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Des Baumes Frucht

Edith Wharton: Des Baumes Frucht - Kapitel 38
Quellenangabe
authorEdith Wharton
titleDes Baumes Frucht
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2017
firstpub2017
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20170825
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XXXVII.

Doch das Denken konnte zwischen ihnen nie lange stumm bleiben; und Justines Triumph dauerte nur einen Tag.

An dessen Ende erkannte sie, woraus er bestand: aus der Überlegenheit der Jugend und des Geschlechts über sein bezwungenes Urteil. Ihre erste Regung wollte den Sieg erproben und behaupten – warum nicht Gebrauch machen von den schützenden Künsten, mit denen die Liebe sie inspiriert hatte? Sie, die so stark aus ihrem Verstand lebte, konnte dies ebenso intensiv mit ihren Gefühlen; ihre rasche Vorstellungsgabe schulte ihre Blicke und Worte, lehrte sie, kahlgeschorene Riesen mit einem Bann zu belegen. Und einige wenige Tage verlor sie sich mit Amherst in dieser selbst geschaffenen Wolke der Leidenschaft; dabei klammerten sich beide fest an das Sichtbare, Greifbare ihrer Beziehung, als sei ihnen bewusst, dass deren feinere Essenz verflogen war.

Amherst machte keine Andeutungen auf das Geschehene, fragte nicht nach Einzelheiten, bot nichts Beruhigendes an – er verhielt sich, als ob die ganze Episode aus seinem Geist gelöscht worden sei. Und von Wyant kam kein Laut: er schien aus dem Leben verschwunden zu sein, wie er es aus ihrem Gespräch war.

Gegen Ende der Woche kündigte Amherst an, dass er nach Hanaford zurück müsse; und Justine erklärte sofort ihre Absicht, mit ihm zu fahren.

Er schien überrascht, fast verdutzt; und zum ersten Mal fiel der Schatten des Geschehenen sichtbar zwischen sie.

»Aber willst du Cicely verlassen, bevor Mr. Langhope zurück ist?« fragte er.

»Er wird in zwei Tagen hier sein.«

»Aber er wird dich hier erwarten.«

»Es ist bald April. Wir werden Cicely den Sommer über bei uns haben. Es gibt keinen Grund, weshalb ich nicht zu meiner Arbeit in Westmore zurück kommen sollte.«

Es gab tatsächlich keinen Grund, den er vorbringen konnte; und so kehrten sie am nächsten Tag zusammen nach Hanaford zurück.

Ihre Wahrnehmungen waren angespannt bis zum äußersten Punkt des Feingefühls, und sie spürte eine Veränderung, sobald sie Bessys Haus wieder betraten. Er verhielt sich noch immer gewissenhaft in seiner Rücksichtnahme, fast zu gewissenhaft in seinen Zärtlichkeiten, doch mit einem Hauch von Ermattung, wie bei einem Mann, der sich während des betäubenden Nahens einer Krankheit aufrecht zu halten sucht. Und sie begann die Macht, mit der sie ihn festhielt, zu hassen. Sie kam nicht daher, dass sie einst ihren Weg zusammen gegangen waren, frei im Geist, und doch in Gewohnheiten und im Fühlen so stark verbunden – als ihre Liebe noch keine tötende Droge gewesen war, sondern ein belebendes Element, das die Gedanken klärte, anstatt sie abzuwürgen. Es gab Augenblicke, in denen sie spürte, dass offene Distanzierung leichter fiele, weil sie näher an der Wahrheit läge. Und in solchen Augenblicken verlangte es sie zu sprechen, ihn zu bitten, seine Gedanken zu äußern, sich mit ihr ein für alle Mal in die Tiefen jenes Themas zu begeben, das sie weiterhin vermieden. Aber am Ende ließ ihr Herz sie stets im Stich: sie konnte sich nicht dem Gedanken stellen, ihn zu verlieren, von ihm entfremdende Worte zu ihr anzuhören.

Sie waren etwa zehn Tage in Hanaford gewesen, als Amherst eines Morgens beim Frühstück plötzlich einen Ausruf vernehmen ließ, während er einen Brief las.

»Worum geht's?« fragte sie bebend.

Er war sehr bleich geworden und schob sich das Haar aus der Stirn mit jener Geste, die für ihn in Momenten quälender Unentschlossenheit bezeichnend war.

»Worum geht es?« wiederholte Justine mit steigender Angst.

»Nichts – –« begann er und warf den Brief unter den Stapel von Umschlägen neben seinem Teller; aber sie blickte ihn weiter ängstlich an, bis sie seine Augen zu ihren gezogen hatte.

»Mr. Langhope schreibt, dass sie Wyant im St. Christopher's eingestellt haben,« sagte er brüsk.

»Oh, der Brief – wir haben den Brief vergessen!« schrie sie.

»Ja – wir haben den Brief vergessen.«

»Aber wie kann er es wagen – –«

Amherst sagte nichts, aber das lange Schweigen zwischen ihnen schien voller ironischer Antworten, bis sie, kaum vernehmbarer als ihr Atem, heraus brachte: »Was wirst du tun?«

»Sofort schreiben – Mr. Langhope mitteilen, dass er für die Stelle nicht tauglich ist.«

»Natürlich – –« murmelte sie.

Er fuhr fort, seine anderen Briefe aufzureißen und ihre Inhalte durchzusehen. Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, ließ ihre Kaffeetasse unberührt, lauschte dem wiederholten Knistern zerrissenen Papiers, als er einen Brief nach dem anderen zur Seite warf.

Kurz darauf stand er von seinem Platz auf, und als sie ihm aus dem Esszimmer folgte, bemerkte sie, dass sein Frühstück ebenfalls unberührt geblieben war. Er nahm seine Briefe und ging zum Rauchzimmer; und nach kurzem Zögern schloss sie sich ihm an.

»John,« sagte sie von der Schwelle aus.

Er hatte sich gerade an seinen Schreibtisch gesetzt, drehte sich jedoch zu ihr um mit merklichem Bemühen um Freundlichkeit, was den starren Blick in seinem Gesicht umso ausgeprägter erscheinen ließ.

Sie schloss die Tür und ging zu ihm.

»Wenn du an Mr. Langhope schreibst – wird Dr. Wyant – wird er es ihm mitteilen,« sagte er.

»Ja – darauf müssen wir gefasst sein.«

Sie blieb stumm, und Amherst warf sich auf die Leder-Ottomane an der Wand. Sie stand vor ihm und rang die Hände in sprachloser Anspannung.

»Was schlägst du vor?« fragte er schließlich beinahe gereizt.

»Ich dachte nur … er sagte mir, er würde sich ordentlich verhalten, wenn er nur eine Chance bekäme,« sagte sie zögernd.

Amherst hob langsam seinen Kopf und schaute sie an. »Du meinst – ich soll nichts tun? Ist es das?«

Sie näherte sich ihm mit flehenden Augen. »Ich kann es nicht ertragen … ich kann es nicht ertragen, dass andere sich zwischen uns stellen,« brach es leidenschaftlich aus ihr heraus.

Er gab keine Antwort, aber sie sah einen Zug des Leidens auf seinem Gesicht; sie kam noch näher, sank auf die Ottomane nieder und legte ihre Hand auf seine. »John … oh, John, verschone mich,« flüsterte sie.

Einen Augenblick lang lag seine Hand ruhig unter ihrer; dann zog er sie fort und umschloss ihre zitternden Finger.

»Also gut – ich werde ihm eine Chance geben – ich werde nichts unternehmen,« sagte er und legte plötzlich seinen anderen Arm um sie.

Die Antwort darauf blieb ihr in der Kehle stecken und zwang ihr ein paar trockene Schluchzer ab; und als sie ihr Gesicht an ihn presste, hob er es und küsste sie sanft.

Aber sogar als sich ihre Lippen begegneten, spürte sie, dass sie einen Vertrag mit dem Siegel der Unehrenhaftigkeit versahen. Dass es mit seinem Kuss dahin kommen sollte, dies für sie zu bedeuten! Es war unerträglich – schlimmer als jede persönliche Qual – der Gedanke, ihn durch ihre Schwäche zur Lüge hinunter zu ziehen.

Sie zog sich zurück, erhob sich auf ihre Füße und schob seine zurückhaltende Hand beiseite.

»Nein – nein! Was sage ich da? Das darf nicht sein – du musst die Wahrheit sagen.« Ihre Stimme sammelte Stärke, während sie sprach. »Oh, vergiss, was ich gesagt habe – ich habe es nicht so gemeint!«

Er jedoch schien wiederum in Untätigkeit versunken, wie ein Mann, über den sich eine unheilvolle Lethargie verbreitet.

»John – John – vergiss es!« wiederholte sie eindringlich.

Er schaute zu ihr auf. »Dir ist klar, was das bedeutet?«

»Ja – es ist mir klar … Aber es muss sein … Und es wird keinen Unterschied zwischen uns machen … oder?«

»Nein – nein. Warum sollte es?« antwortete er apathisch.

»Dann schreib – teile Mr. Langhope mit, dass er die Stelle nicht bekommen kann. Ich will es hinter mir haben.«

Er erhob sich langsam, ohne sie wieder anzuschauen, und ging zu seinem Schreibtisch hinüber. Sie sank nieder auf die Ottomane und beobachtete ihn mit brennenden Augen, während er ein Blatt Briefpapier hervorholte und zu schreiben begann.

Doch nachdem er einige Wörter geschrieben hatte, legte er seinen Stift nieder und schwenkte seinen Stuhl herum, so dass er sie ansehen konnte.

»Ich kann es nicht auf die Art tun,« rief er.

»Wie sonst? Was meinst du?« sagte sie auffahrend.

Er schaute sie an. »Willst du, dass die Geschichte von Wyant kommt?«

»Oh – –« Sie erwiderte seinen Blick mit plötzlicher Einsicht. »Du willst es Mr. Langhope selbst sagen?«

»Ja. Ich werde den nächsten Zug nach New York nehmen und es ihm mitteilen.«

Ihr Zittern stieg so an, dass sie ihre Hände auf der Kante der Ottomane ruhen lassen musste, um sich zu festigen. »Aber wenn … wenn trotz allem … Wyant nicht reden würde?«

»Nun – selbst wenn er es nicht tun würde: Könntest du es ertragen, deine Sicherheit ihm zu verdanken zu haben?«

»Sicherheit!«

»Kommt es nicht dahin, wenn wir Angst haben zu reden?«

Sie saß schweigend da, ließ diese bittere Wahrheit in sich hinein sinken, bis sie Mut in ihre Adern ergoss.

»Ja – dahin kommt es,« gestand sie.

»Dann empfindest du es so wie ich?«

»Dass du hinfahren musst – – ?«

»Dass dies unerträglich ist!«

Die Worte zertrümmerten ihre letzte Illusion, und sie stand auf und ging hinüber zum Schreibtisch. »Ja – fahr hin,« sagte sie.

Er stand ebenfalls auf und nahm ihre beiden Hände, nicht zärtlich, sondern ernst, beinahe streng.

»Hör zu, Justine. Du musst begreifen, was dies genau bedeutet – bedeuten könnte. Ich bin bereit, so weiter zu machen wie jetzt … so lange wir können … weil ich dich liebe … weil ich alles tun würde, dir Schmerz zu ersparen. Aber wenn ich rede, muss ich alles sagen – ich muss die äußersten Konsequenzen dieser Angelegenheit berücksichtigen. Das ist es, was ich dir klar machen muss.«

Ihr Herz sank in der Vorahnung neuer Gefahr. »Welche Konsequenzen?«

»Kannst du es nicht selbst erkennen – wenn du in diesem Haus herum schaust?«

»In diesem Haus – –«

Er ließ ihre Hand sinken und drehte sich unversehens im Zimmer herum.

»Ich verdanke alles ihr,« brach es aus ihm heraus, »alles was ich bin, alles was ich besitze, alles was ich dir geben kann – und ich muss hingehen und ihrem Vater sagen, dass du …«

»Halt – halt!« schrie sie und hob ihre Hände, als wolle sie einen Schlag abwehren.

»Nein – ich höre nicht auf. Wir müssen uns dem stellen,« sagte er hartnäckig.

»Aber das – das ist nicht die Wahrheit! Du stellst es so dar, als ob – fast als ob – –«

»Ja – sprich nicht weiter. – Ist dir der Gedanke gekommen, dass er es denken könnte?« fragte Amherst mit einem schrecklichen Lachen. Daraufhin jedoch erholte sich ihr Mut, wie es immer bei ihr war, wenn er aufs Äußerste gefordert wurde.

»Nein – das glaube ich nicht! Wenn er es tut, dann deshalb, weil du selbst es denkst …« Ihre Stimme erstarb, und sie hob ihre Hände und presste sie an die Schläfen. »Und wenn du es denkst, ist es egal – so oder so …« Sie hielt inne, und ihre Stimme gewann ihre Kraft zurück. »Das ist es, dem ich mich stellen muss, bevor du fährst: was denkst du, was glaubst du von mir. Du hast es mir nie gesagt.«

Amherst antwortete mit Schweigen auf diese Herausforderung, während seine Wangen sich langsam röteten.

»Habe ich es dir nicht gesagt durch – durch das, was ich getan habe?« sagte er langsam.

»Nein – was du getan hast, hat verborgen, was du dachtest; und ich habe dir dabei geholfen, es zu verbergen – ich bin auch schuld daran! Aber es war nicht deswegen, dass wir – dass wir dieses halbe Jahr zusammen hatten … nicht um zu Mitwisserschaft und Ausflucht abzusinken! Ich brauche keine weitere Stunde vorgetäuschten Glücks. Ich will die Wahrheit von dir, welche auch immer es sein mag.«

Er stand bewegungslos und starrte übellaunig zu Boden. »Begreifst du nicht, dass das mein Elend ist – dass ich es selbst nicht weiß?«

»Du weißt nicht … was du von mir denkst?«

»Mein Gott, Justine, warum versuchst du das Leben nackt zu entblößen? Ich weiß nicht, was in mir in diesen letzten Wochen vorgegangen ist – –«

»Du musst wissen, wie du über mein Motiv denkst … das zu tun, was ich getan habe.«

Sie sah in seinem Gesicht, wie er zurückwich vor der letzten Andeutung auf jene Tat, um die sich ihrer beider Martyrium drehte. »Ich habe nie – keinen Augenblick lang – dein Motiv hinterfragt – oder nicht erkannt, dass es gerechtfertigt war … unter den bestehenden Umständen …«

»Oh, John – John!« brach es in wilder Freude aus ihr heraus, als sie ihren Freispruch vernahm; aber im nächsten Moment spürte ihre feine Wahrnehmung die unbewusste Reserviertheit hinter seinem Zugeständnis.

»Dein Kopf gibt mir Recht – nicht dein Herz; liegt nicht darin dein Elend?« sagte sie.

Er schaute sie fast mitleiderregend an, als liege es zuletzt an ihr, dass ihm die Erleuchtung komme. »Bei meiner Seele, ich weiß es nicht … ich kann es nicht sagen … es ist alles dunkel in mir. Ich weiß, du hast getan, was du für das Beste hieltest … wenn ich da gewesen wäre, hätte ich dich, glaube ich, gebeten, es zu tun … aber ich wünschte bei Gott – –«

Sie unterbrach ihn schluchzend. »Oh, ich hätte niemals zulassen dürfen, dass du mich liebst! Ich hätte erkennen müssen, dass ich von dir für immer getrennt war. Ich habe dir Elend gebracht, wo ich mein Leben für dich hergeben wollte! Ich verdiene nicht, dass du mir das vergibst.«

Ihr plötzlicher Ausbruch schien seine Selbstbeherrschung wieder herzustellen. Er ging zu ihr hin und nahm beruhigend ihre Hand.

»Es geht nicht um Vergebung, Justine. Wir wollen uns nicht gegenseitig mit nutzlosen Vorwürfen quälen. Wir müssen uns der Sache stellen, und es wird besser für uns sein, wenn wir sie ausgesprochen haben. Mir jedenfalls wird es besser gehen, wenn ich es Mr. Langhope gesagt habe. Aber bevor ich mich aufmache, möchte ich sicher gehen, dass du den Standpunkt, den er einnehmen könnte, begreifst … und die Wirkung, die er wahrscheinlich auf unsere Zukunft haben wird.«

»Unsere Zukunft?« Sie fuhr auf. »Nein, das verstehe ich nicht.«

Amherst wartete einen Moment, als suche er nach Worten, die sie am wenigsten quälen würden. »Mr. Langhope weiß, dass meine Ehe … unglücklich war; durch meine Schuld, wie er ohne Zweifel denkt. Und wenn er sich zu der Schlussfolgerung entschließt, dass … dass wir beide uns etwas aus einander machten … bevor … und dass es war, weil es eine Chance auf Genesung gab, dass du – –«

»Oh – –«

»Wir müssen uns dem stellen,« wiederholte er unbeugsam. »Und du musst begreifen, dass ich, wenn es den geringsten Hinweis dieser Art gibt, hier alles aufgeben werde, sobald es rechtlich geregelt werden kann – Gott, wie wird Tredegar diese Aufgabe lieben! – und du und ich werden gehen und ein neues Leben beginnen müssen … irgendwo anders.«

Für einen Augenblick schwoll wahnsinnige Hoffnung in ihr – die Vorstellung der Flucht mit ihm zu neuen Schauplätzen, zu einem neuen Leben, weg von dieser Spule Das Bild ›coil of memories‹ blieb in der Übersetzung erhalten, um den Zusammenhang mit der das gesamte Werk durchziehenden Großmetapher des ›thread‹, des Fadens, zu wahren. Die Verknüpfung mit dem Hauptthema des Romans, der Textilfabrik, zwingt zuletzt dazu, die Entscheidung der Autorin zu respektieren. – Zur Verwendung des Begriffs ›Spule‹ siehe auch Anm. 4. voller Erinnerungen, die sie hinunter zwangen wie in einem Netz. Aber die Antwort der Vernunft erfolgte sogleich – sie sah ihn getrennt von seiner gewöhnlichen Arbeit, seine Karriere zerstört, seine Ehre befleckt, und überdies – ach, das übertraf das vorige – seine Lebensaufgabe unvollendet, seine Leute zurück geworfen in die Tiefen, aus denen er sie empor gehoben hatte. Und all das durch ihr Handeln – all das, weil sie auf das Glück zu überstürzt zugegriffen hatte! Dieser Gedanke stachelte sie zu leidenschaftlicher Tätigkeit ihres Geistes an – brachte sie zu dem Entschluss, alles zu riskieren, alles zu wagen, bevor sie ihn weiter in ihren eigenen Untergang hinein riss. Sie spürte, wie ihr Kopf allmählich klar wurde und der Kloß in ihrem Hals sich löste.

»Ich verstehe,« sagt sie leise und hob ihren Blick zu seinen Augen.

»Und du bist bereit, die Konsequenzen zu akzeptieren? Denk noch einmal darüber nach, ehe es zu spät ist.«

Sie hielt inne. »Das ist es, was ich gerne hätte … worum ich dich bitten wollte … Zeit zum Nachdenken.«

Sie sah einen leichten Schatten über sein Gesicht ziehen, als habe er diesen Mangel an Mut bei ihr nicht erwartet; aber er sagte ruhig: »Du willst nicht, dass ich heute schon fahre?«

»Nicht heute – gib mir noch einen Tag.«

»Na gut.«

Sie legte scheu die Hand auf seinen Arm. »Bitte geh nach Westmore wie üblich – als ob nichts geschehen sei. Und heute abend … wenn du wieder da bist … habe ich mich entschieden.«

»Na gut,« wiederholte er.

»Wirst du den ganzen Tag weg sein?«

Er schaute auf seine Uhr. »Ja – das hatte ich vor; es sei denn – –«

»Nein; ich wäre lieber allein. Leb wohl,« sagte sie und ließ ihre Hand sanft über seinen Ärmel gleiten, als er sich zur Tür wandte.


 

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