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Der wunderbare Hund

Unbekannte Autoren: Der wunderbare Hund - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer wunderbare Hund
authorAnonymus
translatorCosmo Pierio Bohemo
year1993
publisherFriedenauer Presse
addressBerlin
isbn3-921592-78-x
titleDer wunderbare Hund
pages3-8
created19990523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die I. Klasse

Handelt von dieses verwandelten Hunds übler Abfertigung, sowohl von seiner Liebsten als seines Knechtes.

Ich kann nicht wissen, wie mir dazumal eigentlich war, weil mich der Schrecken und die Verwunderung ganz außer mich selbst gebracht hatten.

Als ich mich endlich erholte, wurde ich gewahr, daß mir in der Verwandlung auch meine Kleider vom Leib gefallen waren, welche alsogleich auf der Stelle beisammen lagen, wo ich damals gestanden hatte, als mich die Hexe gesalbt hatte.

Ich sah mich zwar selber um und um, so viel ich konnte, erschrak aber über den Anblick meiner Glieder, an welchen nicht das geringste Menschliche mehr zu spüren noch zu sehen war.

Ob aber auch das Angesicht ganz und gar einem Hunde ähnlich war, dieses konnte ich so eigentlich nicht wissen; deshalb begab ich mich zu dem großen Spiegel, welcher an der Wand hing, und bemühte mich, in demselben zu bespiegeln, ob ich noch mein voriges Angesicht haben möchte.

Ich versuchte mich auf die hinteren Beine zu stellen, konnte aber damals noch nicht allein auf denselben stehen; aber die Neubegierigkeit trieb mich so weit, daß ich mich unterstand, auf die Bank zu springen; weil ich aber der Hunde Sprünge noch nicht gewohnt war, so fiel ich fein sauber auf meinen Hunds-Rücken wieder herab.

Deshalb aber ließ ich nicht nach, sondern bemühte mich so lang, bis ich auf die Bank kam.

Auf derselben stellte ich mich vor den Spiegel und betrachtete nicht ohne großen Schrecken mein Angesicht, welches sowohl als andere Glieder vollkommen hündisch aussah.

 

In dieser wunderseltsamen und lächerlichen Positur traf mich mein Knecht, der indessen von der Verrichtung und Wiedergebung der Kuh zurückkam, an.

Als ich ihn nun sah, wollte ich ihm mein Unglück klagen und zugleich bitten, daß er die Hexe wolle einziehen lassen; indessen vernahmen meine Ohren ein abscheuliches Hunde-Geheul, welches mich so sehr erschreckte, daß mir grün und gelb vor den Augen wurde.

Ich konnte aber nicht wissen, ob mein Knecht sich eingebildet hatte, ich würde ihn beißen, oder ob er sonst einen fremden Hund (für welchen er mich hielt) in der Stube nicht leiden wollte; denn er besann sich nicht lange, sondern erwischte einen Prügel, und prügelte mich anstatt des Trostes, den er mir (sofern er meine Begebenheit gewußt hätte) zusprechen hätte sollen, tapfer zur Tür hinaus; da fühlte ich mit größten Schmerzen die erste Frucht meiner Verwandlung, welche mir sehr schwer zu verdauen fiel.

 

Als ich aber über den Hof hinunterkam, begegnete mir meine Liebste zu Pferd, welche eben von einem Städtlein, darin sie in gewissen Verrichtungen gewesen war, wieder nach Hause kam; dieser wollte ich zum wenigsten mein Unglück mit Gebärden zu verstehen geben; sprang deswegen getrost an dem Pferde hinauf, ihr die Hände zu küssen.

Sie verstand aber meine hündische Freundlichkeit und mein Verlangen nicht, sondern ergrimmte vielmehr über meine Vermessenheit, und versetzte mir mit der Karbatsche einen solchen derben Streich, daß mir die Haare vom Fell flogen.

Es war aber dieses noch nicht genug, sondern das Pferd bequemte sich nach dem Willen seiner Frau und gab mir einen solchen Schlag, daß ich da hinfiel und alle viere von mir streckte.

Da ich mich nun wieder etwas aufgerichtet hatte, kroch ich auf allen vieren in einen Winkel und sah mich um. Als ich aber sah und fühlte, daß ich von all den Meinigen verlassen und horribel traktiert wurde, so resolvierte ich mich, mein auferlegtes Kreuz geduldig zu tragen, machte mich mit größtem Herzeleid aus meinem Hause hinaus, um irgendwo einen Herrn zu finden, von welchem ich meine Nahrung und Aufenthalt haben möchte.

Wer sonst war der Herr im Haus,
Selben peitscht man jetzt hinaus;
Als ein Hund wird er traktiert,
Auch elendig fortmarschiert.
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