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Der Zundelheiner

Johann Peter Hebel: Der Zundelheiner - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
titleDer Zundelheiner
authorJohann Peter Hebel
year1991
publisherLangewiesche-Brandt Verlag
addressEbenhausen
isbn3-7846-0148-0
sendergerd.bouillon@t-online.de
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2 Wie der Zundelfrieder und sein Bruder dem roten Dieter abermal einen Streich spielen

Als der Zundelheiner und der Zundelfrieder wieder aus dem Turm kamen, sprach der Heiner zum Frieder: «Bruder, wir wollen doch den roten Dieter besuchen, sonst meint er, wir sitzen ewig in dem kalten Hundsstall beim Herr Vater auf der Herberge.» «Wir wollen ihm einen Streich spielen», sagte der Frieder zum Heiner, «ob er's merkt, daß wir es sind.» Also empfing der Dieter ein Brieflein ohne Unterschrift: «Roter Dieter, seid heute nacht auf Eurer Hut, denn es haben zwei Diebsgesellen eine Wette getan: einer will Eurer Frau das Leintuch unter dem Leibe weg holen, und Ihr sollt es nicht hindern können.» Der Dieter sagte: «Das sind zwei rechte Spitzbuben aneinander. Der eine wettet, er wolle das Leintuch holen, und der andere macht einen Bericht, damit sein Kamerad die Wette nicht gewinnt. Wenn ich nicht gewiß wüßte, daß der Heiner und der Frieder im Zuchthaus sitzen, so wollt ich glauben, sie seien's.»

In der Nacht schlichen die Schelme durch das Hanffeld heran. Der Heiner stellte eine Leiter ans Fenster, also daß der rote Dieter es wohl hören konnte, und steigt hinauf, schiebt aber einen ausgestopften Strohmann vor sich her, der aussah wie ein Mensch.

Als inwendig der rote Dieter die Leiter anstellen hörte, stand er leise auf, und stellte sich mit einem dicken Bengel neben das Fenster, «denn das sind die besten Pistolen», sagte er zu seiner Frau, «sie sind immer geladen». Und als er den Kopf des Strohmanns heraufwackeln sah, und meinte, der sei es, riß er schnell das Fenster auf, und versetzte ihm einen Schlag auf den Kopf aus aller Kraft, also daß der Heiner den Strohmann fallen ließ und einen lauten Schrei tat. Der Frieder aber stand unterdessen mausstill hinter einem Pfosten vor der Haustüre.

Als aber der rote Dieter den Schrei hörte, und es war alles auf einmal still, sagte er: «Frau, es ist mir, die Sache sei nicht gut, ich will doch hinunter gehen und schauen, wie es aussieht.» Indem er zur Haustüre hinausgeht, schleicht der Frieder, der hinter dem Pfosten war, hinein, kommt bis vor das Bett, nimmt, wie der Heiner in der vorigen Erzählung, als sie das Säulein stahlen, des roten Dieters Stimme an, und es ist wieder ebenso wahr. «Frau», sagte er mit ängstlicher Stimme, «der Kerl ist maustot, und denk nur, es ist des Schultheißen Sohn. Jetzt gib mir geschwind das Leintuch, so will ich ihn darin forttragen in den Wald, und will ihn dort einscharren, sonst geht's zu bösen Häusern.»

Die Frau erschrickt, richtet sich auf, und gibt ihm das Leintuch.

Kaum war er fort, so kommt der rechte Dieter wieder und sagt ganz getröstet: «Frau, es ist nur ein dummer Bubenstreich gewesen, und der Dieb ist von Stroh.» Als aber die Frau ihn fragte, «Wo hast du denn das Leintuch?» und lag auf dem bloßen Spreuersack, da gingen dem Dieter erst die Augen auf, und sagte: «O ihr vermaledeiten Spitzbuben! jetzt ist's doch der Frieder gewesen und der Heiner, und kein anderer.»

Aber auf dem Heimweg sagte der Frieder zum Heiner: «Aber jetzt, Bruder, wollen wir's bleiben lassen. Denn im Zuchthaus ist doch auch alles schlecht, was man bekommt, ausgenommen die Prügel, und zum Fensterlein hinaus auf der Landstraße hat man etwas vor den Augen, das auch nicht aussieht, als wenn man gern dran hängen möchte.» Also wurde auch der Frieder wieder ehrlich. Aber der Heiner sagte: «Ich geb's noch nicht auf.»

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