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Der Weltkrieg. Band II: Vom Kriegsausbruch bis zum uneingeschränkten U-Bootkrieg

Karl Theodor Helfferich: Der Weltkrieg. Band II: Vom Kriegsausbruch bis zum uneingeschränkten U-Bootkrieg - Kapitel 29
Quellenangabe
authorKarl Theodor Helfferich
titleDer Weltkrieg. Band II: Vom Kriegsausbruch bis zum uneingeschränkten U-Bootkrieg
publisherUllstein
year1919
firstpub
correctorreuters@abc.de
sender Wilfried Pieroth
created20170810
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Der deutsche und der amerikanische Friedensschritt

Am 23. Oktober 1916 hielt Lord Grey bei einem Pressefestmahl eine auffallende Rede. Er beschäftigte sich zunächst wieder einmal mit den Kriegsursachen, wobei er wiederum alle Schuld auf Deutschland abzuwälzen versuchte; dann ging er mit einer Verbeugung vor Wilson und Hughes, den beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, über zu einem Hymnus auf Völkerbund und Schiedsgerichte als die Pfeiler des Systems, das in Zukunft die Entstehung neuer Kriege verhindern müsse.

Der Bericht über die Rede lag in Berlin am 25. Oktober vor. Der Kanzler war durch die Rede stark beeindruckt. Er fand sie sehr geschickt auf die Mentalität der Neutralen, insbesondere der Amerikaner, zugeschnitten, aber auch auf die Stimmung der kriegführenden Völker, die sich aus dem Zerstören und Morden nach einem besseren Zustand des Zusammenlebens der Völker sehnten. Der Krieg habe die Idee eines Völkerbundes und der Schiedsgerichte ohne Zweifel mächtig gestärkt. Auch nach seiner Ansicht gehöre dieser Idee die Zukunft. Er habe das Gefühl, daß in dieser Sache die deutsche Politik nicht beiseite stehen dürfe. Er müsse jedenfalls in diesem Sinn auf die Rede Greys antworten.

Mir schien die Frage der Verhinderung künftiger Kriege so lange im zweiten Rang zu stehen, als die Frage der Beendigung des jetzigen Krieges noch nicht gelöst sei. Die beste Antwort auf Grey schien mir eine solche zu sein, die Grey auf diese praktische Frage stellte. Zwei Tage zuvor war Constantza von unsern Truppen genommen worden; am Vormittag hatte ein Telegramm die Einnahme von Cernavoda gemeldet. Der rumänische Feldzug näherte sich seinem Ende. Unsere Feinde waren im Begriff, abermals eine Hoffnung zu verlieren. Der Winter, und damit der dritte Winterfeldzug, stand vor der Tür. Wenn irgendein Zeitpunkt seit Beginn des Krieges die Regierungen und die Völker zum Nachdenken stimmen mußte, ob es sich lohne, den Krieg fortzusetzen, so war es der jetzige. Ich empfahl, zu überlegen, ob die Gesamtlage uns nicht das Recht und die Pflicht gebe, ein offenes Friedenswort zu sprechen, auf das unsere Feinde antworten müßten; etwa die Aufforderung an die Kriegführenden, zu einer Besprechung über die Möglichkeit eines Friedens zusammenzutreten, der Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit aller wahre.

 

Vorbereitung des deutschen Friedensvorschlages

Der Kanzler erwärmte sich für den Gedanken und entschloß sich, sofort zum Kaiser zu fahren, der damals in Potsdam weilte. Im Begriff ins Auto zu steigen, erhielt er die Nachricht von dem erfolgreichen Vorstoß der Franzosen vor Verdun auf das Fort Douaumont. Das war ein Dämpfer auf die rumänische Freude, aber mit solchen Zwischenfällen muß man im Kriege immer rechnen.

Der Kaiser war sofort einverstanden. Der Kanzler reiste noch am gleichen Abend nach dem Großen Hauptquartier, um sich mit dem Generalfeldmarschall von Hindenburg zu besprechen. Der Feldmarschall wollte sich nicht gegen die Anregung stellen und erklärte, er könne jedenfalls keine Aussicht eröffnen, daß nach Beendigung des rumänischen Feldzugs, die in einigen Wochen zu erwarten sei, im Winter oder im nächsten Frühjahr ein entscheidender, den Frieden militärisch erzwingender Schlag geführt werden könne.

Nun wurde der Gesandte von Stumm nach Wien geschickt, um das Einverständnis unseres österreichisch-ungarischen Bundesgenossen zu sichern. An der grundsätzlichen Zustimmung war um so weniger zu zweifeln, als Baron Burian, wie mir der Kanzler sagte, selbst schon bei früheren Gelegenheiten ein ähnliches Vorgehen angeregt hatte.

Nachdem auf dieser Grundlage der Kanzler dem Kaiser nochmals vorgetragen hatte, schrieb der Kaiser an den Kanzler nachstehenden eigenhändigen Brief:

»Neues Palais, 31. 10. 16.

Mein lieber Bethmann!

Unser Gespräch habe ich noch nachher gründlich überdacht. Es ist klar, die in Kriegspsychose befangenen, von Lug und Trug im Wahne des Kampfes und im Haß gehaltenen Völker unserer Feinde haben keine Männer, die imstande wären, die den moralischen Mut besäßen, das befreiende Wort zu sprechen. Den Vorschlag zum Frieden zu machen, ist eine sittliche Tat, die notwendig ist, um die Welt – auch die Neutralen – von dem auf allen lastenden Druck zu befreien. Zu einer solchen Tat gehört ein Herrscher, der ein Gewissen hat und sich Gott verantwortlich fühlt, und ein Herz für seine und die feindlichen Menschen, der unbekümmert um die eventuellen absichtlichen Mißdeutungen seines Schrittes den Willen hat, die Welt von ihren Leiden zu befreien. Ich habe den Mut dazu, ich will es auf Gott wagen. Legen Sie mir bald die Noten vor und machen Sie alles bereit.

Wilhelm I. R.«

Die folgenden Wochen waren ausgefüllt mit Verhandlungen mit unseren Verbündeten über die Grundlinien der bei einer Friedensbesprechung zu erstrebenden Ziele, über die Art des gemeinschaftlichen Vorgehens, über den Text der über unsere Friedensbereitschaft zu erlassenden Kundmachung oder der an die Alliierten zu übergebenden Note.

 

Antwort auf Greys Presserede

In der Zwischenzeit antwortete der Reichskanzler im Hauptausschuß des Reichstags am 9. November 1916 auf die Rede Greys. Er widerlegte Greys Darstellung der Schuldfrage und stellte sich mit viel bemerktem Nachdruck auf den Boden des Völkerbundes und der Schiedsgerichte. Von dem geplanten Vorschlag zu Friedensverhandlungen sprach er noch nicht. Mit unseren Verbündeten hatte man sich dahin geeinigt, daß der Friedensschritt unternommen werden sollte, sobald durch den in kurzem zu erwartenden Fall von Bukarest die Abwendung der rumänischen Gefahr für jedermann offenkundig geworden sei.

Daß irgendwelche Rücksichten auf den Präsidenten Wilson ein Hindernis für einen unmittelbaren Friedensschritt sein könnten, ist mir gegenüber in den vielfachen Besprechungen, die in dieser Angelegenheit stattfanden, von keinem der Herren, die an der Sondierung Wilsons beteiligt waren, jemals erwähnt worden. Bisher war auf die schon Anfang Mai von Herrn von Bethmann gegenüber Herrn Gerard gemachte Andeutung keinerlei Antwort erfolgt. Das Anfang September an den Grafen Bernstorff gerichtete Telegramm hatte diesen auch nicht etwa beauftragt, bei Herrn Wilson oder der amerikanischen Regierung irgendeinen Schritt zu unternehmen, der die deutsche Regierung in ihrer eigenen Bewegungsfreiheit hätte binden können, sondern ihn nur um eine persönliche Meinungsäußerung über Wilsons Geneigtheit zu einem Friedensschritt ersucht. Die Möglichkeit, daß Wilson nach seiner am 6. November 1916 erfolgten Neuwahl zum Präsidenten irgend etwas zugunsten des Friedens tun werde, konnte uns, solange mit uns keine Vereinbarungen darüber getroffen oder uns nicht wenigstens die bestimmte Absicht eines Vorgehens mitgeteilt war, nicht das Recht der eigenen Initiative beschränken noch uns der Verpflichtung überheben, nach anderen Wegen, die zum Frieden führen konnten, Ausschau zu halten und einen uns geeignet erscheinenden Zeitpunkt unsererseits für eine Friedensaktion zu benutzen.

In der Tat geht aus der oben wiedergegebenen Stelle des Gerardschen Buches hervor, daß Herr Wilson am 4. Dezember, also vier Wochen nach seiner Wiederwahl, jedenfalls noch keinen bestimmten Schritt zugunsten des Friedens ins Auge gefaßt hatte und sich seinerseits uns gegenüber in der Friedensfrage in keiner Weise gebunden fühlte.

Ich erwähne dies ausdrücklich, weil späterhin bei uns in Deutschland behauptet worden ist, die deutsche Politik habe dem Präsidenten Wilson gegenüber ein doppeltes Spiel gespielt, indem sie ihn zuerst um eine Friedensvermittlung ersucht habe, und dann, nachdem Herr Wilson sich hierzu bereitgefunden, mit einer eigenen Aktion vorgegangen sei.

 

Die Frage der Friedens-Initiative

Persönlich erschien es mir für die deutsche Regierung durchaus erwünscht, die Initiative zum Frieden in der eigenen Hand zu behalten; denn ich konnte das Unbehagen gegenüber dem Gedanken einer Führung Wilsons in den Friedensangelegenheiten nicht überwinden. Außerdem konnte ich mir, so wenig es mir lag, im Strom der öffentlichen Meinung zu schwimmen, nicht verhehlen, daß die Stimmung in, Heer und Volk gegen Amerika ein immer ernstlicheres Hindernis für eine amerikanische Friedensaktion geworden war. Es kam schließlich doch auch darauf an, daß der erste Schritt zum Frieden vom eigenen Volk möglichst einmütig unterstützt und nicht von vornherein aus Gefühlen heraus, deren Berechtigung nicht abzustreiten war, einer starken Anfeindung ausgesetzt wurde. Die Tatsache, daß Amerikas Verhalten gegenüber dem deutschen Volke in dem Kampf um sein Dasein nur eine formelle Neutralität, in der Sache aber eine starke Begünstigung unserer Gegner war, lag klar vor jedermanns Augen. Wilson war uns bei der Ausnutzung unserer U-Bootwaffe gegen England in den Weg getreten. Das war sein formelles Recht; aber die Ausübung dieses Rechtes uns gegenüber involvierte zum mindesten die moralische Verpflichtung, auch England gegenüber mit gleich scharfen Mitteln auf der strengen Beobachtung des Völkerrechtes zu bestehen. Seit länger als sechs Monaten hatten wir in der U-Bootfrage nachgegeben; aber die amerikanische Regierung hatte noch keinerlei Anstalten gemacht, nun auch England auf den Boden des Völkerrechtes zurückzuführen. Die Erbitterung bei uns wurde gesteigert durch immerzu wachsende Mengen von Kriegsgerät und Munition, die Amerika der Entente lieferte. Die Gerechtigkeit, die Herr Wilson noch im Februar 1914 dem Mexikaner Carranza hatte zuteil werden lassen, indem er angesichts der materiellen Unmöglichkeit der Waffenlieferung an den von der Küste abgeschnittenen Carranza auch die Waffenlieferung an dessen Gegner Huerta verbot, enthielt er Deutschland und seinen Verbündeten vor. Die völkerrechtliche Sophistik, mit der die Regierung der Vereinigten Staaten diese »Papierneutralität« begründete, wollte unserem Volke nicht in den Kopf. Zumal der Feldgraue, den amerikanische Geschosse überschütteten, sah nur die gewaltige Unterstützung, die Amerika einseitig unseren Feinden gewährte.

Am 6. Dezember 1916 fiel Bukarest. Damit war der Zeitpunkt für die Friedensaktion gekommen.

 

Friedensvorschlag und Reichstag

Am 12. Dezember übergab der Reichskanzler den Vertretern der neutralen Mächte, die den Schutz unserer Interessen in den uns feindlichen Staaten übernommen hatten, eine Note mit dem Ersuchen um Übermittlung an die mit uns im Kriege liegenden Staaten. Das gleiche geschah um dieselbe Zeit in Wien, Konstantinopel und Sofia. Dem Reichstag machte der Reichskanzler, nachdem tags zuvor die Parteiführer verständigt worden waren, alsbald Mitteilung von dem vollzogenen Schritt. Nach einem kurzen und wirksamen Überblick über die Lage führte er aus:

»Nach der Verfassung lag am 1. August 1914 auf Seiner Majestät dem Kaiser persönlich der schwerste Entschluß, den je ein Deutscher zu fassen gehabt hat, der Befehl der Mobilmachung, der ihm durch die russische Mobilmachung abgerungen wurde. Während der langen und schweren Kriegsjahre bewegte den Kaiser der einzige Gedanke, wie einem festgesicherten Deutschland nach siegreich gefochtenem Kampfe wieder der Friede bereitet werde. Niemand kann das besser bezeugen als ich, der ich die Verantwortung für alle Regierungshandlungen trage. Im tiefsten sittlichen und religiösen Pflichtgefühl gegen sein Volk und darüber hinaus gegen die Menschheit hält der Kaiser jetzt den Zeitpunkt für eine offizielle Friedensaktion für gekommen. Seine Majestät hat deshalb in vollem Einvernehmen und in Gemeinschaft mit seinen hohen Verbündeten den Entschluß gefaßt, den feindlichen Mächten den Eintritt in Friedensverhandlungen vorzuschlagen.«

 

Die Friedensnote

Der Kanzler verlas nunmehr die Note, die angesichts ihrer Bedeutung für die Friedensfrage hier im vollen Wortlaut Platz finden möge:

»Der furchtbarste Krieg, den je die Geschichte gesehen hat, wütet bald seit zwei und einem halben Jahre in einem großen Teil der Welt. Diese Katastrophe, die das Band einer gemeinsamen, tausendjährigen Zivilisation nicht hat aufhalten können, trifft die Menschheit in ihren wertvollsten Errungenschaften. Sie droht, den geistigen und materiellen Fortschritt, der den Stolz Europas zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bildete, in Trümmer zu legen.

»Deutschland und seine Verbündeten, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei, haben in diesem Kampfe ihre unüberwindliche Kraft erwiesen. Sie haben über ihre an Zahl und Kriegsmaterial überlegenen Gegner gewaltige Erfolge errungen. Unerschütterlich halten ihre Linien den immer wiederholten Angriffen der Heere ihrer Feinde stand. Der jüngste Ansturm im Balkan ist schnell und siegreich niedergeworfen worden; die letzten Ereignisse beweisen, daß auch eine weitere Fortdauer des Krieges ihre Widerstandskraft nicht zu brechen vermag, daß vielmehr die gesamte Lage zur Erwartung weiterer Erfolge berechtigt.

»Zur Verteidigung ihres Daseins und ihrer nationalen Entwicklungsfreiheit wurden die vier verbündeten Mächte gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Auch die Ruhmestaten ihrer Heere haben daran nichts geändert. Stets haben sie an der Überzeugung festgehalten, daß ihre eigenen Rechte und begründeten Ansprüche in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen. Sie gehen nicht darauf aus, ihre Gegner zu zerschmettern oder gar zu vernichten.

»Getragen von dem Bewußtsein ihrer militärischen und wirtschaftlichen Kraft und bereit, den ihnen aufgezwungenen Kampf nötigenfalls bis zum äußersten fortzusetzen, zugleich aber von dem Wunsch beseelt, weiteres Blutvergießen zu verhüten und den Greueln des Krieges ein Ende zu machen, schlagen die vier verbündeten Mächte vor, alsbald in Friedensverhandlungen einzutreten. Die Vorschläge, die sie zu diesen Verhandlungen mitbringen werden und die darauf gerichtet sind, Dasein, Ehre und Entwicklungsfreiheit ihrer Völker zu sichern, bilden nach ihrer Überzeugung eine geeignete Grundlage für die Herstellung eines dauerhaften Friedens.

»Wenn trotz dieses Anerbietens zu Frieden und Versöhnung der Kampf fortdauern sollte, so sind die vier verbündeten Mächte entschlossen, ihn bis zum siegreichen Ende zu führen. Sie lehnen aber feierlich jede Verantwortung dafür vor der Menschheit und der Geschichte ab.«

Am gleichen Tage wurde ein Kaiserlicher Armeebefehl erlassen, der lautete:

»Soldaten! In dem Gefühl des Sieges, den Ihr durch Eure Tapferkeit errungen habt, haben Ich und die Herrscher der treu verbündeten Staaten dem Feinde ein Friedensangebot gemacht. Ob das damit verbundene Ziel erreicht wird, bleibt dahingestellt. Ihr habt weiterhin mit Gottes Hilfe dem Feind standzuhalten und ihn zu schlagen.«

Die Aufnahme, die der Friedensvorschlag in Deutschland fand, war nicht einheitlich zustimmend. In den konservativen und überwiegend auch in den nationalliberalen Kreisen fürchtete man, der Vorschlag könne im Ausland als Schwächezeichen ausgelegt werden und die Wirkung unserer Siege in Rumänien beeinträchtigen. In den Kreisen derjenigen, die an sich den Friedensvorschlag als einen ernsthaften Versuch, Deutschland und die Welt von dem Elend des Krieges zu befreien, aufrichtig willkommen hießen, bemängelte man vielfach, daß in dem Vorschlag unsere konkreten Friedensbedingungen nicht aufgezählt waren.

Beide Ausstellungen halte ich auch heute noch für unberechtigt.

Es handelte sich darum, entweder zum Frieden zu kommen, oder vor der ganzen Welt, sowohl vor dem eigenen Volke, wie vor den Völkern der Neutralen und unserer Feinde die Verantwortlichkeit für die Fortdauer des Krieges festzustellen. Wenn der Krieg weitergehen sollte, dann brauchte vor allem unser eigenes Volk angesichts des ungeheueren auf ihm lastenden Druckes eine moralische Rückenstärkung in dem Bewußtsein, daß es nicht an uns lag, wenn Friedensverhandlungen nicht zustandekamen. Die Gefahr, daß unsere Feinde unser Angebot als Schwäche auffassen könnten, durfte demgegenüber nicht den Ausschlag geben; durch die Wahl des Zeitpunktes war zudem dieser Gefahr nach Möglichkeit vorgebeugt worden.

 

Die Aufnahme des Vorschlages in Deutschland

Eine öffentliche Enthüllung unserer einzelnen Friedensbedingungen wäre, solange die grundsätzliche Bereitwilligkeit unserer Feinde, mit uns über einen Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit unseres Volkes wahrenden Frieden zu sprechen, nicht vorlag, das Gegenteil von Zweckmäßigkeit gewesen. Wir hätten uns ganz einseitig festgelegt, uns dadurch gegenüber unseren Gegnern stark in Nachteil gesetzt und jede Verhandlung über die einmal öffentlich genannten Punkte außerordentlich erschwert. Es ist leicht, über die »Geheimdiplomatie« zu schelten. Aber solange die menschliche Natur sich nicht von Grund aus geändert hat, wird der Zweck einer jeden Verhandlung, nämlich die Verständigung, in vertraulichen Beratungen stets leichter zu erreichen sein, als wenn der Ringkampf der Verhandler sich vor den Augen der Öffentlichkeit abspielt. Wenn unsere Feinde überhaupt Neigung hatten, mit uns über einen Frieden zu sprechen, so mußte es ihnen genügen, daß unsere Friedensnote klar aussprach: Der Krieg ist für uns ein Verteidigungskrieg geblieben; für uns kommt es darauf an, Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit unserer Völker zu sichern; unsere Rechte und Ansprüche stehen in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen.

Aber die Neigung, mit uns über den Frieden zu sprechen, bestand bei unseren Feinden nicht. Die Ziele, die sie verfolgten und unbeachtet aller Opfer und Rückschläge zäh im Auge behielten, waren mit der Verteidigung unseres Besitzstandes, mit der Wahrung unserer Ehre, unseres Daseins und unserer Entwicklungsfreiheit nicht vereinbar.

Ihre Regierungen fürchteten, durch jede Einleitung eines Friedensgesprächs den auf unsere Niederwerfung gerichteten Kriegswillen zu schwächen, und deshalb hatten sie es ungemein eilig, unseren Vorschlag schroff zurückzuweisen.

 

Echo bei den Alliierten. Wilsons Friedensnote

Schon am Tage nach unserem Friedensvorschlag, am 13. Dezember 1916 erklärte der französische Ministerpräsident Briand unsere Aufforderung zu Friedensverhandlungen für ein Manöver, um unter den Alliierten Uneinigkeit zu säen, die Gewissen zu verwirren und die Völker zu demoralisieren. Am 16. Dezember wies der neue russische Minister des Auswärtigen, Herr Pokrowsky, den Friedens Vorschlag der Mittelmächte »mit Entrüstung« ab und stellte ihm das Ziel gegenüber, »das uns allen am Herzen liegt: die Vernichtung des Feindes;« alle die unzähligen Opfer würden umsonst gebracht sein, wenn man mit einem Feind, dessen Kräfte zwar geschwächt, aber nicht gebrochen seien, einen »vorzeitigen Frieden« schließe. Am 18. Dezember beschwor der italienische Minister des Auswärtigen, Herr Sonnino, die Kammer, nichts zu beschließen, was die Vermutung zuließe, daß Italien in der Aufnahme des von Deutschland gemachten »hinterlistigen Schrittes« eine von seinen Verbündeten verschiedene Haltung einnehmen könnte. Am Tage darauf sprach Lloyd George, der inzwischen Herrn Asquith als Ministerpräsident ersetzt hatte, in der gewohnten Weise über den preußischen Militärdespotismus und verlangte als Voraussetzung für irgendwelche Friedensgespräche von Deutschland »vollständige Wiederherstellung, volle Genugtuung und wirksame Garantien«.

Nun erschien auch der Präsident Wilson auf dem Plan.

Am 21. Dezember 1916 übergab der amerikanische Botschaftsrat in Berlin dem Staatssekretär Zimmermann eine Note, die gleichlautend auch den übrigen kriegführenden Staaten zugestellt wurde.

Die Note enthielt eine Friedensanregung. Der Präsident der Vereinigten Staaten schlug vor, »daß baldigst Gelegenheit genommen werde, von allen jetzt kriegführenden Staaten ihre Ansichten über ihre Bedingungen zu erfahren, unter denen der Krieg zum Abschluß gebracht werden könnte und über die Vorkehrungen, die gegen die Wiederholung des Krieges oder die Entfachung irgendeines ähnlichen Konfliktes in der Zukunft zufriedenstellende Bürgschaft leisten könnten, so daß sich die Möglichkeit biete, sie offen zu vergleichen. Dem Präsidenten, so fuhr die Note fort, ist die Wahl der zur Erreichung dieses Zieles geeigneten Mittel gleich. Er ist gern bereit, zur Erreichung dieses Zweckes in jeder annehmbaren Weise seinerseits dienlich zu sein oder sogar die Initiative zu ergreifen; er wünscht jedoch nicht, die Art und Weise und die Mittel zu bestimmen. Jeder Weg wird ihm genehm sein, wenn nur das große Ziel, das er im Auge hat, erreicht wird.« Die Note wies dann darauf hin, daß die allgemeinen Ziele der beiden kriegführenden Parteien nach den von ihren Staatsmännern abgegebenen Erklärungen dem Wesen nach die gleichen seien. Das Interesse der Vereinigten Staaten an den künftigen Maßnahmen zum Schutz des Völkerfriedens sei ebenso groß, wie das irgendeines anderen Volkes. Das amerikanische Volk und seine Regierung sehnten sich danach, bei der Erreichung dieses Zieles mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln mitzuwirken. Aber erst müsse der Krieg beendet sein. Die konkreten Ziele, für die der Krieg geführt werde, seien niemals endgültig festgestellt worden. Der Welt bleibe es überlassen zu vermuten, »welche endgültigen Ergebnisse, welcher tatsächliche Austausch von Garantien, welche politischen oder territorialen Veränderungen oder Verschiebungen, ja selbst welches Stadium des militärischen Erfolges den Krieg zu Ende bringen würde«. Der Präsident schlage keinen Frieden vor, er biete nicht einmal seine Vermittlung an; er rege nur an, »daß man sondiere, damit die Neutralen und die kriegführenden Staaten erfahren, wie nahe wohl das Ziel des Friedens sein mag, nach dem die ganze Menschheit mit heißem und wachsendem Begehren sich sehnt«.

Dies war der sachliche Kern des Wilsonschen Friedensschritts.

 

Inhalt und Form der Wilsonschen Note

An der Einkleidung dieses Kerns war bemerkenswert einmal die wiederholte starke Betonung des Interesses der Vereinigten Staaten an der baldigen Beendigung des Krieges, das sich schon daraus ergebe, »daß sie offenkundig genötigt wären, Bestimmungen über den bestmöglichen Schutz ihrer Interessen zu treffen, falls der Krieg fortdauern sollte«; ferner eine Bemerkung über das Verhältnis der Wilsonschen Anregung zu dem Friedensschritt der Zentralmächte. Der Präsident, so führte die Note aus, habe sich schon lange mit dem Gedanken seines Vorschlages getragen. Er mache ihn jetzt nicht ohne eine gewisse Verlegenheit, weil es den Anschein haben könnte, als sei er angeregt von dem Wunsch, im Zusammenhang mit dem jüngsten Vorschlag der Zentralmächte eine Rolle zu spielen. Tatsächlich sei der Gedanke des Präsidenten in keiner Weise auf diesen Vorschlag zurückzuführen, und der Präsident hätte mit seinem Vorschlage gewartet, bis der Vorschlag der Zentralmächte beantwortet worden wäre, wenn seine Anregung nicht auch die Frage des Friedens beträfe, die am besten mit anderen dahingehenden Vorschlägen erörtert werde. Der Präsident stellte also die Unabhängigkeit seiner Anregung von dem Vorschlag der Zentralmächte fest, empfahl aber eine gemeinschaftliche Erörterung.

In der Sache kam die Anregung des Präsidenten Wilson auf das gleiche Ziel hinaus, das den Mittelmächten bei ihrem Friedensschritt vorgeschwebt hatte: ein gegenseitiger Austausch der konkreten Friedensbedingungen. Dieser Austausch mußte, wenn eine einseitige Festlegung des einen oder anderen Teiles vermieden werden sollte, Zug um Zug erfolgen, nach der Ansicht der Mittelmächte am besten in der elastischeren Form eines unmittelbaren und persönlichen Gedankenaustausches der kriegführenden Mächte.

 

Die deutsche Antwort

Dem entsprach die Antwort, die wenige Tage nach Überreichung der amerikanischen Note von den Mittelmächten erteilt wurde. Die deutsche Antwort vom 26. Dezember 1916, die derjenigen unserer Verbündeten inhaltlich entsprach, lautete wie folgt:

»Die Kaiserliche Regierung hat die hochherzige Anregung des Herrn Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Grundlagen für die Herstellung eines dauernden Friedens zu schaffen, in dem freundschaftlichen Geiste aufgenommen und erwogen, der in der Mitteilung des Herrn Präsidenten zum Ausdruck kommt. Der Herr Präsident zeigt das Ziel, das ihm am Herzen liegt, und läßt die Wahl des Weges offen. Der Kaiserlichen Regierung erscheint ein unmittelbarer Gedankenaustausch als der geeignetste Weg, um zu dem gewünschten Ergebnis zu gelangen. Sie beehrt sich daher, im Sinne ihrer Erklärung vom 12. d. M., die zu Friedensverhandlungen die Hand bot, den alsbaldigen Zusammentritt von Delegierten der kriegführenden Staaten an einem neutralen Orte vorzuschlagen. Auch die Kaiserliche Regierung ist der Ansicht, daß das große Werk der Verhütung künftiger Kriege erst nach Beendigung des gegenwärtigen Völkerringens in Angriff genommen werden kann. Sie wird, wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, mit Freuden bereit sein, zusammen mit den Vereinigten Staaten von Amerika an dieser erhabenen Aufgabe mitzuarbeiten.«

Auch durch Wilsons Friedensanregung ließen sich die alliierten Regierungen in ihrem Willen, Friedensgespräche zurückzuweisen und den Krieg fortzusetzen, in keiner Weise beeinträchtigen; nur eine kurze Verzögerung in der von Herrn Briand voreilig für den 20. Dezember angekündigten Antwort der Entente auf unseren Friedensvorschlag ist wohl durch den in London und Paris schon am 19. Dezember bekannt gewordenen Friedensschritt Wilsons herbeigeführt worden. Aber in dem Inhalt der Ententeantwort, die am 30. Dezember von Herrn Briand dem amerikanischen Botschafter in Paris zur Weitergabe an die Zentralmächte überreicht worden ist, hat Wilsons Eingreifen nichts geändert: schroffer und höhnischer abweisend konnte keine Antwort lauten. In tendenziöser Darstellung versuchte sie wieder einmal den Nachweis, daß der »Krieg gewollt, hervorgerufen und verwirklicht worden sei durch Deutschland und Österreich-Ungarn«. Nachdem Deutschland seine Verpflichtungen verletzt habe, könne der von ihm gebrochene Friede nicht auf sein Wort gegründet werden. Eine Anregung ohne Bedingungen für die Eröffnung der Verhandlungen sei kein Friedensangebot. Die durch die Kriegserklärung Deutschlands verursachten Verwüstungen, die zahlreichen Attentate, die Deutschland und seine Verbündeten gegen die Kriegführenden und gegen die Neutralen verübt hätten, verlangten Sühne, Wiedergutmachung und Bürgschaften. Deutschland weiche listig dem einen wie dem anderen aus. Der durch die Zentralmächte gemachte Vorschlag sei in Wirklichkeit nichts als ein Kriegsmanöver, das einen deutschen Frieden aufnötigen solle und beabsichtige, die öffentliche Meinung in den alliierten Ländern zu verwirren. »In voller Erkenntnis der Schwere, aber auch der Notwendigkeiten der Stunde lehnen es die alliierten Regierungen, die unter sich eng verbunden und in voller Übereinstimmung mit ihren Völkern sind, ab, sich mit einem Vorschlag ohne Aufrichtigkeit und ohne Bedeutung zu befassen.«

Da diese Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigließ, mehr als eine Woche nach dem Friedensschritt des Präsidenten Wilson erfolgte, mußte nicht nur der Friedensvorschlag der Zentralmächte, sondern auch die Friedensanregung Wilsons als gescheitert betrachtet werden. Wieder einmal stellte sich heraus, daß die feindliche Koalition nicht bereit war, über Frieden zu sprechen, solange sie nicht in der Lage war, den Frieden nach ihrem Belieben zu diktieren. Von dem Geist, der bei den Machthabern unserer Feinde trotz des rumänischen Rückschlags herrschte, gibt Zeugnis ein Tagesbefehl des Zaren an die russische Armee und Marine vom 25. Dezember 1916, in dem als russisches Kriegsziel aufgestellt wurde »der Besitz Konstantinopels und der Meerengen, sowie die Schaffung eines in allen seinen drei gegenwärtig getrennten Teilen freien Polens«.

 

Die Antwort der Alliierten

Immerhin konnte man gespannt sein auf die Antwort, die unsere Feinde auf die Friedensanregung Wilsons geben würden. Denn hier stand ihnen nicht ein Feind gegenüber, den sie auf Tod und Leben zu bekämpfen entschlossen waren, sondern der Repräsentant der stärksten neutralen Macht, dessen Haltung für den Ausgang des Krieges von entscheidender Bedeutung werden konnte.

Es dauerte drei volle Wochen, bis die Alliierten sich über eine Antwort an Wilson geeinigt hatten; erst am 10. Januar 1917 wurde diese von Herrn Briand dem amerikanischen Botschafter in Paris ausgehändigt.

Die Antwort enthielt viele schöne Worte an die Adresse des Herrn Wilson und über den künftigen Völkerfrieden. In der Sache aber war sie gegenüber der Wilsonschen Anregung eine kaum weniger unverhüllte Ablehnung, wie die Antwort an die Zentralmächte.

»Die Alliierten empfinden«, so hieß es in der Note, »ebenso tief wie die Regierung der Vereinigten Staaten den Wunsch, möglichst bald diesen Krieg beendet zu sehen, für den die Mittelmächte verantwortlich sind und der der Menschheit grausame Leiden auferlegt; aber sie sind der Ansicht, daß es unmöglich ist, heute bereits einen Frieden zu erzielen, der ihnen die Sühnen, Wiedergutmachung und Bürgschaften sichert, auf die sie ein Recht haben infolge des Angriffs, für den die Mittelmächte die Verantwortung tragen und der gerade darauf abzielt, die Sicherheit Europas zugrundezurichten.« Nach langen Beschwerden über die völkerrechtswidrige und grausame Kriegführung der Mittelmächte, die zu einem ständigen Hohn auf Menschlichkeit und Zivilisation geworden sei, erklärte die Note, die den Mittelmächten durch Vermittlung der Vereinigten Staaten überreichte Antwort auf deren Friedensvorschlag vom 12. Dezember 1916 beantworte die von der amerikanischen Regierung gestellte Frage. Im übrigen seien die Kriegsziele der Alliierten wohlbekannt; sie seien mehrfach in Erklärungen der Oberhäupter der verschiedenen Regierungen dargelegt worden. »Diese Ziele werden in den Einzelheiten mit allen Kompensationen und gerechtfertigten Entschädigungen für den erlittenen Schaden erst in der Stunde der Verhandlungen auseinandergesetzt werden. Aber die zivilisierte Welt weiß, daß sie alles Notwendige einschließen und in erster Linie die Wiederherstellung Belgiens, Serbiens und Montenegros, die ihnen geschuldeten Entschädigungen, die Räumung der besetzten Gebiete von Frankreich, Rußland und Rumänien mit den gerechten Wiedergutmachungen, die Reorganisation Europas, Bürgschaft für einen dauerhaften Frieden, die Zurückgabe der Provinzen und Gebiete, die früher den Alliierten durch Gewalt oder gegen den Willen der Bevölkerung entrissen worden sind, die Befreiung der Italiener, Slawen, Rumänen, Tschechen und Slowaken von der Fremdherrschaft, die Befreiung der Bevölkerungen, die der blutigen Tyrannei der Türken unterworfen sind, und die Entfernung des Osmanischen Reiches aus Europa, weil es zweifellos der westlichen Zivilisation fremd ist.« Die Note fügte hinzu, es sei selbstverständlich niemals die Absicht der alliierten Regierungen gewesen, die »Vernichtung der deutschen Völker und ihr politisches Verschwinden« anzustreben; sie wollten nur die Sicherung des Friedens auf der Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und der unverletzlichen Treue, welche die Regierung der Vereinigten Staaten stets beseelt habe.

Eine besondere Verschärfung erfuhr die Ablehnung irgendwelcher Friedensgespräche mit den Zentralmächten durch die Verwahrung gegen eine Gleichstellung mit diesen. »Mit Genugtuung,« so hieß es in der Note, »nehmen die Alliierten zur Kenntnis, daß die amerikanische Mitteilung in keinem Zusammenhang steht mit dem Schritt der Mittelmächte; sie zweifeln nicht an dem Entschluß der amerikanischen Regierung, selbst den blassen Anschein einer auch nur moralischen Unterstützung der verantwortlichen Urheber des Krieges zu vermeiden. Die Alliierten Regierungen halten es für ihre Pflicht, sich in der freundschaftlichsten aber klarsten Weise gegen eine Gleichstellung auszusprechen, welche auf öffentlichen Erklärungen der Mittelmächte beruht und in direktem Widerspruch zur offenkundigen Sachlage steht, sowohl bezüglich der Verantwortlichkeiten in der Vergangenheit wie betreffs der Bürgschaften für die Zukunft. Präsident Wilson hat durch ihre Erwähnung gewiß nicht beabsichtigt, sich ihnen anzuschließen.«

Schallender konnte die Friedenstür nicht zugeworfen werden. Wenn sich die Alliierten bei Herrn Wilson verbaten, von ihm mit den Mittelmächten auf gleichem Fuß behandelt zu werden, so war das eine in ihrer Schärfe kaum zu übertreffende Zurückweisung aller guten Dienste, die ein Dritter zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen den beiden kriegführenden Gruppen überhaupt anbieten konnte.

Sachlich bedeuteten die von den Ententeregierungen kurz umrissenen Friedensbedingungen nichts anderes als die völlige Zertrümmerung der Türkei, die völlige Auflösung der österreichisch-ungarischen Monarchie, die Verstümmelung und Erniedrigung Deutschlands. Die Alliierten hatten recht, wenn sie feststellten, daß es unmöglich sei, einen diesen Wünschen entsprechenden Frieden jetzt schon zu erzielen; denn nur von einem völlig niedergeworfenen Gegner konnten sie annehmen, daß er solche Bedingungen auch nur einen Augenblick zur Diskussion stellen lassen würde.

 

Vernichtungswille der Gegner

Der Fall lag also klar: Die Mittelmächte waren bereit, über einen Frieden zu sprechen, der ihr Verteidigungsziel erfüllte und Ehre, Dasein und Entwicklungsfreiheit ihrer Völker sicherte; die Entente lehnte eine Verhandlung auf dieser Grundlage mit der offenen Begründung ab, daß sie auf der Zertrümmerung, Verstümmelung und Erniedrigung der Mittelmächte bestehe, ein »Friedensziel«, für das auch nach ihrer Auffassung die Mittelmächte noch nicht reif waren.

Wie Herr Wilson sich zu dieser Antwort stellte, werden wir später sehen.

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