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Gutenberg > William Shakespeare >

Der Widerspenstigen Zähmung

William Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung - Kapitel 7
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Widerspenstigen Zähmung
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Heinrich Graf Baudissin
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleDer Widerspenstigen Zähmung
pages80
created20121015
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierter Aufzug

Erster Auftritt

Saal bei Petruchio

Grumio tritt auf.

Grumio. Hol die Pest alle müden Schindmähren, alle tollen Herrn und alle schlechten Wege! Ward je einer so geprügelt? Je einer so durchgebläut? Ist je ein Mensch so müde gewesen? Ich bin vorausgeschickt, um Feuer zu machen, und sie kommen hinter mir drein, um sich zu wärmen. Wär' ich nun nicht so ein kleiner Topf und bald heiß im Kopf, mir würden die Lippen an die Zähne frieren, die Zunge an den Gaumen, das Herz an die Rippen, ehe ich zu einem Feuer käme, um mich aufzutauen. Aber ich gedenke das Feuer anzublasen und mich damit zu wärmen, denn wenn man dies Wetter erwägt, so kann ein viel größrer Kerl, als ich bin, sich den Schnupfen holen. Holla, he! Curtis!

Curtis kommt.

Curtis. Wer schreit da so erfroren?

Grumio. Ein Stück Eis. Wenn du es nicht glauben willst, so kannst du von meinen Schultern zu meinen Füßen so geschwind hinunterglitschen, als wie vom Kopf bis zum Genick. Feuer, liebster Curtis!

Curtis. Kommen denn unser Herr und seine Frau, Grumio?

Grumio. Ja doch, Curtis, o ja! und darum Feuer, Feuer, tu kein Wasser dran!

Curtis. Ist sie denn solch eine hitzige Widerspenstige, wie man sagt?

Grumio. Das war sie, guter Curtis, vor diesem Frost; aber du weißt's, der Winter zähmt Mann, Frau und Vieh, denn er hat meinen alten Herrn und meine neue Frau gezähmt, und mich selbst, Kam'rad Curtis.

Curtis. Geh mir, du dreizölliger Geck! Ich bin kein Vieh!

Grumio. Halt' ich nur drei Zoll? Ei was! Dein Horn mißt einen Fuß, und so lang bin ich zum wenigsten. Aber willst du Feuer anmachen? Oder soll ich Klage über dich bei unsrer Frau führen, deren Hand (denn sie ist hier gleich bei der Hand) du bald fühlen wirst, als einen kalten Trost dafür, daß du langsam bist in deinem heißen Dienst?

Curtis. Bitt' dich, lieber Grumio, erzähle mir was, wie geht's in der Welt?

Grumio. Kalt geht's in der Welt, Curtis, in jedem andern Dienst als im deinigen; und darum Feuer. Tu, was dir gebührt, und nimm, was dir gebührt, denn unser Herr und seine Frau sind beinahe totgefroren.

Curtis. Das Feuer brennt, und also nun erzähle was Neues, guter Grumio.

Grumio. I nun, (singt) he Hans! ho Hans! so viel Neues du willst!

Curtis. Ach geh, du bist immer so voller Flausen.

Grumio. Nun also mach Feuer, denn ich bin auch voller Kälte. Wo ist der Koch? Ist das Abendessen fertig? Ist das Haus gescheuert, Binsen gestreutIm alten England wurden die Korridore, vielfach auch die Zimmer, mit Binsen bestreut; sie ersetzten den Teppich., Spinnweben abgefegt, die Knechte in ihren neuen Jacken und weißen Strümpfen? hat jeder Bediente sein hochzeitlich Kleid an? Sind die Gläser aus dem Schrank und die Becher blank? die Teppiche gelegt und alles in Ordnung?

Curtis. Alles fertig, und darum bitt' ich dich, was Neues.

Grumio. Erstlich wisse, daß mein Pferd müde ist; daß mein Herr und meine Frau übereinander hergefallen sind . . .

Curtis. Wie? handgreiflich?

Grumio. Aus ihrem Sattel in den Kot, übereinander; und davon ließe sich eine Geschichte erzählen.

Curtis. Nun laß hören, liebster Grumio.

Grumio. Dein Ohr her!

Curtis. Ja!

Grumio. Da! (Gibt ihm eine Ohrfeige.)

Curtis. Das heißt eine Geschichte fühlen, nicht eine Geschichte hören.

Grumio. Und darum nennt man's eine gefühlvolle Geschichte. Und dieser Schlag sollte nur an dein Ohr anklopfen und sich Gehör ausbitten. Nun fang' ich an. In primis, wir kamen einen schmutzigen Berg herab, mein Herr tritt hinter meiner gnädigen Frau.

Curtis. Beide auf einem Pferde?

Grumio. Was denkst du dir dabei?

Curtis. Ei, ein Pferd.

Grumio. Erzähle du die Geschichte. Aber wärst du mir nicht dazwischen gekommen, so hättest du gehört, wie ihr Pferd fiel und sie unter ihr Pferd, du hättest gehört, an welcher schmutzigen Stelle, und wie durchnäßt sie war; wie er sie liegen ließ mit dem Pferde auf ihr; wie er mich prügelte, weil ihr Pferd gestolpert war; wie sie durch den Kot watete, um ihn von mir wegzureißen; wie er fluchte, wie sie betete, sie, die noch nimmermehr gebetet hatte; wie ich heulte, wie die Pferde davonliefen, wie ihr Zügel zerriß, wie ich meinen Schwanzriemen verlor, nebst vielen andern denkwürdigen Historien, welche nun in Vergessenheit sterben, und du kehrst ohne Weltkenntnis in dein Grab zurück.

Curtis. Nach dieser Rechnung ist er ja widerspenstiger als sie?

Grumio. Ja, und das werden die Frechsten von euch allen erfahren, wenn er nach Hause kommt. Aber warum schwatze ich hier? Ruf Nathanael, Joseph, Niklas, Philipp, Walter, Haberkuckuck und die andern her; laß sie ihre Köpfe glatt kämmen, ihre blauen Röcke ausbürsten, ihre Kniegürtel sollen sie nicht anstößig binden, mit dem linken Fuß ausscharren und sich's nicht unterstehn, ein Haar von meines Herrn Pferdeschwanz anzurühren, bis sie sich die Hand geküßt habenIm alten England küßte der Kavalier nicht die Hand der Dame, sondern die eigene Hand, die er der Dame reichen durfte.. Sind sie alle fertig?

Curtis. Das sind sie.

Grumio. Ruf sie her.

Curtis. Hört ihr! He! Ihr sollt dem Herrn entgegengehn und meiner gnädigen Frau ein rechtes Ansehn geben!

Grumio. Nun, sie ist selbst schon ansehnlich genug!

Curtis. Das ist gewiß.

Grumio. Nun, was rufst du denn die Leute, ihr ein Ansehn zu geben?

Curtis. Ich meine, sie sollen ihr Kredit verschaffen.

Grumio. Ei was, sie wird ja nichts von ihnen borgen wollen.

Mehrere Bediente kommen.

Nathanael. Willkommen zu Hause, Grumio!

Philipp. Wie geht's, Grumio?

Joseph. Ei, Grumio?

Niklas. Kamerad Grumio?

Nathanael. Wie geht's, alter Junge?

Grumio. Willkommen, du! – Wie geht's, du? – Ei, du! – Kamerad, du! – und so viel fürs Grüßen. (Prügelt sie.) – Nun, ist alles fertig? Ist jedes Ding niedlich, meine
schmucken Kerlchen?

Nathanael. Jedes Ding ist fertig. Wie nah ist der Herr?

Grumio. Ganz nah, vielleicht schon abgestiegen, und darum – – – Potz Sapperment, seid still! Ich höre meinen Herrn.

Petruchio und Katharina kommen.

Petruchio. Wo sind die Schurken? Was? – Kein Mensch am Tor
Hielt mir den Bügel, nahm das Pferd mir ab! –
Wo sind Nathanael, Philipp und Gregor?

Alle. Hier, Herr!

Petruchio. Hier, Herr! hier, Herr! hier, Herr! hier, Herr!
Ihr tölpelhaften, schlecht gezognen Flegel!
Was! keine Ordnung? kein Respekt? kein Dienst?
Wo ist der dumme Kerl, den ich geschickt?

Grumio. Hier, Herr, noch ganz so dumm und doch geschickt.

Petruchio. Du Bauernlümmel! Du verdammter Karr'ngaul!
Sollt'st du im Park uns nicht entgegenkommen
Und all die faulen Schlingel mit dir bringen?

Grumio. Nathanaels Rock, Herr, war noch nicht ganz fertig,
An Philipps Korduanschuh'n war noch kein Eisen,
Kein Fackelruß, um Peters Hut zu schwärzen,
An Walters Dolch die Scheide noch in Arbeit,
Niemand in Staat, als Ralph, Gregor und Adam,
Die andern lumpig, alt und bettelhaft –
Doch wie sind sie, hab' ich sie hergeholt.

Petruchio. Geht, Schlingel! Geht, besorgt das Abendessen!
        (Einige von den Dienern ab.)
        (Singt.)
    »Wo ist mein vor'ges Leben hin? –
    Wo sind die – –«Bruchstück aus einer verlorenen Ballade der Zeit Shakespeares.
– Setz dich, Käthchen, sei willkommen!
Hum, hum, hum, hum!
Wird's bald? he? – Nun, lieb Käthchen, sei vergnügt! –
Die Stiefel ab, ihr Schlingel, Schufte! Wird's? –
        (Singt.)
    »Ein Bruder Graurock lobesan
    Kam seines Wegs getrost heran – –«
Spitzbube! du verrenkst mir ja das Bein!
Nimm das! (Schlägt ihn.) Und zieh den andern besser aus! –
Sei lustig, Käthchen. – Wasser her! Geschwind! –
Wo ist mein Windspiel Troilus? Kerl, gleich hin,
Mein Vetter Ferdinand soll zu uns kommen!
        (Ein Diener ab.)
Den mußt du küssen, Kind, ihm freundlich sein.
Her die Pantoffeln! Krieg' ich denn kein Wasser?
        (Es wird ihm ein Becken gebracht.)
Komm, Käthchen, wasch dich! Und nochmals willkommen! –
        (Der Bediente wirft die Kanne hin.)
Verdammter Hundsfott! Mußt du's fallen lassen?
        (Schlägt ihn.)

Katharina. Geduld, ich bitt', er tat es unversehens!

Petruchio. Ein Hurensohn! Ein Eselsohr von Dickkopf!
Komm, Käthchen, setz dich, hungrig mußt du sein;
Sprichst du das Gratias, Liebchen, oder ich? –
Was ist das? Schöps?

Erster Diener. Ja.

Petruchio. Und wer bracht' es?

Erster Diener. Ich.

Petruchio. Es ist verbrannt, und so ist alles Essen!
Welch Hundevolk! Wo ist der Koch, die Bestie?
Wie wagt ihr, Schurken, das mir anzurichten,
Mir vorzusetzen, was ich doch nicht mag?
Da! Fort damit! Fort Teller, Becher! Alles!
        (Wirft Essen und Tischzeug auf die Erde.)
Einfält'ge Lümmel! Ungeschliffnes Volk!
Was? brummt ihr noch? Gleich werd' ich bei euch sein.

Katharina. Ich bitt' dich, lieber Mann, sei nicht so unwirsch,
Gut war das Essen, hätt'st du's nur gemocht!

Petruchio. Nein, Käthchen, 's war vertrocknet und verbrannt
Und grade das hat man mir streng verboten,
Denn auf die Galle wirkts, erzeugt den Ärger,
Drum ist es besser, wenn wir beide fasten,
(Denn beide sind wir von Natur cholerisch)
Als durch zu stark Gebratnes uns verderben.
Geduld, mein Kind, wir holen's morgen ein,
Doch diese Nacht woll'n wir gemeinsam fasten,
Komm nun, ich führ' dich in dein Brautgemach.

(Katharina, Petruchio und Curtis ab.)

Nathanael. Peter, sag, hast du so was je gesehn?

Peter. Die macht er tot in ihrer eignen Manier.

Curtis kommt zurück.

Grumio. Wo ist er?

Curtis. Drinn' mit ihr,
Hält ihr 'ne Predigt von Enthaltsamkeit.
Zankt, flucht und schilt, und sie, das arme Ding,
Wagt kaum noch aufzusehn, zu stehn, zu reden,
Und sitzt, wie eben aus 'nem Traum erwacht.
Fort! fort! da kommt er wieder her! (Sie laufen fort.)

Petruchio kommt zurück.

Petruchio. So hab' ich klugerweis' mein Reich begonnen
Und hoffe, ferner glücklich zu regieren.
Mein Falk ist nun geschärft und tüchtig hungrig,
Und bis er zahm ist, kriegt er auch kein Futter,
Sonst wird er nie auf meinen Wink gehorchen.
Noch kirr' ich anders meinen wilden Sperber,
So daß er kommt und kennt des Wächters Ruf;
Wach bleibt er, wie man wohl den Habicht wach hält,
Der schlägt und stößt und nicht gehorchen will.
Heut aß sie nichts, und soll auch nichts bekommen,
Schlief nicht die Nacht, und soll's auch diese nicht.
Wie bei dem Essen stell' ich mich, als wär'
Das Bett ganz unrecht und verkehrt gemacht,
Dahin werf' ich den Pfühl, dorthin das Kissen,
Die Deck' auf jene Seit', auf die das Laken;
Ja, bei dem Wirrwarr schwör' ich noch, ich tu'
Das alles nur aus zarter Sorg' um sie.
Kurz, sie soll wachen diese ganze Nacht;
Nickt sie nur etwas ein, so zank' und tob ich,
Um durch mein Schrein den Schlaf ihr zu verscheuchen.
Dies ist die Art, durch Lieb' ein Weib zu töten;
So beug' ich ihren harten störr'gen Sinn.
Wer Widerspenst'ge besser weiß zu zähmen,
Mag christlich mir's zu sagen sich bequemen. (Ab.)

 

Zweiter Auftritt

Straße in Padua

Tranio und Hortensio treten auf.

Tranio. Wär's möglich wohl, Freund Licio, daß ein andrer
Sich Biankas Gunst erworben, als Lucentio?
Glaubt mir, sie hat mich trefflich angeführt!

Hortensio. Wollt Ihr Beweis von dem, was ich Euch sagte,
So gebt hier acht, wie er sie unterrichtet.

(Sie stellen sich auf die Seite.)

Bianka und Lucentio kommen.

Lucentio. Fräulein, behaltet Ihr, was ich Euch lehrte?

Bianka. Was lehrt Ihr, Meister, erst erklärt mir das.

Lucentio. Was einzig mein Beruf: die Kunst zu lieben.

Bianka. Mögt Ihr bald Meister sein in dieser Kunst!

Lucentio. Nehmt Ihr als Lehrling mich in Eure Gunst!

(Gehn vorüber.)

Hortensio. Nun wahrlich, das geht schnell! O sagt mir doch,
Ihr schwuret ja, daß Euer Fräulein Bianka
Nichts in der Welt so als Lucentio liebe?

Tranio. O falscher Amor! Treulos Weibervolk!
Ich sag dir, Licio, dies ist wundervoll!

Hortensio. Nicht länger diese Mask', ich bin nicht Licio,
Bin auch kein Musiker, wie ich Euch schien,
Vielmehr ein Mann, den die Verkleidung reut
Um solche, die den Edelmann verwirft.
Und solchen Knecht zu ihrem Abgott macht!
So wißt denn, Herr, daß ich Hortensio heiße.

Tranio. Signor Hortensio, oft hab' ich gehört
Von Eurer starken Leidenschaft zu Bianka.
Da ich nun Augenzeuge bin des Leichtsinns,
Will ich mit Euch, seid Ihr es so zufrieden,
Auf ewig Biankas Lieb' und Gunst verschwören.

Hortensio. Wie zärtlich sie sich küssen! – Herr Lucentio,
Hier meine Hand, und feierlich beschwör' ich,
Nie mehr um sie zu frein; nein, ich entsag' ihr
Als ganz unwürdig aller Zärtlichkeit,
Mit der ich töricht ihr gehuldigt habe.

Tranio. Empfangt auch meinen ungefälschten Schwur:
Zur Frau nehm' ich sie nie, selbst wenn sie bäte.
Pfui! seht nur, wie abscheulich sie ihn streichelt!

Hortensio. Möcht' alle Welt, nur er nicht, sie verabscheun!
Ich nun, um recht gewiß den Schwur zu halten,
Will einer reichen Witwe mich vermählen,
Morgen am Tag, die mich so lang geliebt,
Als ich der schnöden Dirne nachgegangen.
Und so lebt wohl, Signor Lucentio;
Der Weiber Freundlichkeit, nicht schöne Augen,
Gewinnt mein Herz. So nehm' ich meinen Abschied,
Und fest bleibt stehn, was ich beschworen habe.

(Hortensio ab.)

Bianka und Lucentio kommen wieder.

Tranio. Nun, Fräulein Bianka, werd' Euch Glück und Segen
Auf allen Euren heil'gen Liebeswegen!
Ja, ja! ich hab' Euch wohl ertappt, mein Herz,
Wir haben Euch entsagt, ich und Hortensio.

Bianka. Tranio, ihr scherzt. Habt ihr mir beid' entsagt?

Tranio. Das haben wir.

Lucentio. Dann sind wir Licio los.

Tranio. Mein Seel, er nimmt sich eine frische Witwe,
Die wird dann Braut und Frau an einem Tag.

Bianka. Gott geb' ihm Freude.

Tranio. Und zähmen wird er sie.

Bianka. So spricht er, Freund.

Tranio. Gewiß, er geht schon in die Zähmungsschule.

Bianka. Die Zähmungsschule? Ei, gibt es solchen Ort?

Tranio. Ja, Fräulein, und Petruchio ist ihr Rektor,
Der lehrt Manier, die jedem er verständigt,
Wie man der Widerspenst'gen Zunge bändigt.

Biondello kommt gelaufen.

Biondello. O lieber Herr, so lang hab' ich gelauert,
Daß hundemüd ich bin. Doch endlich sah ich –
Vom Hügel niedersteigt ein alter Pinsel,
Der paßt für uns.

Tranio. Sag an, wer ist's, Biondello?

Biondello, Ein MerkatantVerbildung des Wortes Mercante = Kaufmann; hier Federfuchser.. Herr, oder ein Pedant,
Ich weiß nicht was; doch steif in seinem Anzug,
An Haltung, Gang und Tracht recht wie ein Vater.

Lucentio. Tranio, was soll er uns?

Tranio. Wenn der leichtgläubig meinen Märchen traut,
So ist er froh, Vincentio hier zu spielen,
Und gibt Baptista Minola Verschreibung
So gut, als ob Vincentio selbst er wäre.
Nehmt Eure Braut beiseit und laßt mich jetzt.

(Lucentio und Bianka ab.)

Der Magister tritt auf.

Magister. Gott grüß' Euch, Herr!

Tranio. Und Euch, Herr, seid willkommen.
Ist hier Eu'r Ziel, Herr, oder reist Ihr weiter?

Magister. Hier ist mein Ziel für ein'ge Wochen mind'stens,
Dann reis' ich weiter, reise noch bis Rom;
Von dort nach Tripolis, schenkt Gott mir Leben.

Tranio. Von woher kommt Ihr, wenn's vergönnt?

Magister. Von Mantua.

Tranio. Von Mantua, Herr? Ei, Gott verhüt' es!
Ihr kommt nach Padua mit Gefahr des Lebens?

Magister. Mein lieber Herr? Wieso? Das wäre schlimm!

Tranio. Tod ist verhängt für jeden, der von Mantua
Nach Padua kommt; wißt Ihr die Ursach' nicht?
Venedig nahm Euch Schiffe weg; der Doge,
(Weil Feindschaft zwischen ihm und Eurem Herzog)
Ließ öffentlich durch Ausruf es verkünden.
Mich wundert – nur weil Ihr erst kürzlich kamt,
Sonst hättet Ihr den Ausruf schon vernommen.

Magister. O weh, mein Herr! Das ist für mich noch schlimmer,
Denn Wechselbriefe hab' ich abzugeben
Und nach Florenz die Summe zu befördern.

Tranio. Gut, Herr, um einen Dienst Euch zu erweisen,
Will ich dies tun und diesen Rat Euch geben –
Erst sagt mir aber: war't Ihr je in Pisa?

Magister. Ja, Herr, in Pisa bin ich oft gewesen,
Pisa, berühmt durch angesehne Bürger.

Tranio. So kennt Ihr unter diesen wohl Vincentio?

Magister. Ich kenn' ihn nicht, doch hört' ich oft von ihm;
Ein Kaufmann von unendlichem Vermögen.

Tranio. Er ist mein Vater, Herr, und auf mein Wort,
Er sieht Euch im Gesicht so ziemlich gleich.

Biondello. Just wie ein Apfel einer Auster gleicht!

Tranio. In dieser Not das Leben Euch zu retten,
Tu' ich Euch, ihm zuliebe, diesen Dienst,
Und haltet's nicht für Euer schlimmstes Glück,
Daß Ihr dem Herrn Vincentio ähnlich seht. –
Sein Nam' und Ansehn soll Euch hier beschützen,
Mein Haus steht Euch zu Diensten, wohnt bei mir.
Betragt Euch so, daß niemand Argwohn faßt;
Nun, Ihr versteht mich ja, so sollt Ihr bleiben,
Bis Eu'r Geschäft in dieser Stadt beendigt.
Ist dies ein Dienst, so nehmt ihn willig an.

Magister. Das tu' ich, Herr, und will Euch ewig danken
Als Schützer meines Lebens, meiner Freiheit.

Tranio. So kommt mit mir und stellt die Sach' ins Werk;
So viel sei Euch beiläufig noch gesagt,
Mein Vater wird hier jeden Tag erwartet,
Um hier ein Ehverlöbnis abzuschließen
Mit mir und eines Herrn Baptista Tochter.
Von alledem will ich Euch unterrichten;
Kommt mit mir, Herr, geziemlich Euch zu kleiden.

(Alle ab.)

 

Dritter Auftritt

Zimmer in Petruchios Landhaus

Katharina und Grumio treten auf.

Grumio. Nein, nein, gewiß! ich darf nicht für mein Leben!

Katharina. Je mehr er kränkt, je mehr verhöhnt er mich.
Ward ich sein Weib, daß er mich läßt verhungern?
Betritt ein Bettler meines Vaters Haus,
Bekommt er, wie er bittet, gleich die Gabe,
Wo nicht, so find't er anderswo Erbarmen,
Doch ich, die nie gewußt, was Bitten sei,
Und die kein Mangel je zum Bitten zwang,
Ich sterb' aus Hunger, bin vom Wachen schwindelnd,
Durch Fluchen wach, durch Zanken satt gemacht.
Und was mich mehr noch kränkt als alles dies,
Er tut es unterm Schein der zartsten Liebe,
Als könnt's nicht fehlen; wenn ich schliefe, äße,
Würd' ich gefährlich krank und stürbe gleich.
Ich bitte, geh und schaff mir was zu essen,
Und gleichviel was, wenn's nur genießbar ist.

Grumio. Was sagt Ihr wohl zu einem Kälberfuß?

Katharina. Ach, gar zu gut, ich bitt' dich, schaff ihn mir.

Grumio. Das, fürcht' ich, ist ein zu cholerisch Essen.
Allein ein fett Gekröse, gut geschmort?

Katharina. Das mag ich gern, o Liebster, hol es mir.

Grumio. Ich weiß doch nicht, ich fürcht', es ist cholerisch.
Was sagt Ihr denn zu Rindfleisch wohl mit Senf?

Katharina. Ein Essen, das mir wohl bekommen wird!

Grumio. Ja, ja, doch ist der Senf ein wenig hitzig.

Katharina. Nun, Rindfleisch denn, und laß den Senf ganz weg.

Grumio. Nein, das ist nichts; Ihr nehmt den Senf dabei,
Sonst kriegt Ihr auch das Fleisch von Grumio nicht.

Katharina. Gut, beides oder eins, ganz wie du willst.

Grumio. Also den Senf denn und kein Fleisch dazu?

Katharina. Mir aus den Augen, Kerl! boshafter Narr!
Abspeisen willst du mich mit Wortgerichten? (Schlägt ihn.)
Verwünscht seist du und deine ganze Rotte,
Die sich an meinem Elend noch ergötzt!
Aus meinen Augen! Fort!

Petruchio mit einer Schüssel und Hortensio kommen.

Petruchio. Wie geht's, mein Käthchen? – Herz, so melancholisch?

Hortensio. Nun, seid Ihr gutes Muts?

Katharina. Ja! gutes Unmuts!

Petruchio. Nun lach mich an, mein Herz, sei wohlgemut.
Hier, Kind, du siehst, wie ich so sorgsam bin,
Selbst richt' ich für dich an und bringe dies.
        (Setzt die Schüssel auf den Tisch.)
Nun! solche Freundlichkeit verdient doch Dank?
Was! nicht ein Wort? Nun denn, du magst es nicht,
Und mein Bemühn ist ganz umsonst gewesen –
Da! nehmt die Schüssel weg.

Katharina. Bitte, laßt sie stehn.

Petruchio. Der kleinste Dienst wird ja mit Dank bezahlt,
Und meiner soll's, eh du dir davon nimmst.

Katharina. Ich dank' Euch, Herr.

Hortensio. Pfui doch, Petruchio, pfui! du bist zu tadeln!–
Gesellschaft leist' ich Euch, so kommt und eßt.

Petruchio (beiseit).
Iß alles auf, wenn du mich liebst, Hortensio. (Laut.)
Nun, wohl bekomm' es dir, mein liebes Herz.
Iß schnell, mein Käthchen. – Nun, mein süßes Liebchen,
Laß uns zurück zu deinem Vater reisen;
Dort laß uns wacker schwärmen und stolzieren,
Mit seidnen Kleidern, Hauben, goldnen Ringen,
Mit Litzen, Spitzen, Samt und tausend Dingen,
Mit Spang' und Armband, wie die höchste Edeldam',
Bernstein, Korall' und Perl' und solchem Trödelkram.
Nun, bist du satt? Dein wartet schon der Schneider
Und bringt zum Putz die raschelnd seidnen Kleider.

Schneider kommt.

Petruchio. Komm, Schneider! zeig uns deine Herrlichkeiten!
Leg aus das Kleid.

Putzhändler kommt.

Petruchio. Und was habt Ihr zu suchen?

Putzhändler. Hier ist die Haube, die Eu'r Gnaden wünschte.

Petruchio. Was! Auf 'ne Suppenschüssel abgeformt?
Ein samtner Napf? Pfui doch! gemein und garstig!
Wie eine Walnußschal', ein Schneckenhaus,
Ein Quark, ein Tand, ein Wisch, ein Puppenhäubchen!
Weg mit dem Ding! Schafft eine größre, sag' ich.

Katharina. Ich will sie größer nicht, so ist's die Mode,
So tragen feine Damen jetzt die Hauben.

Petruchio. Wenn Ihr erst fein seid, sollt Ihr eine haben,
Doch nicht vorher.

Hortensio (beiseit). Das wird sobald nicht seinWeil eben der männliche Darsteller dieser Rolle nie eine feine Dame werden konnte.

Katharina. Wie, Herr? hab' ich Erlaubnis nicht zu reden?
Ja, ich will reden, denn ich bin kein Kind!
Schon Beßre hörten meine Meinung sonst,
Mögt Ihr das nicht, stopft Euch die Ohren zu.
Mein Mund soll meines Herzens Bosheit sagen,
Sonst wird mein Herz, verschweig' ich sie, zerspringen.
Und ehe das geschehe, will ich frei
Und über alles Maß die Zunge brauchen.

Petruchio. Du hast ganz recht, es ist 'ne lump'ge Haube,
Ein Tortendeckel, eine Samtpastete;
Ich hab' dich lieb drum, daß sie dir mißfällt.

Katharina. Lieb oder lieb mich nicht, die Haub' ist hübsch;
Und keine sonst, nur diese wird mich kleiden.

Petruchio. Dein Kleid willst du? Ganz recht! Kommt, zeigt es, Schneider.
O gnad' uns Gott! Welch Faschingstück ist dies? –
Was gibt's hier? Ärmel? Nein, Haubitzen sind's;
Seht auf und ab, gekerbt wie Apfelkuchen,
Mit Flippen, Schnipp und Schnapp, gezickt, gezackt,
Recht wie ein Rauchfaß in der Baderstube.
Wie nennst du das ins Teufels Namen, Schneider?

Hortensio (beiseit).
Ich seh', nicht Kleid noch Haube wird sie kriegen.

Schneider. Befohlen habt Ihr's nach dem neusten Schnitt,
So wie die Mod' es heutzutage will.

Petruchio. Jawohl, das tat ich, doch besinne dich,
Ich sagte nicht: verdirb es nach der Mode!
Gleich spring nach Hause über Stock und Block,
Denn meiner Kundschaft bist du völlig quitt.
Für mich ist's nicht! Fort, mach mit, was du willst.

Katharina. Ich sah noch nie so schön gemachtes Kleid,
So modisch, sauber, von so hübscher Form.
Ihr wollt mich wohl zur Marionette machen?

Petruchio. Recht! Er will dich zur Marionette machen.

Schneider. Sie sagt, Euer Gnaden will sie zu einer Marionette machen.

Petruchio. O ungeheure Frechheit! – Du lügst, du Zwirn,
Du Fingerhut, du Elle,
Dreiviertel-, Halbe-, Viertelelle, Zoll!
Du Floh! du Mücke! Winterheimchen du!
Trotzt mir im eignen Haus ein Faden Zwirn?
Fort, Lappen du! du Überrest, du Zutat!
Sonst mess' ich mit der Elle dich zurecht,
Daß du zeitlebens solch Gewäsch verlernst.
Ich sag' es, ich! du hast ihr Kleid verpfuscht.

Schneider. Eu'r Gnaden irrt, das Kleid ist so gemacht
Just so, wie's meinem Meister ward befohlen.
Grumio gab Order, wie es werden sollte.

Grumio. Ich gab nicht Order; Zeug hab' ich gegeben.

Schneider. Und wie verlangtet Ihr's von ihm gemacht?

Grumio. Zum Henker, Herr, mit Nadel und mit Zwirn.

Schneider. Doch sagt, nach welchem Schnitt Ihr's habt bestellt?

Grumio. Du hast wohl schon allerlei geschnitten?

Schneider. O ja, das habe ich.

Grumio. Schneide mir aber kein Gesicht. Du hast auch schon manchen herausgeputzt, mich verschone aber mit deinen Ausputzern. Ich sage dir, ich hieß deinen Meister, er solle das Kleid schneiden; ich hieß ihm aber nicht, es in Stücke schneiden: ergo, du lügst.

Schneider. Nun, hier ist der Zettel mit der Bestellung, mir zum Zeugen.

Petruchio. Lies ihn.

Grumio. Der Zettel lügt in seinen Hals, wenn er sagt, ich habe es so bestellt.

Schneider. »In primis, ein freies, loses Kleid.«

Grumio. Herr, wenn ich ein Wort von freiem, losem Wesen gesagt habe, so näht mich in des Kleides Schleppe und schlagt mich mit einem Knäuel braunen Zwirn tot, ich sagte bloß Kleid.

Petruchio. Weiter.

Schneider. »Mit einem kleinen runden Kragen.«

Grumio. Ich bekenne den Kragen.

Schneider. »Mit einem Pauschärmel.«

Grumio. Ich bekenne zwei Ärmel.

Schneider. »Die Ärmel niedlich zugespitzt und ausgeschnitten.«

Petruchio. Ja, das ist die Spitzbüberei.

Grumio. Der Zettel lügt, Herr, der Zettel lügt. Ich befahl, die Ärmel sollten ausgeschnitten und wieder zugenäht werden, und das will ich an dir gutmachen, wenn auch dein kleiner Finger mit einem Fingerhut gepanzert ist.

Schneider. Was ich gesagt habe, ist doch wahr, und hätte ich dich nur, ich weiß wohl, wo, du solltest es schon erfahren.

Grumio. Ich steh' dir gleich bereit; nimm du die Rechnung, gib mir die Elle und schone mich nicht.

Hortensio. Ha! ha! Grumio, dabei käme er zu kurz.

Petruchio. Nun, kurz und gut, das Kleid ist nicht für mich.

Grumio. Da habt Ihr recht, 's ist für die gnäd'ge Frau.

Petruchio. Geh, nimm es auf zu deines Herrn Gebrauch.

Grumio. Schurke, bei deinem Leben nicht. Meiner gnädigen Frau das Kleid aufnehmen zu deines Herrn Gebrauch?

Petruchio. Nun, Mensch, was denkst du dir dabei?

Grumio. O Herr, die Meinung geht tiefer als Ihr denkt. Meiner gnädigen Frau Kleid aufnehmen zu seines Herrn Gebrauch? o pfui! pfui! pfui!

Petruchio (beiseit).
Hortensio, sag, du wollst dem Schneider zahlen. (Laut.)
Geh! nimm es mit fort, und kein Wort nun weiter!

Hortensio. Schneider, das Kleid bezahl' ich morgen dir,
Und nimm die hast'gen Reden ihm nicht übel.
Geh, sag' ich dir, und grüß mir deinen Meister.

(Schneider ab.)

Petruchio. So, Käthchen, komm! Besuchen wir den Vater
So wie wir sind, in unsern schlichten Kleidern;
Stolz soll der Beutel sein, der Anzug arm,
Denn nur der Geist macht unsern Körper reich.
Und wie die Sonne bricht durch trübste Wolken,
So strahlt aus niedrigstem Gewand die Ehre.
Was? ist der Häher edler als die Lerche,
Weil sein Gefieder bunter fällt ins Auge?
Und ist die Otter besser als der Aal,
Weil ihre fleck'ge Haut das Aug' ergötzt?
O Käthchen, nein; so bist auch du nicht schlimmer
Um diese arme Tracht und schlechte Kleidung.
Doch hältst du's schimpflich so, gib mir die Schuld,
Und drum frisch auf, wir wollen gleich dahin,
Beim Vater froh und guter Dinge sein. –
Geht, meine Leute ruft, gleich reiten wir,
Die Pferde führt zum Heckentor hinaus,
Da setzen wir uns auf, und gehn so weit.
Laßt sehn, ich denk', es ist jetzt sieben Uhr,
Wir können dort sein noch zum Mittagsessen.

Katharina. Herr, ich versich'r Euch, es hat zwei geschlagen,
Und kaum zum Abendessen kommt Ihr hin.

Petruchio. Es soll nun sieben Uhr sein, eh wir reiten.
Sieh, was ich sag' und tu' und möchte tun,
Stets mußt du widersprechen! Leute, laßt uns!
Ich will nun heut nicht fort! Und eh ich reite,
Da soll's die Stunde sein, die ich gesagt.

Hortensio. Der große Herr stellt gar die Sonne rückwärts!

(Gehn ab.)

 

Vierter Auftritt

Straße in Padua

Tranio und der Magister, als Vincentio gekleidet, treten auf.

Tranio. Dies ist das Haus, Signor, sagt, soll ich rufen?

Magister. Jawohl! Was sonst? Und wenn ich mich nicht täusche,
Muß sich Signor Baptista mein erinnern;
Bald sind es zwanzig Jahr; in Genua war's,
Da wohnten beide wir im Pegasus.

Tranio. So ist es recht. Bleibt nur in dem Charakter,
Seid strenge, wie es einem Vater ziemt.

Biondello kommt.

Magister. Seid unbesorgt. Doch seht, hier kommt Eu'r Bursch,
Den müßt Ihr noch belehren.

Tranio. Um den seid unbekümmert. He, Biondello,
Nimm dich zusammen, ja, das rat' ich dir,
Halt fest im Sinn, dies sei Vincentio.

Biondello. Ei, das ist meine Sache.

Tranio. Doch hast du's auch Baptista angemeldet?

Biondello. Der Alte, sagt' ich ihm, sei in Venedig,
Und daß Ihr heut in Padua ihn erwartet.

Tranio. Du bist ein tücht'ger Kerl; nimm das zum Trinken.
Hier kommt Baptista, nun macht ernste Mienen.

Baptista. und Lucentio. kommen..

Tranio. Signor Baptista! glücklich angetroffen!
Vater,
Dies ist der Herr, von dem ich Euch erzählt.
Ich bitt' Euch, handelt väterlich an mir,
Gebt mir mein Erbteil nun um Biankas willen.

Magister. Sacht, sacht, mein Sohn! –
Mit Eurer Gunst, mein Herr. Nach Padua kommend,
Um Schulden einzufordern, setzt mein Sohn
In Kenntnis mich von einer großen Sache,
Betreffend sein' und Eurer Tochter Liebe.
Und teils des Rufes halb, in dem Ihr steht,
Teils um des Liebesbunds von seiner Seite,
Sowie von ihrer – nicht ihn hinzuhalten,
Stimm' ich dazu, in väterlicher Sorgfalt,
Ihn bald vermählt zu sehn; und sagt Ihr »ja«
So williglich als ich, sollt Ihr mich sicher
(Verständ'gen wir uns erst) höchst dienstlich finden,
Damit gemeinsam der Kontrakt sich schließe.
Denn schwierig kann ich gegen Euch nicht sein,
Mein Teurer, Eures guten Rufes halb!

Baptista. Verzeiht, Signor, was ich erwidern muß.
Eu'r bünd'ger kurzer Antrag ist mir lieb;
So viel ist wahr, Lucentio, Euer Sohn,
Liebt meine Tochter, und sie liebt ihn wieder,
Wenn beide nicht die größten Heuchler sind.
Deshalb, wenn Ihr nichts weiter habt zu sagen,
Als daß Ihr wie ein Vater an ihm handeln
Und meinem Kind ein Wittum wollt verschreiben,
So ist es gut; die Heirat ist gemacht,
Eu'r Sohn erhält mein Kind mit gutem Willen.

Tranio. Ich dank' Euch, Herr. Wo scheint's Euch wohl am besten,
Uns zu verloben und den Ehkontrakt
Nach gegenseitigem Vertrag zu stiften?

Baptista. Nur nicht bei mir; Ihr wißt, es haben Ohren
Die Wände, meine Dienerschaft ist groß,
Der alte Gremio auch paßt immer auf,
So kann man dort gar leicht uns unterbrechen.

Tranio. In meiner Wohnung denn, wenn's Euch gefällt;
Dort wohnt mein Vater; dort, noch diesen Abend,
Verhandeln wir die Sache still und heimlich.
Schickt diesen Diener hin zu Eurer Tochter;
Mein Bursch soll gleich uns den Notar besorgen.
Das Schlimmste bleibt, daß, hastig so bestellt,
Ihr hast'ge, magre Vorbereitung findet.

Baptista. Das gilt mir gleich. Nun, Cambio, eilt nach Haus,
Und sagt an Bianka, sich bereit zu halten,
Und wenn Ihr wollt, erzählt, was sich begeben:
Lucentios Vater kam nach Padua,
Und sie wird nun wohl bald Lucentios Frau.

Lucentio. Daß dies gescheh', fleh' ich zu allen Göttern!

Tranio. Halt dich nicht auf mit Göttern, sondern geh.
Signor Baptista, zeig' ich Euch den Weg?
Willkomm'! – Ihr trefft wohl heut nur eine Schüssel,
In Pisa mach' ich's wieder gut.

Baptista. Ich folg' euch. (Tranio, Magister und Baptista ab.)

Biondello. Cambio!

Lucentio. Was sagst du, Biondello?

Biondello. Ihr saht doch meinen Herrn mit den Augen blinzeln und Euch anlachen?

Lucentio. Und das heißt, Biondello?

Biondello. Ei, das heißt nichts; aber er ließ mich hier zurück, Euch den Sinn und die Moral seiner Zeichen auszulegen.

Lucentio. Nun so bitte ich dich, kommentiere sie denn.

Biondello. Also denn wie folgt: Baptista ist fest, und schwatzt mit dem trügenden Vater eines trügerischen Sohns.

Lucentio. Nun, und was weiter?

Biondello. Ihr sollt seine Tochter zum Abendessen führen.

Lucentio. Und dann?

Biondello. Der alte Pfarrer an der Sankt Lukaskirche steht Euch jede Stunde zu Gebot.

Lucentio. Und was soll nun das alles?

Biondello. Das weiß ich nicht; nur das weiß ich, daß sie sich jetzt mit einer nachgemachten Versicherung beschäftigen. Denkt Ihr nun darauf Euch ihrer zu versichern, cum privilegio ad imprimendum solumLateinische juristische Formel, die einem Verleger das alleinige Recht zum Druck eines Werkes zusichert. – Hier zu einem schlüpfrigen Scherz ausgenützt.; macht, daß Ihr zur Kirche kommt, nehmt Pfarrer, Küster und ein paar gültige Zeugen mit,
Und hilft Euch nicht zum Ziele, was ich Euch jetzt erdacht,
Sagt Eurer schönen Bianka nur auf ewig gute Nacht.

Lucentio. Höre noch, Biondello . . .

Biondello. Ich habe keine Zeit. Ich kenne ein Mädchen, die verheiratete sich an einem Nachmittag, als sie in den Garten ging und Petersilie pflückte, um ein Kaninchen zu füllen; warum denn nicht auch Ihr, Herr? und so lebt wohl. Mein Herr hat mir aufgetragen, nach Sankt Lukas zu gehn, damit der Pfarrer zur Hand sei, wenn Ihr mit Eurem Appendix ankommen werdet. (Ab.)

Lucentio. Ich kann und will, wenn sie's zufrieden ist.
Sie wird es tun, weshalb denn sollt' ich zweifeln?
Mag's gehn, wie's will. Zu ihr! Mein Herz vertraut ihr,
Cambio, frisch auf. Erwirb die holde Braut dir. (Ab.)

 

Fünfter Auftritt

Feld

Petruchio, Katharina und Hortensio treten auf.

Petruchio. Um's Himmels willen schnell! Nochmals: zum Vater! –
Mein Gott! wie hell und freundlich scheint der Mond!

Katharina. Der Mond? die Sonne! Jetzt scheint ja nicht der Mond!

Petruchio. Ich sag', es ist der Mond, der scheint so hell.

Katharina. Ich weiß gewiß, die Sonne scheint so hell.

Petruchio. Bei meiner Mutter Sohn, und das bin ich,
Mond soll's sein, oder Stern, oder was ich will,
Eh ich zu deinem Vater weiterreise.
Geht nur und holt die Pferde wieder her.
Stets Widerspruch! und nichts als Widerspruch!

Hortensio. Gebt ihm doch recht, sonst kommt Ihr nicht vom Fleck.

Katharina. Nein, bitt' Euch, kommt, da wir so weit gelangt;
Sei's Mond und Sonn' und was dir nur gefällt,
Und wenn du willst, magst du's ein Nachtlicht nennen;
Ich schwör', es soll für mich dasselbe sein.

Petruchio. Ich sag', es ist der Mond.

Katharina. Natürlich ist's der Mond.

Petruchio. Ei, wie du lügst! 's ist ja die liebe Sonne!

Katharina. Ja, lieber Gott! es ist die liebe Sonne!
Doch nicht die Sonne, wenn du's anders willst,
Der Mond auch wechselt, wie es dir gelüstet,
Und wie du's nennen willst, das ist es auch,
Und soll's gewiß für Katharinen sein.

Hortensio. Glück auf, Petruchio, denn der Sieg ist dein.

Petruchio. Nun vorwärts denn! So läuft die Kugel recht
Und nicht verdreht mehr gegen ihre Richtung.
Doch still! Was für Gesellschaft kommt uns da?

Vincentio in Reisekleidern tritt auf.

Petruchio (zum Vincentio).
Gott grüß' Euch, schönes Mädchen! Wohinaus?
Sprich, liebes Käthchen, sprich recht offenherzig,
Sahst du wohl je ein frischres Frauenbild?
Wie kämpft auf ihrer Wange Rot und Weiß!
Nie funkeln wohl zwei Sterne so am Himmel,
Wie an dem Himmelsantlitz ihre Augen.
Du holdes Kind, noch einmal guten Morgen.
Käthchen, umarm sie ihrer Schönheit wegen.

Hortensio. Er macht den Mann noch toll, den er zur Frau macht.

Katharina. Aufblühnde Schöne! frische Mädchenknospe,
Wohin des Weges? Wo ist deine Heimat?
Glücksel'ge Eltern von so schönem Kind!
Glücksel'ger noch der Mann, dem günst'ge Sterne
Zur holden Ehgenossin dich bestimmten!

Petruchio. Was! Käthchen! Ei, ich hoff', du bist nicht toll?
Das ist ein Mann, alt, runzlig, welk und grau,
Und nicht ein Mädchen, wie du doch behauptest.

Katharina. Verzeiht dem Wahn der Augen, alter Vater;
Die Sonne traf mir blendend das Gesicht,
Und was ich sah, erschien mir jung und grün.
Nun merk' ich erst, Ihr seid ein würd'ger Greis,
Verzeiht, bitt' ich, dies törichte Verkennen.

Petruchio. Tu's, guter alter Mann, und laß uns wissen,
Wohin du reisest. Ist es unser Weg,
Soll die Gesellschaft uns erfreulich sein.

Vincentio. Mein werter Herr und schöne muntre Dame,
Die durch solch seltsam Grüßen mich erschreckt,
Vincentio heiß' ich, komm' aus Pisa her,
Nach Padua geh' ich jetzt, dort zu besuchen
Den Sohn, den ich seit lange nicht gesehn.

Petruchio. Wie heißt er? sagt!

Vincentio. Lucentio, edler Herr.

Petruchio. Das trifft sich gut, für deinen Sohn am besten,
Und nach Verwandtschaft nun, wie nach dem Alter
Mag ich Euch jetzt »geliebter Vater« nennen.
Die Schwester meiner Frau hier, dieser Dame,
Ist deines Sohnes Weib jetzt; staune nicht,
Noch zürne drum. Untadlig ist ihr Ruf,
Die Mitgift reich, sie selbst aus gutem Hause,
Auch außerdem von Sitt' und Eigenschaft
Wie eines Edelmanns Gemahlin ziemt.
Erlaubt, Vincentio, daß ich Euch umarme,
Und gehn wir, deinen wackern Sohn zu sehn,
Den deine Ankunft sicher hoch erfreut.

Vincentio. Ist's Wahrheit? oder ist's nur kecker Mutwill',
Daß Ihr als lust'ger Reisender die Laune
An Fremden übt, die auf der Straß' Ihr findet?

Hortensio. Nein, ich versichr' Euch, alter Herr, so ist's.

Petruchio. Komm, geh nur mit und sieh die Wahrheit selbst,
Du traust wohl nicht, weil wir dich erst geneckt.

(Petruchio, Katharina und Vincentio ab.)

Hortensio. Petruchio, schön! du hast mir Herz gemacht!
Zur Witwe! wär' sie noch so widerspenstig,
Jetzt hast du Selbstvertraun und Mut und kennst dich. (Ab.)

 

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