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Der Zauberlehrling oder die Teufelsjäger

Hanns Heinz Ewers: Der Zauberlehrling oder die Teufelsjäger - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorHanns Heinz Ewers
titleDer Zauberlehrling oder die Teufelsjäger
publisherGeorg Müller
year1917
isbn
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131021
projectid45c12322
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VI.

Agnis est felicis urbis
lumen inocciduum.

Petrus Damianus,
Erzbischof von Ostia.

 

»Montez, montez,
Voilá l'echelle!«

A. de Musset.

 

So begann sein Tag:

Er sprang auf vom Bett, pfiff, schlüpfte in den Bademantel. Dann lief er die Treppen hinunter, aus dem Hause und an den See. Mit einem Kopfsprung war er im Wasser. Jedesmal wenn er auftauchte, sagte er: »Pfui Teufel! – Eine Lausekälte!« Aber er badete doch, schwamm weit hinaus in den See.

Später frühstückte er und sass bald bei seiner Arbeit.

Er schrieb:

»Im Anfang war das Gefühl. Und als es die Welt beherrschte, machte es sich alles untertan und nichts herrschte ausser ihm. Dann kam ein Neues: die Vernunft. Schritt um Schritt kämpfte sie mit der alten Macht und gewann doch nie die gewaltige Alleinherrschaft, die einst jene hatte. Denn, lange ehe sie das Gefühl besiegen konnte, erschien eine neue, grössere Kraft, die die beiden alten bedrängte. Schnell schlug die Erfahrung mit starken Schlägen die Vernunft, aber nicht so leicht fertig wurde sie mit der uralten Herrscherin, dem Gefühl.

So steht es nun: kleine Festen verteidigt schwach die arme Vernunft. Grosse Lande aber hält noch zäh fest das blinde Gefühl. Und beiden nimmt ihr Land mit immer neuem Rüstzeuge die unbesiegbare Erfahrung.

Das Gefühl war die Herrschaft der Theologie. Gegen sie trat die Philosophie auf – die Vernunft. Dann aber lernte der Mensch durch Erfahrung, er erforschte die Natur und er fand, dass ihm weder das Gefühl noch die Vernunft die Gesetze dieser Welt erschliessen könnten. Freilich braucht er sie beide und sie mögen ihn wohl führen: erkennen aber mag er nur durch ein Schürfen zu den letzten Wirklichkeiten der Dinge, die aller Erscheinungsformen entblösst sind. So also steht der dreieinige Gott: Gefühl, Vernunft und Erfahrung.

Mit ihm magst du die Welt erobern.

Das Gefühl fragt: ›Woher stammt der Mensch?‹ Und es gibt seine Antwort, die für alles passt: ›Ein Gott schuf ihn.‹ Kommt die Vernunft und sagt: ›Nein. – Und es gibt keinen Gott.‹ Aber sie antwortet gar nicht auf die grosse Frage. Kommt endlich die Erfahrung und lehrt dich, woher der Mensch stamme. Gibt dir eine lange Kette und zeigt dir Glied um Glied seinen Stammbaum. Die Vernunft bläht sich und schreit: ›Es sind Lücken da!‹ Aber die Erfahrung füllt die Lücken, heute eine und wieder eine andere morgen.

Das Gefühl ist schlau, es sagt gar nichts. Es ist blind und hält sich beide Ohren zu.

Das Gefühl predigt sein uraltes Sprüchlein: ›Alle Menschen stammen von Adam und Eva.‹ Die Vernunft aber geht hin und macht Systeme und dünkt sich, wer weiss wie klug. Drei Menschenrassen gibt es auf der Welt, meint der eine, fünf der andere, sieben der dritte, und zwölf der vierte. Hundert Weise machen hundert Systeme und einer nennt den andern einen Dummkopf. Sie haben alle recht.

Aber man soll sie nicht schelten. Wir suchen und schürfen und es nützt uns nichts, wenn nicht irgendein Zufall uns hilft. Da! Du findest einen alten Knochen und weisst nun plötzlich mehr als alle Gelehrten vor dir wussten. Sei nicht hochmütig – weil du Glück hattest.

Denn die Erfahrung allein mag kaum zur letzten Erkenntnis führen. Das Gefühl muss den Weg zeigen und die Vernunft muss helfen, dass man sich nicht verrenne in alle Irrgärten.«

– Er blickte über den Tisch, über grosse Stösse von Büchern und Manuskripten. »Da liegt meine Erfahrung!« dachte er. »Den Weg offenbarte mir das Gefühl – ich weiss, dass er gut ist. – So helfe mir nun die Vernunft!«

Er grübelte, schloss die Augen, stützte den Kopf in beide Hände. Langsam, Stück um Stück, griff er auf, was er zusammengetragen, formte wieder dasselbe grosse Bild. Prüfend sann er über jede Einzelheit, suchte hartnäckig da und dort nach einem Irrwege. Und er fand keinen – so musste wohl alles stimmen. Immer wieder suchte er an einer Stelle einzusetzen, die einen Angriff zu bieten schien – und immer wieder fand er, dass sie fest war.

* * *

Nein – er irrte sich nicht: die Rasse von Cro-Magnon war verschwunden aus Europa. »Schade,« dachte er, »sie war gewiss die beste!«

Riesen waren sie, diese Cro-Magnon-Leute; über zwei Meter hoch schritten sie daher. Um ein Viertel war ihr Schädel grösser als der der andern Rassen ihrer Zeit. Nase und Kinn sprangen vor und sie glichen – zur Zeit des Mammut – schon den Europäern unserer Tage. Grosse Jäger waren sie und treffliche Künstler, heute noch sehen wir im Vezèretale staunend auf den Felswänden die Zeichnungen von Tieren, die sie eingruben zum Ende der Eiszeit. Wir haben ihre Spuren in Spanien, in Frankreich und in Mähren – aber ihre Rasse ist tot und sie sind nicht unsere Väter.

Bleiben die Grimaldi-Menschen, die Galley-Hill-Leute und die vom Neandertal. In den Grotten der Roussé, der roten Felsen von Mentone, fand man, unter einer Reihe von Cro-Magnon-Leuten, zwei Skelette von einem andern Typus. Diese Grimaldirasse erinnerte in ihrem Gebiss an heutige Zuluneger, zeigte auch sonst negroide Anklänge. Nun aber war gewiss, dass zu ihrer Zeit die Trennung Europas von Afrika eine viel geringere war, als sie heute ist. Kein Wunder also, dass Tiere und Menschen der beiden Kontinente einander näher standen. Und auch heute noch fanden sich negroide Anklänge bei den Bewohnern der Länder des Mittelmeeres.

Nichts aber hatte die Grimaldirasse mit den Leuten von Galley-Hill zu tun. Man fand sie nur im Norden, wie man die Grimaldimenschen nur im Süden fand. Und sie waren von ihnen ebenso verschieden wie von der Neandertalrasse der Mitte. Ihr Schädeldach war sehr lang und schmal, höher gewölbt und zeigte keine Augenbrauenwülste. Der Unterkiefer aber trug den Kinnvorsprung, wie bei der edlen Rasse von Cro-Magnon.

Dann, in der Mitte, wohnte in breiter Linie die Rasse vom Neandertal. Nach Norden und Süden mussten sie weit sich ausdehnen, zu ihrer Zeit, als die Alpen vergletschert waren. So fand man die Reste dieser Leute vom Berge überall an den äussersten Enden der Höhen: in den Ardennen, im Bergischen Land und am Neckar, in den letzten Ausläufern des Karst, der Karpathen und der westlichen Alpen. Und es stand fest: der Mensch vom Neandertal und der von Spy, der von Krapina und der von Corrêze – sie gehörten alle zu derselben Rasse, wie der Knabe von Moustier und die Frau von Kerkuelen.

Ein grosses Volk, weit von den Ausläufern der Karpathen bis hin zu den Felsen der Bretagne.

Leute der Berge – – wie heute.

Frank Braun träumte. War denn der Unterschied ein gar so grosser von einst zu jetzt? Drei Millionen und fünfmalhunderttausend Jahre schätzte man – und für diese Zeit schien ihm die Entwicklung unendlich gering. Erinnerten nicht Pietro Nosclere und der kurze, halslose Venier erschreckend an Menschen der Urzeit? Sah nicht der dichtbehaarte, langarmige Knecht des Amerikaners, mit seiner riesigen Wampe und dem furchtbaren Gebiss genau so aus wie ein starkknochiger Zeitgenosse des Mammut? So, vornübergebeugt, wie er hinter seiner Egge ging, mochte er hinein schleichen in die Grotten, sich mit dumpfem Schrei auf den Höhlenbär werfen, in der Hand das plumpe Steinbeil! Er sah ihn, wie er da sass, kauernd, zusammengedrückt, wie er das rohe Fleisch zerriss, die harten Knochen zerschlug an den Felsen und das Mark sog.

Ja, das sollte der kropfige Knecht tun, es stand ihm besser, als seine Seele zu sagen!

Das Tal von Scodra schien ihm ein grosser Käfig zu sein, voll von wilden Tieren. Rings um den See in die Schlüfte und Höhlen stiegen die Väter der Urzeit – und da kroch noch heute ihr Wurf.

Tiere! Tiere!

Er hob den Arm, als ob er eine Peitsche schwänge. – Sie sollen durch den Reifen springen!

* * *

An diesem Tage ging er zu Mister Peter Die Sonne war herunter und die Bauern krochen in ihre Häuser. »Wie die Hühner.« dachte er.

Er ging durch das Dorf, stieg hinauf zum Hause des Amerikaners. Im Garten traf er die Frau, klein und stark, rund überall. Sie grüsste und zeigte zur Scheune hin. »Mein Mann ist im Saal,« sagte sie, »er wird gleich kommen.«

Sie führte ihn ins Haus, bot ihm einen Stuhl. Er sagte ihr ein Lob über die blanken Kupferkessel und Kannen, die über dem Herde hingen. »Das glänzt und leuchtet!«

Sie nickte missvergnügt. »Ich bin es nun so gewohnt. Aber mein Mann sagt, dass ich zuviel Zeit verschwende auf irdisches Tun und zu wenig aufwärts blicke zum Herrn Jesus.« Sie begann zu reden. Es war immer »Mein Mann!« und »Mein Mann!« Unaufhörlich wie weisses Mehl floss das »Mein« aus ihrer Mundmühle.

Frank Braun unterbrach sie. »Sag einmal, ist dein Mann auch bei Nacht so fromm? Da schläft er doch?«

Die Bergamaskin schüttelte den Kopf: »Ja, aber auch im Schlafe vergisst mein Mann den Herrn nicht. – Dann steht er plötzlich auf vom Bett, kniet nieder und betet. Mein Mann ist so fromm. Manchmal geht mein Mann auch hinüber in den Saal oder gar ins Dorf, mitten in der Nacht. Und er kommt wieder und legt sich zu Bett und weiss am Morgen nichts von alledem. Mein Mann –«

Plötzlich stand sie erschreckt auf. »Da kommt er.« flüsterte sie.

Sie öffnete ihm die Türe. »Der Herr Doktor ist da!« Dann stellte sie eine Kerze auf den Tisch und schlich leise hinaus.

Pietro begrüsste ihn, mürrisch, zurückhaltend. Er trug den Kopf gesenkt, sah ihn scheu und giftig von unten her an.

Frank Braun dachte: »Warte nur, mein Tier, du sollst schon tanzen lernen.« Er schrie ihn an: »How's business?«

Mister Peter fuhr zusammen, duckte sich wie unter einem Peitschenhieb. Dann, lächelnd, sauer und süss zugleich, sagte er: »Danke.« Er wagte nicht einmal sich zu stellen, als habe er den Fremden nicht verstanden, der sein heiliges Tun ein Geschäft nannte. »Danke, alles ruht in des Herrn Hand. Ich bete zu ihm, dass er mein Werk segnen möge.«

Frank Braun sagte: »Der Herr wird dein Werk nicht segnen. Er verlangte mehr als Gesang und Gebet.«

An sich selbst zweifelnd, halb überzeugt von dem bestimmten Tone des Fremden hob Pietro den Blick. »Was verlangt er?« fragte er scheu.

Frank Braun schwieg. Alles was der Amerikaner tat in seinen Versammlungen, war ein sinnloses Nachäffen seiner Pennsylvaniasekte. Dieses Singen und Predigen, dies Beten und Seelesagen und Musikmachen konnte ja nur den einen Zweck haben: Glauben zu wecken. So mochte es gut sein für protestantische Massen, die den Glauben verloren hatten, mochte stumpfsinnige Haufen, die längst der Kirche den Rücken kehrten, mit seinem Lärm wieder für eine Weile zum Kreuze locken, so wie die Trompete des Ausschreiers die Leute in die Jahrmarktsbuden trieb! Was aber sollte es hier? Alle diese Tiere von Val di Scodra standen in ihrem Glauben fest wie ihre Berge; nie war ihnen irgendein Zweifel aufgestossen an alle dem, was sie einst aus den Zitzen der Mutter sogen.

Glauben für Val di Scodra! Er wuchs ja in allen Ritzen, wucherte mächtig von den Wänden und erstickte das Tal.

Nein, dieses Volk brauchte ein anderes. Wenn es überhaupt irgendwo eine Sehnsucht hatte, unbewusst verlangte nach einem Ereignis, das die träge Leere der Alltagsjahre unterbrach, so konnte das nur eines sein, das Wunder.

– Er legte dem Amerikaner die Hand auf die Schulter; seine Stimme klang weich, still und doch seltsam eindringlich.

»Höre, Pietro Nosclere! Der Herr verlangt ein Wunder von dir.«

Entsetzt starrte ihn Mister Peter an. »Ich soll ein Wunder tun? – Ich? – Menschen tun keine Wunder.«

Frank Braun antwortete: »Versündige dich nicht! Lies die Geschichte der Heiligen – dann weisst du, dass auch Menschen Wunder tun. – Du sollst ein Wunder tun und du kannst es, Pietro. Du bist Elias!«

Pietro starrte ihn an, regungslos, unfähig einer Antwort. Der Deutsche fuhr fort: »Ja, du bist Elias. Elias, der Prophet. Weisst du nicht, dass die Seelen der Heiligen in einen neuen Körper schlüpfen können, wenn es der Herr befiehlt? Du trägst die Seele des Elias!« Seine Worte kamen langsam, gewiss, keinen Zweifel duldend. »Nicht umsonst hat der Herr dich so seltsam begnadet auf deinem Lebenswege. Er führte dich hinüber über das grosse Meer, liess dich in langen Jahren bitter arbeiten um dein täglich Brot. Dann leitete er deine Schritte in die Gemeinde deiner Brüder, dass das Licht seines Geistes dich erleuchte. Und in seiner unermesslichen Gnade gab er dir ein grosses Geschenk und machte dich zum reichen Manne.«

Mister Peter nickte stumm. Jedes Wort ging ihm ein, grub sich tief in die Windungen seines Hirns.

Der andere fuhr fort: »Aber der Herr hatte Grösseres mit dir im Sinne. Da trieb er dich fort von dem fremden Lande: du solltest im Tale deiner alten Heimat sein Reich verkünden und des Heilandes Gnade. Und hier, während du schliefest, senkte er in deinen Leib die Seele seines frommen Dieners Elias.«

Pietro taumelte wie berauscht, hielt sich fest an der Kante des Tisches. »Es ist wahr,« flüsterte er, »ich träume in jeder Nacht vom Blute des Lammes. Und meine Frau sagt, dass ich aufstehe und im Schlafe wandele.«.

»Ja.« nickte Frank Braun. »Aber nicht du bist es, es ist Elias, der Prophet, der in dir wohnt. Er steht auf und preist den Herrn im Schlaf. Und er sinnt, wie er das Reich und die Herrlichkeit verkünden könne, und ausbreiten hier auf Erden.« Er neigte seinen Kopf und sah ihn starr an. »Pietro Nosclere, du bist ein Auserwählter!«

Der Amerikaner vermochte sich kaum aufrecht zu halten. Seine Arme bebten in kurzen Stössen, dünner Geifer floss aus den halboffenen Lippen. Aber sein Blick leuchtete in stolzer Seligkeit, verlor sich in verwirrten Vorstellungen vom höchsten Herrn, dessen Mantel er trug. Er hörte nicht mehr, was der andere sprach, seine starren Augen erblickten des Reiches Herrlichkeit.

Frank Braun schüttelte ihn ärgerlich. »Komm zu dir, Pietro, ich spreche mit dir!«

Herausgerissen, verwirrt, schielte er misstrauisch auf den Deutschen. – Was wollte dieser Fremde, dieser Ungläubige? Wie sass er da vor ihm, kalt, lächelnd, blies ihm den Rauch der Zigarette ins Gesicht? Ihm – der Elias war, der Prophet!

Frank Braun schlug ihm leicht aufs Knie. »Du sollst zuhören, Pietro, verstehst du mich?«

– Ja, er musste zuhören, das merkte er wohl. Er fühlte, dass der Fremde die Nebel zerriss, die vor seinen Augen lagen und dass er ihm den Weg zeigte, den er gehen sollte. – Aber gerade deshalb hasste er ihn. Er glaubte jedes Wort, das der andere sprach und allmächtig wuchs in ihm die grosse Verehrung, die er selbst vor sich haben musste, wie alle Welt. Vor ihm, dem Propheten, dem Auserwählten des Herrn!

Da aber sass vor ihm dieser hergelaufene Doktor, der schmählich versagt hatte bei der kranken Frau, die er selber geheilt. Dieser ungläubige Hund, der laut gelacht hatte in der Versammlung, als sein Knecht Scuro seine Seele sagte. Da sass er und mit jedem Blick, und mit jeder Geste zeigte er ihm seine grenzenlose Nichtachtung.

Er knirschte mit den Zähnen. Warum gerade der ihm gesandt wurde? – – Dann besann er sich. »Die Wege des Herrn sind unerforschlich.« murmelte er. Er neigte sich, sagte klanglos: »Sprechen Sie, Doktor, was soll ich tun?«

Frank Braun sah das verzerrte Gesicht und er las wohl, was jener dachte. Es reizte ihn, ihn zu kränken, es zuckte in seinem Fusse, als ob er ihn treten möchte.

»Bring Wein!« befahl er.

Der Amerikaner blickte auf, er fühlte die Peitsche. »Herr,« stotterte er, »ich habe keinen Wein. Es war nie ein Tropfen in meinem Hause.«

»Nicht?« sagte Frank Braun gleichgiltig. »So geh zum Wirtshause des Raimondi. Schläft er, so weck ihn auf: er wird sich freuen, dir Wein zu verkaufen.«

Mühsam erhob sich Pietro. Seine Fäuste krallten sich; wie ein geschlagener Hund schlich er zur Türe.

Frank Braun lachte ihm nach. Hell, kurz, wie er damals gelacht hatte, als der Knecht seine Seele sagte.

Er zündete eine frische Zigarette an und dachte nach, was er dem Amerikaner sagen sollte. Er nickte und sagte halblaut: »Ja, so wird es gehen!«

* * *

Mister Peter brachte den Wein. Er stellte schweigend die Flasche auf den Tisch und ging, ein Glas zu holen.

»Zwei!« rief Frank Braun.

Jener gehorchte und der Deutsche zwang ihn, mit ihm anzustossen. Er musste sein Glas leeren und sich gleich ein neues eingiessen.

»So, Pietro, nun wirst du mich besser verstehn!«

Der Amerikaner biss sich auf die Lippen und presste die Hände ineinander. Man sah, welche Mühe er sich gab, den Worten des Fremden zu folgen, jeden Gedanken zu verstehen und recht fest sich einzuprägen. Der ungewohnte Wein erhitzte ihn, liess ihn alles, was jener sagte, noch klarer, noch natürlicher erscheinen.

Aber ehe Frank Braun begann, fragte er ihn: »Pietro, liebst du mich?« Da der andere schwieg, fuhr er fort: »Du weisst doch, man soll seinen Nächsten lieben, wie sich selbst.«

Der Amerikaner blickte zu Boden, wand sich wie ein Schulbube. Aber der Deutsche schenkte ihm nichts. »Du wirst die Wahrheit sagen, Pietro! – Gleich im Augenblick. – Liebst du mich?«

Da stammelte er: »Nein, Herr, – ich glaube nicht.«

Frank Braun lachte. »Nun, es ist auch nicht nötig – wenn du nur gehorchst! Und du musst mir gehorchen, denn niemand wird dir den Weg zeigen, wenn ich es nicht tue.« Mister Peter seufzte, er fühlte wohl, dass es so war.

»So höre zu, Pietro.« fuhr Frank Braun fort. »Was hast du getan in deinem Heimatdorfe? Du hast den Leuten den Glauben gepredigt – aber es war niemand da, der ungläubig war. Du hast von der Busse geredet – und sie alle waren bussfertig, längst ehe du kamst. Du hast sie bestimmt, ihre Sünden zu bekennen, öffentlich, vor der Gemeinde – aber meinst du, dass das genüge vor den Augen des Herrn? Du hast sie weiter vermocht, dem Wein zu entsagen – wer möchte leugnen, dass es ein wohlgefälliges Werk sein! Aber glaube mir, Pietro, der Herr verlangt mehr. Und auch die, die dir folgen, werden bald genug dessen überdrüssig sein, was du sie lehrst. Auch sie verlangen ein Grösseres von dir! Du hast sie aufgefordert, den Teufel zu bekämpfen und du hast ihnen versprochen, du wollest ihn verjagen. Doch was war dein Rüstzeug? Gesang und Gebet – hölzerne Waffen! – Ich aber sage dir, Pietro, der Teufel schert sich nicht um Singen und Beten, er lacht dabei und bleibt ruhig hocken hinterm Ofen. – Willst du ihm zuleibe gehen, so brauchst du ein besser Werkzeug!

Wo aber ist die Rüstkammer, die dir Waffen geben kann, stark genug gegen des Satans Macht?

Merke auf, Pietro Nosclere, ich will sie dir zeigen, ich, der ich die Welt kenne und all ihre Tiefen. – Siehe, ich führe dich ein in das Leben der Heiligen.

Wie sagt Sankt Paulus, der Apostel? ›Ich kasteie meinen Leib und zähme ihn, dass ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde!‹ – Auch du predigst, Pietro, aber wann je hast du deinen Leib kasteit?

Ich will dir eine Geschichte erzählen, die uns Sankt Vincent berichtet. In dem Kloster des Heiligen Sylvester, bei Urbino, starb vor nun siebenhundert Jahren ein Mönch. Wie immer sangen die Brüder die Totenklagen, Lieder und Psalmen; als sie aber zum Agnus Dei kamen, stand der Tote auf. Alle drängten sich um ihn, zu hören, was er sprechen möchte, er aber fluchte und lästerte Gott, das Kreuz und die heilige Jungfrau. Die Qualen der Hölle seien so grausam, sagte er, und kein Beten und Singen könne ihm helfen. Sie beschworen ihn, zu bereuen; doch aus seinem Munde kamen immer mehr grässliche Flüche. Da beschlossen die Mönche für seine Seele zu beten; zuletzt aber, als alles nichts half, zogen sie die Kleider aus, griffen die Geisseln und schlugen sich. Da endlich kehrte dem verzweifelten Toten die Vernunft zurück, er bereute seine Fehler und betete um Vergebung. Und so lebte er und lobte und pries Gott den Herrn, bis zum nächsten Tage.

Verstehst du den Sinn der Geschichte, Pietro? Was Gesang und Gebet nicht gelang, das erreichte die Geisselung: sie trieb den bösen Feind aus dem Leibe des armen Klosterbruders.

Das ist der Weg, den uns die Heiligen weisen. Franziskus von Assisi kannte ihn wohl und seine Geissel riss schwere Wunden in sein Fleisch und in das seiner Brüder und Schwestern. Sankt Dominikus von Guzman schlug sich, bis er bewusstlos umsank; aber die Mutter Gottes selbst pflegte seine Wunden. Wenn er sich kasteite, war die Luft voll von bösen Geistern, die heulten und fluchten, weil durch die Taten dieses Mannes viele tausend Seelen dem ewigen Feuer entrissen wurden. Johannes Tauler war sein Schüler und die Zierde seines Ordens; er schwang die Peitsche nicht weniger stark wie sein Herr. Und so handelte Sankt Ignaz von Loyola und führte die Geissel gegen den sündigen Leib.

Höre, Pietro, auf die Lehre, die uns Sankt Johannes von Nitria gibt. Das Blut, sagt er, das dir die Geissel entlockt, vermischt sich mit dem Blute des Erlösers, vergossen am Kreuze, um dich zu retten. Selbstkasteiung macht alle Beichte überflüssig und ist verdienstlicher selbst als der Märtyrer Tod, denn sie ist freiwillig, jener aber erzwungen. Sie ist eine neue Taufe und eine Taufe im Blute des Lammes: in seinem eigenen Blute sollte jeder wahre Christ getauft sein. Selbstgeisselung bewirkt die Vergebung aller früheren und zukünftigen Sünden, sie ist besser als alle guten Werke.

So war dieses heiligen Mannes Lehre.

Vater Achatius, ein frommer Kapuzinermönch des Klosters zu Düren ruft uns zu: ›Unfähig ist der Mensch, des Fleisches Wünsche zu beherrschen. Aber wenn auch der Leib sündigt, so mag doch die Seele dem Herrn dienen. Die Seele gehört Gott und der Leib der Welt. Von oben her spricht zu dem Menschen Gott und von unten her die Welt, jedes verlangt sein Teil. Durch die Geisselung des Leibes aber wird die Sünde, welche die Welt dem Menschen befiehlt, weggewaschen und vergeben.‹

Glaube aber nicht, Pietro Nosclere, dass nur heilige Männer ihren Leib demütigten und kasteiten! Schwache Frauen standen nicht hinter ihnen zurück und oft öffnete sich der Himmel dem Anblick ihrer Wunden.

Sankta Teresa, die den Orden der Karmeliter gründete, war die erste, die neben dem Gebetbuche die Geissel trug. Kaum sieben Jahre alt las sie das Leben der Heiligen, das du, Pietro, heute noch nicht kennst. Mit ihrem kleinen Bruder beschloss sie unter die Heiden zu gehen, um den Märtyrertod zu erleiden. Die Eltern hielten sie zurück und das fromme Kind führte nun das Leben eines Einsiedlers. Eben erwachsen, ging sie ins Kloster, da wurden das härene Gewand, die Rute und die Geissel ihre einzigen Freunde. Nur eine Wonne empfand sie: zu schlagen und geschlagen zu werden; sie hätte ihr Leben darum gegeben, die ganze Welt zu geisseln oder sich geisseln zu lassen von der ganzen Welt! Und ihr herrliches Beispiel fand grosse Nachahmung bei allen Mönchen und Nonnen des Klosters, alle wetteiferten darin, die Geissel zu führen und so zum Reiche des Herrn zu gelangen. Täglich kasteiten sich alle, und manche zwei- und dreimal am Tage. Die fromme Schwester Maria, der die Geissel nicht genügte, schlug sich mit einem Feuerhaken, Bruder Alexander gar mit glühenden Eisen.

Noch frommer aber war Schwester Caterina von Cardona. Sie trug ein härenes Gewand und eiserne Ketten, die tief in ihr Fleisch schnitten. Sie lebte als Einsiedlerin tief unten im Keller, schlief auf dem feuchten Grunde, einen Stein zum Kopfkissen. Sie hatte viele Instrumente sich zu kasteien, und peitschte sich ununterbrochen drei Stunden lang. Sie stach sich mit Nadeln und Dornen und verbrannte ihr Fleisch; selbst in der Nacht schlief sie kaum, sondern fuhr fort in ihrem heiligen Werke. Wenn der fromme Bischof Eulogius von Biserta nur ihren Namen hörte, so weinte er vor demütiger Ehrfurcht.

Eine andere Schwester der Karmeliterinnen war Maria Magdalena dei Pazzi aus Florenz. Sie begann mit zehn Jahren sich selbst zu kasteien. Im Kloster geisselte sie sich viermal am Tage und schlief mit einer Dornenkrone um den Kopf und einen Stachelgürtel um den Leib. Als der Bischof die fromme Nonne bat, einen Wunsch zu äussern, bat sie darum, Sonntags nackt am Altare festgebunden und ausgepeitscht zu werden. Und Gott blickte gnädig auf ihre Demut und nahm das Opfer ihres Blutes wohlgefällig auf. Oft ward sie begnadet mit Visionen und sah weit offen den Himmel und seine Herrlichkeit.

Mutter Pasidea von Siena, die zum Zistercienserorden gehörte, war nicht weniger streng. Sie schlug sich mit Eisenstücken, schlief im Winter im Schnee und im Sommer in Nesseln und Dornen. Wenn die Geissel ihre Haut in Fetzen riss, liess sie Salz und Essig in die Wunden giessen. Sie peitschte ihren Leib mit Dornenzweigen und lag auf Steinen und harten Erbsen. Auch ihr war durch die Geissel die Gnade gewährt, den Herrn Jesus mit eigenen Augen zu schauen, gleichwie der frommen Schwester Elisabeth von Genton.

Clara Seiffo war die fromme Freundin des Sankt Franziskus von Assisi, und wie er ihr die Gunst gewährte, ihren nackten Leib mit Ruten zu streichen, so geisselte sie den Leib des Heiligen. Sie beteten zusammen, sie peitschten einander, und beiden erschien zum Lohne die Madonna mit dem Kinde.

Isabella, König Ludwigs XIII. von Frankreich Tochter, gründete den Orden des Heiligen Urban; sie selbst und ihre Schwestern nahmen täglich das Brot der Geissel. Maria Laurentia Longa gründete in Neapel die Kapuzinerinnen und man sagt, dass keine Stelle auf ihrem Leibe und dem ihrer Schwestern gewesen sei, die nicht bedeckt war mit Blut. Ihrem heiligen Beispiele folgte Louise von Lothringen in Marseille, Johanna von Valois in Paris, Angelina von Kortain in Foligny und Beatrice de Portalegre in Madrid. Nie ruhten die Peitschen in diesen frommen Händen.

Sankt Benedikt hat uns gesagt, dass nur die Geissel das Gehör schärfen könne für die Worte, die Gott der Herr zu uns spräche. Zu seinen Nachfolgern gehörte Königin Anna von Oesterreich, die sich oft peitschen liess von frommen Männern.

Soll ich dir noch mehr Namen nennen, Pietro? Die Geschichte der Heiligen ist voll von frommen Männern und Frauen, die wohl wussten, welche Gnade der Herr in die Geisselschläge legte und in ihre Wunden.

Er denkt daran, wie die Juden seinen Sohn Jesum wegrissen von des Landpflegers Pilatus Haus. Wie ihn die Kriegsknechte banden und auszogen, wie sie ihm eine Dornenkrone aufs Haupt setzten, ihn bespien und schlugen. Und es ist wohlgefällig in den Augen des Herrn, wenn die Frommen freiwillig die Schmach und die Qual ertragen, die sein geliebter Sohn erlitt, um der Welt Heil willen.

Das ist der Weg, der zum Lamme führt, und es gibt keinen andern, ausser ihm.

Alle Heiligen gingen diesen Weg und allen zeigte sich der Herr und gab allen die Gnade des Wunders.

Fiel nicht auf einen Wink Sankt Benedikts der Tempel des Heidengottes Apollon in Monte Cassino in Trümmer? Tat nicht Sankt Ignatius allein über zweihundert Wunder? Und wer mag die zählen, die Sankt Franziskus wirkte?

So nimm die Geissel und peitsche deinen Leib, Pietro Nosclere, der du Elias bist, der Prophet!«

Frank Braun schwieg. Der Amerikaner starrte ihn an; seine Lippen bewegten sich stumm, dann die Zunge; es schien, als ob er die Sprache verloren hätte. Und mühselig, stotternd, rissen sich die Worte los: »Herr – Herr – – wer bist du?«

»Dummes Vieh!« fuhr ihn der Deutsche an. – Dann goss er ein Glas voll Wein und drückte es ihm an die Lippen. »Da – trink! – So! – Wer ich bin, geht dich nichts an, du Narr! – Denk du nach über das, was ich dir sagte, es ist genug für dein Hirn.«

Er stand auf und wandte sich zum Gehen. »Noch etwas will ich dir sagen, Pietro, und merk es dir wohl! Das ist wahr, was dich deine Brüder in Pennsylvanien lehrten, dass der Alkohol ein Gift sei und dass der Teufel darin wohne. Und du tatest recht, als du predigtest, wie sie, dass man den Wein fliehen sollte und nicht einen Tropfen trinken. Doch eines vergassest du: dass in der Hand des Gesalbten, wenn er vor der Gemeinde zu den Füssen des Herrn steht, der Wein sich verwandelt in das Blut, das der Heiland vergoss für der Menschen Wohl. Du hast vergessen, was du so oft sahst, wenn du zur heiligen Messe gingst. Und sie alle hier, deine Brüder und Schwestern, hast du betört, und alle haben vergessen das grosse Mysterium der heiligen Wandlung. Nun, Pietro, in dir wohnt des Herrn höchster Diener, du bist ein Erwählter und Gesalbter und in deiner Hand muss sich des Teufels Saft zum Blute des Erlösers wandeln. Nicht hier freilich – nicht jetzt, wenn du trinkst, was ich dir gebe! Jetzt trinkst du des Satans unreines Gift! – Aber wenn du in der Versammlung stehst, dann wandelt sich, so gut wie in jedes Priesters Hand, auch in der deinen der Wein. Und dann sollst du ihn trinken und sollst ihn deinen Brüdern und Schwestern geben, dass auch ihr Leib teilhaftig werde der geheimnisvollen Gnade des Blutes des Lammes.«

Er griff das Glas, füllte es von neuem und nippte daran. Dann fuhr er fort: »Merke es dir, Pietro! – Aber nun, mein Prophet, nimm aus meiner Hand des Satan Mekatrig glühendes Gift! Da, setze deine Lippen hierhin, wo ich getrunken, und leere dies Glas!«

Der Amerikaner sprang auf und stiess ihn zurück. Dann lief er fort, aber Frank Braun vertrat ihm die Türe. Angstvoll duckte Pietro sich in die Ecke des Zimmers hinter der Bank.

»Nein, nein, ich will nicht! Geh fort! Lass mich!«

Frank Braun ging auf ihn zu, das Glas in der Hand. Er sagte: »Ich weiss, dass du nicht willst, Pietro. Aber du musst! Hörst du: du musst!«

Er gab ihm das Glas, zitternd brachte es Nosclere zum Munde. Er nahm einen Schluck, spie ihn wieder aus, die Lippen brannten ihm wie höllisches Feuer.

»Du musst trinken.« beharrte der Deutsche.

Und Mister Peter trank. Seine Beine schwankten, die Augen verdrehten sich. Das war flüssiges Blei, was ihm durch den Hals rann.

»So ist es gut,« sagte Frank Braun. »Gute Nacht!«

Dann ging er.

* * *

Pietro Nosclere kauerte in seiner Ecke. Die Beine schlotterten, versagten den Dienst; wie ein Sack fiel er zusammen. »Er hat mich vergiftet!« stöhnte er. Er kroch auf allen vieren an den Tisch, richtete sich mühsam auf, nahm die Flasche und zerschlug sie an der Kante.

Seine Eingeweide brannten. Er presste die Hände auf den Leib, glaubte zu verbrennen von innen heraus. Es war der Teufel, der in ihm steckte und ihn marterte. Sein Leib schwoll zu einer gewaltigen Kugel und darin sass grinsend der Satan, wieherte laut und schlug Purzelbäume. Er war ein schwarzer Riese und seine Krallen waren lang und hart wie Stahl. So griff er in seine Därme, stiess mit den spitzen Hörnern und blies Rauch und Feuer. Pietro fühlte, wie ihm der giftige Qualm aufstiess in die Gurgel, wie der Glutatem aus seinem eigenen Munde drang. Er heulte, wälzte sich am Boden, als könnte er so das Feuer ersticken, das seinen Leib verbrannte. Aber der Satan griff hinauf, stiess ihm den spitzen Nagel des Daumens von unten in den Kopf: da drehte sich Pietro um sich selbst wie ein tollwütiger Hammel.

Er spürte, wie der Teufel von innen her ihn zusammenzog, den Kopf herunterriss und die Knie hochzog zu den Schultern. Wie ein Knäuel, wie ein runder Ball, lag er da; so wollte der Feind in ihm ihn nun vorwärts rollen – die Treppe hinunter und zum See, tiefer, immer tiefer, hinein in das höllische Feuer. Dann würde er platzen mit lautem Krach, und Beelzebub würde wieder hinausspringen aus ihm, mit höllischem Gelächter, mitten unter seine schwarzen Gefährten.

Mit letzter Kraft warf sich Pietro auf die Knie.

»Herr Gott im Himmel hilf deinem Diener Elias!«

Da geschah es, dass der Satan aus ihm fuhr. Es riss ihn vorne über, wie eine dicke Kugel stieg es ihm hoch in die Kehle. Es presste und würgte, dann riss es seinen Mund weit auf. Und durch die Zähne, mit Unrat und Gestank, sprang der Satan, den des Herren Name verjagte –

Er spie –

* * *

Als Frank Braun die Türe des Hauses schloss, sah er im Schatten der Bäume eine Gestalt; er erkannte Teresa. Er pfiff ihr, wie einem Hund. Sie flog auf ihn zu, hinter ihr kam in grossen Sprüngen die Ziege Marfa.

»Ihr habt auf mich gewartet?« fragte er. »So lange?«

»Ja.« sagte das Mädchen. »Verzeih mir.«

Er streichelte ihre Wangen. Er legte einen Arm um ihren Hals, die andere Hand ruhte auf dem Kopfe der Ziege.

Und er wusste, dass sie beide glücklich waren.

So gingen sie nach Hause.

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