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Der wunderbare Hund

Unbekannte Autoren: Der wunderbare Hund - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer wunderbare Hund
authorAnonymus
translatorCosmo Pierio Bohemo
year1993
publisherFriedenauer Presse
addressBerlin
isbn3-921592-78-x
titleDer wunderbare Hund
pages3-8
created19990523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die XIII. Klasse

Erzählt, wie Taussäs einen neuen Herrn bekommen hat und von demselben Parthenius genannt worden ist. Es wird ihm aber mit Gift nachgestellt, weswegen er denn davonläuft und sich nach einem anderen Herrn umschaut.

Nachdem ich nach der Abreise aus dem Kloster dreieinhalb Tage herumgelaufen war, traf ich einen vornehmen Herrn an, welcher von Adel war; mit demselben lief ich in seinen Hof, bekam abermals Dienst und wurde Parthenius genannt.

Bei diesem Herrn hatte ich sehr gute Tage und wurde je länger, je werter gehalten, weil ich je länger, je mehr meine Künste an den Tag gab.

Meine Geschicklichkeit hätte mich aber fast ums Leben gebracht.

Denn als einmal ein anderer Edelmann bei meinem Herrn zu Gast war, und mein Herr ihm wies, was er für einen geschickten Hund hätte, erbot sich derselbe, ein Pferd für mich zu geben, welches mein Herr aber nicht tun wollte.

Dieses verdroß ihn so sehr, daß er auf Mittel und Wege bedacht war, meinen Herrn um seinen Parthenium zu bringen.

Auf eine Zeit war er bei unserm Knecht im Stall, in welchem ich mich damals auch befand; diesem versprach er drei Taler, im Fall er ihm den Parthenium könnte zuwegebringen.

Der Knecht aber sagte: Er wolle ihm gerne hierin willfahren, es wäre aber fast unmöglich, weil der Hund immer beim Herrn sein müßte, sogar, daß er auch des nachts in seine Schlaf-Kammer mitgenommen würde.

»Hei!« sagte der Edelmann, »wenn ich den Hund nicht haben soll, so gönne ich ihn auch deinem Herrn nimmermehr. Wenn du Lust hast, Geld zu verdienen, schau, so geb' ich dir einen Taler, wenn du den Hund mit Gift verderben willst; wird der Hund tot sein, so sollst du noch einen Taler bekommen.«

Dieses gelobte der Knecht zu tun und empfing den einen Taler, und der Edelmann versprach ihm dabei, Gift zu beschaffen, damit der Hund vergehen würde.

Ich erstaunte über den verfluchten Neid, der des Menschen Herz dermaßen besitzt, daß sie auch mit ihren Schäden und Unkosten ihren Nächsten um das Seinige zu bringen suchen, welches sie zu erlangen und selbst zu besitzen nicht hoffen dürfen.

Noch tausendmal mehr verfluchte ich die schändliche Untreue des Knechtes, welcher eines schändlichen Gewinns halber seinen Herrn des lieben Hundes und mich des Lebens zu berauben sich unterfangen durfte.

Weil ich nun nicht zweifelte, der Knecht würde sein Versprechen halten, also dachte ich, es wäre besser, wenn ich hinter der Tür Abschied nehmen täte und meinen lieben Herrn verließe, als wenn derselbe durch meinen Tod meiner sollte beraubt werden.

Damit aber der Knecht seiner Untreue halber ein Denkmal haben möchte, so biß ich demselben, da er sich eben bückte, ein paar ziemliche Löcher in die hinteren Backen und lief davon.

Wie die Mißgunst und das Neiden
Öfters voneinander scheiden,
Vieh und Menschen auf der Welt,
Um ein schlecht geringes Geld;

Daß oft mancher auch das Leben
Recht unschuldig muß hergeben;
So das Gift mir auch getan,
Wenn ich wär' nicht gangen davon.

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