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Der Zauberer im Sululande

Henry Rider Haggard: Der Zauberer im Sululande - Kapitel 13
Quellenangabe
authorHenry Rider Haggard
titleDer Zauberer im Sululande
publisherVerlag Ullstein
yearo.J.
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12. Kapitel

Der Kampf war vorüber. Im ganzen waren sieben Mann getötet und noch viele ernstlich gebissen, während wenige ohne Erinnerungszeichen an Pavianzähne und -Klauen davongekommen waren. Wie viele der Tiere wir töteten, habe ich nie erfahren, weil wir sie nicht zählten, aber es war eine große Zahl. Ich denke, noch für lange Jahre muß ihre Schar in Babyans-Peak sehr vermindert gewesen sein. Aber von jenem Tage an bis heute bin ich den Pavianen immer aus dem Wege gegangen und fürchte mich vor ihnen mehr, als vor irgendeinem andern Tiere.

Der Pfad war frei, und wir eilten im Wasserlaufe in die Höhe. Aber erst hoben wir die kleine Tota auf. Das Kind war nicht ohnmächtig, wie ich gedacht hatte, sondern von Schrecken gelähmt, so daß sie kaum sprechen konnte. Sonst war sie unverletzt, obgleich es manche Woche dauerte, ehe ihre Nerven den Schlag überwanden. Wäre sie älter gewesen und hätte sie nicht Hendrika wiedererkannt, so zweifle ich, ob sie ihn überhaupt je überwunden hätte. Sie kannte mich wieder und schlang ihre kleinen Arme um meinen Hals; dabei hielt sie sich so krampfhaft fest, daß ich gar nicht wagte, sie jemand anders zu geben, in dem Gefühl, daß das ihre Angst noch vermehren würde. So schritt ich weiter, das Kind auf den Armen. Die Befürchtungen, die mein Herz zerrissen, kann man sich wohl vorstellen. Würde ich Stella lebend oder tot finden? Würde ich sie überhaupt finden? Nun, wir würden es bald erfahren. Wir kletterten in dem steinigen Rinnsal weiter; trotz Totas Gewicht führte ich den Zug, denn die Angst lieh mir Flügel. Nun, wir waren hindurch und eine seltsame Szene bot sich uns dar. Wir waren in einem großen, natürlichen Amphitheater, nur war es dreimal so groß, als je ein von Menschenhänden geschaffenes, und die Mauern waren von senkrechten Wänden gebildet, die sich in einer Höhe von ein- bis zweihundert Fuß erhoben. Im übrigen war der so eingeschlossene Teil eben, parkartig mit Bäumen bepflanzt, im Blumenschmuck leuchtend und in der Mitte von einem Flusse durchschnitten, der, wie ich später entdeckte, aus der Erde zu Häupten des offenen Raumes emporquoll.

Wir verteilten uns in einer Linie und suchten überall, denn Tota ward hinzugenommen, um uns zu zeigen, wo Stella verborgen war. Ziemlich eine halbe Stunde lang suchten und suchten wir, prüften genau alle Felswände, ob sich irgendeine Höhlenöffnung darin fände. Vergeblich; wir konnten keine finden. Ich wandte mich an den alten Indaba-Zimbi, aber hier war seine Weissagungskunst zu Ende. Alles, was er sagen konnte, war, daß dies der Ort wäre und daß der »Stern« irgendwo in einer Höhle verborgen gehalten würde, aber wo die Höhle war, konnte er nicht sagen. Endlich kamen wir bis zur Spitze des Amphitheaters. Vor uns war eine Felswand, von der die unteren Teile hier und da mit Gräsern, Flechten und Schlingpflanzen bewachsen waren. Ich ging darauf entlang und rief mit lauter Stimme.

Fast blieb mein Herz stehen, denn mir war's, als hörte ich eine schwache Antwort. Ich ging näher dem Orte zu, wo der Klang herzukommen schien, und rief wieder. Ja, das war eine Antwort von der Stimme meiner Frau. Sie schien von dem Felsen zu kommen. Ich kletterte daran in die Höhe und suchte zwischen den Schlingpflanzen, konnte aber doch keine Öffnung finden.

»Schiebe den Stein weg«, rief Stellas Stimme, »die Höhle ist mit einem Steine verschlossen.«

Ich nahm einen Speer und stachelte an der Klippe, wo der Klang herkam, herum. Plötzlich sank der Speer durch eine Masse Flechten. Ich schob sie beiseite und legte einen Felsblock bloß, der in den Mund der Felsöffnung gerollt war und der so genau hineinpaßte, daß er, nun auch noch von den überhängenden Flechten verdeckt, selbst dem schärfsten Auge hätte entgehen können. Wir zogen den Stein heraus, doch bedurfte es dazu der Kraft zweier Männer. Jenseits war ein enger, vom Wasser gerissener Weg, dem ich mit klopfendem Herzen folgte. Bald öffnete er sich zu einer kleinen Höhle, die wie eine Flasche geformt war und am oberen Ende den Hals hatte. Wir gingen hindurch und fanden uns in einer zweiten, viel größeren Höhle, die ich sofort als diejenige erkannte, die mir Indaba-Zimbi durch die Vision im Wasser gezeigt hatte. Licht erhielt sie von oben – wie, kann ich nicht sagen – und bei seinem Scheine konnte ich eine Gestalt gewahren, die am oberen Ende der Höhle halb lag, halb saß. Ich stürzte darauf los. Es war Stella! Stella mit Streifen aus Fell festgebunden, gestoßen, zerschunden, aber Stella, und lebend.

Sie sah mich, stieß einen Schrei aus und dann, als ich sie in meinen Armen auffing, wurde sie ohnmächtig. Es war ein rechtes Glück, daß sie nicht vorher in Ohnmacht gefallen war, denn wenn ich nicht den Klang ihrer Stimme gehört hätte, so glaube ich nicht, daß wir sie in dieser so schlau verborgenen Höhle je gefunden hätten, wenn nicht doch noch Indaba-Zimbis Zauberkraft (die gesegnet sein mag) uns etwa zu Hilfe gekommen wäre.

Wir trugen sie an die frische Luft, legten sie unter den Schatten eines Baumes und schnitten die Bande von ihren Knöcheln los. Als wir gingen, blickte ich in die Höhle. Sie war genau so, wie ich sie in der Vision gesehen hatte. Da brannte das Feuer, da waren die rohen Holzgefäße, eines derselben noch halb voll von dem Wasser, das ich den Pavian hatte bringen sehen. Ich fühlte mich von Ehrfurcht ergriffen, als ich darauf hinblickte, und bewunderte die Macht, die von einem Wilden gehandhabt wurde, der nicht einmal lesen und schreiben konnte.

Nun konnte ich Stella deutlich sehen. Ihr Gesicht war zerkratzt und von Furcht und Weinen abgezehrt, ihre Kleider waren fast fortgerissen, und ihr schönes Haar hing offen und verwirrt. Ich sandte nach Wasser, und wir besprengten ihr Gesicht. Dann zwang ich ein wenig von dem Branntwein, den wir in den Kralen aus Pfirsichen destillierten, zwischen ihre Lippen, sie öffnete die Augen, und indem sie ihre Arme um mich warf, hing sie sich an mich, wie die kleine Tota, und schluchzte: »Gott sei Dank! Gott sei Dank!«

Nach einer Weile wurde sie ruhiger, und ich ließ sie und Tota von dem Vorrate, den wir mitgebracht hatten, etwas essen. Ich aß ebenfalls etwas und voll Dankbarkeit, denn mit Ausnahme der Maiskolben hatte ich seit vierundzwanzig Stunden nichts genossen. Dann wusch sie ihr Gesicht und die Hände und ordnete die Lumpen ihres Kleides, so gut es eben ging. Während sie es tat, erfuhr ich nach und nach ihre Geschichte.

Sie erzählte, daß sie am vorhergehenden Nachmittage, als sie vom Packen ermüdet war, hinausging, um ihres Vaters Grab zu besuchen, Tota mit sich nahm und von den zwei Hunden begleitet wurde.

Sie wollte gern einige Blumen auf das Grab legen und von dem, den es deckte, Abschied nehmen, denn da wir am nächsten Morgen ganz beizeiten aufbrechen wollten, so wußte sie nicht, ob sie noch eine spätere Gelegenheit finden würde. Sie gingen durch den Garten und pflückten von den Orangenbäumen und sonstwo einige Blumen und trugen sie nach dem kleinen Kirchhof. Hier legte sie sie auf das Grab, wie wir sie gefunden hatten, und dann setzte sie sich nieder und verfiel in eine tiefe Träumerei, wozu sich ja die Gelegenheit bot. Während sie so dasaß, war Tota, die ein lebhaftes und unternehmendes Kind war, weggegangen, ohne daß Stella es bemerkt hatte. Mit ihr gingen die Hunde, die auch der Tatlosigkeit müde waren; eine Weile ging hin, und plötzlich hörte sie die Hunde in einer Entfernung von ungefähr hundertundfünfzig Schritten wütend bellen. Dann hörte sie Tota schreien und die Hunde vor Furcht und Schmerzen heulen. Sie erhob sich und lief, so schnell sie konnte, nach dem Orte, wo der Klang herkam. Sogleich war sie dort. Vor ihr in der Lichtung war eine Gestalt, die die schreiende Tota in den Armen hielt und in der sie sofort Hendrika erkannte, und ringsumher waren zahllose Paviane, die in zwei großen Haufen übereinanderrollten und in ihrer Mitte die beiden Hunde hatten, die sie in Stücke zerrissen.

»Hendrika«, rief Stella, »was soll das heißen? Was tust du mit Tota und diesen Tieren?«

Die Frau hörte sie und sah sie an. Dabei gewahrte Stella, daß sie verrückt war; Wahnsinn starrte aus ihren Augen. Sie ließ das Kind fallen, das sofort Schutz suchend zu Stella floh. Stella umfaßte sie, um im gleichen Augenblick von Hendrika umfaßt zu werden. Sie wehrte sich mit aller Gewalt, aber es war nutzlos, die Pavianfrau hatte die Kraft von zehn. Sie hob sie und Tota in die Höhe, als ob sie nichts wären, und lief mit ihnen fort, im Flusse entlang, um keine Spur zu hinterlassen. Nur die Paviane, die mit ihr kamen, bis auf einen, den die Hunde getötet hatten, wollten nicht ins Wasser und hielten am Ufer Schritt mit ihnen.

Stella sagte, daß die Nacht, die nun folgte, mehr einem grauenhaften Traume als der Wirklichkeit geglichen hätte. Sie konnte mir nie ganz genau alles, was sich darin zugetragen hatte, erzählen. Sie hatte eine dunkle Erinnerung, daß sie über Felsen an Klüften entlang getragen worden war, während um sie her das schreckliche Grunzen und Schnalzen der Paviane widerhallte. Sie sprach mit Hendrika in Englisch und in der Kaffernsprache und bat sie, sie gehen zu lassen; aber die Frau, wenn ich sie so nennen kann, schien in ihrer Verrücktheit die beiden Sprachen vollständig vergessen zu haben. Wenn Stella sprach, küßte sie sie und streichelte ihr Haar, aber sie schien nicht zu verstehen, was sie sagte. Andererseits konnte sie, und tat es auch, mit den Pavianen reden, die ihr blindlings zu gehorchen schienen. Und überdies wollte sie ihnen nicht erlauben, Stella oder das Kind in ihren Armen zu berühren. Einmal versuchte es einer von ihnen, es zu tun, da nahm sie einen Stock und schlug ihn so heftig auf den Kopf, daß er bewußtlos zu Boden fiel. Dreimal machte Stella einen Fluchtversuch, denn manchmal ließ selbst Hendrikas Kraft nach, und sie war genötigt, sich niederzusetzen. Aber bei jeder Gelegenheit fing sie sie, und bei diesen Kämpfen waren Stellas Kleider so zerrissen. Endlich erreichten sie vor Tagesanbruch die Klippe, und mit dem ersten Tageslicht begann der Aufstieg. Hendrika zog sie die ersten Absätze in die Höhe, aber als sie an die steile Stelle kamen, band sie Fellstreifen, von denen sie einen Vorrat hatte, unter Stellas Armen hindurch ihr um die Taille. So steil der Platz auch war, erkletterten ihn die Paviane doch mit Leichtigkeit, indem sie von einem Felsvorsprung auf den Baumstumpf sprangen, der am Rande der Höhlung wuchs. Hendrika folgte ihnen und hielt das Ende des Fellzügels in ihrem Munde, während einer der Paviane von dem Baum herniederhing, um ihr beim Aufstieg zu helfen. Bei dieser Gelegenheit ließ Stella ihr Taschentuch fallen, in der schwachen Hoffnung, daß ein Sucher es finden möchte.

Mittlerweile war Hendrika auf dem Baume und grunzte den Pavianen, die unten neben Stella versammelt waren, etwas zu. Plötzlich ergriffen diese sie und Tota, die sie in den Armen hielt, und hoben sie von der Erde. Dann nahm Hendrika, von andern Pavianen unterstützt, ihre ganze Kraft zusammen und zog die beiden am Felsen in die Höhe. Zweimal schlug Stella heftig gegen die Klippe. Nach dem zweiten Male fühlte sie ihre Sinne schwinden und stand die höchste Angst aus, daß sie Tota fallen lassen könnte. Aber es gelang ihr, sie festzuhalten, und zusammen erreichten sie die Klippe.

»Von der Zeit an«, fuhr Stella fort, »kann ich mich auf nichts besinnen, bis ich erwachte und mich in einer dämmerigen Höhle auf einem Bette von Fellen befand. Meine Beine waren zusammengebunden, und Hendrika saß neben mir und bewachte mich, während um die Öffnung der Höhle die Köpfe der entsetzlichen Paviane lugten. Tota lag in meinen Armen und war vor Schrecken halb tot; ihr Stöhnen zu hören war zu traurig. Ich sprach mit Hendrika und bat sie, uns freizugeben; aber entweder hatte sie alles Verständnis der menschlichen Sprache verloren, oder sie tat nur so. Alles, was sie tat, war, daß sie mich liebkoste und meine Hände und mein Kleid mit übertriebenen Zeichen von Zärtlichkeit küßte. Als sie es tat, rückte Tota noch näher zu mir heran. Das sah Hendrika und starrte so wild auf das Kind, daß ich befürchtete, sie würde es töten. Ich lenkte ihre Aufmerksamkeit ab, indem ich ihr durch Zeichen andeutete, daß ich Wasser wünschte, und das reichte sie mir in einer hölzernen Schale. Wie du sahst, war die Höhle augenscheinlich Hendrikas Wohnort. Es sind Vorräte von Früchten darin und Streifen von gedörrtem Fleische. Sie gab mir einige Früchte und Tota auch ein bißchen, und ich ließ sie essen. Du kannst dir nie vorstellen, Allan, was ich durchgemacht habe. Ich sah nun, daß Hendrika ganz wahnsinnig war und nur wenig höher stehend als die Affen, denen sie verwandt ist und über die sie solche unheilvolle Gewalt hat. Die einzige Spur, die ihr noch von Menschlichkeit anhaftete, war ihre Liebe zu mir. Augenscheinlich war ihr Gedanke, mich hier bei sich zu halten, fern von dir, und um diesen Gedanken auszuführen, war sie zur Anwendung jeder List und Geschicklichkeit bereit. In dieser Hinsicht war sie ganz bei Verstande, aber in jeder andern war sie toll. Und überdies hatte sie ihre schreckliche Eifersucht nicht vergessen. Ich sah schon, wie sie auf Tota stierte, und wußte, daß die Ermordung des Kindes nur eine Frage der Zeit war. Wahrscheinlich würde sie in wenigen Stunden vor meinen Augen getötet werden. Zur Flucht war, selbst wenn ich die Kräfte dazu gehabt hätte, nicht die geringste Aussicht, und auch nur geringe, daß wir je gefunden werden würden.

Nein, wir würden da festgehalten werden, bewacht von einem verrückten Ding, das halb Affe, halb Frau war, bis wir elendiglich umkamen. Dann dachte ich an dich, mein Lieb, und alles, was du dulden mußtest, und mein Herz brach fast. Ich konnte nur zu Gott beten, daß ich entweder errettet werden möchte, oder bald sterben.

Während ich betete, fiel ich in eine Art von Halbschlaf infolge der Übermüdung, und dann hatte ich den seltsamsten Traum. Ich träumte, daß Indaba-Zimbi über mich gebeugt stünde und mit seiner weißen Locke nickte und in Kafferndialekt zu mir sprach, daß ich mich nicht ängstigen möchte, denn du würdest bald bei mir sein, und mittlerweile müßte ich Hendrika bei guter Laune erhalten, indem ich täte, als ob ich mich freute, daß ich sie da hätte. Der Traum war so lebhaft, daß ich ihn förmlich zu sehen und zu hören schien, so wie ich ihn jetzt sehe und höre.«

Hier blickte ich auf und sah den alten Indaba-Zimbi an, der dicht dabei saß. Aber erst später erzählte ich Stella, wie ihre Vision ermöglicht worden war.

»Auf jeden Fall«, fuhr sie fort, »beschloß ich, als ich erwachte, nach meinem Traume zu handeln. Ich nahm Hendrikas Hand und drückte sie. Sie lachte in einer wilden Art von Glückseligkeit und legte ihren Kopf auf mein Knie. Dann machte ich ihr Zeichen, daß ich etwas zu essen haben wollte, und sie warf Holz auf das Feuer, das, wie ich zu erwähnen vergaß, in der Hütte brannte, und fing an, eine Brühe zu bereiten, die sie sehr gut zu kochen verstand, denn sie schien nicht alles davon vergessen zu haben. Auf alle Fälle war die Brühe ganz leidlich, obgleich weder Tota noch ich viel davon genießen konnten. Furcht und Übermüdung hatten uns den Appetit genommen.

Nachdem das Essen abgetan war – und ich zog es, so sehr ich konnte, in die Länge – sah ich, daß Hendrika wieder anfing, auf Tota eifersüchtig zu werden. Sie starrte auf sie und dann auf das große Messer, das sie um ihren Körper gebunden hatte. Ich erkannte das Messer wieder; es war dasselbe, mit dem sie dich hat ermorden wollen, mein Lieb. Endlich ging sie so weit, das Messer zu ziehen. Ich war vor Furcht gelähmt, dann fiel mir plötzlich ein, daß ich, während sie unsere Dienerin war, sie immer, wenn sie schlechter Laune war und schmollte, durch Gesang besänftigen konnte. So fing ich an, Hymnen zu singen. Sofort vergaß sie ihre Eifersucht und steckte das Messer in seine Scheide zurück. Sie kannte den Klang meines Gesanges und saß lauschend mit entzücktem Gesichte da; die Paviane versammelten sich ebenfalls am Eingange der Höhle, um zuzuhören. Ich muß eine Stunde oder noch länger gesungen haben, und zwar alle die Hymnen, auf die ich mich besinnen konnte. Es war so seltsam und schaurig, dazusitzen und der wahnsinnigen Hendrika vorzusingen und diesen entsetzlichen menschenähnlichen Affen, die ihre Augen schlossen und, während ich sang, mit den Köpfen nickten. Es war wie ein fürchterlicher Traum.

Nun also, das ging eine Zeitlang so weiter, bis meine Stimme ganz erschöpft war. Dann hörte ich plötzlich die Paviane draußen heftigen Lärm machen, so, als ob sie ärgerlich wären. Dann, mein Schatz, hörte ich den Knall deiner Elefantenflinte, und ich glaube, es war der süßeste Klang, den ich je gehört habe. Hendrika hörte ihn gleichfalls. Sie sprang ausstand einen Augenblick still, und dann nahm sie zu meinem Entsetzen Tota in die Arme und stürmte hinaus. Natürlich konnte ich mich nicht rühren, um ihr zu folgen, denn meine Füße waren zusammengebunden. Im nächsten Augenblick hörte ich, wie ein Felsblock bewegt wurde, und alsbald sagte mir die Abnahme der Helligkeit in der Höhle, daß ich eingeschlossen worden war. Nun erreichte mich der Ton der Elefantenflinte nur ganz schwach, und dann konnte ich gar nichts mehr hören, mochte ich mein Gehör auch noch so sehr anstrengen.

Endlich hörte ich ein fernes Rufen, das mich durch die Felswand erreichte. Ich antwortete, so laut ich konnte. Du weißt das übrige; und oh, mein lieber Mann, Gott sei Dank! Gott sei Dank!« Und sie sank weinend in meine Arme.

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