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Der Zauberer im Sululande

Henry Rider Haggard: Der Zauberer im Sululande - Kapitel 10
Quellenangabe
authorHenry Rider Haggard
titleDer Zauberer im Sululande
publisherVerlag Ullstein
yearo.J.
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9. Kapitel

Es ist für mich sehr schwierig, den Zeitraum, der zwischen meiner Ankunft in Babyan-Peak und meiner Heirat mit Stella liegt, zu beschreiben. Wenn ich darauf zurückblicke, scheint er mir süß wie Blumenduft, verschleiert wie die glückliche Dämmerzeit der Sommerabende, während durch die Süßigkeit der Ton von Stellas Stimme hindurchklingt und durch die Dämmerung das Sternenlicht ihrer Augen blinkt. Ich glaube, daß wir uns beide vom ersten Augenblick an liebten, obwohl wir eine Zeitlang kein Wort von Liebe sprachen. Tag für Tag ging ich mit ihr im Orte umher, nur von Hendrika und der kleinen Tota begleitet, während sie die tausend Sachen erledigte, die ihres Vaters zunehmende Schwäche ihr auferlegt hatte; oder vielmehr ich besorgte im Laufe der Zeit die Angelegenheiten, und sie begleitete mich. Den ganzen Tag über waren wir zusammen. Dann gingen wir nach dem Abendbrote, wenn die Nacht herniedergesunken war, zusammen in den Garten und kamen endlich herein, um ihren Vater laut vorlesen zu hören, bald Dichterwerke, bald Geschichte, oder, wenn er sich nicht wohlfühlte, las Stella, und wenn das vorüber war, dann sprach Herr Carson ein kurzes Gebet, und wir trennten uns, bis der Morgen uns wieder die glückliche Stunde des Wiederfindens brachte.

So gingen die Wochen hin, und mit jeder Woche lernte ich meinen Liebling besser kennen. Oft sinne ich darüber nach, ob meine hebe Erinnerung mich täuscht, oder ob es wirklich Frauen gibt, die so lieb, so süß sind wie sie. War es die Einsamkeit, die ihr solche Tiefe, solche Sanftheit gegeben hatte? War es der langjährige Umgang mit der Natur, der sie mit so besonderer Anmut geschmückt hatte, der Anmut, die wir in sich erschließenden Blumen, in knospenden Bäumen finden? Hatte sie die murmelnde Stimme durch den Ton der Flüsse, die beständig neben ihrer felsigen Heimat rauschten, erhalten? War es die Milde des Abendhimmels, unter dem sie so gerne wandelte, die wie ein Hauch auf ihrem Gesichte lag, und war es das Licht der Abendsterne, das in ihren ruhigen Augen schien? Für mich wenigstens war sie die Verkörperung des Traumes, der den Schlaf des sündenbefleckten Mannes verfolgt; so malt sie mir mein Gedächtnis vor, so hoffe ich sie zu finden, wenn der letzte Schlaf zu Ende, die fieberhaften Träume für immer abgetan sind.

Endlich kam ein Tag – der gesegnetste Tag meines Lebens, an dem wir uns unsere Liebe gestanden. Wir waren den ganzen Morgen zusammen gewesen, aber nach Tisch fühlte sich Herr Carson so unwohl, daß Stella bei ihm drinblieb. Beim Abendbrot trafen wir uns wieder, und nach demselben, als sie die kleine Tota, mit der sie sich sehr befreundet hatte, zu Bett gebracht hatte, gingen wir hinaus und ließen Herrn Carson auf seinem Sofa schlummernd zurück. Die Nacht war warm und lieblich, und ohne zu reden gingen wir durch den Garten bis nach dem Orangenhain und setzten uns dort auf einem Felsblock nieder. Ein leichter Wind schüttelte die Blütenblätter der Orangen in Schauern über uns und trug ihren zarten Duft nach nah und fern. Tiefes Schweigen herrschte ringsumher und wurde nur durch den Ton des fallenden Wassers unterbrochen, der jetzt zu einem schwachen Murmeln erstarb und dann, wenn sich die unbeständige Brise uns zuwandte, laut an unser Ohr rauschte. Der Mond war noch nicht sichtbar, aber schon zeigten die dunklen Wolken, die am Himmel über uns zogen – denn es hatte geregnet –, einen silbrigen Glanz, der uns verriet, daß er hell hinter dem Berge schien. Stella fing an, mit ihrer leisen, sanften Stimme zu plaudern und erzählte mir von ihrem Leben in der Wildnis und wie sie es nach und nach liebgewonnen hätte, wie ihre Gedankenwelt nach und nach reicher geworden und wie sie sich die große rastlose Welt ausmalte, die sie niemals gesehen hatte und deren Bild ihr nur aus den Büchern, die sie gelesen hatte, erstand. Es war eine seltsame Vorstellung, die sie vom Leben hatte; die Dinge waren darin ganz aus dem richtigen Verhältnis; es glich mehr einem Traume als der Wirklichkeit – ein Spiegelbild und nicht das wahre Gesicht der Dinge. Die Vorstellung großer Städte, besonders Londons, hatte eine Art von Bezauberung für sie; sie konnte sich kaum das Treiben dort vorstellen, den Lärm und die Eile, die dichten Mengen von Männern und Frauen, die einander ganz fremd sind, und die fieberhaft nach Reichtum und Vergnügen unter dem trüben Himmel suchen und die einer den andern im Eifer ihres Wettbewerbes zu Boden treten.

»Warum ist denn das alles?« fragte sie ernsthaft. »Was suchen sie, da sie nur so kurze Zeit zu leben haben, weshalb vergeuden sie ihre Kräfte so?«

Ich sagte ihr, daß bei der Mehrzahl der Menschen die harte Notwendigkeit sie vorwärtstriebe, aber sie konnte das kaum begreifen. So wie sie gelebt hatte inmitten des größten Überflusses der fruchtbaren Erde, schien sie gar nicht zu verstehen, daß es Millionen gibt, die von Tag zu Tag nicht wissen, wie sie ihren Hunger stillen sollen.

»Ich habe gar kein Verlangen, dorthin zu gehen«, fuhr sie fort; »ich würde erschrecken und mich zu Tode ängstigen. Und solch ein Leben ist nicht naturgemäß. Gott setzte Adam und Eva in den Garten, und so wollte er, daß ihre Nachkommen leben sollten – in Frieden und indem sie auf schöne Dinge blicken. So stelle ich mir ein vollkommenes Leben vor. Ein anderes brauche ich nicht.«

»Ich dächte, Sie hätten mir einstmals gesagt, daß Sie es einsam fanden«, sagte ich.

»Das tat ich auch«, antwortete sie unschuldig, »aber das war, ehe Sie herkamen. Nun fühle ich mich nie mehr einsam, nun ist es vollkommen – vollkommen wie die Nacht.«

Gerade in dem Augenblick erhob sich der Mond über der Spitze des Peak, und seine Strahlen durchbrachen weit und breit das neblige Tal, glänzten auf dem Wasser, weilten in der Ebene, suchten die versteckten Felsplätze auf und hüllten die schönen Gebilde der Natur wie in einen silbernen Brautschleier, durch den ihre Schönheit geheimnisvoll erschien.

Stella blickte hinab auf das terrassenförmige Tal; sie wandte sich um und blickte hinauf in das goldene Antlitz des Mondes, und dann sah sie mich an. Die Schönheit der Nacht lag auf ihrem Gesichte, der Duft der Nacht lag auf ihrem Haare, das Geheimnis der Nacht schien in ihren beschatteten Augen. Sie blickte mich an, ich sie, und all die Liebe unserer Herzen erblühte zwischen uns. Wir sprachen kein Wort – wir hatten keine Worte zu sprechen – aber langsam rückten wir uns näher, bis sich Lippe auf Lippe preßte und wir unser ewiges Verlöbnis durch Küsse besiegelten.

Sie war es, die das heilige Schweigen brach, indem sie mit ganz veränderter Stimme redete, in weichen, tiefen Tönen, die mich wie die tiefsten Akkorde des Harfenspiels durchzitterten.

»Ah, nun verstehe ich's«, sagte sie, »nun weiß ich, warum wir einsam sind und wie wir unsere Einsamkeit verlieren können. Nun weiß ich, was uns bei der Schönheit des Himmels, beim Rauschen des Wassers, beim Dufte der Blumen berührt. Liebe ist's, die aus jedem Dinge spricht, aber bis wir ihre Stimme hören, verstehen wir nichts. Aber wenn wir sie hören, dann ist das Rätsel gelöst, dann öffnen sich die Tore unsres Herzens und, Allan, wir sehen den Weg, der durch den Tod gen Himmel führt und in dem Glanze endet, von dem unsere Liebe nur ein Schatten ist. Laß uns hineingehen, Allan. Laß uns gehen, ehe der Zauber erlischt, so daß, was uns auch treffen mag, Tod oder Trennung, wir diese vollkommene Erinnerung für uns retten.«

Ich erhob mich wie ein Mann in einem Traume und hielt sie noch bei der Hand. Aber als ich mich erhob, fiel mein Auge auf etwas, das weiß durch das Blätterwerk des Orangenbusches schimmerte. Ich sagte nichts, aber blickte hin. Der leichte Wind bewegte die Orangenblätter, das Mondlicht fiel für einen Augenblick hell auf den weißen Gegenstand.

Es war das Gesicht Hendrikas, der Pavianfrau, wie Indaba-Zimbi sie genannt hatte, und ihr haßsprühender Blick machte mich schaudern.

Ich sagte nichts; das Gesicht verschwand, und dann gerade hörte ich einen Pavian zwischen den Felsen hinter uns bellen.

Wir gingen nun in den Garten hinab, und Stella ging in die Mittelhütte. Ich sah Hendrika im Schatten der Türe stehen und ging zu ihr hin.

»Hendrika«, sagte ich, »warum hast du Fräulein Stella und mich im Garten beobachtet?«

Sie zog die Lippen in die Höhe, bis die Zähne im Mondlicht schimmerten.

»Habe ich sie nicht diese langen Jahre beobachtet, Macumazahn? Soll ich zu wachen aufhören, weil ein wandernder weißer Mann kommt und sie stehlen will? Warum hast du sie im Garten geküßt, Macumazahn? Wie kannst du's wagen, sie, die ein Stern ist, zu küssen?«

»Ich küßte sie, weil ich sie liebe und sie mich liebt«, antwortete ich. »Was hat das mit dir zu tun, Hendrika?«

»Weil du sie liebst«, zischte sie als Antwort; »und liebe ich sie nicht auch, sie, die mich von den Pavianen errettete? Ich bin ein Mädchen wie sie, und du bist ein Mann, und sie sagen in den Kralen, daß die Männer die Frauen heißer lieben, als Frauen sich untereinander. Aber das ist eine Lüge, obgleich es wahr ist, daß eine Frau, wenn sie einen Mann liebt, alle andere Liebe vergißt. Habe ich es nicht gesehen? Ich pflücke ihr Blumen – herrliche Blumen; ich erklettere deshalb die Felsen, wohin du dich niemals wagen würdest, um sie zu holen; du pflückst eine Orangenblüte im Garten und gibst sie ihr. Was tut sie? – Sie nimmt die Orangenblüte, steckt sie an die Brust und läßt meine Blumen sterben. Ich rufe sie – sie hört mich nicht – sie denkt nach. Du flüsterst weit weg mit irgendwem, und sie hört es und lächelt. Sonst pflegte sie mich manchmal zu küssen; nun küßt sie den weißen Balg, weil du ihn gebracht hast. Oh, ich sehe es alles – alles; ich habe es von Anfang an gesehen; du stiehlst sie uns, stiehlst sie für dich, und die, welche sie liebten, ehe du kamst, sind vergessen. Sieh dich vor, Macumazahn, sieh dich vor, daß ich nicht an dir gerächt werde. Du, du hassest mich, du hältst mich für einen halben Affen; dein Diener nennt mich eine Pavianfrau. Nun ja, ich habe mit Pavianen gelebt, und sie sind klug – und sie können böse Streiche vollführen und wissen Dinge, die du nicht weißt, und ich bin klüger als sie, denn ich habe auch die Klugheit der weißen Menschen gelernt, und ich sage dir, gehe vorsichtig, Macumazahn, oder du wirst in einen Abgrund stürzen«, und mit einem weiteren Blick des Hasses war sie gegangen.

Ich stand für einen Augenblick still und sann nach. Ich fürchtete dieses seltsame Geschöpf, das die Schlauheit der großen Affen, die sie erzogen hatten, mit der Leidenschaft und Erfahrenheit der menschlichen Art verband. Mir ahnte Schlimmes von ihrer Seite. Und dennoch war die Wut ihrer Eifersucht beinahe rührend. Man setzt gewöhnlich voraus, daß diese Eigenschaft nur dann in hohem Grade besteht, wenn das geliebte Wesen ein anderes Geschlecht hat als der Liebende, aber ich gestehe, daß ich sowohl hier, wie bei andern Fällen, die mir bekannt sind, eine andere Erfahrung gemacht habe. Ich habe Männer gekannt, und besonders unzivilisierte Männer, die so eifersüchtig auf die Liebe ihres Freundes oder Herrn waren, wie nur irgendein Liebhaber auf die Neigung seiner Herrin; und wer hat nicht ähnliche Fälle bemerkt, wo Eltern und Kinder in Betracht kamen? Aber je tiefer man in den Schichten der Menschheit steigt; um so mehr wuchert diese Leidenschaft; und in der höchsten Vollendung finden wir sie bei den Tieren. Frauen sind eifersüchtiger als Männer, engherzige Männer sind eifersüchtiger als größer angelegte, sympathiereichere Naturen, und Tiere sind die eifersüchtigsten von allen. Nun war Hendrika in vielen Dingen nicht weit vom Tiere entfernt, und das mag vielleicht für die Wildheit ihrer Eifersucht auf ihrer Herrin Liebe in Anschlag zu bringen sein.

Indem ich meine Unglücksahnungen abschüttelte, betrat ich die Mittelhütte. Herr Carson ruhte auf dem Sofa, und neben ihm kniete Stella und hielt seine Hand, während ihr Kopf auf seiner Brust ruhte. Ich sah sogleich, daß sie ihm mitgeteilt hatte, was zwischen uns geschehen war; und ich war darüber auch nicht betrübt, denn solch eine Sache läßt ein Schwiegersohn werden wollender Mann ganz gern durch einen Deputierten vortragen.

»Kommen Sie, Allan Quatermain«, sagte er beinah streng, und mein Herz sprang hoch auf, denn ich fürchtete, er möchte mich auffordern, meiner Wege zu gehen. Aber ich trat näher.

»Stella sagte mir«, fuhr er fort, »daß Sie beide sich verlobt haben. Sie sagte mir auch, daß sie Sie liebt, und daß Sie sagen, daß Sie sie ebenfalls lieben?«

»Ja, das tue ich, Herr«, unterbrach ich ihn, »ich liebe sie aufrichtig; so wie nur je eine Frau in dieser Welt geliebt worden ist, so liebe ich sie.«

»Dafür danke ich dem Himmel«, sagte der alte Mann. »Hört, meine Kinder. Vor vielen Jahren kam eine große Schande, ein großer Kummer über mich, ein so großer Kummer, daß ich oft glaubte, er mache mein Gehirn krank. Auf jeden Fall beschloß ich etwas zu tun, was die meisten Menschen für die Tat eines Verrückten gehalten hätten, ich beschloß, mit meinem einzigen Kinde in die Wildnis zu gehen und dort fern von der Zivilisation und ihren Übeln zu leben. Ich tat es; ich fand diesen Platz, und hier haben wir lange Jahre gelebt, glücklich gelebt und vielleicht auch nicht ohne unter unsern Zeitgenossen Gutes zu wirken, aber doch in einer Weise, die für unsere Rasse, unsere Lebensstellung unnatürlich ist. Erst dachte ich, daß ich meine Tochter in völliger Unwissenheit aufwachsen lassen wollte, daß sie ein Naturkind sein sollte. Aber als die Zeit hinging, sah ich die Torheit, die Gottlosigkeit meines Planes ein. Ich hatte kein Recht, sie zu der Bildungsstufe der mich umgebenden Wilden zu degradieren, denn wenn auch die Frucht vom Baume der Erkenntnis eine bittere Frucht ist, so lehrt sie doch Gutes von Bösem zu unterscheiden. So erzog ich sie, so gut wie ich konnte, bis ich zu guter Letzt wußte, daß sie weder an Körper noch Geist hinter ihren Schwestern, den Kindern der zivilisierten Welt, zurückstand. Sie wuchs heran und reifte zur Jungfrau, und dann gewahrte ich, daß ich ihr ein bitteres Unrecht zufügte, wenn ich sie von ihresgleichen trennte und sie in einer Wildnis festhielt, wo sie weder einen Gatten noch eine Freundin finden konnte. Aber obgleich ich das wußte, konnte ich mich doch nicht entschließen, in das tatenreiche Leben zurückzukehren; ich hatte diesen Platz liebgewonnen. Ich fürchtete mich, in die Welt, der ich abgesagt hatte, zurückzukehren. Wieder und wieder schob ich es auf, einen Entschluß zu fassen. Dann wurde ich zu Anfang dieses Jahres krank. Eine Weile wartete ich und hoffte, es würde wieder besser werden, aber endlich gestand ich mir zu, daß ich nie wieder gesund werden würde, daß die Hand des Todes über mir sei.«

»Ah, nein, Vater, das nicht!« sagte Stella mit einem Schrei.

»Doch, mein Liebling, doch, es ist wahr! Nun wirst du imstande sein, unsere Trennung im Glücke eines neuen Beisammenseins zu vergessen«, und er blickte mich an und lächelte. »Nun also, wie ich zu dieser Erkenntnis gelangte, beschloß ich, diesen Platz zu verlassen und nach der Küste zu reisen, obgleich ich wohl wußte, daß die Reise mich töten würde. Ich würde sie niemals lebend erreichen. Aber Stella würde sie erreichen, und das war besser, als sie unter Wilden hier in der Wildnis zu lassen. An demselben Tage, an dem ich mich zu diesem Schritte entschlossen hatte, fand Stella Sie sterbend in dem schlechten Lande, Allan Quatermain, und brachte Sie her. Sie brachte Sie, dessen Vater von allen Menschen in der Welt mein liebster Freund gewesen ist, Sie, der einst mit seinen Kinderhänden ihr Leben vor dem Feuer errettet hatte, damit sie leben möchte, um das Ihrige vor dem Verdursten zu retten.

Zu jener Zeit sagte ich wenig, aber ich sah die Hand der Vorsehung darin und beschloß zu warten und zu sehen, was zwischen euch entstehen würde. Schlimmsten Falles, wenn nichts geschah, so wußte ich bald, daß ich Ihnen vertrauen könnte und Sie sie sicher bis zur Küste geleiten würden. Aber schon vor vielen Tagen wußte ich, wie es um euch stand, und nun sind die Dinge so geschehen, wie ich gebetet hatte, daß sie werden möchten. Gott segne euch beide, meine Kinder; mögt ihr in eurer Liebe glücklich sein, möge sie bis zum Tode und darüber hinaus andauern. Gott segne euch beide«, und er streckte mir seine Hand entgegen.

Ich nahm sie, und Stella küßte ihn. Sogleich sprach er weiter:

»Es ist meine Absicht«, sagte er, »euch, wenn ihr beide einwilligt, nächsten Sonntag zu trauen. Ich möchte es gern bald tun, weil ich nicht weiß, wie lange Zeit mir noch gewährt ist. Ich glaube, daß eine derartige Zeremonie, feierlich vor Zeugen ausgeführt, unter diesen Verhältnissen als vollständig legal gelten wird; aber natürlich werdet ihr sie mit aller Formalität wiederholen lassen, sobald es in eurer Gewalt liegt. Und nun ist da noch eins: als ich England verließ, war mein Vermögen arg zersplittert, im Laufe der Jahre hat es sich erholt, die angesammelten Zinsen haben, wie ich erst kürzlich hörte, als die Wagen von Port Natal zurückkehrten, genügt, alle Belastungen abzuzahlen, und es ist noch ein beträchtlicher Überschuß da. Also werdet ihr nicht ohne Vermögen heiraten, denn du, Stella, bist natürlich meine Erbin. Nur wünsche ich noch eine Bestimmung zu treffen. Es ist folgendes: Sobald ich sterbe, sollt ihr diesen Ort verlassen und die erste Gelegenheit wahrnehmen, um nach England zurückzukehren. Ich verlange nicht, daß ihr dort immer leben sollt; es möchte für Leute, die wie ihr in der Wildnis groß geworden sind, zu viel sein; aber ich bitte euch, daß ihr es zu eurer ständigen Heimat macht. Willigt ihr ein und versprecht ihr das?«

»Ich tue es«, antwortete ich.

»Und ich auch«, sagte Stella;

»Das ist gut«, antwortete er; »und nun bin ich todmüde. Nochmals, Gott segne euch beide, und gute Nacht.«

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