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Der wunderbare Hund

Unbekannte Autoren: Der wunderbare Hund - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer wunderbare Hund
authorAnonymus
translatorCosmo Pierio Bohemo
year1993
publisherFriedenauer Presse
addressBerlin
isbn3-921592-78-x
titleDer wunderbare Hund
pages3-8
created19990523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die III. Klasse

Erzählt die Umstände, auf welche Weise dieser Hund seinen ersten Herrn bekommen.

Wiewohl ich nun auf meiner ersten Fourage übel angekommen bin, so zwang mich doch der Hunger, es noch einmal zu wagen.

Ich ging deshalb in ein anderes Bauern-Haus, allwo die Bäuerin gerade erst gebacken und das Brot noch im Hause stehen hatte.

Ich hätte gerne eines davon angepackt, ich konnte es aber, weil es zu groß war, im Maule nicht fortbringen.

Daher nahm ich es zwischen meine vorderen Beine, richtete mich auf und ging so ehrbar (weil es schwer war) und prächtig damit zur Haus-Tür hinaus, als ob ich ein geborener Spanier gewesen wäre.

Und zu allem Glück reiste eben ein Edelmann diese Straße vorbei, dessen Diener erblickte mich.

Als er nun meines possierlichen Gangs gewahr wurde, hub er überlaut zu lachen an, daß der Edelmann bewogen wurde, sich auch umzuschauen und den Knecht zu befragen, was er Wunderliches vorhätte, daß er sich so zieren täte.

Der Knecht konnte aber vor Lachen nichts antworten, zeigte aber gleichwohl mit den Fingern auf mich, daß sein Junker meiner gewahr wurde und mit Lachen Gesellschaft leistete.

»Jörg«, sagte der Junker, »wenn du mir den possierlichen Hund zuwegebringen kannst, so gebe ich dir einen Taler Trink-Geld.«

Ich spitzte die Ohren ziemlich und dachte, das möchte wohl ein Herr für mich sein; zum wenigsten hätte ich so doch mein gewisses Essen und dürfte mich vor einigen Prügel-Suppen nicht so fürchten, als wenn ich die Bauern bestehlen müßte.

Als nun Jörg abgestiegen war und mich zu sich lockte, ging ich denn gravitätisch mit meinem Brot auf den Junker zu und reichte ihm das Brot mit solchen Gebärden, als ob ich hätte sagen wollen, er solle es von mir nehmen.

»Jörg«, sagte der Junker, »der arme Schelm ist gewiß hungrig, schneide ihm doch ein Stück Brot davon ab und gib's ihm.«

Jörg nahm das Brot von mir, schnitt ein gutes Stück davon ab und gab mir's.

Ich nahm es zwischen meine vorderen Füße, setzte mich auf die hinteren Beine und aß mit solchem Appetit, daß mein neuer Junker darüber heftig lachte, als ob er hätte zerspringen mögen.

Da ich ein wenig gefüttert war, ritt mein Junker wieder fort.

Jörg aber lockte mich, welches er nicht nötig hatte, weil ich ohnedies gerne mitlief.

 

Gegen Abend kamen wir auf des Junkers Schloß.

Als ich nun meinem neuen Herrn nachtrat, und wir in die Stube kamen, waren zwei Windhunde darin, die wischten unversehens über mich her und zausten mir das Fell ziemlich ab; hätten mich auch wohl gar erwürgt, wenn nicht mein Junker mit der Karbatsche zwischen uns Friede gemacht hätte.

Da erfuhr ich alsdann mit Schaden, wie es zu Hofe herzugehen pflegt, daß nämlich die alten Diener sich gemeiniglich bemühen, die neuen bald wieder auszubeißen, aus Sorge, sie möchten ihnen die Schuh' austreten.

Allein diesen Abend wurde nicht viel Wesens gemacht; mein Junker speiste ganz hurtig ab und verfügte sich zu Bette.

Ich bekam ein ziemliches Stück Fleisch und eingetunktes Brot zu essen, welches mir über alle Maßen wohl schmeckte.

Als der Junker schlafen war, jagte Jörg die andern Hunde aus der Stube und ließ mir dieselbige allein. Ich machte mein Logement und meine Lagerstatt unter dem Tisch; Jörg setzte sich hinter den Ofen.

 

Etwa eine halbe Stunde danach, nachdem mein Junker schlafen gegangen war und die anderen Diener sich auch in die Federn versteckt hatten, kam ein Frauen-Mensch in die Stube und brachte einen großen Krug Bier nebst einer Flasche mit Wein.

Jörg setzte sich mit ihr an den Tisch, und aß und trank mit ihr.

Kaum aber hatten sie zu essen angefangen, da kam noch eine andere, die brachte ein Stück Wildbret nebst einer Pastete; und diese war, wie ich hernach erfahren habe, die Köchin, jene aber die Schließerin.

Diese drei setzten sich zusammen, aßen und tranken, und löffelten eine ziemliche Zeit mit größter Herzens-Lust miteinander einiges herab, also daß ich mich verwunderte, wie sich die beiden Jungfern (es ist mit Gunst, daß ich sie so nenne) mit einem einzigen Kerl ohne Eifer so wohl behelfen konnten.

Der Durst trieb mich dahin, daß ich länger unter meinem Tisch nicht liegen konnte, darum stand ich auf und wartete unserem Jörg auf, der denn den Jungfern erzählte, in was für einem possierlichen Aufzug sie mich bekommen haben, worüber sie denn ziemlich lachten.

Als ich sah, daß ihnen das Ding wohlgefiel, stellte ich mich wieder auf die hinteren Beine, ging die Stube auf und ab; endlich fand ich einen Teller, den nahm ich und brachte ihn dem Jörg, welcher mir ein Stück Fleisch darauf legte, das ich alsbald verzehrte.

Indem mich aber der Durst noch mehr plagte, und ich sah, daß Jörg den Becher mit Wein auf die Bank gesetzt hatte, ging ich zu demselben, nahm ihn und goß ihn mit herzlicher Lust in meinen Magen; wiewohl ich wegen Ungeschicklichkeit meines Mauls ziemlich viel daneben goß.

Über dieses mein possierliches Wein-Saufen lachten die beiden Menschen so heftig, daß sie Jörg um Gottes Willen bat, sie wollten sich doch ein wenig mäßigen, damit es nicht die gestrenge Frau oder der Junker hören möchte.

Als ich mich satt gesoffen hatte, legte ich mich wieder unter den Tisch und betrachtete, wie schändlich doch die Gesinde ihre Herrschaften bestehlen und sich davon lustig machen.

In welchen Gedanken ich endlich wieder einschlief und also nicht wissen kann, was Jörg mit seinen beiden Jungfern ferner gemacht hat oder wann sie schlafen gegangen sind.

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