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Der wunderbare Hund

Unbekannte Autoren: Der wunderbare Hund - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer wunderbare Hund
authorAnonymus
translatorCosmo Pierio Bohemo
year1993
publisherFriedenauer Presse
addressBerlin
isbn3-921592-78-x
titleDer wunderbare Hund
pages3-8
created19990523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die V. Klasse

Erzählt die artigen Kunst-Stücke, so dieser Spanier oder verwandelte Hund seinem Herrn präsentiert hatte.

Hierauf nahm Jörg einen starken Prügel, kam zu mir, da ich eben bei der Stuben-Tür unter einem Tisch lag, und sagte: »Spanier, komm vor, du mußt Schildwacht halten, geh, komm, es hat geschlagen«, und hob mich zugleich vorne in die Höhe.

Weil ich mich aber hierzu etwas ungeschickt stellte, gab er mir eine derbe Ohrfeige. Darauf nahm ich den Prügel in die linke Tatze, so gut ich konnte, und mit der rechten schlug ich unversehens meinen Jörg ins Angesicht. Worüber die Edelleute so heftig lachten, daß sie darüber ihr Zanken gar vergaßen.

Jörg aber dachte, er wollte mir wieder einen Possen machen; nahm deshalb eine Tabaks-Pfeife, sagend: »Spanier, ein Musketier muß auch Tabak rauchen.« Gab mir also die Tabaks-Pfeife ins Maul, die ich zwischen den Zähnen festhielt.

Hierauf ging er hinaus, füllte draußen eine andere, zündete sie an und brachte solche hinein, nahm mir meine leere und gab mir die voll eingefüllte brennende ins Maul, vermeinend, der Tabaks-Rauch würde mir zuwider sein.

Ich aber stand mit meinem Prügel so mannhaft und schmauchte die Pfeife so tapfer aus, als wenn ich ein rechter Musketier gewesen wäre. Über welcher Positur die Edelleute vor Lachen zerspringen wollten.

Als die Pfeife aus war, ließ ich sie fallen, daß sie entzweibrach.

Jörg sagte: »Ei, Spanier, du bist ein grober Gesell, warum zerbrichst du die Pfeife?«

Hiermit gab er mir wieder eine Ohrfeige, und weil er sich besorgte, ich möchte ihm wieder eine versetzen, also wollte er mir entlaufen.

Ich aber lief ihm zwischen die Beine, daß er über mich stolperte und wie ein Ochs daniederfiel. Hierauf sprang ich auf ihn und schlug mit beiden Pfoten nach seinem Gesicht, vor welches er die Arme hielt, aus Sorge, ich möchte ihn hineinkratzen; endlich wälzte er sich auf die Seite herum und stand ganz vorsichtig wiederum auf. Über welche wunderliche Schlägerei ein großes Gelächter geschah.

Mithin reichte mir Jörg die Hand und sagte: »Nun, mein Spanier, vertragen, vertragen, ich bin gut, sei du auch wieder gut.« Darauf gab ich ihm meine Tatze und lief, weil mich sehr dürstete, in der Hoffnung hurtig unter den Tisch, daß ich auf solche Weise bald was zu trinken bekommen würde, welches auch gar schön anging. Denn Jörg hätte mich gerne hervorgehabt, aber ich kam nicht, er mochte so gute Worte geben als er wollte.

Als der Junker sah, daß ich nicht hervorkommen wollte, befahl er dem Jörg, er solle mir wieder eine Gesundheit zutrinken.

Jörg tat solches wie vorher, trank allerlei Gesundheit, aber alle diese achtete ich nicht, als er aber auf meines Junkers Gesundheit trank, kam ich hervor und legte meine Schuldigkeit mit Lust ab.

Hiermit wurde das Abend-Essen aufgetragen, und weil ich die Edelleute so stattlich belustigt hatte, so belustigten sie mich wieder mit manchen guten Leckerbißlein.

Es war auch nicht einer, der mir nicht auf Gesundheit zutrank, welchen ich auch (jedoch aus einem besonderen Becher) redlich Bescheid tat, also daß ich endlich einen ziemlichen Rausch bekam.

Mein Jörg aber machte noch unterschiedliche Possen mit mir, die ich nicht alle erzählen mag, außer einem artigen Streich, den ich nicht verschweigen kann. Denn Jörg wollte versuchen, ob ich ihm auch den Hut abnehmen würde, sagte deswegen: »Pfui, Spanier, wie warm ist mir.« Weil ich aber vordem dergleichen Hunde-Künste öfters gesehen hatte, also nahm ich ihm den Hut mit sonderlicher Manier ab.

Es stand aber eben ein grober Bauern-Knecht dabei, der hatte, als ein anderer Flegel, den Hut auf dem Kopf, diesem sprang ich unversehener Weise auf den Hals, erwischte den Hut und warf zugleich den groben Schelm zu Boden, nahm ihm den Hut und brachte denselben meinem Junker, welches ein grausames Gelächter verursachte.

Ja, Junker Abraham sagte: »So wahr, als ich ein Kavalier bin, der Hund hat nicht nur Menschen-Verstand, sondern er ist auch klüger als solche groben Bauern-Flegel. Wenn ich dergleichen Hund bekommen könnte, ich wollte gleich 20 Taler dafür geben.«

Als ich nun meine hündischen Künste genugsam hatte sehen lassen, legte ich mich in einen Winkel und schlief so sanft ein, daß ich auch das Balgen der Edelleute, welches den Morgen danach vor sich ging, verschlafen habe.

Ich kann also von diesem Akt weiter nichts berichten, als daß ich unterschiedliche von dem Feldscher habe verbinden sehen.

Mir mißfielen heftig die grausamen Torheiten der Menschen, daß sie sich einer liederlichen Sache halber so zersetzen lassen.

Doch bekümmerte ich mich nicht lang um solche Phantasten, sondern dachte: Wer nicht auf ganzer Haut schlafen will, der mag auf einer zerfetzten wachen.

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