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Der wunderbare Hund

Unbekannte Autoren: Der wunderbare Hund - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer wunderbare Hund
authorAnonymus
translatorCosmo Pierio Bohemo
year1993
publisherFriedenauer Presse
addressBerlin
isbn3-921592-78-x
titleDer wunderbare Hund
pages3-8
created19990523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die XVI. und letzte Klasse

Beschreibt die Umstände, wie und auf welche Art und Weise der gewesene Schösser wiederum seine menschliche Gestalt erhalten und erlangt hat.

Als ich nun bei meinem Herrn etliche Tage war, so gab er mir einen Namen, welcher sich zu meiner Farbe gar nicht reimte, denn er hieß mich Braun.

Da nun etliche Tage vorbei waren, reiste mein Herr auf seine Güter und nahm mich mit.

Als wir nun allda angelangt waren, traf ich meine ehrbare Gemahlin an, welche ein kleines saugendes Kind auf dem Schoß liegen hatte und den Edelmann ganz freundlich willkommen hieß, der ihr auch sogleich die Wangen küßte, welches mir überaus spanisch vorkam.

Ich wurde aber mit der Zeit gewahr, daß sie auch sogar alle Nacht mit meinem Herrn schlafen ging.

Was wollt' ich armer Hund aber machen, ich mußte es zwar mit größten Schmerzen ansehen und doch dabei zufrieden sein; wie es mir aber zumute gewesen ist, weil sie ein ungemein schönes Weibs-Bild war und ich sie vordem sehr geliebt hatte, will ich jedermann selbst judizieren lassen.

Ich dachte wohl tausendmal: ›Wenn du nur deine rechte Gestalt wieder hättest‹; lief auch deshalb alle Ecken und Winkel aus, um die Hexe anzutreffen, welche mich zu der Figur eines Hundes bezaubert hatte, ich konnte sie aber nirgendwo mehr finden.

 

Einmal sah ich meinen gewesenen Knecht, welcher der Hexe die Kuh wieder zugestellt hatte, zu diesem gesellte ich mich und ging hinter ihm drein; dieser marschierte in das Wirts-Haus hinein, welchem ich auf dem Fuß folgte.

In demselben war niemand als noch ein anderer Knecht.

Diese beiden fingen an zu zechen, ich aber setzte mich vor sie in die Stube auf die hinteren Beine, und als mich mein alter Knecht recht ansah, sagte er: »Dieser Hund sieht natürlich aus wie mein voriger Herr.«

»Ho, ho, Narr«, sagte der Knecht, »der Hund wird ja nicht einem Menschen gleichsehen.«

»Das sage ich nicht«, sagte mein Knecht, »weißt du denn nicht, daß mein Herr in einen Hund verwandelt worden ist?«

»Nein«, sagte der andere, »das möchte ich gerne wissen, wie es zugegangen ist.«

Hierauf erzählte mein Knecht den ganzen Verlauf der Sache; worüber der andere sich sehr verwunderte und dabei fragte: »Woher weiß man aber, daß dein Herr in einen Hund verwandelt worden ist, vielleicht könnte er sonstwie verlorengegangen sein, und der schwarze Hund kann sich von ungefähr in der Stube eingefunden haben.«

»Ja«, antwortete mein Knecht, »das haben wir zuerst auch gedacht, wiewohl uns die hinterlassenen Kleider viele wunderliche Gedanken verursachten. Es ist aber unterdessen die Hexe gestorben. Vor ihrem Ende aber hat sie meine Herrin zu sich fordern lassen und ihr frei bekannt, wie sie ihren Herrn in einen Hund verwandelt hätte und ihm nicht eher geholfen werden könnte, als man ihn mit einer Salbe hinten in den Nacken salbte. Und eben dieselbe Salbe, so dazu tauglich war, hat sie meiner Herrin in einer hölzernen Büchse zugestellt. Ich glaube aber nicht, daß sie willens ist, ihren vorigen Mann wieder zu einem Menschen zu machen, auch wenn sie ihn anträfe, weil sie jetzt die besten Sachen von der Welt hat und des Junkers Konkubine ist, mit welchem sie auch schon zwei Kinder gezeugt hat.«

Diese Reden waren mir wie lauter Donnerstreiche, die mich fast in Verzweiflung brachten.

Ich tat aber doch nicht, als ob ich etwas davon verstanden hätte, auf daß der Knecht nicht auf die Gedanken geraten möchte, als ob ich wahrhaftig sein rechter Herr sei.

 

Ich war ungefähr sechs Wochen bei meinem Junker, und obgleich ich noch so gute Sachen bei ihm hatte, so habe ich doch mit größtem Jammer ansehen müssen, wie er täglich meine Liebste geherzt und geküßt hat.

Einmal aber ging meine Frau zu einer Truhe, sperrte dieselbe auf.

Ich weiß zwar nicht, was sie aus derselben hat nehmen wollen, es kam ihr aber von ungefähr die Büchse mit der Salbe in die Hand, welche ihr die Hexe gegeben hatte, dieselbe nahm sie und schmiß sie von sich, sprechend:

»Geh hin, du verfluchte Salbe, ich begehre dich doch nicht mehr zu gebrauchen, und sollte mein Mann sein Lebtag ein Hund bleiben müssen.«

Als ich dieses sah und hörte, erwischte ich die Büchse und lief zur Tür, und endlich gar zum Tor hinaus auf einen dicken Wald zu.

Als ich nun in den Wald gekommen bin und mich allda über die Büchse machte, konnte ich die Salbe nicht aus derselben herauskriegen, sondern mußte sie mit großer Mühe entzweireißen.

Da nun die Büchse entzwei war, und die Salbe dalag, nahm ich solche in meine Pfoten und bestrich meinen Nacken damit.

Kaum hatte ich denselben mit dieser Salbe berührt, so war ich alsbald wiederum ein Mensch wie zuvor, stand aber ganz splitternackt da.

 

Die Freudigkeit, die ich darüber hatte, kann sich fast kein Mensch einbilden.

Weil ich aber keine Kleider hatte, so überfiel mich wieder eine kleine Traurigkeit, welche nicht lang dauerte, denn ich machte sogleich eine Schürze aus dem Laub, ging in ein anderes Dorf und gab vor, es hätten mich die Räuber ausgezogen, und bettelte um etwas alte Lumpen, damit ich mich doch bedecken konnte und nicht so schändlich daherziehen durfte.

Als mich nun die Leute sahen, hatten sie mit mir ein Erbarmen, warf mir einer hier, der andere dort einen Fetzen zu; damit ging ich noch weiter herum und erbettelte endlich so viel zusammen, daß ich mir wieder ein geringes, doch sauberes Kleid machen lassen konnte.

Weil ich aber um meines Weibes Zustand wußte und ich gesehen habe, wie sie und der Junker stetig miteinander die Liebe pflegten, so stand ich in Sorge, wenn ich hinginge und erkannt würde, so möchte mich der Junker ihrethalben um das Leben bringen, und also verließ ich die ganze Gegend, ging zu einem Obristen und ließ mich bei ihm zu einem Fourier unterhalten.

In dieser Charge lebte ich vergnügt und habe diesen meinen Lebens-Lauf, so viel mir die Zeit Raum gelassen hat, kürzlich beschrieben; weil wir aber Ordre zu marschieren bekommen haben, so habe ich dieser Materie ein Ende machen müssen.

 

Der günstige Leser lasse sich dieses Traktätlein ein Exempel der Härte gegen den armen Untertanen sein; und helfe mir Gott danken, daß meine hündische Gestalt, in welcher ich über vier Jahre lang genugsam Jammer und Elend ausgestanden habe, zu einem glücklichen Ende ausgeschlagen ist, daß ich nunmehr wieder zu meiner vorigen Menschen-Gestalt gelangt und gekommen bin.

        Hab' ich viel hier ausgestanden,
Und gemußt mit größten Schanden,
Aus dem Haus und Hof davon;
War es mein verdienter Lohn.

Weib und Güter hinterlassen,
Und gelaufen manche Straßen,
Als ein Hund gesucht mein Brot,
In der größten Jammers-Not.

Todes-Angst hat mich umgeben,
Daß ich wohl sollt' nimmer leben,
Öfters in gedoppelter Zahl,
Als wohl zweiundzwanzig Mal.

Doch hab' ich die Unglücks-Stunden
Mit Geduld all überwunden;
Bis daß alles hat behende
Genommen ein vergnügtes


E N D E
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