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Der Widerspenstigen Zähmung

William Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung - Kapitel 8
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Widerspenstigen Zähmung
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Heinrich Graf Baudissin
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleDer Widerspenstigen Zähmung
pages80
created20121015
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfter Aufzug

Erster Auftritt

Straße

Von der einen Seite treten auf Biondello, Lucentio und Bianka, Gremio geht auf und ab, ihnen gegenüber.

Biondello. Nur schnell und still, Herr, denn der Priester wartet.

Lucentio. Ich fliege, Biondello, aber sie haben dich vielleicht im Hause nötig, darum verlaß uns.

Biondello. Nein, meiner Treu', erst müßt Ihr die Kirche im Rücken haben, und dann will ich zu meinem Herrn zurück, sobald ich kann.

(Lucentio, Bianka und Biondello ab.)

Gremio. Mich wundert, wo nur Cambio bleiben mag.

Petruchio, Katharina, Vincentio und Diener treten auf.

Petruchio. Hier ist die Tür, dies ist Lucentios Haus,
Mein Vater wohnt mehr nach dem Markte zu,
Dorthin muß ich, und also lass' ich Euch.

Vincentio. Ihr müßt durchaus mit mir vorher noch trinken,
Ich denk', ich kann Euch hier als Wirt begrüßen,
Und angerichtet finden wir wohl auch. (Klopft an die Tür.)

Gremio. Sie haben Geschäfte da drinnen, Ihr müßt stärker klopfen.

Magister oben am Fenster.

Magister. Wer klopft denn da, als wollt' er die Tür einschlagen?

Vincentio. Ist Signor Lucentio zu Hause, Herr?

Magister. Zu Hause ist er, Herr, aber nicht zu sprechen.

Vincentio. Wenn ihm nun aber jemand ein- oder zweihundert Pfund brächte, daß er sich einen guten Tag mache?

Magister. Behaltet Eure hundert Pfund für Euch, er hat sie nicht nötig, solange ich lebe.

Petruchio. Nun, ich hab's Euch wohl gesagt, Euer Sohn sei in Padua beliebt. – Hört einmal, Herr, ohne viel unnütze Weitläufigkeit, sagt doch, ich bitte Euch, dem jungen Herrn Lucentio, sein Vater sei von Pisa angekommen und stehe hier an der Tür, um ihn zu sprechen.

Magister. Du lügst. Sein Vater ist von Pisa angekommen und guckt hier aus dem Fenster.

Vincentio. Bist du sein Vater?

Magister. Ja, Herr, so sagt mir seine Mutter, wenn ich ihr glauben darf.

Petruchio. Was soll das heißen, guter Freund? Das ist ja offenbare Schelmerei, daß Ihr einen fremden Namen annehmt.

Magister. Legt Hand an den Schurken! Er denkt wohl jemand hier in der Stadt unter meiner Maske zu betrügen?

Biondello kommt zurück.

Biondello. Ich habe sie in der Kirche zusammen gesehn; der Himmel verleih' ihnen günstigen Wind. Aber was ist hier? Mein alter Herr Vincentio? Nun sind wir alle verloren und zugrunde gerichtet!

Vincentio. Komm her, du Galgenstrick.

Biondello. Ich hoffe, das kann ich bleiben lassen!

Vincentio. Komm hierher, Spitzbube! Was, hast du mich vergessen?

Biondello. Euch vergessen? Nein, Herr, ich konnte Euch nicht vergessen, denn ich habe Euch in meinem Leben nicht gesehn.

Vincentio. Was, du ausgemachter Schelm! Deines Herrn Vater, Vincentio, nie gesehn?

Biondello. Was! meinen würdigen, liebewerten alten Herrn? Ei, versteht sich, Signor, da guckt er ja zum Fenster heraus!

Vincentio. Ist dem wirklich so? (Schlägt ihn.)

Biondello. Hilfe! Hilfe! hier ist ein verrückter Mensch, der mich umbringen will. (Läuft davon.)

Magister. Zu Hilfe, mein Sohn! Zu Hilfe, Signor Baptista!

Petruchio. Komm, liebes Käthchen, laß uns zurücktreten und warten, wie dieser Handel ablaufen wird.

(Sie gehn auf die Seite.)

Magister, Baptista, Tranio und Diener treten auf.

Tranio. Herr, wer seid Ihr denn, daß Ihr Euch herausnehmt, meinen Diener zu schlagen?

Vincentio. Wer ich bin, Herr? Nun, Herr, wer seid denn Ihr? O ihr unsterblichen Götter! O du geputzter Schlingel! Ein seidnes Wams, samtne Hosen, ein Scharlachmantel und ein hochgespitzter Hut! O ich bin verloren, ich bin verloren! Unterdes ich zu Hause den guten Wirt mache, bringen mein Sohn und mein Bedienter alles auf der Universität durch!

Tranio. Nun, was gibt's denn?

Baptista. Was! Ist der Mensch mondsüchtig?

Tranio. Herr, nach Eurer Tracht scheint Ihr ein stiller, alter Mann, aber Eure Reden verraten Euch als einen Verrückten. Ei, Herr, was geht's denn Euch an, und wenn ich Gold und Perlen trage? Dank sei es meinem guten Vater, ich bin imstande, es dran zu wenden!

Vincentio. Dein Vater, o Spitzbube! der ist ein Segelmacher in Bergamo!

Baptista. Ihr irrt Euch, Herr, Ihr irrt Euch! Sagt mir doch, wie denkt Ihr denn, daß er heißt?

Vincentio. Wie er heißt! Als wüßte ich nicht, wie er heißt! Ich habe ihn vom dritten Jahr auf großgezogen, und sein Name ist Tranio.

Magister. Fort mit dir, du toller Esel! Er heißt Lucentio und ist mein einziger Sohn und Erbe aller meiner, des Signor Vincentio, Güter.

Vincentio. Lucentio? Oh, er hat seinen Herrn umgebracht! Verhaftet ihn, ich befehle es Euch im Namen des Dogen. Oh, mein Sohn! mein Sohn! Sag mir, Bösewicht, wo ist mein Sohn Lucentio?

Tranio. Ruft einen Gerichtsdiener her.
        (Einer von den Bedienten geht und holt einen Gerichtsdiener.)
Bringt diesen verrückten Menschen ins Gefängnis. Vater Baptista, ich mache es Euch zur Pflicht, ihn fortzuschaffen.

Vincentio. Mich ins Gefängnis bringen?

Gremio. Haltet, Gerichtsdiener, er soll nicht in Verhaft!

Baptista. Redet nicht drein, Signor Gremio, ich sage, er soll in Verhaft.

Gremio. Nehmt Euch in acht, Signor Baptista, daß Ihr nicht durch diese Geschichte hinters Licht geführt werdet; ich getraue mir's darauf zu schwören, dies sei der rechte
Vincentio.

Magister. Schwöre, wenn du's dir getrauest.

Gremio. Nein, zu schwören getraue ich mir's just nicht.

Tranio. So solltest du lieber auch sagen, ich sei nicht Lucentio?

Gremio. Ja, dich kenne ich als den Signor Lucentio.

Baptista. Fort mit dem alten Narren, in Arrest mit ihm.

Vincentio. So werden Fremde fortgeschickt und gemißhandelt! O abscheulicher Bösewicht!

Biondello kommt zurück mit Lucentio und Bianka.

Biondello. Ja, wir sind zugrunde gerichtet, und . . . dort ist er, verleugnet ihn, verschwört ihn, sonst sind wir alle verloren!

Lucentio (kniend). Verzeiht mir, Vater!

Vincentio. Lebst du, liebster Sohn?

(Biondello, Tranio und der Magister laufen davon.)

Bianka (kniend). Verzeiht, o Vater!

Baptista. Was hast du getan?
Wo ist Lucentio?

Lucentio. Hier. Ich bin Lucentio,
Rechtmäß'ger Sohn des wirklichen Vincentio.
Durch heil'ges Recht ward deine Tochter mein,
Indes dein Auge täuscht' ein falscher Schein.

Gremio. Nun ja! das nenn' ich tücht'ge Schelmerei, uns alle zu betrügen!

Vincentio. Wo blieb denn Tranio, der verdammte Wicht.
Der prahlt' und Trotz mir bot ins Angesicht?

Baptista. Ei, sagt mir, ist nicht dies mein Cambio?

Bianka. Hier; umgewandelt in Lucentio.

Lucentio. Dies Wunder tat die Liebe. Biankas Liebe
Ließ meinen Stand mit Tranio mich vertauschen,
Indes er meine Rolle hier gespielt.
Und freudig bin ich endlich eingelaufen
In den ersehnten Hafen meines Glücks.
Was Tranio tat, dazu zwang ich ihn selbst,
Verzeiht ihm, mir zuliebe, teurer Vater.

Vincentio. Ich will dem Schurken die Ohren abschneiden, der mich ins Gefängnis schicken wollte.

Baptista. Aber hört, Herr, Ihr habt also meine Tochter geheiratet, ohne nach meiner Einwilligung zu fragen?

Vincentio. Seid unbesorgt, wir stellen Euch zufrieden! Doch ich muß fort und strafen die arge Büberei. (Ab.)

Baptista. Und ich den Grund erforschen all dieser Schelmerei. (Ab.)

Lucentio. Geliebte, Mut, dein Vater wird versöhnt.

(Lucentio und Bianka ab.)

Gremio. Mein Kuchen ist noch zäh, doch geh' ich mit ins Haus,
Hab' ich schon nichts zu hoffen, als meinen Teil am Schmaus.

(Ab.)

Petruchio und Katharina treten vor.

Katharina. Komm, lieber Mann, zu sehn, was daraus wird.

Petruchio. Erst küsse mich, Käthchen, dann wollen wir gehn.

Katharina. Was! hier auf offner Straße?

Petruchio. Was? schämst du dich meiner?

Katharina. Nein, Gott bewahre; aber ich schäme mich,
dich hier zu küssen.

Petruchio. Nun dann nur fort nach Hause. He! Bursch! gleich reiten wir.

Katharina. Da hast du deinen Kuß. Nicht wahr, nun bleibst du hier?

Petruchio. Ist das nun so nicht besser? Mein liebstes Käthchen, sieh,
Einmal besser als keinmal, und besser spät als nie. (Ab.)

 

Zweiter Auftritt

Zimmer

Ein Bankett wird gebracht. Baptista, Vincentio, Gremio, der Magister, Lucentio, Bianka, Petruchio, Katharina, Hortensio und die Witwe treten auf; Tranio, Biondello, Grumio und andere warten auf.

Lucentio. Zwar spät, doch endlich stimmt, was Mißklang schien,
Und Zeit ist's, wenn der wilde Krieg vorüber,
Der Angst zu lächeln, der bestandnen Not.
Begrüß, geliebte Bianka, meinen Vater,
Mit gleicher Zärtlichkeit begrüß' ich deinen.
Bruder Petruchio, Schwester Katharine,
Und du, Hortensio, mit der lieben Witwe,
Trinkt, seid vergnügt, willkommen meinem Hause!
Es diene dies Bankett nun zum Beschluß
Nach unserm großen Gastmahl. Bitte, setzt euch,
So gut zum Schwatzen ist's, als um zu essen.

(Sie setzen sich.)

Petruchio. Und nichts als sitzen, sitzen, essen, essen.

Baptista. Die Freundlichkeit ist heimisch hier in Padua.

Petruchio. Was nur in Padua heimisch, find' ich freundlich.

Hortensio. Uns beiden wünsch' ich, dieses Wort sei wahr.

Petruchio. Nun, auf mein Wort! Hortensio scheut die Witwe.

Witwe. Nein, glaubt mir nur, ich scheue mich vor niemand.

Petruchio. Wie sinnreich sonst, doch fehlt Ihr meinen Sinn;
Ich meint', Hortensio scheue sich vor Euch.

Witwe. Wer schwindlicht ist, der denkt, die Welt geht rund.

Petruchio. Ei! rund erwidert.

Katharina. Sagt, wie meint Ihr das?

Witwe. Ich zahl' ihm nur in gleicher Münze wieder,
Was ich von ihm empfing.

Petruchio. Von mir empfing sie?
Hortensio, wie gefällt dir das? laß hören!

Hortensio. Wie sie die Red empfangen, meint die Witwe.

Petruchio. Gut eingelenkt! Küßt ihn dafür, Frau Witwe.

Katharina. »Wer schwindlicht ist, der denkt, die Welt geht rund«,
Ich bitt' Euch, sagt mir, was Ihr damit meintet?

Witwe. Eu'r Mann, der sich 'ne Widerspenst'ge nahm,
Mißt meines Mannes Kreuz nach seinem Gram.
Das war's, was ich gemeint.

Katharina. So war's gemein gemeint.

Witwe. Ja, denn Euch meint' ich.

Katharina. Ich wär' gemein, gäb' ich noch acht auf Euch.

Petruchio. Drauflos, Käthchen!

Hortensio. Drauflos, Witwe!

Petruchio. Einhundert Mark, mein Käthchen kriegt sie unter!

Hortensio. Das wär' mein Amt.

Petruchio. Gesprochen wie ein Amtmann! Auf dein Wohl!

(Trinkt dem Hortensio zu.)

Baptista. Was sagt Freund Gremio zu dem schnellen Witz?

Gremio. Sie stoßen mit den Köpfen gut zusammen.

Bianka. Wie, Stoß und Kopf? Ein Witzkopf möchte sagen,
Eu'r Kopf und Stoß sei nur wie Kopf und Horn.

Vincentio. So, Fräulein Braut? hat Euch das aufgeweckt?

Bianka. O ja, doch nicht erschreckt; drum schlaf' ich fort.

Petruchio. Das sollt Ihr nicht; weil Ihr einmal begonnen,
Müßt Ihr noch zwei, drei spitze Worte dulden.

Bianka. Bin ich Eu'r Wild? so wechsl' ich das Revier;
Verfolgt mich denn und zielt mit Eurem Bogen.
Willkommen seid ihr alle.

(Bianka ab mit Katharina und der Witwe.)

Petruchio. Sie hat nicht standgehalten, Signor Tranio,
Ihr zieltet nach dem Vogel, traft ihn nicht;
Gesundheit jedem, der da schießt und fehlt!

Tranio. O Herr, Lucentio hetzte mich als Windhund.
Der läuft für sich und fängt für seinen Herrn.

Petruchio. Ein gutes, schnelles Bild, nur etwas hündisch.

Tranio. Doch daß Ihr für Euch selbst gejagt, war gut,
Denn Euer Wild, so meint man, führt Euch weit.

Baptista. Oho, Petruchio, Tranio traf Euch jetzt.

Lucentio. Ich danke dir den Hieb, mein guter Tranio!

Hortensio. Bekennt, bekennt: hat er Euch nicht getroffen?

Petruchio. Ich muß gestehn, er streifte mich ein wenig,
Und da der Witz an mir vorbeigeflogen,
Zehn gegen eins, so traf er Euch ins Herz.

Baptista. Nun, das ist ausgemacht, mein Sohn Petruchio,
Ihr habt die Widerspenstigste von allen.

Petruchio. Ich aber sage nein. Dies zu beweisen,
Laßt jeden Botschaft senden seiner Frau,
Und wessen Frau vor allen folgsam ist
Und kommt zuerst, wenn er sie rufen läßt,
Gewinnt die Wette, die wir hier bestimmen.

Hortensio. Genehmigt. Wieviel setzt ihr?

Lucentio. Zwanzig Kronen.

Petruchio. Zwanzig Kronen?
So viel setz' ich auf meinen Hund und Falken,
Doch zwanzigmal so viel auf meine Frau.

Lucentio. Einhundert denn!

Hortensio. Genehmigt!

Petruchio. Topp! es sei.

Hortensio. Wer macht den Anfang?

Lucentio. Das will ich. – Biondello,
Sag meiner Frau, sie solle zu mir kommen.

Biondello. Ich geh'. (Ab.)

Baptista. Halbpart, Herr Sohn, daß Bianka kommt.

Lucentio. Nichts halb; ich will das Ganze mir gewinnen.

Biondello kommt zurück.

Lucentio. Wie nun? Was gibt's?

Biondello. Herr, unsre Frau läßt sagen,
Daß sie zu tun hat und nicht kommen kann.

Petruchio. Aha! sie hat zu tun und kann nicht kommen!
Heißt das antworten?

Gremio. Ja, und noch recht höflich;
Wenn Eure nur nichts Schlimmres läßt erwidern.

Petruchio. Ich hoffe Beßres.

Hortensio. Geh, Bursch, zu meiner Frau, ersuche sie,
Sogleich zu kommen. (Biondello ab.)

Petruchio. Oho! ersuche sie!
Dann muß sie freilich kommen!

Hortensio. So? ich fürchte,
Bei Eurer wird Euch kein Ersuchen helfen.

Biondello kommt zurück.

Hortensio. Nun, wo ist meine Frau?

Biondello. Sie sagt, Ihr habt wohl einen Scherz im Sinn,
Sie komme nicht; sie wünscht, Ihr kommt zu ihr.

Petruchio. Schlimmer und schlimmer! Will sie nicht? O schmählich,
Nicht auszuhalten, völlig unerträglich!
Du, Grumio, geh sogleich zu meiner Frau,
Sag, ich befehl ihr, sie soll zu mir kommen!

(Grumio ab.)

Hortensio. Ich weiß die Antwort!

Petruchio. Nun?

Hortensio. Sie wolle nicht.

Petruchio. So schlimmer steht's um mich, und damit gut.

Katharina kommt.

Baptista. Nun heil'ger Gott! seht, da kommt Katharine!

Katharina. Was wollt Ihr, Herr, daß Ihr nach mir gesandt?

Petruchio. Wo ist Hortensios Frau und deine Schwester?

Katharina. Da drinn' am Feuer sitzen sie und schwatzen.

Petruchio. Geh, hol sie her; und wollen sie nicht kommen,
Führ sie gegeißelt ihren Männern her!
Geh, sag' ich, bringe sie uns augenblicks. (Katharina ab)

Lucentio. Hier ist ein Wunder, wollt Ihr Wunder sehn.

Hortensio. Jawohl! mich wundert, was nur das bedeute!

Petruchio. Ei, Friede deutet's, Lieb' und ruhig Leben,
Ehrwürdig Regiment, rechtmäß'ge Herrschaft,
Kurz, was nur irgend süß und glücklich ist.

Baptista. Nun, dir sei alles Heil, guter Petruchio.
Die Wett' ist dein; ich aber füge noch
Zu dem Gewinste zwanzigtausend Kronen,
Der andern Tochter eine andre Mitgift;
Denn anders ist sie, als sie je gewesen.

Petruchio. Ich will die Wette besser noch gewinnen,
Sie soll mehr Zeichen von Gehorsam geben,
Der neuerworbnen Zucht und Unterwerfung.

Katharina kommt zurück mit Bianka und der Witwe.

Petruchio. Nun seht, sie kommt und bringt die trotz'gen Weiber,
Gefangne weiblicher Beredsamkeit. –
Die Haube, Katharine, steht dir nicht;
Fort mit dem Plunder! tritt sie gleich mit Füßen!

(Katharina tut es.)

Witwe. Gott, laß mich Ursach' nie zum Kummer haben,
Bis ich so albern mich betragen werde!

Bianka. Pfui! das ist ja ein läppischer Gehorsam!

Lucentio. Ei, wäre dein Gehorsam nur so läppisch!
Deines Gehorsams Weisheit, schöne Bianka,
Bringt mich um hundert Kronen seit der Mahlzeit.

Bianka. So kind'scher du, darauf etwas zu wetten!

Petruchio. Kathrine, dir befehl' ich:
Erklären sollst du den starrköpf'gen Weibern,
Was sie für Pflicht dem Herrn und Ehmann schuldig.

Witwe. Ei was, Ihr scherzt, wir wollen keine Predigt.

Petruchio. Tu's, sag' ich dir, und mach mit der den Anfang!

Witwe. Nein doch.

Petruchio. Ja, sag' ich, mach mit der den Anfang!

Katharina, Pfui, pfui! entrunzle diese drohnde Stirn
Und schieß nicht zorn'ge Pfeil' aus diesen Augen,
Verwundend deinen König, Herrn, Regierer,
Das tötet Schönheit wie der Frost die Flur,
Zerstört den Ruf wie Wirbelwind die Blüten,
Und niemals ist es recht noch liebenswert.
Ein zornig Weib ist gleich getrübter Quelle
Unrein und sumpfig, widrig, ohne Schönheit;
Und ist sie so, wird keiner noch so durstig,
Sie würd'gen einen Tropfen draus zu schlürfen.
Dein Ehmann ist dein Herr, ist dein Erhalter,
Dein Licht, dein Haupt, dein Fürst, er sorgt für dich
Und deinen Unterhalt, gibt seinen Leib
Mühsel'ger Arbeit preis zu Land und Meer,
Wacht Nächte durch in Sturm, und Tag' in Kälte,
Wenn du im Hause warm und sicher ruhst.
Und fordert zum Ersatz nicht andern Lohn
Als Liebe, freundlich Blicken und Gehorsam,
Zu kleine Zahlung für so große Schuld.
Die Pflicht, die der Vasall dem Fürsten zollt,
Die ist die Frau auch schuldig ihrem Gatten.
Und ist sie trotzend, launisch, trüb und bitter,
Und nicht gehorsam billigem Gebot,
Was ist sie als ein tückischer Rebell,
Sünd'ger Verräter an dem lieben Herrn?
Wie schäm' ich mich, daß Frau'n so albern sind!
Sie künden Krieg und sollten knien um Frieden!
O daß sie herrschen, lenken, trotzen wollen,
Wo sie nur schweigen, lieben, dienen sollen!
Weshalb ist unser Leib zart, sanft und weich,
Kraftlos für Müh' und Ungemach der Welt,
Als daß ein weiches Herz, ein sanft Gemüte
Als zarter Gast die zarte Wohnung hüte?
O kommt, ihr eigensinn'gen, schwachen Würmer!
Mein Sinn war hart wie einer nur der euern,
Mein Herz so groß, mein Grund vielleicht noch besser,
Um Wort mit Wort, um Zorn mit Zorn zu schlagen.
Jetzt seh' ich's, unsre Lanzen sind nur Stroh,
Gleich schwach wir selbst, schwach wie ein hilflos Kind,
Scheinen wir nur, was wir am mind'sten sind.
Drum dämpft den Trotz, beugt euch dem Mann entgegen,
Ihm unter seinen Fuß die Hand zu legen,
Wenn er's befiehlt. Zum Zeichen meiner Pflicht,
Verweigert meine Hand den Dienst ihm nicht.

Petruchio. Das nenn' ich eine Frau! Küß' mich, mein Mädchen!

Lucentio. Glück zu, Herr Bruder, du bezwangst dein Käthchen!

Vincentio. Das klingt recht fein, wenn Kinder fromm und fügsam!

Lucentio. Doch schlimm, wenn Fraun verstockt und ungenügsam.

Petruchio. Nun, Käthchen, komm zu Bette.
Drei sind vermählt, doch zwei nur schlecht, ich wette.
Gut' Nacht, ihr Herrn, und traft ihr schon das Weiße,
Ich bin's, der heut mit Recht der Sieger heiße.

(Petruchio und Katharina ab.)

Hortensio. Die Widerspenst'ge hast du gut gebändigt.

Lucentio. Ein Wunder bleibt's, daß dies so glücklich endigt.

(Ab.)

 

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