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Des Baumes Frucht

Edith Wharton: Des Baumes Frucht - Kapitel 14
Quellenangabe
authorEdith Wharton
titleDes Baumes Frucht
publisherProjekt Gutenberg-DE
year2017
firstpub2017
translatorbruce.welch@gmx.de
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20170825
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XIII.

Mrs. Ansell war mit etwas beschäftigt, das sie ›Fädenaufsammeln‹ nannte. Sie hatte den Sommer im Ausland verbracht – war sogar erst vor wenigen Stunden von ihrem zurückkehrenden Dampfer weiter gereist zu dem kleinen Bahnhof von Lynbrook – und machte nun am hellen Septembernachmittag, der ihr die Terrasse des Lynbrook-Hauses zu alleinigem Besitz überließ, von jener angenehmen Anhöhe als einem Beobachtungspunkt Gebrauch, um auf ihm einige der losen Enden der Geschichte aufzuheben, die bei ihrer Abreise liegen geblieben waren.

Man hätte denken mögen, dass der gegenwärtige, sich unter ihr ausbreitende Schauplatz – die tiefer liegenden Gärten, der Tennisplatz, die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die sich zum marineblauen Schimmer der Hampstead Plains hinab neigten – derzeit wenig Material zu ihrem Zweck bot; aber dies hätte bedeutet, ihn mit oberflächlichen Augen anzuschauen. Mrs. Ansells geschulter Blick wurde zum Beispiel außerordentlich dadurch erleuchtet, dass den Tennisplatz eine Gruppe säumte, die träge die an den Netzen sich abhetzenden Gestalten beobachtete, und dass, als sie ihren Kopf zur Zugangsstraße drehte, der entfernte Anblick eines von einem Gepäckwagen gefolgten Bahnhofsbusses ankündigte, dass weitere Gäste zu jenen hinzukommen würden, die bereits die Ausdehnbarkeit der Mittagstafel fast an ihre Grenzen gebracht hatte.

All das erteilte dem eingeweihten Auge zahlreiche Hinweise; aber deren Stellenwert trat ganz zurück hinter dem der Annäherung zweier Gestalten, die sich, wie Mrs. Ansell beobachtete, von der Gruppe um den Tennisplatz absonderten und den Rasen zur Terrasse hin in lässigem Schritt überquerten. Diese Gestalten – ein schmächtiger junger Mannes mit gebeugten Schultern und eine gleichfalls jugendlich-schlanke Dame von jedoch aufgerichteter Haltung – rückten ins Gespräch vertieft vor, gleichsam ohne Bewusstsein ihrer Umgebung und unbestimmt in ihrer Richtung, bis sie am Rand der breiten Grasterrasse, unmittelbar unter der Brüstung, wo sich ihre Beobachterin befand, einen Augenblick anhielten und einander im intensiveren Gespräch ins Gesicht schauten. Dieser Wortwechsel genügte Mrs. Ansell trotz seiner kurzen Dauer, ihrem Strang einen lebhaften Faden hinzuzufügen; auf eine Gebärde der Dame hin und ohne ein Zeichen formellen Abschiednehmens schlug sodann der junge Mann einen Weg ein, der zurück zur Zugangsstraße führte, während seine Gefährtin ihren Schritt beschleunigte, die Grasterrasse überquerte und die weißen Steinstufen zum Haus hinauf stürmte.

Diese brachten sie auf die obere Terrasse, ein paar Meter entfernt von Mrs. Ansells Posten, und setzten sie unvorbereitet dem vollen Willkommensstrahl aus, der bei dieser rasanten Ankunft der Dame wie ein Scheinwerfer auf ihren Weg leuchtete.

»Liebe Miss Brent! Ich hatte mich schon gefragt, wieso ich Sie vorher nicht gesehen habe.« Mrs. Ansell umfing im Sprechen die Hand des Mädchens lange mit sanftem Griff, was dazu diente, sie einander gegenüber zu halten, während sie zart nach irgend einem Faden tastete, den dieses Zusammentreffen anzubieten schien.

Justine machte keinen Versuch, sich dieser Überprüfung zu entziehen, der sie sich ausgesetzt sah; sie löste lediglich ihre Hand in einer instinktiv aus dieser mechanischen Zärtlichkeit fliehenden Bewegung und erklärte mit einem die Gebärde lindernden Lächeln: »Ich war mit Cicely draußen, als Sie eintrafen. Wir sind eben angekommen.«

»Das liebe Kind! Ich habe sie auch noch nicht gesehen.« Mrs. Ansell schenkte weiterhin dem klaren dunklen Gesicht der Sprecherin eingehende Aufmerksamkeit, an der im Augenblick Cicely keinen wahrnehmbaren Anteil hatte. »Ich hörte, Sie unterrichten sie in Botanik und allen möglichen wundervollen Dingen.«

Justine lächelte wieder. »Ich versuche sie das Staunen zu lehren: das ist das härteste Fach bei einem heutigen Kind.«

»Ja – das glaube ich; ich selbst finde,« räumte Mrs. Ansell mit heiterer Zugänglichkeit ein, »es entwickelt sich mit den Jahren. Die Welt ist ein bemerkenswerter Ort.« Sie warf dies geistesabwesend hin, gleichsam Miss Brent die Deutung überlassend, entweder als anorganisches Phänomen, das Cicely sich aneignen sollte, oder im Sinne jener subtileren Manifestationen, die ihr eigenes Interesse fesselten.

»Es ist großartig für Bessy,« sprach sie weiter, »dass sie Ihre Hilfe hatte – für Cicely, und für sie selbst auch. Es gibt so viel, das Sie mir über sie erzählen müssen. Als alte Freundin brauche ich Unterstützung durch Ihr frischeres Auge.«

»Über Bessy?« Justine zögerte und ließ ihren Blick zu der entfernten Gruppe schweifen, die immer noch am Tennisnetz ankerte. »Finden Sie nicht, dass sie besser aussieht?«

»Als bei meiner Abreise? So viel besser, dass ich über Gebühr beunruhigt war, aber jetzt, nachdem ich diesen klugen kleinen Arzt gesehen habe – er war es, nicht wahr, der mit Ihnen den Rasen hoch kam?«

»Dr. Wyant? Ja.« Miss Brent zögerte wieder. »Aber er kam bloß vorbei – mit einer Botschaft.«

»Nicht beruflich? Tant mieux! Umso besser. Die Wahrheit ist: ich hatte mir Sorgen um Bessy gemacht, als ich abreiste – ich dachte, sie hätte zur Abwechslung ins Ausland gehen sollen. Aber wie sich herausstellt, hat ihr kleiner Ausflug mit Ihnen ebenso gut gewirkt.«

»Ich glaube, sie benötigte einfach nur Ruhe. Vielleicht waren deshalb die sechs Wochen in den Adirondacks Gebirge im nordöstlichen Teil des US-Bundesstaates New York; der höchste Gipfel, Mount Marcy, misst 1626 Meter. besser als Europa.«

»Ach, unter Ihrer Fürsorge – das hat sie besser gemacht!« Mrs. Ansell zögerte nun ihrerseits, ihre Gesichtszüge schmolzen und wechselten, wie wenn ein fixer Bühnenarbeiter sie verschoben hätte. Als sie wieder das Wort ergriff, waren sie so offen wie ein Marktplatz, aber ebenso arm an persönlicher Bedeutsamkeit, so flach und glatt wie ein Bühnen-Make-Up, bevor die eigentliche Szene es unsichtbar macht.

»Ich war immer der Meinung, dass Bessy wegen ihr gesamten Gesundheit und Aktivität ebenso viel Fürsorge braucht wie Cicely – die Art Fürsorge, die eine kluge Freundin geben kann. Sie geht so verschwenderisch mit ihrer Kraft und ihren Nerven um und ist so wenig gewillt, Vernunftgründe anzuhören. Der arme Dick Westmore hat über sie gewacht, als ob sie ein Baby gewesen wäre; aber Mr. Amherst, der an eine ganz andere Art Frau gewöhnt gewesen sein muss, erkennt dies vielleicht nicht … und dann ist er auch so selten hier …« Das Make-up wurde durch ein Lächeln aufgehellt, das es zugleich um so undurchdringlicher zu machen schien. »Als alte Freundin muss ich Ihnen einfach sagen, wie sehr ich hoffe, dass Sie für lange Zeit bei ihr bleiben werden – für sehr lange Zeit.«

Miss Brent neigte ein wenig ihren Kopf zur Kenntnisnahme dieser Anerkennung. »Oh, bald wird sie keinerlei Fürsorge mehr benötigen – –«

»Meine liebe Miss Brent, sie wird sie stets benötigen!« Mrs. Ansell lud das junge Mädchen mit einer Bewegung ein, mit ihr die Bank zu teilen, von der sie sich beim Nahen der letzteren erhoben hatte. »Aber vielleicht bietet solch ein Leben nicht genug, um Ihre fachliche Tatkraft zu befriedigen.«

Sie setzte sich, und nach einer unmerklichen Pause sank Justine auf den Platz neben ihr. »Ich bin gerade jetzt sehr froh, meiner Tatkraft Urlaub zu gewähren,« sagte sie, indem sie sich mit einem kleinen Seufzer retrospektiver Abgespanntheit zurücklehnte.

»Sie sind auch müde? Bessy schrieb mir, dass Sie sich an einem schwierigen Fall ziemlich abgearbeitet hätten, nachdem wir Sie in Hanaford trafen.«

Miss Brent lächelte. »Wenn eine Krankenschwester für ihre Arbeit geeignet ist, nennt sie einen schwierigen Fall einen ›schönen‹.«

»Aber einstweilen –?« Mrs. Ansell strahlte sie an mit der Beflissenheit einer älteren Schwester. »Warum bleiben Sie nicht einstweilen bei Cicely – und vor allem, bei Bessy? Bestimmt ist sie auch ein ›schöner‹ Fall.«

»Nicht wahr?« Justine lachte zustimmend.

»Und wenn Sie sich abarbeiten wollen –« Mrs. Ansell räumte mit einem leichten Heben ihrer philosophischen Schultern die Szene – »Sie werden überall ›Fälle‹ genug antreffen.«

Ihre Gefährtin fuhr auf mit einem Blick auf die kleine Uhr an ihrer Brust. »Einer davon besteht darin, dass es schon nach vier ist: ich muss mich darum kümmern, dass der Tee hinunter zum Tennisplatz geschickt wird, und nach den Neuankömmlingen schauen.«

»Ich sah den Omnibus auf dem Weg zum Bahnhof. Kommen noch viele Leute?«

»Fünf oder sechs, glaube ich. Das Haus ist am Sonntag gewöhnlich voll.«

Mrs. Ansell hielt sie mit einer kleinen Geste zurück. »Und wann wird Mr. Amherst erwartet?«

Miss Brents blasse Wangen schienen einen dunkleren Ebenholz-Ton anzunehmen, und ihr Blick glitt von dem Gesicht ihrer Gefährtin auf das heitere Gartengelände zu ihren Füßen. »Bessy hat's mir nicht gesagt,« antwortete sie.

»Ach –« versetzte die ältere Frau und sah auch zu den Gärten, wie um Miss Brents Blick auf seinem Flug abzufangen. Diese stand einen Augenblick schweigend da; sie erweckte den Anschein, nicht ausweichen zu wollen, was immer ihre Gefährtin zu sagen haben mochte; dann ging sie und betrat das Haus durch eine Fenstertür, gerade als Mr. Langhope durch eine andere heraus kam.

Der Klang seines Stocks, wie er auf die Ziegel klopfte, riss Mrs. Ansell aus ihren Grübeleien, doch sie bewies ihre Wahrnehmung seiner Anwesenheit einfach, indem sie zu der Bank zurückkehrte, die sie gerade verlassen hatte; und in Annahme dieser stummen Einladung überquerte Mr. Langhope die Terrasse und setzte sich an ihre Seite.

Als er neben ihr saß, sahen sie sich zunächst wortlos an, nach Art alter Freunde, die sich mit geheimen Mitteln verständigen können; und als Ergebnis dieses inneren Gesprächs sagte Mr. Langhope schließlich: »Nun, was hältst du davon«?

»Was hältst du davon?« gab sie zurück, während sie ihm vollständig ein Gesicht zuwandte, dass so losgelöst von seinen gewöhnlichen Schutzwällen und Maskeraden war, dass es auf einmal älter und zugleich schlichter wirkte als die Miene, die sie sonst der Welt präsentierte.

Mr. Langhope bewegte missbilligend die Hand. »Ich möchte deine frischeren Eindrücke.«

»Genau das habe ich gerade zu Miss Brent gesagt.«

»Du hast dich mit Miss Brent unterhalten?«

»Nur im Vorbeigehen – sie musste los und sich um die neuen Gäste kümmern.«

Mr. Langhopes Aufmerksamkeit vertiefte sich. »Also: was hast du zu ihr gesagt?«

»Würdest du nicht lieber hören, was sie zu mir sagte?«

Er lächelte. »Ein guter Anwalt erhält beim Kreuzverhör immer die gewünschten Antworten. Lass mich deine Seite hören, und ich werde die von Miss Brent kennen.«

»Ich würde sagen, das lässt sich nur auf dumme Anwälte anwenden; oder auf solche, die es mit dummen Klienten zu tun haben. Und Miss Brent ist bekanntlich nicht dumm.«

»Ganz und gar nicht! Was hast du noch herausgefunden?«

»Ich habe herausgefunden, dass sie jemanden hat.«

»Hier?«

»Schau nicht so erschrocken. Magst du sie nicht?«

»Das verhüte der Himmel – bei solchen Augen! Sie hat auch ihren eigenen Witz – und sie macht für Bessy alles leichter.«

»Sie beschützt sie jedenfalls sorgsam. – Ich konnte nichts herausfinden.«

»Über Bessy?«

»Über die allgemeine Lage.«

»Einschließlich Miss Brent?«

Mrs. Ansell lächelte schwach. »Ich habe an ihr eine kleine Entdeckung gemacht.«

»Ja?«

»Sie ist vertraut mit dem neuen Arzt.«

»Wyant?« Mr. Langhopes Interesse versiegte. »Was ist damit? Ich glaube, sie kannte ihn schon vorher.«

»Könnte sein. Es hat keine besondere Bedeutung, außer dass es uns einen möglichen Schlüssel zu ihrem Charakter gibt. Sie kommt mir so interessant und mysteriös vor.«

Mr. Langhope lächelte. »Das gibt dir deine Phantasie ein!«

»Sie hilft mir zu erkennen, dass wir Miss Brent als eine Freundin nutzen könnten.«

»Eine Freundin?«

»Eine Verbündete.« Sie hielt inne, als suche sie nach einem Wort. »Sie könnte das Gleichgewicht wieder herstellen.«

Mr. Langhopes hübsches Gesicht verdunkelte sich. »Bessys Augen für Amherst zu öffnen? Zur Hölle mit ihm!« sagte er in aller Ruhe.

Mrs. Ansell überging die Verwünschung. »Wann war er das letzte Mal hier?« fragte sie.

»Vor fünf oder sechs Wochen – für eine Nacht. Sein einziger Besuch, seit sie von den Adirondacks zurück ist.«

»Was sind deiner Meinung nach seine Beweggründe? Er muss doch wissen, was er riskiert, wenn er seinen Einfluss auf Bessy verliert.«

»Seine Beweggründe? Wie kannst du fragen, mit deinem Blick für die beiden? Ein verzehrender Ehrgeiz, das ist alles! Hast du noch nicht bemerkt, dass, mit Ausnahme der größten Geister, Ehrgeiz stets befehlen will, wo man zu gehorchen hätte? Amherst ist dazu geschaffen, sich in Westmore einzufügen, und nun will er, dass Truscomb – ja, und Halford Gaines auch! – dasselbe tun. Das ist das ganze Geheimnis seiner Diener-des-Volkes-Pose – Gott! ich glaube, es ist überhaupt das Geheimnis seiner Ehe! Er verschlingt das Vermögen meiner Tochter, um alte Schulden gegenüber der Fabrik abzuzahlen. Er wird nicht ruhen, bis er Truscomb draußen und eines seiner Geschöpfe das Kommando hat – und dann, vogue la galère Komme was da wolle!! Wenn es um Frauen ginge,« resümierte Mr. Langhope ungeduldig, »könnte man es in seinem Alter verstehen und bei seinem verdammten romantischen Kopf – aber für einen Haufen sozialistischer Bastarde in der Fabrik beiseite getan zu werden – ah, meine arme Tochter – meine arme Tochter!«

Mrs. Ansell dachte nach. »Du hast mir nicht geschrieben, dass die Dinge so schlecht stehen. Ein aktuelles Zerwürfnis hat es nicht gegeben?« fragte sie.

»Wie könnte das sein, wo das arme Kind alles tut, was er will? Er ist einfach zu beschäftigt, um herzukommen und ihr zu danken!«

»Zu beschäftigt in Hanaford?«

»Das sagt er jedenfalls. Das Goldene Zeitalter in Westmore einführen! – Für Lynbrook bedeutet es wahrscheinlich die Bronzezeit.«

Mrs. Ansell holte nachdenklich Atem. »Ich dachte mir das. Mir war klar, dass Bessy zurückstecken müsste, während die Veränderungen in Westmore vor sich gingen.«

»Na ja – aber hat sie nicht Europa aufgegeben und sogar telegraphisch ihren neuen Wagen abbestellt?«

»Aber das Leben hier! Diese Horde von Leuten! Miss Brent sagte mir, das Haus sei jedes Wochenende voll.«

»Willst du meine Tochter vom Verkehr mit all ihren Freunden abschneiden?«

Mrs. Ansell griff dies umgehend auf. »Von einigen der neuen jedenfalls! Weißt du, wer gerade angekommen ist?«

Mr. Langhopes Zögern war eine Spur von Verlegenheit beigemischt. »Ich bin nicht sicher – es kommt immer gerade jemand an.«

»Nun, also die Fenton Carburys!« Mrs. Ansell überließ ihrem Ton die Kommentierung dieser Bekanntmachung.

Mr. Langhope hob leicht seine Brauen. »Sie sind wahrscheinlich ein außergewöhnlich kostspieliges Vergnügen?«

»Falls du zu beweisen versuchst, dass ich nicht beim Thema bleibe – ich kann dir versichern, dass ich genau dabei bin!«

»Aber seit die gute Blanche ihre Scheidung bekommen und Carbury geheiratet hat – worin unterscheiden sie sich von den anderen Wochenend-Automaten?«

»Dadurch, dass die meisten geschiedenen Frauen wieder heiraten, um achtbar zu werden.«

Mr. Langhope lächelte verhalten. »Ja – das ist ihre Strafe. Aber für Blanche wäre es zu langweilig.«

»Genau. Sie heiratete wieder, um Ned Bowfort treffen zu können.«

»Ah – könnte sein, dass sie sogar noch mit ihm zusammen ist!«

Mrs. Ansell seufzte zu seiner Frivolität. »Unterdes hat sie ihn hierher gebracht, und es ist unmöglich, dass Bessy sich für solche Verbindungen hergibt.«

»Der Blick auf die alten Gesellschaften drüben in Europa hat dich verdorben. Bowfort und Carbury hier bei uns sind einfach nur Mitspieler beim Bridge.«

»Alte Hasen beim Spiel – ja! und Bridge ist ein weiterer Punkt: Bessy hat früher nie um Geld gespielt.«

»Nun, sie kann da ruhig etwas Geld machen und die Verschwendung ihres Mannes ausgleichen.«

»Noch 'mal – mit diesem train de vie Lebensstil.: wie in aller Welt sollen da die beiden Enden zusammen kommen?«

Mr. Langhope wurde plötzlich ernst und pochte mit seinem Gehstock widerhallend auf die Terrasse. »Westmore und Lynbrook? Ich will gar nicht, dass sie zusammenkommen! – Ich will, dass sie sich immer weiter voneinander entfernen!«

Sie warf einen Blick bestürzter Erleuchtung auf ihn. »Du willst, dass Bessy damit weitermacht, zu viel Geld auszugeben?«

»Was kann ich dafür, wenn es etwas kostet?«

»Wenn was kostet –« Sie unterbrach sich, ihre Augen weiteten sich; dann überkreuzten sich ihre Blicke, und sie rief: »Wenn dein Plan etwas kostet? Dann ist es also dein Plan?«

Er zuckte erneut die Schultern. »Es ist nur eine passive Haltung – –«

»Ach, die tiefgründigsten Pläne sind genau das!« Mr. Langhope äußerte keinen Protest, und sie fuhr fort, ihre Vermutungen zusammen zu fügen. »Aber du rechnest damit, dass es zu einer Aktivität führt. Wünschst du einen Bruch?«

»Ich will ihn wieder zu Verstand bringen.«

»Glaubst du, dass ihn das zu ihr zurück bringen wird?«

»Wohin zum Teufel will er sonst gehen?«

Mrs. Ansells Augen schweiften zu den Gärten, durch die in zwanglosen Gruppen die Leute vom Tennisplatz streiften. »Ach, da kommen sie alle,« sagte sie, sich mit einem halben Seufzer erhebend; und während sie die Ankunft der hellfarbigen Scharen stehend verfolgte, setzte sie bedächtig hinzu: »Es ist genial – aber du verstehst ihn nicht.«

Mr. Langhope strich seinen Schnurrbart. »Vielleicht nicht,« stimmte er nachdenklich zu. »Aber gehen wir nicht besser 'rein, bevor sie kommen? Ich möchte dir einen Satz Ming-Porzellan Chinesisches Porzellan aus der Ming-Dynastie (1368-1644). zeigen, den ich dieser Tage für Bessy erstanden habe. Ming, das bilde ich mir zumindest ein, verstehe ich nämlich!«


 

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