeräumt, dafür standen hier in ziemlicher Enge vierzig Sessel.

In der Mitte dieser Sessel erhob sich ein Podium, über das eine schwarze Decke gebreitet lag. Es gab keine schwarzen Wände, keine Kästen, keine Tische, keinen Nebenraum, in welchem irgend etwas hätte verborgen werden können. Das Podium lag frei und offen angesichts der Gäste und konnte von allen Seiten beobachtet werden.

Hinter den Säulen trat plötzlich ein hochgewachsener, schlanker Mann hervor – der Italiener Svengali.

Sein Gesicht war wachsgelb. Nachtschwarze Locken fielen ihm in die Stirn. Ein kurzer, schwarzer Vollbart umrahmte sein Antlitz. Seine großen, dunklen Augen blickten starr und tränenschwer.

Lord Chesterfield führte ihn auf das Podium. Dann sagte er, indem er sich tief vor dem Prinzen von Wales verbeugte:

»Wollen Königliche Hoheit und Sie, meine verehrten Gäste, gestatten, Ihnen Signor Svengali aus Rom vorzustellen? Der Mann hat einen tiefen Blick in die Geisterwelt getan und ist bereit, einige Beweise seiner mystischen Begabung zu liefern.«

Lord Chesterfield verließ darauf das Podium, auf dem nun der Italiener allein stehn blieb.

»Meine verehrten Herrschaften,« begann dieser mit sonorer Stimme, »ich bitte Sie vor allen Dingen, jeden Argwohn zu bannen! Ich bin kein Taschenspieler, und ich werde Ihnen keine derartigen Kunststücke zeigen. Ebenso werde ich auf jeden Vortrag verzichten und nicht mit Worten versuchen, auf Sie zu wirken. Nur bitte ich Sie um das eine, falten Sie jetzt die Hände und beten Sie leise einige Worte.«

Selbstverständlich erfüllte die Gesellschaft den Wunsch des Spiritisten. Leise Gebete wurden gemurmelt. Eine Orgel hob an zu klingen und zu tönen, eine gedämpfte, wehmütige und doch ausdrucksvolle Weise.

»Das rote Licht!« rief Svengali plötzlich aus, während er dastand, als wäre eine Erstarrung über ihn gekommen. »Das rote Licht ist da – es verkündet mir, daß die Geister mit uns in Verbindung treten wollen!«

An der Decke der Kapelle flammte plötzlich ein rotes Licht auf – nicht intensiv, es war, als erstrahlte die ganze Decke von einem rosigen Scheine. Dieses rote Licht verdüsterte sich, bis es einen roten Stern bildete, und der stand gerade über dem Haupte Svengalis.

»Ich bitte, mir jetzt zu sagen, welchen Geist ich herbeirufen soll!«

Aller Blicke waren natürlich auf den Thronfolger gerichtet, und dieser antwortete mit kräftiger Stimme:

»Ich wünsche den Geist jenes Königs Karl von England zu sehen, dessen Blut ungerecht und gewaltsam durch Cromwell vergossen wurde!«

Kaum hatte der Thronfolger diese Worte gesprochen, als plötzlich ein Donner über das Haus hinrollte und ein Erdbeben die Mauern des Palais erbeben machte.

Unmittelbar darauf folgte eine tiefe Stille. Svengali hatte sich auf die Knie niedergeworfen, er streckte die Arme hoch empor. Sein Gesicht war bleich und verzerrt. – Die Augen traten ihm förmlich aus den Höhlen heraus und waren von furchtbarer Starrheit.

Lady Ruth schmiegte sich fest an ihren Gatten, der neben ihr saß.

»Fürchte dich nicht, mein Lieb!« flüsterte Francis ihr zu. »Du magst mir glauben, es geht alles mit rechten Dingen zu. Wir folgen der interessanten Darstellung eines Gauklers, nichts weiter.«

In demselben Moment rang sich über die Lippen des Thronfolgers ein heiserer Schrei.

Von der Wand her war ein schräges weißes Licht auf das Podium gefallen, und gerade dort, wo dieses das schwarze Tuch desselben berührte, erhob sich jetzt eine schattenhafte Gestalt.

Diese war keineswegs weiß, wie man sich Geister gewöhnlich vorstellt, nein, grau, wie aus Nebel gewoben; aus Dunst und Hauch schien sie zu bestehn. Aber in wenigen Minuten verdichtete sich die nebelhafte Gestalt, so daß dieselbe immer deutlicher wurde. Ein Körper war es, bekleidet mit schwarzem Wams, mit Pluderhosen und hohen Reitstiefeln, und diesem Körper fehlte der Kopf.

»König Karl von England, ich grüße dich!« rief Svengali mit gepreßter Stimme.

Die Nebelgestalt erhob die Hand.

»Antworte mir, Geist des edlen Königs!« rief Svengali weiter. »Bist du in jenen Sphären, in denen du jetzt weilest, demjenigen begegnet, der dir hier auf Erden so wehe getan hat?«

Der Geist antwortete nicht. Svengali begann zu bitten, zu flehen, zu weinen, zu schluchzen, er geriet in Verzückungen. Aber der Geist zerfloß langsam vor den Blicken der Zuschauer in Nebel.

In demselben Augenblick, in welchem der Geist auf dem Podium nicht mehr zu sehen war, flammte das rote Licht über dem Haupte des Italieners wieder auf.

Alle Anwesenden waren tief ergriffen. War dies ein Gaukelspiel, so war es doch mindestens sehr geschickt, daß man auf das höchste interessiert werden konnte. Indes fand sich unter den vierzig Gästen Lord Chesterfields kaum einer, der an Gaukelei dachte und nicht überzeugt war, daß man es hier wirklich mit übernatürlichen Dingen zu tun hätte.

Lady Chesterfield, die Dame des Hauses, wünschte den Geist ihrer verstorbenen Mutter zu sehen.

Diesmal mußte Svengali länger beschwören, aber schließlich erschien auf dem Podium wieder eine Gestalt, die jedoch ganz weiß war.

»Der Geist Ihrer Mutter ist da, Lady Chesterfield!« rief Svengali aus. »Richten Sie an ihn eine Frage!«

Die Lady war indes so tief ergriffen, daß sie anfangs kein Wort hervorstoßen konnte. Endlich raffte sie sich zu der Frage auf:

»Hast du, teure Mutter, auch im Jenseits mir deine Liebe bewahrt?«

Der Geist blieb stumm.

»Fragen Sie noch einmal, wenn ich bitten darf, Mylady!«

Die Lady wiederholte ihre Frage. Aber der Geist schüttelte nur traurig das Haupt, und als sie zum dritten Male eine solche an ihn richtete, verschwand er.

Der Oberrichter Lord Courzon bat jetzt Svengali, einen gewissen Tom Hewkins zu zitieren.

Dieser Tom Hewkins war kürzlich unter dem Vorsitze des Lordoberrichters zum Tode durch den Strang verurteilt worden, weil er einen abscheulichen Mord an seiner Gattin vollführt haben sollte.

Man beschuldigte ihn nämlich, seine Frau durch das Fenster des dritten Stockwerkes seiner Wohnung auf das Pflaster geschleudert zu haben, während er behauptete, daß seine Gattin – allerdings nach einem heftigen Streite mit ihm – sich freiwillig aus dem Fenster auf die Straße geworfen hätte, um ihrem Leben ein Ende zu bereiten.

Tom Hewkins hatte bis zum letzten Momente hartnäckig seine Unschuld beteuert, ja selbst als der Henker von London ihm den Strick um den Hals gelegt, hatte er noch ausgerufen:

» I am innocent! – Ich bin unschuldig!«

Der Geist Tom Hewkins ließ sich ziemlich lange bitten, bis er das Jenseits verließ, um sich noch einmal auf dieser schönen Welt zu produzieren. Er wollte und wollte nicht kommen, und es bedurfte der ganzen Kraft Svengalis, ihn herbeizuziehen.

Doch plötzlich stand Tom Hewkins zum Entsetzen aller Anwesenden, von denen einige der Hinrichtung beigewohnt hatten, leibhaftig vor ihnen auf dem Podium.

Bei diesem Geist konnte man sogar ganz genau die Gesichtszüge unterscheiden. Es war das hagere, eingefallene Gesicht eines zum Tode Verurteilten, mit verzerrten, ganz stieren Augen; genau so hatte Tom Hewkins ausgesehen, als er zum Galgen geführt worden war.

Lord Courzon standen große Schweißtropfen auf der Stirn. Er vermochte kaum seine Besinnung zu bewahren, und als Svengali ihn aufforderte, an den Geist eine Frage zu richten, schnappte er förmlich nach Luft, und es wäre ihm lieber gewesen, wenn der Hingerichtete dort geblieben wäre, wohin er ihn selbst geschickt hatte.

»So fragen Sie doch, Mylord!« rief Svengali. »Der Geist scheint willfährig zu sein. Vielleicht wird er antworten!«

Mit wahrer Armesündermiene und mit kaum vernehmbarer Stimme stieß Lord Courzon hervor:

»Tom Hewkins, ich frage dich, hat man dich unschuldig gerichtet oder verdientest du die Strafe, die dir zuteil geworden ist?«

Doch auch Tom Hewkins blieb stumm!

In liebenswürdiger Weise richtete Lord Courzon noch mehrere Male dieselbe Frage an ihn, die ihn jetzt, nachdem der arme Kerl bereits erdrosselt war, mehr zu interessieren schien als bei dessen Lebzeiten. Aber der Geist schwieg, wie die vor ihm erschienenen.

»Auch dieser Geist will nicht antworten,« rief Svengali aus; »das ist in der Tat sonderbar! Es muß irgend ein wichtiger Umstand vorliegen, welcher die Geister verhindert, zu reden! – »Ha! Schon verschwindet der Geist Tom Hewkins! – Wohlan, es bleibt mir nichts anderes übrig, als Ori zu rufen, mein Medium, das zwischen mir und den Geistern steht, und meinen Verkehr mit ihnen vermittelt. – Erscheine, Ori! – Hervor, Ori! – Ich befehle dir, gib mir Antwort!«

Diesmal ließ sich kein Geist sehen, aber plötzlich rief eine feine Stimme, welche ungefähr wie die eines Kindes klang, laut und deutlich die Worte:

»Was befiehlst du, mein Seelenfreund, dem ich dienen muß?«

»Antworte mir, Ori,« versetzte Svengali, »warum bleiben alle Geister, die heute vor mir erscheinen stumm?!«

»Meister,« lautete die Antwort, »die Geister reden nicht, weil sie erzürnt sind.«

»Und weshalb sind sie erzürnt? – Was habe ich verschuldet?«

»Du hast sie aus weiten Sphären gerufen, hast sie gezwungen, hier zu erscheinen, obwohl in diesem Raume eine Person weilt, die an ihrem Leibe das Gewesene trägt!!«

»Das Gewesene?« stieß Svengali mit tief erbebender Stimme hervor. »Sprich deutlich, Ori, was ist das – Gewesene?!«

»Was gewesen ist, das ruht jetzt im Grabe! Verbrecherhände haben die Grabesruhe gestört! Wehe demjenigen, der nicht freiwillig sich des Geraubten entäußert! Die Rache des Himmels wird ihn sicher treffen!«

In diesem Augenblick erscholl ein seltsamer Ton – ein Gegenstand fiel mit hellem Klang zu Boden.

Es donnerte, ein Blitz zuckte nieder, und plötzlich begannen die Kerzen in der Kapelle, die vorher erloschen waren, wieder hell zu brennen.

»Was ist da zu Boden gefallen?« fragte Svengali mit lauter Stimme. »Meine Herrschaften, haben Sie die Güte, nachzusehen, ob unter Ihrem Sessel irgend ein Gegenstand liegt, der sich plötzlich von Ihrem Körper gelöst hat, und dann werden wir wissen, was Ori gemeint hat mit dem Gewesenen!!«

Tiefe Stille – dann ertönte die Stimme Lord Chesterfields, welcher vernehmlich ausrief:

»Verzeihen Sie, Mylady, unter Ihrem Sessel liegt das Brillantenhalsband, das Sie soeben noch getragen haben!«

Diese Worte waren an Lady Ruth Kingworth gerichtet, die kreidebleich, keiner Bewegung mächtig, in ihrem Fauteuil saß.

Aller Blicke richteten sich entsetzt auf die Lady, der Thronfolger zog sich langsam zurück und verließ die Kapelle.

In fluchtähnlicher Hast folgten ihm die andern, auch Svengali war ganz plötzlich verschwunden.

In der Kapelle befand sich Baronet Francis Kingworth mit seiner Gemahlin allein, welche bewußtlos geworden war.

 

Kingworth neigte sich über seine schöne Gattin, rüttelte sie auf und rief ihr zu:

»Ruth, Ruth, erwache!«

Sie schlug die Augen auf, ein schwerer Seufzer entrang sich ihrer wogenden Brust.

»Francis,« stöhnte sie, »geliebter Mann, du hast es nun selbst gehört, wir dürfen nicht zusammenbleiben, ein Verbrechen hat uns vereinigt! Du kannst niemals glücklich werden mit mir, nur um meinetwillen verfolgt dich das Mißgeschick! O, flieh mich, laß mich allein, laß mich wieder zurück in mein Elend!«

»Ruth, mein Weib, mein Alles!« rang es sich von den Lippen des Baronets. »Wie kannst du nur dem Gedanken Worte leihen, daß ich dich jemals verlassen könnte?! Habe ich dich mir nicht schwer genug erkämpft? Ach, glaube nicht an jenes törichte Gaukelspiel, das man uns soeben vorgemacht hat! Es ist nicht wahr! Die Geister können nicht wieder auf die Erde zurückkehren!!«

»Nein, Geliebter, wir dürfen nicht länger daran zweifeln, daß es, wie der große Dichter sagt, Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, von dem unsre Schulweisheit sich nichts träumen läßt!! Merktest du nicht, wie in demselben Augenblick, in welchem jener Geist von dem Gewesenen sprach, das durch frevlerische Hände dem Grabe entrissen wurde, merktest du nicht, wie in demselben Augenblick das Schloß meines Kolliers sich öffnete und da – da liegen die blitzenden Brillanten auf der Erde. – Nein, nein, funkelt mich nicht so höhnisch an! – Geht, geht, sage ich, geht, ich will euch nicht mehr sehen! – Wollt ihr mich denn ewig mahnen an den großen Betrug?! O, der Himmel weiß, ich habe ihn aus Liebe ausgeführt, nur aus Liebe, und ich hatte ein Recht dazu!! – Ha! Ha! Ein Feuermeer bricht aus diesen Brillanten hervor!! Die Flammen erfassen mich! So rette mich doch, Francis, rette mich! – Ha! Der Sarg will sich nicht öffnen lassen! Hilfe! Hilfe! Ich ersticke! – Francis, hinweg! Ich hasse dich!!«

»Barmherziger Gott!« schrie Kingworth auf. »Sie ist wahnsinnig, mein Weib, meine Ruth wahnsinnig!«

Seine zitternden Arme umwanden die Erbebende und hoben sie empor.

Da blitzten ihm die Brillanten entgegen. Er raffte sie vom Boden auf und steckte sie achtlos in die Tasche.

Sir Francis Kingworth trug sein wahnsinniges Weib von dannen.

Er flüchtete mit ihr aus der Kapelle, und kaum hatte sich die schwere, eisenbeschlagene Tür von innen geschlossen, als eine kleine Versenkung im Podium sich öffnete und der Kopf Svengalis, des Spiritisten, daraus zum Vorschein kam.

»Das hat gewirkt!« stieß der Italiener, mit der Stimme Nobodys hervor. »Ein wichtiges Geständnis: diese Ehe ist durch einen Betrug zustande gekommen, durch irgend ein Verbrechen, welches ich zwar noch nicht klar durchschaue, das ich aber doch ahne! Lady Ruths Nervensystem ist tief erschüttert; sie tut mir leid, diese junge, schöne Frau, aber ich konnte ihr diese Szene nicht ersparen. Jetzt gilt es, die Gelegenheit zu benutzen. Bald werde ich wissen, wer das Brillantenhalsband der Gemahlin des Fürsten Lubanow gestohlen hat!«

 

Das kleine Gut, welches Baronet Francis Kingworth von den vielen Reichtümern seiner Ahnen einzig und allein noch verblieben war, lag in Schottland, und zwar in einer ebenso schönen, wie romantischen Gegend.

Das Schloß war auf einem Hügel gelegen, der sanft zu einem blauen See abfiel, zu einem jener schottischen Bergseen, welche unergründlich tief sind, und von denen die Volkssage behauptet, daß in ihnen noch wunderbare Wesen wohnen, halb Mensch, halb Fisch, die in mondhellen Nächten emporsteigen.

Soweit das Auge blicken konnte, breiteten sich Eichenwälder aus, zwischen diesen aber dehnten sich saftige Wiesen entlang.

Auf diesen grünen Triften weideten große Herden von Schafen, welche ja in Schottland sowohl wegen ihrer Wolle, als auch wegen ihres Fleisches berühmt sind.

Die Hirten dieser Herden wohnen im Walde, nur selten kehren sie in ihr Heimatsdorf zurück, gewöhnlich nur dann, wenn sie den Besitzern der Herden diese zuführen müssen.

Zumeist sind es alte Leute, welche das Amt eines Hirten übernommen haben. Sie bauen sich im Walde eine kleine Hütte, die wohl das primitivste Wohnhaus ist, das man sich denken kann.

Ja, oft verzichten sie sogar noch auf diese und machen es sich im Innern einer großen, hohlen Eiche bequem.

Sie brauchen herzlich wenig. Eine wollene Decke, einen Kochtopf, ein wenig Tabak, ein Feuerzeug und ihre Schalmeien, mit deren Spiel sie sich die Zeit vertreiben.

In diese idyllische Gegend waren Sir Francis und seine Ruth übersiedelt, sobald der Zustand derselben die Reise gestattete.

Dies war wohl acht Tage nach jener verhängnisvollen spiritistischen Seance im Hause Lord Chesterfields.

Ueber dieselbe wurde übrigens strengstes Stillschweigen bewahrt. Lord Chesterfield hatte alle seine Gäste dazu verpflichtet.

Lady Ruth hatte einige Tage im Fieber gelegen, allmählich war dasselbe jedoch gewichen, das schöne junge Weib hatte das Bett wieder verlassen können, und nur eine tiefe Blässe, sowie eine tiefe Traurigkeit wollten nicht vergehen.

Sir Francis hatte darauf gedrungen, mit Ruth nach Schottland zu gehn, um auf seinem Schlosse, das den Namen der Kingworths trug, zu wohnen.

Er hatte dafür eigentlich einen doppelten Grund.

Erstens versprach er sich von der kräftigen Luft der schottischen Eichenwälder und von den Bädern im See für Ruth eine schnellere Genesung und eine große Beruhigung ihrer Nerven; zweitens aber wurde er von seinen Gläubigern so sehr bedrängt, daß er es für geraten fand, auf einige Zeit aus London zu verschwinden.

Das verhängnisvolle Diamantenhalsband hatte er noch immer nicht zu Gelde gemacht.

Er hatte es mit sich genommen; aber er wußte, daß die Stunde kommen würde, da er genötigt war, den herrlichen Schmuck zu verkaufen.

Sein Oheim, Lord Ravenhorst, hatte ihm auf eine neuerliche Bitte um Hilfe kalt und abweisend geantwortet und ihm geschrieben:

»Nach meinem Tode erhältst du alles, solange ich lebe – nichts!«

Das Leben, das Kingworth und Ruth auf dem kleinen Schlosse führten, war das denkbar einfachste.

Francis jagte im Walde, fischte im See und widmete seinem jungen Weibe die zärtlichste Fürsorge.

Ruth dagegen suchte in weiten Spaziergängen Erholung.

Ach, sie fühlte nur zu gut, daß sie keineswegs gesundet sei; aber sie wollte den teuren Gatten nicht beunruhigen und verschwieg ihm die Beobachtungen die sie an sich selbst machte: sie nahm wahr, daß sie von Tag zu Tag hinfälliger wurde.

Ein schleichendes Fieber, das ihren Puls verlangsamte und so schwach werden ließ, daß man ihn oft kaum fühlte, zehrte an ihr. Und doch ging ihr Leiden von einem seelischen Schmerz und nicht von einem körperlichen aus.

Sie sagte sich, daß kein Arzt ihr helfen könnte, und wiewohl Francis in sie drang und sie flehentlich bat, ihm zu gestatten, einen berühmten Psychopathen nach Kingworth kommen zu lassen, schlug sie ihm diese Bitte rundweg ab.

»Weißt du, mein Schatz,« sagte Kingworth eines Tages zu ihr, »wenn du schon keinen Arzt haben willst, so wende dich doch einmal an einen der Schäfer, ich meine an einen jener alten Hirten, denen du ja hin und wieder auf deinen Spaziergängen begegnest. Diese alten Leute haben sich viele Erfahrungen gesammelt, und man behauptet von ihnen, daß sie mancherlei wissen, was andern Leuten verborgen bleibt.

»Da ist zum Beispiel der alte Poggy! Die ganze Landbevölkerung schwört auf ihn, und man holt sich bei ihm Rat für alle Leiden. Wenn du es wünschest, so werde ich dich zu dem Sonderling bringen!«

»Aber ich bitte dich, Francis,« antwortete die schöne junge Frau, »wie sollte ein alter Schäfer mir helfen können?«

Trotzdem mußte sie immer wieder an die Worte ihres Gatten denken, und heimlich erkundigte sie sich bei einer Magd des Schlosses, wo der alte Poggy wohne.

»Der wohnt überhaupt nicht,« antwortete die Magd. »Er haust in einer hohlen Eiche drüben im Walde von Duncinam. Sie können den Weg gar nicht verfehlen, wenn Sie mit dem Boot quer über den See fahren und dann in gerader Richtung tiefer in den Wald eindringen!« –

Es war ein gewitterschwerer Abend, an dem sich die schöne Lady aufmachte, den alten Schäfer Poggy aufzusuchen.

Sie selbst ruderte sich über den See, band das Boot dann fest und wanderte in den Wald hinein.

Sie mochte etwa eine Stunde lang gegangen sein, schon begann sie müde zu werden, und sie dachte daran, das fruchtlose Suchen aufzugeben, da es ihr bisher nicht gelungen war, den alten Schäfer zu finden, als sie plötzlich, da sie gerade an einer großen, alten Eiche vorüberging, die melancholischen Töne einer Schalmei vernahm.

Lauschend blieb Lady Ruth Kingworth stehn.

Die Schalmei wurde wunderbar geblasen, man entlockte ihr ein altes schottisches Volkslied. Und doch konnte die Lady den Spieler nicht entdecken.

Da plötzlich tauchte aus der hohlen Eiche, von welcher die Lady etwa zehn Schritte entfernt stand, ein Gesicht auf, dessen Anblick sie erschreckte und entsetzte.

War es das Antlitz eines Toten, welches sie da sah?

Jetzt öffneten sich die schmalen Lippen des völlig bartlosen, mit unzähligen Falten bedeckten Gesichtes, und eine näselnde Stimme rief:

»Was willst du an der Druideneiche, schönes Kind? Der alte Poggy, der 110 Jahre lang schon die Welt gesehen hat, fragt dich, was willst du?«

Ah, das war also der alte Poggy, da war Ruth eben recht am Ort!

Die Lady faßte sich ein Herz und bat den Alten, ein wenig aus seiner hohlen Eiche hervorzukommen und sie anzuhören.

Eine gebückte Gestalt kroch aus der Oeffnung hervor und richtete sich dann auf, ein Greis mit kahlem Schädel, dem Gesicht einer Mumie und einer Gestalt, die der des Todes glich, kam, auf einen Stock gestützt, herangehumpelt.

»Was begehrst du von mir, Lady Ruth?« fragte der Alte hüstelnd.

Wie? Der alte Schäfer kannte sie? Er nannte ihren Namen?!

»Ich kenne alle Menschen, die auf dem Boden Schottlands wohnen,« stieß der Alte hervor. »Ich weiß auch, was dich zu mir führt! Du begehrst Heilung für deine Leiden, Linderung deiner Schmerzen, Erlösung von deiner Pein! Schöne Lady, dein Leib ist gesund wie der Kern der Haselnuß, aber der Wurm sitzt darin – dich, Lady Kingworth, quält dein Gewissen!! Du hast einmal in deinem Leben etwas begangen, das wie ein großes Feuer auf deiner Seele brennt!!«

»Und wenn dem so wäre?« flüsterte die Lady. »Gibt es kein Mittel, mein Gewissen zu betäuben? Ach, alter Poggy, ich verspreche dir alles, was es auch sei – nur gib mir Erlösung von meiner grenzenlosen Pein!«

Der hundertzehnjährige Schäfer war noch ein wenig näher auf sie zugekommen.

»Wenn du mir Glauben schenkst, wirst du noch einmal glücklich werden,« keuchte er. »Höre, was ich dir sage, und präge dir meine Worte genau ein!! Schreibe nieder, was du getan hast, eine aufrichtige Beichte muß es sein, nichts darf darin fehlen. Du mußt dir alles vom Herzen herunterschreiben! Du besitzt ein Diamantenhalsband, es hat dir Fluch und Leid gebracht!«

»Ich weiß,« stöhnte die Lady, »ich weiß, und ich bin bereit, mich dieses Kleinods zu entäußern, mag es auch noch so kostbar sein!«

»So nimm ein Kästchen aus starkem Eichenholz,« fuhr der Alte fort, »darein verschließe die Kette und deine Beichte, und morgen nacht, wenn die Schloßuhr von Kingworth die Geisterstunde verkündet hat, wirf aus dem Fenster deines Schlosses, das auf den See hinausgeht, das Kästchen in die Flut! Dann bete sieben Vaterunser! – Vergiß das nicht! – Und sei gewiß, dir wird geholfen werden! Fürchte auch nicht, meine Tochter,« fuhr der Alte fort, »daß dein Geständnis in fremde Hände gelangen könnte! – Der See ist tief, was er einmal verschlungen hat, gibt er niemals wieder heraus. Nun geh! – Tust du das, was ich dir geraten habe, so wird es gut sein für dich, wenn nicht, komme nie wieder zum alten Poggy und zur Druideneiche!! – Dann wirst du übrigens auch nicht mehr lange kommen können, denn – dann liegt deine Zukunft – der Alte stieß mit dem Stocke auf den Waldboden – »hier unter der Erde!!«

Damit wandte Poggy der Lady den Rücken und verschwand wieder in seiner Eiche, aus welcher alsbald die wehmütigsten Klänge seiner Schalmei ertönten.

 

Die Turmuhr des Schlosses Kingworth verkündete die Mitternachtsstunde. Leise öffnete sich oben im Schlosse ein Fenster. Der Mond beleuchtete ein schönes, bleiches Frauenangesicht, auf dem ein kurzer Seelenkampf sich abspiegelte.

Dann flog plötzlich ein kleiner Gegenstand vom Fenster herab durch die Lüfte, er schlug auf den See auf, die Wogen verschlangen ihn.

Oben wurde das Fenster mit einem leichten Schrei geschlossen. Aus einem nahen Gebüsch aber sprang ein unbekleideter, herrlich gebauter Mann und stürzte sich kopfüber in die Flut hinein.

Der Mann verschwand unter den Wogen.

Fast eine Minute verging – da wurde das Wasser von zwei kräftigen Armen geteilt, ein blendendschöner Körper hob sich empor, ein Kopf kam zum Vorschein! –

Nobody, der Detektiv, sprang ans Ufer.

Vom Grunde des Sees hatte er ein Kästchen emporgeholt.

Es war dasselbe Kästchen, dem Lady Ruth ihr Geständnis anvertraut hatte.

Hinter dem Gebüsch kleidete sich Nobody an, dann wanderte er ins Dorf, das etwa eine Stunde vom See entfernt lag.

Hier hatte er seit vierzehn Tagen ein Zimmer gemietet. Von da aus war er mit den Sitten und Gewohnheiten der Bewohner bekannt geworden.

Hier hatte er auch gehört, daß es einen alten Poggy gebe, der in einer hohlen Eiche hause, und dann hatte er mit Glück gespielt, um der Lady ihr Geständnis zu entlocken.

Und dieses konnte er jetzt in dem Kästchen, das er vom Grunde des Sees emporgeholt hatte, auf seinen Tisch stellen, als er in sein Zimmer eingetreten war.

Nobody zündete die Kerze an, er öffnete das Kästchen – das kostbare Brillantenhalsband funkelte ihm entgegen, aber wichtiger als dieses war ihm ein Papier, das mit den Schriftzügen der Lady bedeckt war.

Das Geständnis erfüllte ganz und gar die Erwartungen Nobodys:

»Als Mädchen hieß ich Komtesse Helena Szienkiewicz!

»Fürst Lubanow gewann mich im Spiel meinem Vater ab!

»Ich war das unglücklichste Geschöpf unter der Sonne, als dieser mir verkündete, daß ich Lubanow angehören müsse! Denn ich liebte Baronet Francis Kingworth, der damals als Attaché in Paris lebte, und den ich gelegentlich eines Besuches in der Hauptstadt kennen gelernt hatte! Aber um die Ehre meines Vaters zu retten, mußte ich sein Versprechen erfüllen!

»Ich wurde Fürstin Lubanow! Doch niemals habe ich dem Fürsten wirklich angehört. Ich verstand es, ihn hinzuhalten, und endlich beschloß ich, Furchtbares zu wagen, um ihm für immer zu entgehn!

»Francis verschaffte sich für schweres Geld von einem Apotheker in Petersburg einen Schlaftrunk, der alle Todessymptome an dem, der ihn genommen, gewahren ließ! Ich genoß ihn.

»Man hielt mich für tot, man legte mich in einen goldenen Sarg, man bestattete mich im Erbbegräbnis der Lubanows. Aber in derselben Nacht erbrach Francis dasselbe, befreite mich, und eine weibliche Leiche, die er sich aus der Anatomie verschafft hatte, kam an meine Stelle!

»Nicht mit Absicht hatte ich bei meiner Flucht aus dem Sarge das herrliche Brillantenhalsband mitgenommen, das Lubanow mir geschenkt hatte.

»Ich behielt es noch, nachdem ich die Gattin Francis' geworden war. – Niemand ahnt, daß Helena Szienkiewicz noch lebt, daß die Fürstin Lubanow noch auf Erden weilt, aber ich würde gern in Wahrheit sterben, wenn ich mich von meinem geliebten Gatten trennen müßte!!«

»Wackere Frau,« rief Nobody, nachdem er dieses Geständnis nicht ohne Rührung gelesen hatte. »Nein, dein Friede soll nicht gestört werden. Du bleibst Lady Ruth Kingworth, denn Nobody wird dein Geheimnis niemals verraten!!«

 

Wenige Tage später erhielt Fürst Lubanow sein Diamantenhalsband durch die Post zugestellt, und Nobody schrieb ihm die wenigen Worte dazu:

»Ihnen das Halsband, das Geheimnis bleibt mein!«

Zufällig an demselben Tage aber empfingen Francis und Ruth die Nachricht, daß der alte, geizige Lord Ravenhorst gestorben und Francis Kingworth durch das Testament des Lords zum alleinigen Erben eingesetzt worden sei. – – –

Niemals erfuhren die beiden glücklichen Menschen, welch entscheidende Rolle der berühmte Detektiv Nobody in ihrem Leben gespielt hatte. –

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