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Der wunderbare Hund

Unbekannte Autoren: Der wunderbare Hund - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer wunderbare Hund
authorAnonymus
translatorCosmo Pierio Bohemo
year1993
publisherFriedenauer Presse
addressBerlin
isbn3-921592-78-x
titleDer wunderbare Hund
pages3-8
created19990523
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die X. Klasse

Gibt den Tag an, wie ich abermals von den Bedienten bin verleumdet worden, und wie hingegen meine Verleumder wider mich nichts ausgerichtet haben.

Bei diesem Herrn hatte ich die besten Sachen der Welt.

O, wenn mancher arme Mensch die köstlichen Speisen, die ich oftmals nicht mehr habe riechen mögen, gehabt hätte, wie trefflich hätte er sich erquicken sollen.

Arme Leute zwar hatten sich über meinen Herrn nicht zu beschweren, weil er der mildtätigste Herr von der Welt war und niemand gerne leer oder traurig von sich gehen ließ; ja, ich selbst habe öfters gesehen, daß er einen ganzen Hut voll Kleingeld unter die armen Leute hat austeilen lassen.

Dessenungeachtet aber werden doch wohl anderswo arme Leute gewesen sein, die das, was ich nicht gemocht habe, hätten wünschen mögen.

 

So wohl es mir aber in diesem meinen Dienst erging, so mußte ich doch leiden, daß mich ein großer Schaf-Hund jählings anfiel, der mir zweifelsohne einen nicht geringen Schaden zugefügt hätte, wenn mein Herr mich nicht selbst beschützt hätte.

Die Verleumdung wollte sich zwar auch einfinden, sie fand aber bei meinem Herrn keine geneigten Ohren.

Denn die Pagen meines Herrn hatten sowohl ihre Lust mit mir als mein Herr selbst, ja sogar, daß sie mich auch mit ihnen zu Bett zu nehmen pflegten.

Auf eine Zeit aber hatten sich die Bestien ziemlich besoffen und legten sich ihrer drei in ein Bett.

Weil aber der dritte ein Fremder war, mir meine Stelle eingenommen hatte, legte ich mich oben auf sie hinauf.

In der Mitternacht fing der, der auf der linken Seite lag, (mit Respekt zu reden) zu kälbern an und spie den andern beiden auf den Hals.

Zu allem Unglück hatte der Mittlere das Maul sperrangelweit offen, welches er von dem andern so voll bekam, daß der arme und auch volle Bruder bald daran erstickt wäre; worüber er erwachte und anfing, sich auch zu übergeben, welches mich zwang, diesen Ort zu verlassen.

Als sie sich nun alle drei ermuntert hatten, fingen sie an zu zanken, und wollte keiner die Unfläterei getan haben, hätten sich auch deshalb fast geschlagen, wenn nicht der Anfänger solcher Kälberei gesagt hätte: »Ihr Herren, keiner von uns hat es getan, sondern der saubere Taussäs hat dieses verursacht.« Daß also dem Mittleren, dem Maul und Nase vollgespien worden waren, ein solches Grauen ankam, daß ich nicht anders dachte, als würde er Lunge und Leber und sein ganzes Eingeweide herauswerfen. Daher wurden sie gezwungen, Wasser zu holen, sowohl ihre Köpfe, welche voller Brocken hingen, zu waschen, als auch ihre Mäuler, die voller Gestank waren, sauber auszuspülen.

Den folgenden Tag erzählte der Autor diese Komödie mit einer sehr artigen und wohlanständigen Art, wie der Taussäs seinen Kameraden das Maul so voll gemacht habe, daß er fast darüber erstickt und bewegt worden sei, dem Taussäs nichts nachzugeben, sondern seine sieben Heller aus dem Magen dazuzulegen.

Er machte auch noch einen Schnitzer dazu, um seine Erzählung sowohl glaubwürdiger als auch annehmlicher zu machen, daß ich mich abermals der Karbatsche besorgte.

Diese Erzählung aber erzürnte meinen Herrn nicht nur gar nicht, sondern er delektierte sich dermaßen darüber, daß er überlaut zu lachen anfing.

»Taussäs«, sagte er zu mir und patschte mich etliche Male auf meinen Kopf, »du solltest der Wasch-Magd billigerweise ein Trinkgeld geben, allein du armer Schelm hast selbst nichts.«

Hiermit machte er den Beutel auf und gab mir ein Sechsgroschen-Stück, und sagte: »Geh, Taussäs, bring dieses der Wasch-Magd.«

Ich nahm das Geld und ging fort. Die Pagen folgten mir von ferne nach, um zu sehen, was ich mit dem Geld machen würde.

In dem großen Saal begegnete mir ein Kammer-Mägdlein, welches ehedem manchen Spaß mit mir gehabt hatte, vor dieser stellte ich mich in Positur, machte eine Reverenz und legte das Geld zu ihren Füßen.

Das Mägdlein nahm das Geld und fing an, ihre Kurzweil mit mir zu treiben.

Ich weiß aber nicht, was ihr an mir so wohl gefallen hat; denn sie fing mit einem tief-geholten Seufzer an und sagte: »Ach Taussäs, Taussäs, wenn du ein Kerl wärst!«

Dieses hörten die Pagen, welche uns durch das Schlüssel-Loch zugesehen und zugehört hatten, fingen deshalb aus vollem Hals an zu lachen; worüber das arme Mägdlein also beschämt wurde, daß sie schnell davonlief.

Dieser Spaß gefiel den Pagen so wohl, daß sie es bald darauf dem Herrn sagten.

Jedoch war noch eine Diskretion bei ihnen, nämlich, sie hätten solches zwar gehört, aber die Jungfer, so es geredet, nicht gesehen.

Diese Geschichte kam unter die Hof-Burschen, die ein Sprichwort daraus machten, also daß, wo mich einer sah, er sprach: »Ach Taussäs, wenn du ein Kerl wärst!« Ja, dieses Sprichwort geriet endlich gar unter die Handwerks-Burschen in der Stadt, nur daß sie nicht wußten, woher es entstanden war, weil unsere Hof-Burschen solches niemandem offenbaren durften.

Doch kam dieses Sprichwort bei den Handwerks-Burschen gar so weit, daß auch endlich ein Lied davon gesungen wurde:

I.
            Taussäs,deine Kompliment',
Und dein mir gebracht's Geschenk,
Haben mich in Fessel 'bunden
Daß ich fast bin überwunden;
Wenn du nur ein Kerle wärst!
II.
Mich, mein Taussäs, hat dein Witz,
Wie der schnell' und helle Blitz,
In einem Augenblick verkehrt,
Daß mich hätt' die Lieb' betört;
Wenn du nur ein Kerle wärst!
III.
Taussäs' Redlichkeit und Treu
Ist bei Hof besonders neu;
Drum könnt' meine Hoffnung schweben,
Immerzu in diesem Leben,
Wenn du nur ein Kerle wärst!
IV.
Ach! mein Taussäs, wenn du wüßt'
Wie mir um das Herze ist;
Wie du mir's so hart gebogen,
Und wie ich dir bin gewogen,
Wenn du nur ein Kerle wärst!
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