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Der wunderbare Hund

Unbekannte Autoren: Der wunderbare Hund - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer wunderbare Hund
authorAnonymus
translatorCosmo Pierio Bohemo
year1993
publisherFriedenauer Presse
addressBerlin
isbn3-921592-78-x
titleDer wunderbare Hund
pages3-8
created19990523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die IV. Klasse

Beschreibt des Hundes Künste und wie er von seinem Herrn der Spanier genannt wurde.

Des andern Tages kamen etliche Krippen-Reiter, die mein Herr trefflich gastierte.

Unter währender Mahlzeit erzählte er ihnen, wie er mich bekommen hatte.

Nach geendigter Erzählung sagte er zu seinem Knecht: »Höre, Jörg, versuche doch, was unser neuer Hund für Künste kann.«

Der Knecht antwortete: »Gestrenger Junker, was geben wir ihm denn für einen Namen?«

»Du kannst ihn den Spanier nennen, weil er so spanisch gehen kann.«

Dieses war also mein erster Name, seitdem ich ein Hund war.

Hierauf fing Jörg sein Exerzitium und Possen-Spiel mit mir zu machen an.

»Mein Spanier«, sagte er, »es ist nicht gut zu arbeiten, wenn man nicht vorher gefrühstückt hat; darum, weil ich weiß, daß du noch nüchtern bist, so nimm hier diesen Teller und laß dir vom Junker ein Stück Fleisch geben.«

Darauf nahm ich den Teller in das Maul und brachte ihn dem Junker, derselbe wollte den Teller mir abnehmen, ich aber drehte mich um und schüttelte mit meinem Kopf, worüber alle Anwesenden lachten. Ja, etliche schworen sogar, der Hund hätte Menschen-Verstand; und obwohl sie nicht falsch schworen, so war mir doch solches liederliche Schwören so zuwider, daß ich solche liederlichen Schwörer (meine Hunds-Person vor Eifer ganz vergessend) davon abmahnen wollte; weil ich wußte, daß sie das, was sie beschworen, doch selbst nicht glaubten.

Es wollten sich aber keine verständlichen Worte von mir hören lassen, wohl aber brach mir statt eines Hunde-Gebells dieses Wort ›Abraham, Abraham‹, oder so ähnlich heraus. Weil aber in der Kompanie einer war, der Abraham hieß, so verursachte mein Gebell abermals ein großes Gelächter.

Mein Junker sagte: »Junker Abraham, Ihr müßt meinen Spanier vormals schon gekannt haben, weil er Euren Namen so schön aussprechen kann.«

»Ei wohl«, antwortete Junker Abraham, »das ist ein ganz seltsamer Hund, und ich weiß nicht, wie er mir vorkommt.«

Mein Herr sagte: »Komm Spanier, belle noch einmal«; worauf ich wiederum zu bellen anfing ›Abraham, Abraham‹. Welches abermals ein ziemliches Gelächter verursachte.

Junker Abraham wurde darüber ganz rot, und so habe ich gänzlich geglaubt, daß er durch mein Bellen bewegt worden sei, keinen Fluch mehr von sich hören zu lassen.

Hierauf gab mir mein Herr ein Stück Fleisch auf meinen Teller und sagte: »Geh, mein Spanier, friß erstlich, hernach mach dich fein lustig.«

Ich nahm mein Stück Fleisch und aß es in eben solcher Positur, als ich den vorigen Tag das Stück Brot gegessen hatte.

Da ich fertig war, sagte der Knecht: »Hast du nun gegessen, mein Spanier, so mußt du auch trinken.« Er nahm hiermit einen Becher Wein und sagte zu mir: »Es gilt, Spanier, in Gesundheit unserer Käse-Mutter.«

Ich aber schüttelte den Kopf und kroch unter den Tisch.

»Komm, komm«, sagte der Knecht. »Es gilt in Gesundheit des türkischen Kaisers.«

Ich aber blieb unter dem Tisch liegen.

»In Gesundheit deines gestrengen Junkers«, fuhr der Knecht fort.

Auf dieses kam ich hervor, stellte mich auf die hinteren Beine und machte eine artige Reverenz mit Ausstreichung des rechten Fußes.

Der Knecht trank den Becher Wein aus und schenkte ihn wieder voll ein.

Der Junker aber fragte den Knecht: »Jörg, für wen soll dieser Wein sein?«

»Für den Hund«, antwortete der Knecht.

Der Junker sprach: »Wo hast du deinen Lebtag gehört, daß die Hunde Wein saufen, denn er ist ihnen von Natur zuwider?«

»Da lassen Euer Gestreng mich vorsorgen.« Jörg nahm den Becher und gab ihn mir, welchen ich mit meinen vorderen Beinen nahm und so gut, als es mir möglich war, in den Hals hinein goß; worüber sich alle Edelleute höchstens verwunderten.

Hierauf kam einer mit einem Hackbrett, und zwei mit Geigen in die Stube; da sagte Jörg zu mir: »Spanier, kannst du auch tanzen?«

Ich aber legte mich nieder und streckte alle viere von mir.

»Halt«, sagte mein Knecht, »der Spanier wird gewiß die Komödie von der faulen Magd agieren wollen.«

»Holla, Magd«, sagte er, »steh auf, es ist schon drei Uhr. Hörst du nicht, du sollst die Kühe melken? Der Hirte wird bald blasen.«

Ich hob den Steiß in die Höhe, dehnte und drehte mich um, blieb aber doch unbeweglich wieder liegen; worüber abermals die Kompanie zu lachen anfing.

»Magd«, schrie Jörg ferner, »steh auf, der Hirte bläst; du faule Mähre, willst du denn nicht aufstehen?«

Ich aber machte es eben wieder so wie vorher.

»Hörst du, Magd«, fuhr Jörg fort, »steh auf, die Freier kommen und bringen Spiel-Leute mit. Hörst du nicht, wie sie aufspielen? Komm geschwind, laß uns tanzen.«

Hierauf sprang ich jählings auf, tanzte mit meinem Jörg herum und machte nach dem Tanz, den die Spiel-Leute geigten, so krumme Sprünge, daß die Zuschauer Maul und Nasen aufsperrten und nicht wenig darüber lachten.

 

Nach vollbrachtem Tanz bekam ich wieder ein Stück Fleisch, das ich mit Lust verzehrte.

Als ich in aller Andacht saß und aß, fing ein Edelmann an und sagte: »Dieser Hund muß einen guten Lehrmeister gehabt haben, weil er so treffliche Künste kann.«

»Zweifelsohne«, sagte ein anderer, »und vielleicht mag derselbe wohl mehr Fleiß und Mühe angewendet haben, diesen Hund abzurichten, als mancher Präzeptor, seine anvertraute Jugend in freien Künsten und guten Sitten zu informieren. Es ist wahrlich zu beklagen, daß solche Kerls manchmal so nachlässig sind und öfters ihr Brot mit Sünden fressen und das Gold den Leuten abstehlen. Mein Herr Vetter hat seinem Sohn schon fünf Jahre einen Präzeptor gehalten, es bleibt aber derselbe allezeit ein Hans und kann mit Mühe und Arbeit Adjektivum und Substantivum zusammensetzen.«

 

Mein Junker hätte gerne weiterdiskutiert, aber die Edelleute hörten nicht gerne von solcher Materie reden, sondern riefen den Spiel-Leuten zu, sie sollten eins aufspielen; welches auch geschah.

Sie aber fingen an zu saufen, und nachdem der Wein zu operieren anfing, so fingen sie auch an zu zanken, zu schreien, zu poltern und zu fluchen, daß sich hätte der Himmel auftun mögen; bis sich endlich ihrer zwei bei den Haaren kriegten und die Gläser einander in die Augen stießen.

Mein Herr wollte Schiedsmann sein, bekam aber auch etliche Stöße davon.

Ich aber mochte diese Unhöflichkeit nicht ungerächt lassen, biß deswegen demjenigen, welcher meinen Herrn geschlagen hatte, ziemlich in das Bein, dessen Diener aber ergriff die Karbatsche und gab mir etliche Streiche damit über den Rücken, daß ich mich eilends unter den Bei-Tisch retirieren mußte.

Wiewohl es mich heftig verdroß, daß meine Tugend und guten Dienste so häßlich bestraft wurden, da man hingegen die Laster zu belohnen pflegt, so mußte ich doch zufrieden sein.

Dieser Tumult währte wohl eine halbe Stunde, und es war endlich keiner mehr neutral, weil die Neutralisten fast die meisten Schläge davontragen mußten. Es war noch gut, daß mein Herr am Anfang dieser Schlägerei die Säbel sogleich in die Stuben-Kammer geworfen hatte; sonst hätte diese Gasterei ein Blut-Bad werden mögen.

Die stärkste Partei warf endlich etliche zur Tür hinaus, und weil sie noch nicht satt waren, gar die Treppe hinunter.

Diese gingen in das Dorf ins Wirts-Haus und schickten einen Diener, dem doch der Säbel von meines Junkers Diener auch genommen war, ins Schloß, ließen meinen Junker bitten, er wolle ihnen doch ihr Gewehr und ihre Pferde folgen lassen; welches mein Junker auch geschehen ließ. Jedoch, nachdem das Gewehr und die Pferde hinaus waren, ließ er die Brücke vor dem Schloß aufziehen.

Als die Edelleute in dem Wirts-Haus ihre Gewehre und Pferde bekommen hatten, kamen sie wieder vor das Schloß geritten und forderten die anderen, die noch im Schlosse waren, mit vielen Schelt-Worten heraus.

Mein Junker aber ließ sie durch unsern Jörg bitten, sie wollten sich doch zur Ruhe begeben, und sofern sie beim einen oder andern was zu suchen hätten, sollten sie es am nüchternen Morgen tun. Würden sie ihm dieses zu Willen tun, so wolle er sie als Gäste traktieren, würden sie aber nicht nachlassen, sondern in ihrer Raserei fortfahren, wolle er entschuldigt sein, wenn der eine oder andere etwas schändlich zu kurz kommen möchte.

Durch diese Worte wurden sie endlich besänftigt, daß sie wieder in das Wirts-Haus ritten und die Pferde allda einstellten, kamen aber alsbald zu Fuß wieder vor das Schloß, baten meinen Junker mit größtem Versprechen, daß, wenn er sie würde hineinlassen, sie Friede halten und keine Unruhe anfangen wollten, sofern nur die andere Partei auch stillsitzen würde. Sollten selbige aber nicht Friede halten, so baten sie, mein Junker wolle selbige Partei auch aus dem Schlosse schaffen.

Hierauf handelte mein Herr mit denen im Schloß so weit, daß sie diesen Tag der Händel nicht mehr zu gedenken versprachen. Worauf er sich, begleitet von sechs Dienern (worunter ich mich mitzählte), aus dem Schlosse zur anderen Partei begab, und mit dieser Partei auch Friede oder vielmehr einen Stillstand auf vierzehn Stunden lang machte. Gleich darauf gingen sie alle wieder in das Schloß, die Pferde wurden auch wieder geholt.

 

Als sie sich nun wieder niedergesetzt hatten, fragte mein Herr nach der Ursache dieses entstandenen Tumults; da kam es heraus, daß sie sich einer Lüge halber geschlagen hatten. Denn der Junker Vladislaus hatte erzählt, wie er einmal einen Karpfen auf einem Baum geschossen habe, und das hatte Junker Michael nicht glauben wollen.

Junker Vladislaus wollte gleichwohl nicht dafür angesehen sein, als ob er gelogen hätte, forderte deswegen seinen Knecht und sagte: »Du, Hanenko, ist's nicht wahr, daß ich den Karpfen von dem Baum heruntergeschossen habe?«

»Ja, freilich«, sagte Hanenko, »es ist wahr. Denn als wir vor einem Jahr auf unsere Wiesen gingen, saß ein Raub-Vogel auf einem Baum und hatte einen Karpfen in seinen Klauen. Als nun der Junker solchen sah, schlich er hinzu und schoß nach dem Vogel, traf aber den Karpfen; wovon der Vogel erschrocken und davongeflogen ist und den Karpfen fallen lassen hat.«

Solches aber wollte Junker Michael doch noch nicht glauben, sondern fragte immer weiter, was es denn für ein Vogel gewesen sei? Woher er den Karpfen bekommen habe? Und wie groß der Karpfen eigentlich gewesen sei? Und was dergleichen mehr; also daß ich gänzlich geglaubt hätte, es hätte wieder Ohrfeigen geregnet, sofern sie mein Herr nicht ihres Versprechens nachdrücklich erinnert hätte.

Weil sie aber das Stochern nicht sein ließen, also befahl mein Junker dem Jörg, er solle doch versuchen, was ich (als der Spanier) für saubere Künste mehr könnte; damit nur die Kompanie ihres unfriedlichen Schwätzens ein Ende machen möchte.

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