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Der Weltkrieg. Band II: Vom Kriegsausbruch bis zum uneingeschränkten U-Bootkrieg

Karl Theodor Helfferich: Der Weltkrieg. Band II: Vom Kriegsausbruch bis zum uneingeschränkten U-Bootkrieg - Kapitel 8
Quellenangabe
authorKarl Theodor Helfferich
titleDer Weltkrieg. Band II: Vom Kriegsausbruch bis zum uneingeschränkten U-Bootkrieg
publisherUllstein
year1919
firstpub
correctorreuters@abc.de
sender Wilfried Pieroth
created20170810
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Die Türkei als Bundesgenosse

Während unser italienischer und unser rumänischer Bundesgenosse sich von Anfang an der Erfüllung ihrer Bundespflicht enthielten, während Japan seine zunächst erklärte Neutralität schon am 19. August durch sein an uns gerichtetes Ultimatum aufgab und sich der Koalition unserer Feinde anschloß, während die Neutralen abwartend und zumeist mit für uns recht kühlen Gefühlen beiseite standen, stellte sich die uns seit langem befreundete, aber niemals verbündete Türkei als ein willkommener und wichtiger Mitkämpfer ein.

 

Entwicklung des Krieges

Ich habe im ersten Teil dieses Buches die Belastungsproben skizziert, denen die deutsch-türkische Freundschaft seit der jungtürkischen Revolution ausgesetzt war, und denen sie sich gewachsen gezeigt hat. Deutschlands territoriale Uninteressiertheit an den Fragen des näheren Orients, sein positives Interesse an der Aufrechterhaltung der Unversehrtheit, der Unabhängigkeit, der wirtschaftlichen, militärischen und politischen Erstarkung der Türkei war so offenkundig und trat in so konkludenten Handlungen zutage, daß auch die westmächtlich voreingenommenen jungtürkischen Politiker, sobald sie an der Macht und Verantwortung waren, sich wohl oder übel zu Deutschland hingedrängt sahen. Selbst das Vorgehen unseres österreichisch-ungarischen Bundesgenossen in der bosnischen Frage und die tripolitanische Brutalität Italiens hatten die aus den wahren Interessen der Türkei erwachsende Wiederannäherung an Deutschland nicht hindern können.

 

Natürliche Bundesgenossenschaft

Als der Krieg ausbrach, konnte in Stambul kein Staatsmann darüber im unklaren sein, daß im Falle eines Sieges der Entente Rußland nach Konstantinopel greifen und daß niemand ihm das verwehren werde. Zu oft und zu deutlich war in den letzten Jahren von Rußland her proklamiert worden, daß der Weg nach Konstantinopel über Berlin und Wien führe. Der Krieg war also von Anfang an, ob die Türkei beiseite stand oder ob sie eingriff, ein Krieg um die Existenz des türkischen Reiches. Die Türkei hatte die Wahl, ob sie durch ein Eingreifen an der Seite der Mittelmächte das ihrige zur Abwendung der Vernichtung tun oder ob sie in willenlosem Geschehenlassen ihr Schicksal hinnehmen wollte.

Die britische Politik versäumte nicht, der türkischen Regierung sofort mit Eindringlichkeit zu zeigen, wo ihr Platz in diesem Völkerringen sei. Schon am 2. August 1914 beschlagnahmte sie zwei von der Türkei auf Drängen des britischen Botschafters in England in Bestellung gegebene und im voraus bezahlte Kriegsschiffe.

Schon in jenen Tagen wurde zwischen dem deutschen Botschafter Freiherrn von Wangenheim und der türkischen Regierung ein Bündnisvertrag vereinbart, für dessen Zustandekommen sich auf türkischer Seite vor allem der Kriegsminister Enver Pascha einsetzte.

Am Abend des l0. August erschienen die beiden deutschen Kriegsschiffe »Göben« und »Breslau«, die im Mittelmeer der feindlichen Übermacht glücklich entronnen waren, vor den Dardanellen. Sie erhielten die Erlaubnis zur Einfahrt; denn die türkische Regierung hatte die beiden Schiffe in Erwartung ihrer glücklichen Ankunft von der deutschen Regierung gekauft. Entrüsteter Protest der Ententemächte. Zusammenziehung eines Ententegeschwaders vor den Dardanellen. Darauf am 28. September Sperre der Dardanellen.

 

Dardanellensperre

Für die deutsche Kriegspolitik war schon mit dieser Etappe ein wichtiger Erfolg erzielt. Die Verbindung der Westmächte mit Rußland durch die Ostsee war durch den Krieg zerschnitten. Wenn jetzt auch der Großhandelsweg durch die Dardanellen gesperrt war, so blieb nur noch der für umfangreiche Transporte infolge des Mangels an Eisenbahnen in Nordrußland nicht praktikable Weg über Archangelsk. Die Dardanellensperre machte die Unterstützung der Entente auf dem westlichen Kriegsschauplatz durch russische Mannschaften für lange Zeit unmöglich, sie schränkte die Möglichkeit der Versorgung Rußlands mit westmächtlichem Kriegsmaterial erheblich ein, und sie unterband die Belieferung Frankreichs und Englands mit russischem Getreide.

Es konnte fraglich erscheinen, ob es im deutschen Interesse lag, die durch drei Kriege geschwächte Türkei zu veranlassen, weiter zu gehen und aktiv in den Krieg einzugreifen. Die Möglichkeit, auf dem Wege über die Türkei und mit Hilfe der Türkei das britische Reich an lebenswichtigen Punkten anzugreifen, etwa am Suezkanal oder gar über den Persischen Golf in Indien, hatte zwar in der englischen Agitation gegen die Bagdadbahn und leider auch in gewissen leichtfertigen deutschen Veröffentlichungen eine Rolle gespielt; aber bei nüchterner und sachkundiger Beurteilung mußte man die Durchführbarkeit und die Aussichten auch nur einer Aktion gegen den Suezkanal so lange als äußerst zweifelhaft betrachten, als einmal ein ungehinderter Verkehr zwischen den Mittelmächten und der Türkei nicht gesichert war und als ferner die Eisenbahnverbindung zwischen Konstantinopel und Syrien im Taurus- und Amanusgebirge noch die empfindlichen Lücken aufwies. Im übrigen bot die Türkei sowohl im südlichen Mesopotamien den Engländern als auch in Nordostanatolien den Russen wegen des Fehlens jeder Eisenbahnverbindungen gefährliche Angriffsflächen; ja, es war nicht einmal als unbedingt sicher zu betrachten, ob die Dardanellen, trotz der in den letzten Jahren durchgeführten Modernisierung ihrer inneren Befestigungsanlagen, einem energischen und nachhaltigen Angriff würden standhalten können. Auf den »Heiligen Krieg«, von dem manche die Revolutionierung Ägyptens und Indiens erwarteten, habe ich nach meiner Kenntnis des stumpf und unfanatisch gewordenen Islam niemals große Hoffnungen gesetzt, solange wir nicht selbst die Bewegung in jene Länder tragen konnten.

Diese Ansichten wurden auch in unserem Auswärtigen Amt geteilt, und man hat es deshalb wohl vermieden, die Türken zum Eintritt in den Krieg allzu eifrig zu drängen. Aber die Dinge drängten von selbst in dieser Richtung. Es zeigte sich bald, daß die Ententemächte sich mit der Sperrung der Dardanellen nicht abfinden und der Türkei nur die Wahl lassen würden, sich klipp und klar zu entscheiden. Die Wahl der türkischen Staatslenker war im voraus getroffen. Vergeblich bot die Entente der Türkei die Garantie ihres Besitzstandes; die Türkei hatte mit solchen Garantien zu schlechte Erfahrungen gemacht. Der Druck der Ententemächte verstärkte sich. Ende Oktober kam es bei der Einmündung des Bosporus in das Schwarze Meer, wo russische Kriegsfahrzeuge Minen legten, zu einem Zusammenstoß zwischen türkischen und russischen Seestreitkräften: die Kriegserklärung erfolgte aus dem Munde der Schiffsgeschütze.

Deutschland hatte einen politischen Sieg erfochten; es hatte zu einer Zeit, in der es in West und Ost in die schwersten Kämpfe gegen eine erdrückende Übermacht verstrickt war, einen Bundesgenossen gewonnen, dessen nicht zu unterschätzendes Gewicht auf der Wage des Völkerschicksals vielleicht den entscheidenden Ausschlag geben konnte.

Nun hieß es, das Gewicht des neuen Bundesgenossen in Wirkung setzen.

 

Räumliche Trennung der Verbündeten

Der neue Bundesgenosse stand, von uns getrennt, auf einem ebenso wichtigen wie bedrohten Außenposten. Wenn dieser Außenposten gesichert und die militärische wie die wirtschaftliche Kraft der Türkei für uns nutzbar gemacht werden sollte, dann mußten alsbald die Brücken zu dem neuen Mitkämpfer geschlagen werden. Der Weg zur Türkei führte, solange der Engländer das Mittelmeer, der Russe das Schwarze Meer beherrschte, in jedem Fall über Bulgarien, außerdem entweder über Rumänien oder über Serbien. Bulgarien stand uns mit wohlwollender Neutralität gegenüber. Aber Serbien stand mit noch ungebrochener Kraft gegen uns im Feld, und Rumänien nahm trotz seines Bündnisvertrages mit uns damals schon in so ungenierter Weise für die Entente Partei, daß es auch den völkerrechtlich durchaus einwandfreien Durchfuhren von uns zur Türkei und von der Türkei zu uns die unerhörtesten Schwierigkeiten in den Weg legte. Da ohne Krieg mit Rumänien die Überwindung des rumänischen Hindernisses unmöglich erschien und da niemand bei uns das Bedürfnis nach einem weiteren Kriegsgegner hatte, da ferner der serbische Landesteil, der den Donauweg zwischen Ungarn und Bulgarien blockierte, der sogenannte Negotiner Zipfel, eine Tiefenausdehnung von nur 50–60 Kilometern hatte, erschien der Weg vorgezeichnet: die Forcierung des unterhalb des Eisernen Tores gelegenen serbischen Donaukreises.

Für diese Lösung setzten sich Kanzler und Auswärtiges Amt bei der Obersten Heeresleitung, an deren Spitze damals bereits in Vertretung des schwer erkrankten Generalobersten von Moltke der General von Falkenhayn stand, mit allem Nachdruck ein; es wurde jedoch stets die militärische Unmöglichkeit der Erfüllung dieser Forderung geltend gemacht. Als die Türkei, die damals schon an Munitionsmangel litt, immer stärker drängte, machte das Auswärtige Amt einen erneuten Versuch, zu dem auch meine Mitwirkung auf Grund meiner Kenntnis der Verhältnisse des näheren Orients herangeholt wurde. In Brüssel, wohin ich gerade von einem Besuch im Großen Hauptquartier zurückgekehrt war, erhielt ich am 28. November ein Telegramm des Unterstaatssekretärs Zimmermann, das mich ersuchte, beim Reichskanzler, beim Generalstabschef und nötigenfalls beim Kaiser selbst mit den stärksten Argumenten für eine sofortige Aktion zur Besetzung des Negotiner Kreises und Freimachung des Donauweges einzutreten. Ich entschloß mich, sofort wieder nach Charleville zu fahren. Als ich am Abend des 29. November dort ankam, stellte sich heraus, daß am Vormittag der Reichskanzler nach Berlin, der Kaiser und General von Falkenhayn nach dem östlichen Kriegsschauplatz abgereist waren. Ich wandte mich an den General Wild von Hohenborn, der damals den Generalquartiermeister vertrat. Er sagte mir, daß beim Generalstab wenig Neigung für die serbische Operation bestehe, da auf den Hauptkriegsschauplätzen jeder Mann gebraucht würde. Aus diesem Grund habe sich der General von Falkenhayn bisher gegenüber den Wünschen des Auswärtigen Amts ablehnend verhalten und zunächst nur einmal den Obersten Hentsch zur Prüfung der Verhältnisse an Ort und Stelle nach dem Eisernen Tor geschickt. Aus den Darlegungen des Generals von Wild entnahm ich, daß man in den leitenden militärischen Kreisen die Voraussetzungen, unter denen allein die Türkei überhaupt erst aus einem stark exponierten Angriffspunkt zu einem wertvollen Verbündeten gemacht werden und außerdem Bulgarien für den Anschluß an uns gewonnen werden könne, nicht genügend würdigte. General von Wild versprach mir, meine Gesichtspunkte alsbald an den General von Falkenhayn zu telegraphieren. Es blieb aber bei der Ablehnung.

 

Keine Öffnung des Donauweges

Es war für mich schmerzlich, zu sehen, wie statt dieser so dringlichen Öffnung des Donauweges, der uns in der Folgezeit viel schwere Sorgen erspart und unserer Gesamtaktion eine so viel wuchtigere Schlagkraft gegeben hätte, die österreichisch-ungarischen Truppen mit starkem Kräfteeinsatz Serbien am andern Ende anpackten. Von Bosnien aus rückte gegen Ende November eine starke Armee in Serbien ein und erzielte in heftigen Kämpfen gute Fortschritte. Am 2. Dezember, dem 66. Jahrestag der Thronbesteigung des Kaisers Franz Joseph, wurde Belgrad angegriffen und genommen. Aber bald stießen die österreichisch-ungarischen Truppen in dem unwegsamen westserbischen Gebirgsland auf große Schwierigkeiten. Schon am 9. Dezember waren sie gezwungen, den Rückzug unter Preisgabe vielen Materials und zahlreicher Gefangener anzutreten. Am 15. Dezember mußte auch Belgrad wieder geräumt werden. Ich kann als Laie die Frage nicht entscheiden, ob nicht der gleiche Kraftaufwand, der hier nutzlos verpufft wurde, am Negotiner Donaubogen eingesetzt genügt hätte, um die Verbindung mit Bulgarien und der Türkei damals schon herzustellen und zu sichern. Zunächst war durch den österreichischen Mißerfolg diese Möglichkeit auf absehbare Zeit verschlossen. Erst zehn Monate später ist die damals schon so dringend empfohlene Aktion in Angriff genommen und durchgeführt worden.

 

Türkische Kriegsschauplätze

In der Zwischenzeit mußte sich die Türkei, so gut es ging, behelfen, ohne uns über die Sperrung der Dardanellen hinaus einen wesentlichen Vorteil bringen zu können.

Ein Versuch Envers, im armenischen Hochland gegen das russische Kaukasusgebiet vorzustoßen, blieb mangels genügender rückwärtiger Verbindungen in den Anfängen stecken und führte schließlich infolge der feindlichen Haltung der armenischen Bevölkerung zu schweren Rückschlägen. An dem türkischen Ufer des Persischen Golfs setzten sich die Engländer mit indischen Truppen fest und bereiteten eine Operationsbasis für die Eroberung Mesopotamiens vor, ohne daß die Türken sie aus einer durch keine Eisenbahn überbrückten Entfernung von mehr als tausend Kilometern ernstlich daran hindern konnten. Ägypten wurde im Dezember 1914 zum britischen Protektorat erklärt, nachdem schon vor dem Eintritt des Kriegszustandes zwischen England und der Türkei die britische Regierung die ägyptische Regierung gezwungen hatte, den Kriegszustand gegenüber den Mittelmächten zu proklamieren. Mehr als gelegentliche Patrouillen- und Bandenvorstöße gegen den Suezkanal, die keinerlei nachhaltigen Erfolg hatten, vermochten die Türken im Winter 1914/15 nicht zu unternehmen.

Dagegen machten die Verbündeten vom Februar 1915 an außerordentliche Anstrengungen, die Dardanellen zu bezwingen und so einen entscheidenden Stoß zu führen, der sowohl die Türkei ins Herz treffen, wie auch die unterbrochene Verbindung zwischen Rußland und den Westmächten wiederherstellen sollte. Letzteres erschien um so notwendiger, als die Russen gerade damals in der »Winterschlacht in den Masuren« eine Niederlage erlitten, in der ihre Verluste an Menschen und namentlich Material so gewaltige waren, daß es in Frage gestellt schien, ob die russische »Dampfwalze« sich ohne ausgiebige Nachhilfe von außen werde wiederherstellen lassen.

In England waren die Meinungen über die Zweckmäßigkeit des Dardanellenunternehmens geteilt. Churchill setzte es gegen allen Widerspruch durch, insbesondere auch gegen den Widerspruch des Lord John Fisher, des Ersten Lords der Admiralität.

Am 19. Februar begann eine mächtige Schlachtflotte die Außenforts der Dardanellen zu bombardieren. Damit war das Signal zu dem gewaltigsten Ringen gegeben, das diese seit dem Trojanischen Krieg so viel und heiß umstrittenen Meerengen je gesehen hatten. Die veralteten und schwachen Forts am Dardanelleneingang wurden niedergelegt, und Anfang März konnte der Versuch, die starken Innenforts zu bezwingen, ins Werk gesetzt werden. Der Versuch scheiterte. Am 18. März büßten die Angreifer drei Schlachtschiffe ein, zwei englische und ein französisches. Man sah ein, daß ohne ein starkes Landungskorps nicht vorwärts zu kommen sei.

Ein solches mußte erst zusammengestellt und herbeigeholt werden; denn die wenigen Bataillone Senegalesen und Zuaven, mit denen man anfänglich auszukommen gehofft hatte, genügten nicht entfernt, und die griechische Hilfe, die man erwartete, blieb aus. Man griff auf die in Ägypten versammelten Truppen, hauptsächlich Australier und Neuseeländer, zurück. Am 25. April 1915 erfolgte die erste Landung auf der Halbinsel Gallipoli.

 

Dardanellenoffensive

Die auf Gallipoli zusammengezogene türkische Armee leistete den Angreifern, die ihre Forts und Feldbefestigungen Tag und Nacht mit einem Eisenhagel aus Land- und Schiffsgeschützen aller Kaliber überschütteten, den zähesten Widerstand. Eine unerwartete aber wirksame Unterstützung erhielt sie durch deutsche U-Boote, die plötzlich vor den Dardanellen erschienen, vom 25. bis 27. Mai die drei britischen Panzerschiffe »Triumph«, »Majestic« und »Agamemnon« torpedierten und durch die beständige Bedrohung die großen Schlachtschiffe von der Halbinsel fernhielten. Aber eine schwere Sorge lastete auf den braven Verteidigern: der Munitionsmangel. Der tägliche Verbrauch war bei aller Sparsamkeit enorm; Rumänien ließ keine Munition durch; Serbien hielt immer noch den Negotiner Donaubogen; unsere U-Boote konnten bei ihrem beschränkten Tonnengehalt höchstens Zünder und ähnliche Dinge, aber keine Granaten heranschaffen. Der Energie und Geschicklichkeit eines deutschen Seeoffiziers gelang es, in Konstantinopel eine behelfsmäßig ausgestattete Munitionsfabrik gewissermaßen aus dem Boden zu stampfen; aber deren Leistungsfähigkeit konnte nicht entfernt auf die Höhe des Bedarfs der Gallipoli-Armee gesteigert werden. Die Telegramme unseres Botschafters verlangten immer dringender die Öffnung eines Weges für ausreichende Munitionszufuhr. Wiederholt schien die letzte Stunde geschlagen zu haben. Mehr als einmal war nach heftigen Angriffen der Vorrat der Artilleriemunition so vollständig erschöpft, daß einem erneuten Angriff des Feindes der Erfolg sicher gewesen wäre. Churchill sprach damals das Wort: »Nur wenige Meilen trennen uns vom Ziel und vom endgültigen Sieg.« Er wußte selbst nicht, wie nahe er oft an Ziel und Sieg war.

Endlich kam die Erlösung. Im Oktober 1915 reichten wir uns über Serbien hinaus mit Bulgarien die Hände, der Donau weg war frei, die Dardanellen und Konstantinopel waren gerettet. Die Entente mußte sich von der Aussichtslosigkeit weiterer Versuche überzeugen. Schon am 2. November 1915 nannte der britische Premierminister im Unterhaus das Dardanellenunternehmen »a disappointment and failure«. Im Januar 1916 wurden bei Nacht und Nebel die letzten Reste des Landungskorps eingeschifft. Die Gräber von vielen Zehntausenden sind, wie die Tumuli von Troja, das Denkmal des gewaltigen Ringens.

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