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Der Wille zur Macht II

Friedrich Wilhelm Nietzsche: Der Wille zur Macht II - Kapitel 6
Quellenangabe
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authorFriedrich Nietzsche
titleDer Wille zur Macht II
publisherAlfred Kröner Verlag in Leipzig
seriesNietzsches Werke Taschen-Ausgabe
volumeBand X
year1922
firstpub1884/88
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111228
projectid4f830c02
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Viertes Buch. Zucht und Züchtung.

I. Rangordnung.

1. Die Lehre von der Rangordnung.

 

854.

Ich bin dazu gedrängt, im Zeitalter des suffrage universel, d.h. wo Jeder über Jeden und Jedes zu Gericht sitzen darf, die Rangordnung wieder herzustellen.

 

855.

Rang bestimmend, Rang abhebend sind allein Macht-Quantitäten: und nichts sonst.

 

856.

Der Wille zur Macht. – Wie die Menschen beschaffen sein müßten, welche diese Umwerthung an sich vornehmen. Die Rangordnung als Machtordnung: Krieg und Gefahr die Voraussetzung, daß ein Rang seine Bedingungen festhält. Das grandiose Vorbild: der Mensch in der Natur – das schwächste, klügste Wesen sich zum Herrn machend, die dümmeren Gewalten sich unterjochend.

 

857.

Ich unterscheide einen Typus des aufsteigenden Lebens und einen andern des Verfalls, der Zersetzung, der Schwäche. Sollte man glauben, daß die Rangfrage zwischen beiden Typen überhaupt noch zu stellen ist? ...

 

858.

Über den Rang entscheidet das Quantum Macht, das du bist; der Rest ist Feigheit.

 

859.

Vortheil eines Abseits von seiner Zeit. – Abseits gestellt gegen die beiden Bewegungen, die individualistische und die collektivistische Moral, – denn auch die erste kennt die Rangordnung nicht und will dem Einen die gleiche Freiheit geben wie Allen. Meine Gedanken drehen sich nicht um den Grad von Freiheit, der dem Einen oder dem Anderen oder Allen zu gönnen ist, sondern um den Grad von Macht, den Einer oder der Andere über Andere oder Alle üben soll, resp. inwiefern eine Opferung von Freiheit, eine Versklavung selbst, zur Hervorbringung eines höheren Typus die Basis giebt. In gröbster Form gedacht: wie könnte man die Entwicklung der Menschheit opfern, um einer höheren Art, als der Mensch ist, zum Dasein zu helfen? –

 

860.

Vom Range. Die schreckliche Consequenz der »Gleichheit« – schließlich glaubt Jeder das Recht zu haben zu jedem Problem. Es ist alle Rangordnung verloren gegangen.

 

861.

Eine Kriegserklärung der höheren Menschen an die Masse ist nöthig! Überall geht das Mittelmäßige zusammen, um sich zum Herrn zu machen! Alles, was verweichlicht, sanft macht, das »Volk« zur Geltung bringt oder das »Weibliche«, wirkt zu Gunsten des suffrage universel, d. h. der Herrschaft der niederen Menschen. Aber wir wollen Repressalien üben und diese ganze Wirthschaft (die in Europa mit dem Christenthum anhebt) an's Licht und vor's Gericht bringen.

 

862.

Es bedarf einer Lehre, stark genug, um züchtend zu wirken: stärkend für die Starken, lähmend und zerbrechend für die Weltmüden.

Die Vernichtung der verfallenden Rassen. Verfall Europa's. – Die Vernichtung der sklavenhaften Werthschätzungen. – Die Herrschaft über die Erde, als Mittel zur Erzeugung eines höheren Typus. – Die Vernichtung der Tartüfferie, welche »Moral« heißt (das Christenthum als eine hysterische Art von Ehrlichkeit hierin: Augustin, Bunyan). – Die Vernichtung des suffrage universel: d. h. des Systems, vermöge dessen die niedrigsten Naturen sich als Gesetz den höheren vorschreiben. – Die Vernichtung der Mittelmäßigkeit und ihrer Geltung. (Die Einseitigen, Einzelne – Völker; Fülle der Natur zu erstreben durch Paarung von Gegensätzen: Rassen-Mischungen dazu.) – Der neue Muth – keine apriorischen Wahrheiten ( solche suchten die an Glauben Gewöhnten!), sondern freie Unterordnung unter einen herrschenden Gedanken, der seine Zeit hat, z. B. Zeit als Eigenschaft des Raumes u. s. w.

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