Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Hollaender >

Der Weg des Thomas Truck

Felix Hollaender: Der Weg des Thomas Truck - Kapitel 74
Quellenangabe
pfad/hollaend/truck/truck.xml
typefiction
authorFelix Hollaender
titleDer Weg des Thomas Truck
publisherVEB Hinstorff Verlag Rostock
year1988
isbn3356001620
firstpub1902
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20120423
projectid0d7c86f0
Schließen

Navigation:

Viertes Buch
Musik – Tod und Leben

I.

Als Thomas Truck vor dem vegetarischen Speisehause in der Dorotheenstraße angelangt war, blieb er noch lange stehen und blickte ruhig in den verhängten grauen Himmel und auf die pustenden, atemlosen Menschen, die durch das Schneegestöber und den pfeifenden Wind jagten.

Endlich trat er ein.

Wenn ich nur keine Seele treffe! ...

Jede Aussprache, jeder freundschaftliche Verkehr tat ihm weh. Er blickte sich scheu um. Gottlob, niemand war da. Erschöpft ließ er sich nieder. Er sah elend und verkümmert aus. Er bestellte sich ein Glas Milch und Erbsenpüree. Als das Essen vor ihm stand, stieg ein Widerwille in ihm auf. Er spürte, daß er es nicht anrühren konnte. Wie abwesend starrte er vor sich hin.

Jemand klopfte ganz leise auf seine Schulter.

Erschrocken fuhr er zusammen, und den Kopf emporhebend, stotterte er: »Wa-as ist denn das?«

Ein Mann mit einer hochgewölbten, weißen Stirn, einem blonden, das ganze Gesicht umrahmenden Vollbart, braunem, langem Haupthaar, das fast bis zu den Schultern reichte, wasserhellen, durchsichtigen, blauen Augen stand in dürftiger Kleidung vor ihm.

»Ich bin es«, sagte er mit einer weichen, klingenden Stimme.

Thomas war es, als ob er den Menschen schon einmal gesehen haben müßte.

»Sie kennen mich doch?«

Thomas strengte sein Gedächtnis an, aber er konnte sich nicht sofort erinnern.

Der Mensch lächelte sanftmütig.

»Wir sind vor langer, langer Zeit zusammen mit der Eisenbahn gefahren.«

»Ah!« Wie hatte er das vergessen können!

»Darf ich mich zu Ihnen setzen?«

Thomas nickte nur.

Der Fremde nahm ihm gegenüber Platz und bestellte sich ein Glas Milch, das er schluckweise trank.

»Ich habe Sie seit langem verfolgt, Thomas Truck! Sie leiden unsagbar.«

»Ich? ... Ich? ... Ja, woher wissen Sie denn meinen Namen?«

»Ich war dabei, als Sie über die Freiheit sprachen.«

Bei diesen Worten zuckte es um seine Mundwinkel in mildem Spotte.

»Das, was ich sagte, scheint Ihnen nicht eingeleuchtet zu haben?« fragte Thomas müde und gleichgültig.

»Sie leiden, weil Sie sich mit wertlosen Dingen quälen. Die geistigen Probleme«, setzte er ernst hinzu, »liegen tiefer.«

Er blickte erstaunt, und von dem Ton dieser sanften und ernsten Stimme betroffen, empor.

»Gibt es denn etwas Höheres als die Freiheit?«

»Es gibt nichts Höheres. Aber der Weg, den Sie gehen, führt nicht zur Freiheit.«

Was war denn das für ein Mensch, und was wollte er eigentlich von ihm? Er betrachtete ihn plötzlich mit der Miene des Arztes. Vielleicht war er gar nicht zurechnungsfähig.

Der Fremde fuhr mit seiner feingeäderten, edlen, schmalen Hand über die hohe Stirn.

»Ich sehe Ihre Gedanken, ich sehe sie deutlich. Sie irren. Ich gehöre zu denen, die gesundet sind.«

»Worin besteht denn Ihre Freiheit, und wie gelangt man zu ihr?«

Der Angeredete legte die Hände auf die Brust und schwieg eine lange Weile, während er beständig die reinen Augen auf Thomas gerichtet hielt.

»Erinnern Sie sich nicht«, sagte er kaum hörbar, »daß ich Ihnen den Weg durch die Pforte wies, den Weg von Karma zum Nirwana – vom Willen zum Wissen und zur Weisheit – vom Leben zur Erleuchtung und zum Frieden? Kennen Sie nicht die Geschichte vom Prinzen Siddhârta Gautama?«

»Ich habe sie vergessen!«

»Wollen Sie sie hören?«

Thomas nickte. Ihm wurde fremd zumute. Er erinnerte sich jetzt auch klar an jene erste Begegnung. Die Stimme des Menschen wirkte auf ihn wie ein leiser, feiner Sprühregen, den man nicht zu hören vermag, den man empfindet. Und zuweilen bekam sie etwas wie Musik, die ganz von weitem tönt, von fernem Wasser sehnsüchtig herüberklingt. So etwas Rührendes hatte sie, so etwas Schlichtes und Einfältiges wie die langgezogenen Töne einer Harmonika in einsamer Stille ...

»Es kam die tiefe Nacht«, begann der Fremde und schloß dabei die Augen, »wo der Prinz Siddhârta vom Geschlecht der Cakyas, geboren zu Kapilawastâ, den Königspalast verließ, von seinem jungen, schlanken Weibe Yasodhara, von seinem einzigen Sohn, den sie ihm geboren hatte, sich trennte, ein Bettlergewand anzog und in das Dunkel ging, um ein heimatloser Wanderer, ein verachteter Schüler zu werden. In den einsamen Dschungeln des Uruvela führte er sechs Jahre ein Büßerleben, rang und rang in Sehnsucht und Verzweiflung«, wiederholte er mit hauchender Stimme ... »Aber an dem Tage, wo das große Wissen über ihn kam, da erzitterte die Erde mit den Meeren und Bergen wie ein bewußtes Wesen ... wie eine liebende Braut, die gewaltsam von ihrem Bräutigam gerissen wird – wie die Blumengehänge an einem Weinstock, die unter den Stößen des Wirbelwindes beben ... Dann aber zog er nach den Ufern des Nairanjara ... Unter dem Schatten des mächtigen Bodhibaumes marterte er sich in seinen Zweifeln und Ängsten vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang ... Und als der Tag zur Neige ging, da war er der Buddha geworden – der Erleuchtete, der den Sieg über sich selbst gewonnen, das größte Mysterium des Lebens gelöst hatte ... Das Mysterium des Lebens«, flüsterte er. Bei diesen Worten wechselte er die Farbe, während seine bleichen Augen noch heller wurden.

»Ich kann jetzt nicht weiter sprechen«, sagte er mühsam.

Er winkte dem Mädchen, das die Speisen verabreichte, und bezahlte seine Milch.

»Ich heiße Matthäus Lind und wohne am Krögel 4, für den Fall, daß Sie mich wiedersehen wollen«, setzte er hinzu.

Und mit einer auffallenden Hast, ohne eine Antwort abzuwarten, eilte er davon.

Was hat denn das alles zu bedeuten? fragte sich Thomas furchtsam. Träume ich? ... Bin ich wach? ... Was will denn dieser Mensch von mir?

Und in einem völlig anderen Gedankengange wurde er auf einmal schamrot. Er mußte an die Katharina denken und an die letzte Szene, die er mit ihr erlebt hatte. Wieder hatte er versucht, ihr in Güte zu nahen.

Da war sie dicht auf ihn zugetreten und hatte ihn angesehen mit Augen, die weit geöffnet und lüstern waren, und ihre dunkle Haut hatte geleuchtet.

Nein, nein, nein, hatte er nur gestammelt. Und in namenloser Angst war er zurückgewichen.

Der Ausdruck ihres Gesichts wurde feindselig, und als ob sie das klar empfände und ihn zu täuschen suchte, mühte sie sich zu lächeln. Aber auch ihr Lächeln drückte etwas Feindseliges aus.

Mit hoffnungsloser Miene hatte er sich abgewandt.

Die Erinnerung an den Vorgang, die sich ihm jetzt ohne jeden Übergang aufdrängte, bereitete ihm körperlichen Schmerz. Und wieder stellte er an sich die Frage: Warum habe ich sie geheiratet? War es der Hunger nach Wärme? Konnte ich mir dann nicht einen Hund nehmen? ... Nein, nein, das war es nicht allein. Es war etwas anderes ... Ich glaubte, sie erlösen zu können ... ich dachte nur daran ... ich hatte den Wahn, sie zu erlösen ...

Die Schwachen, die erlösen wollen, sind geisteskrank, fügte er hinzu. Ich bin schwach – ich wollte erlösen – also war ich damals schon geisteskrank ...

Er lächelte trübe, daß er etwas, das im innersten Kern morsch und faul war, hatte gesund machen wollen ... das war entweder Schwachsinn oder – oder geistiger Hochmut. Und ich will ein Arzt sein! ...

Sein Gesicht wurde weinerlich.

Ich hatte doch solches Mitleid mit ihr, und einen so starken Glauben hatte ich! ... Trifft mich darum wirklich solche Schuld? Bettina! ... Bettina! ...

Warum hatte er sich von ihr abgewandt und ihr seit jener Zeit nicht mehr geschrieben?

Ich weiß es, sagte er hart, ich schämte mich vor ihr. Ich wandte mich von ihr ab aus Scham. Aus elender, feiger Scham wandte ich mich von ihr ab.

Und nun wurde es ihm auf einmal deutlich, daß sein größtes Vergehen, die schwerste Versündigung gegen sich und sie in dieser seiner Abkehr bestanden hatte.

Es hämmerte und klopfte in seinen Schläfen.

Nein ... nein, auch das stimmte nicht. Ich mied sie mit allen meinen Gedanken, weil ich schuldbeladen – weil ich ihrer nicht wert war ... Das war es, das war es allein.

Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, und ohne seine Speisen nur berührt zu haben, wollte auch er sich entfernen.

»Sie haben noch nicht bezahlt«, sagte die Kellnerin, »ich bekomme vierzig Pfennig.«

Langsam zog er sein Portemonnaie, reichte ihr Groschen für Groschen und lächelte dabei weltfremd. Dann verließ er gesenkten Hauptes die Speisehalle.

Auf dem Nachhausewege ging er zum Drucker – ein Gang, der ihm sauer wurde. Er mußte um Frist bitten. Es gab keine Möglichkeit, die letzte Rechnung zu begleichen.

Er wurde in das Kontor geführt, wo er einige Minuten warten mußte. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Endlich öffnete sich die Tür. Ein untersetzter Mann trat ein.

»Sie wünschen, Herr Truck?«

Er fuhr ein wenig empor. Mit der Rechten stützte er sich auf den Schreibtisch, während seine Linke unsicher und tastend über das Haar irrte. Stockend brachte er sein Gesuch vor.

Der Mann hörte ihn ruhig an und sah nur zuweilen in das versorgte Gesicht des Sprechers.

»Ich habe nichts dagegen! Im übrigen ist es mir angenehm, daß Sie hier sind! Offen gestanden«, fuhr er zögernd fort, »ich habe keine rechte Lust mehr, den ›Festsaal‹ weiter zu drucken. Man hat«, er machte eine kleine Pause und strich seinen Knebelbart zurecht, dann wiederholte er: »man hat polizeilicherseits vor ein paar Tagen vertraulich bei mir angefragt, in welcher Auflage der ›Festsaal‹ erschiene und wohin er ginge. Ich habe selbstverständlich«, er warf sich ein wenig in die Brust, »jede Auskunft verweigert: Geschäftsgeheimnis! Darüber ist kein Wort zu verlieren! Aber sehen Sie, viel Gutes höre ich nirgends über Ihr Blatt! Und wenn ich aufrichtig sein soll – ich bin schon von verschiedenen Seiten gewarnt worden ... ich hätte nichts dagegen, wenn Sie wo anders ... Schließlich möchte man sich keine Ungelegenheiten machen. Man hat genug Sorgen, daß man zu Rande kommt!«

Thomas erwiderte nichts. Er hatte nur zerstreut zugehört. Er nickte zu allem.

Auf der Straße dachte er daran, die Katharina irgendwo aufs Land zu bringen, zu einfachen Leuten, die abseits und einsam wohnten. Vielleicht, daß sie hier gesundete. Er konnte ihre Nähe kaum noch ertragen. Er sah sein Ende. Er wollte ihr in Güte zureden. Was konnte sie schließlich dafür, daß sie willensschwach war! Gab es denn überhaupt eine Schuld? ...

Die alte, ewige Frage, an der sich die Menschen die Köpfe zerbrochen, die Hirne zerrieben hatten.

Er fühlte, daß er ein paar Wochen des Alleinseins brauchte. Für sie und ihn konnte daraus Rettung werden.

Für ihn? ... Er empfand, daß alles tot und hoffnungslos in ihm war. Er wollte auch nicht an sich denken. Mit aller Energie wollte er versuchen, sie zum Bewußtsein ihrer selbst zu bringen.

An der Aufgabe mußte er festhalten. Er würde es ihr sagen.

Er beschleunigte seine Schritte, achtete nicht des Unwetters und atmete erst auf, als er vor seiner Wohnung angelangt war. Es war ihm eine unabweisbare Erkenntnis, daß er sie dazu bringen mußte, daß er sie nur so retten konnte.

Dieses Wort »retten« verursachte ihm geradezu Pein. War der ganze Rettungsgedanke nicht einer der Grundirrtümer der Menschen!

Was war das nur für ein sonderbarer Heiliger, den er zufällig im Speisehause wieder getroffen hatte! Wo wohnte er? Am Krögel 4. Nie hatte er die Straße nennen hören. Was gab es überhaupt für merkwürdige Menschen! Der Simpelste war so kompliziert, daß man ihn nicht zu entwirren vermochte.

Müde schloß er auf. Er öffnete das Wohnzimmer.

Die Katharina lag auf dem Sofa ausgestreckt, sprang aber sofort bei seinem Eintritt mit einer bei ihr außergewöhnlichen Beweglichkeit empor. Ihr Gesicht war gerötet, sie blickte ihn gespannt, fieberhaft an.

Ahnt sie etwa, was ich ihr sagen will? fragte er sich.

Er betrachtete einen Augenblick seine abgemagerten Hände, dann raffte er sich auf und teilte ihr in ruhigem Ton sein Vorhaben mit. Er sprach leise und freundlich, als ob er an ihr Schuld hätte.

Sie ließ ihn nicht ausreden. Ein Ausdruck maßlosen Zornes beherrschte ihr Gesicht.

»So, dann ist ja alles klar ... für so dumm hältst du mich also? ... Gott sei Dank, daß ich rechtzeitig hinter den Schlich gekommen bin!«

Triumphierend zog sie einen zerknitterten Brief hervor.

»Deshalb willst du mich wohl aus dem Hause schaffen? ... Deshalb also?«

Er sah sie verständnislos an. Er begriff sie nicht.

»Das hast du ja recht schlau eingefädelt!« Ihre Lippen kräuselten sich hochmütig. »Ich rühre mich nicht von der Stelle – hörst du, ich rühre mich nicht von der Stelle.« Und in einem Tone des Hohnes fragte sie, während sie den Brief in die Höhe hob: »Wer ist denn diese edle Jungfrau?«

Einen Augenblick starrte er sie wortlos an. Dann hatte er ihr mit einer raschen Bewegung das Kuvert aus den Händen gerissen. Es trug den Poststempel Paris. Es hatte die Schriftzüge der Bettina. Seine Hände zitterten. Vor seinen Augen wurde es dunkel. Alles ging durcheinander.

Bettina! ... Bettina! ...

Ohne auf Katharina zu achten, war er mit ein paar Schritten aus dem Zimmer. Er drückte den Brief fest an sich. Wie ein Verfolgter stürmte er die Treppe hinab. – – –

In der Luisenstraße wußte er eine kleine Konditorei. In wenigen Minuten hatte er sie erreicht. Kein Gast war da. Er flüchtete sich in den engen Nebenraum, ließ sich auf das eingedrückte, braune Plüschsofa nieder und warf geistesabwesend einen Blick in den großen Spiegel, dessen vergoldeter Rahmen brüchig und schadhaft war.

»Eine Tasse Kaffee?«

Er verstand die Frage nicht. Er nickte mit einem irren Ausdruck.

Als er wieder allein war, zog er den Brief hervor. Soll ich ihn denn lesen? Seine Züge wurden kleinmütig und zaghaft. »Ja, ich will, ich will«, antwortete er sich laut und breitete langsam den Bogen aus.

Er las: »Tom, ich spiele am dritten Dezember in Berlin. Am Ersten komme ich nachmittags fünf Uhr, Bahnhof Friedrichstraße, an. Tom, sei gut mit mir, ich freue mich so unendlich! Bettina.«

»Wa-a-as«, lallte er, und mit beiden Händen hielt er sich den Kopf.

Das Mädchen, das den Kaffee hereinbrachte, betrachtete ihn mit halb neugierigem, halb mitleidigem Blick.

»Wünschen der Herr noch etwas?«

Da sie keine Antwort erhielt, ging sie schweigend hinaus. »Das ... das ... ist ... ja ... nicht ... möglich, das ... das ... kann ja ... das darf ja ... ja gar nicht sein!«

Sein Gesicht bekam etwas unsagbar Rat- und Hilfloses.

»Ja, was ist denn das? Nein ... nein! ... Fräulein!« rief er zitternd.

Das Mädchen war sofort im Zimmer.

»Fräulein«, er wagte sie nicht anzublicken, »Fräulein, der wievielte ist denn heute?« brachte er scheu flüsternd hervor.

»Der Erste!« entgegnete sie kaum vernehmlich, gleichsam von seiner Furcht angesteckt.

»Der Erste? ... Der Erste?« ...

»Gewiß, der Erste!«

Sie ließ ihn wieder allein.

In dieser Sekunde fühlte er, wie sich alles in ihm auflöste. In seinem erregten Zustande kreuzten sich die entlegensten und widersprechendsten Ideen. Es gab da keinen Sinn und keinen Zusammenhang mehr. Er sah die Tamara auf dem Totenbette ... Er sah sich und die Bettina in der Bodenkammer ... Er war plötzlich in der Lichtenstein-Allee bei den Bergs ... Er schritt als kleiner Junge neben dem Vater die Straße entlang und trug die Elektrisiermaschine ... Er lag am Weiher im Garten ... Er stand hoch aufgerichtet in Kellers Fürstensälen und sprach vor dem versammelten Volke, und seine Stimme erfüllte den weiten Raum ... Er stand im Schulzimmer, die Augen trotzig auf den Lehrer gerichtet, als wollte er ihn zum Kampfe herausfordern ... Und dann wieder spielte die Bettina unter blühender Sommerpracht lockende Weisen ... Er sog den Duft der Blumen ein und wiegte sich in den Tönen ... Und alles das zerrann. Um ihn wurde es dunkel ... Nachtvögel schlugen die Flügel zusammen; und wie aus weiter Ferne vernahm er Weh- und Klagerufe ...

Seine Hände tasteten durch das Leere. Er sah sich furchtsam um, goß sich in die Handfläche ein paar Tropfen Wasser und rieb sich die Stirn. Ich muß aufwachen, raunte er sich zu und nahm einen Teelöffel von dem schwarzen Kaffee. Und jetzt stand es bei ihm fest, daß er unter allen Umständen auf die Bahn gehen würde. Er wollte sie wiedersehen. Er wies den Gedanken von sich, vor ihr zu fliehen.

Er zog die Uhr. Es war wenige Minuten nach vier. Wieder schrak er zusammen. Er malte es sich aus, wie qualvoll es gewesen wäre, wenn Bettina, ohne sich anzumelden, ihn in seiner Wohnung überrascht hätte. Er begriff jetzt auch die Katharina. Ein demütiger Zug trat auf seine Miene. – Sie hatte den Brief geöffnet und an ein abgekartetes Spiel geglaubt.

Er erhob sich schwerfällig – müde und entrichtete an der Kasse das Geld. In tiefer Mutlosigkeit durchquerte er die Straßen. Was sollte er ihr sagen, mit welchen Augen sollte er sie ansehen? Gab es überhaupt noch zwischen ihnen ein Band? Nein ... nein, brachte er mit blutlosen Lippen hervor, das ist alles zu Ende! Sie und ich, wir sind aus anderen Welten. –

Es war bereits finster. Die Laternen waren angezündet, der Schnee stöberte beständig weiter, der graue Himmel blickte trostlos hernieder. Über den Stadtbahnbogen der Friedrichstraße sauste gerade ein Zug. Der weiße Qualm schlug wolkig zu Boden. Der Zug mit den erleuchteten Wagen erschien Thomas wie eine einzige brennende Schnur.

Und solch ein Ungetüm, dachte er, bringt in den nächsten Minuten die Bettina.

Warum hat sie mir geschrieben? ... Warum kommt sie? ... Und bei dieser Frage, die er an sich selbst richtete, wurden seine Züge von Leid und Gram noch mehr entstellt. Warum? ... Warum? ...

Er verdeckte sich mit der linken Hand die Augen, als ob er dadurch allem entgehen könnte, richtete sich mit einemmal gerade auf und schloß die Lippen fest aufeinander.

Ich werde dir sagen, Thomas, was du in dieser Stunde denkst: du schämst dich vor dem Wiedersehen? Du kommst dir wie ein Zerbrochener vor, dessen Ehrgefühl es nicht erträgt, daß einer aus der Heimat ihn in seinem Elend sieht.

Das ist ja alles Unsinn, sagte er erschreckt. Bin ich denn verkommen? Nein ... nein, ich führe den Kampf bis aufs Messer ... ich lebe ... ich kämpfe ... ich bin ein Amboß – gut ... ich bin nicht nur Amboß ... ich bin Hammer! ...

Er betrat aufrecht, den Kopf ein wenig zurückgebogen, den Perron.

Als in dem nämlichen Augenblick der Zug einfuhr, stand er in seinem armseligen, abgetragenen Anzuge kerzengerade da. Dennoch fürchtete er jede Sekunde, daß er einen Schwindelanfall bekommen und umsinken könnte. Er hielt seinen Blick unbeweglich auf die Kupees geheftet ...

Und da stand sie dicht vor ihm, wieder wie damals, den Geigenkasten in der Linken. Mit erweiterten Augen sah sie zu ihm empor.

»Tom ... Tom ...!« brachte sie schwer und hilflos hervor.

Und dann schlang sie ihre Arme um ihn, und unfähig sich zu beherrschen, unbekümmert um all die Menschen, fing sie bitterlich zu schluchzen an. Und immer wieder entrang sich ihr nur dies eine Wort: »Tom!«

Langsam gingen sie die Treppe hinab. Sie hielt seine Hand fest wie früher, wo sie als Kinder gespielt hatten; sie hielt sie fest und drückte sie sanft.

In ihm blutete alles. Er hatte nur den einen Wunsch, stark zu bleiben, nicht wie sie in Tränen auszubrechen, nicht vor Erschöpfung und Elend umzufallen ...

Sie standen jetzt am Gepäckschalter. Der Gepäckträger hielt bereits den Koffer und wies auf den Schutzmann, der die Marken für die Droschken austeilte.

Ein paar Minuten später saßen sie in einem geschlossenen Wagen.

Da lehnte Bettina ihren Kopf an Thomas' Schulter, und herzzerreißend wimmerte sie: »Tom, was haben sie aus dir gemacht, wie siehst du aus?!«

Er hatte sich vor ihrem Mitleid gefürchtet, und nun tat es ihm wohl, wie linder Regen den Blüten im Frühling wohl tut. Aber dann kam wieder diese namenlose Angst über ihn. Sie wußte ja noch nichts ... das Schlimmste stand ja noch bevor. Er ergriff plötzlich ihre beiden Hände, und indem er sie flehentlich ansah, stieß er hervor: »Bettina, ich muß dir etwas sagen, hörst du, Bettina?« ...

Ihr Auge verschleierte sich.

»Nicht jetzt«, sagte sie angstvoll, »nicht jetzt, Thomas!« ... Und wie ein krankes Kind streichelte sie seine Hand.

»Bettina, ich muß!«

»So sprich!« Sie lächelte leidvoll.

»Bettina, du mußt, du mußt mit mir gut sein, was du auch hören magst, hörst du, Bettina?«

»Ich höre«, antwortete sie und sah ihn voll Jammer an.

Eine kleine Weile schwieg er still. Alle Leiden, alle Enttäuschungen, alles Weh der letzten Zeit erschien ihm geringfügig im Vergleich zu dem, was ihm bevorstand. Und während er die Daumen der Hände mit den übrigen Fingern hart und fest umschloß, sagte er: »Bettina, ich ... ich ... ich bin verheiratet!« ...

Sie hatte an seiner Miene gehangen, als wollte sie sich jede Linie seines zerstörten, leidensdurchfurchten Gesichts einprägen. Nun, wo er gequält und zerrissen sein Bekenntnis hervorgestoßen, drehte sich ihr alles im Kreise. Sie hörte das Wehen des Todes. Sie sah deutlich, wie der Tod seine Fittiche aneinanderschlug, dann aber blickte sie wieder in seine vergrämten Züge, und auf einmal stieg in ihr ein furchtbarer Gedanke auf, der gleichwohl für sie etwas Erlösendes hatte. Er ist nicht bei Sinnen, sagte sie sich leise. Er ist krank. Er fiebert. Und deutlich meinte sie aus seiner Miene ein irres Lächeln herauszulesen. Laut aber entgegnete sie: »Tom, das ist doch kein Grund, dich so furchtbar aufzuregen!«

»Ich bin verheiratet«, stammelte er noch einmal.

Wieder nahm sie seine Hand, und wie man zu einem Kranken spricht, beruhigend, tröstend, wenn einem selbst das Herz blutet, erwiderte sie: »Nun gut, du bist verheiratet.« Und beinahe schalkhaft setzte sie hinzu: »Jeder Mensch verheiratet sich einmal!«

Da veränderte sich sein Gesicht. Er begriff sie. Ganz plötzlich begriff er sie. Und fast heiser schrie er: »Du hältst mich für krank, Bettina, für gestört, du glaubst es nicht ... Aber so wahr ich neben dir sitze. Bettina, es ist wahr!« Und mit gedämpfter Stimme fügte er hinzu: »Du mußt zu ihr gut sein, Bettina!« Und viele Gedanken überspringend: »Sie kann nichts für ihr Elend, du mußt gut zu ihr sein!« ...

Es stieg unvermittelt eine Idee in ihm auf. Er öffnete die Wagentür und nannte dem Kutscher die Adresse der Brose.

»Du kannst nämlich nicht bei mir wohnen!«

Sie nickte stumm und gedrückt. Alles zog sich in ihr zusammen.

Eine wehe Angst erfüllte sie. Wenn es nun doch wahr wäre ... O Gott, laß es nicht wahr sein ... lieber, lieber Gott, erbarme dich! ...

Sie sah wieder zu ihm empor, und eine feine Scham durchdrang sie.

Was haben sie nur aus ihm gemacht? Was haben sie nur aus ihm gemacht?! fragte sie sich immer wieder.

Die Brose wohnte im vierten Stock einer Hofwohnung in der Lothringer Straße, die im Norden Berlins liegt.

Als es bei ihr läutete und Thomas und Bettina in der Entreetür standen, stieß sie zuerst einen Schrei der Überraschung aus und wich zurück. Dann aber drückte sie in auffallender Zärtlichkeit das Mädchen an sich.

»Ich bin in einer halben Stunde wieder da«, sagte Thomas unruhig.

Die Brose führte Bettina hinein. Sie setzte sich ihr gegenüber. Und als sie das verweinte, blasse Gesicht des Mädchens sah, legte sie ihre Arme um sie.

Bettina stand auf. Ihr drehte sich alles im Kreise.

»Ich will die Wahrheit wissen«, wimmerte sie, und mit beiden Händen hielt sie sich an der Stuhllehne fest.

»Hat er es Ihnen denn nicht gesagt, Fräuleinchen?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Ist er krank? ... Hat er Leid? ... Was fehlt ihm?«

Die Brose kam sich wie ein Henker vor. Der Anblick des gebrochenen Mädchens, das den Reisemantel und Hut nicht abgelegt hatte und so elend vor ihr stand, erschütterte sie.

»Hat er Ihnen denn nichts von der Person erzählt?«

Bettina neigte tief ihren Kopf. In diesem Augenblick sollte die andere ihre Züge nicht sehen.

Und während ihr Herz still zu stehen schien, flüsterte sie: »Ich will alles wissen.«

Da erzählte die Brose stockend, während sie zur Seite trat und das Mädchen nicht anzusehen wagte. Sie hörte auch nicht das Stöhnen der Bettina, das diese mit wunden Lippen in sich hineinbiß.

Er hatte also nicht im Fieber gesprochen! Mit einer anderen, die er damals noch gar nicht gekannt, mit einer, die er von der Straße aufgelesen, hatte er sich zusammengetan, während sie draußen in der Fremde nach ihm gehungert und gedarbt hatte, während sie im tiefsten Leide sein Bild wie das eines Heiligen wachend und träumend bei sich getragen hatte. Er hatte sich für das Leben gekettet, während er ihr in all der Zeit nicht ein Wort hatte zukommen lassen. Nicht einmal von dem wichtigsten Schritte seines Lebens hatte er sie benachrichtigt! In all ihrer Sehnsucht, in all ihrer Trauer hatte sie immer nur an das Wiedersehen mit ihm gedacht. Und nun? ... Warum hatte er nicht eine Silbe an sie geschrieben? Sie preßte die Hände an ihre Schläfen. Sie hätte ja alles begriffen, wenn es jene andere gewesen wäre, aber so ... so? Und dann sah sie wieder seine abgehärmten Züge, und wieder murmelte sie nur: »Tom, was haben sie aus dir gemacht!« Und da begriff sie alles: warum er ihr nicht geschrieben, weshalb er sich ...

Draußen tönten seine Schritte.

Die Brose öffnete. Als er nun hereintrat, da flog sie ihm entgegen, und ihr Gesicht leuchtete auf. Sie sagte nur: »Tom! ... Tom! ...« und schmiegte sich an ihn zart und keusch.

Lange saßen sie beisammen. (Die Brose hatte sich entfernt.) Jedes Wort, das er sprach, wuchs tief in ihre Seele. Sie ließ seine Hand nicht los. Und einmal küßte sie ihn auf die Stirn: »Ich küsse dich wie eine Schwester, Tom!«

Und dazwischen rannen ihr beständig die Tränen über die Wangen, so sehr sie dagegen ankämpfte. Er kam ihr so siech, so matt, so hoffnungslos vor. Sie hatte keine Vorwürfe, kein Wort des Zornes für ihn. Sie sah ihn in seinem Elend, sie sah ihn, wie er blutete, sie sah auf seinen braunen Locken die Dornenkrone.

»Tom«, flehte sie, »sieh mich nicht so an! Stolz und groß sollst du mich ansehen, Tom!« Und in aufschluchzendem Weh fügte sie hinzu: »Du darfst dich nicht unterkriegen lassen, Tom, das Leben darf dich nicht unterkriegen!« ...

Da nahm er ihre Rechte und legte sie an seine Wange.

»Bettina, ich lasse mich auch nicht! Ich bin nur müde und abgearbeitet. Ich kämpfe, Bettina«, sagte er, und seine Stimme hatte etwas Tiefernstes, sie klang ihr wie reingestimmte Glocken. »Ich kämpfe für meine Wahrheit, so lange ich nur kämpfen kann!«

Er schwieg ein paar Minuten, und indem er sie dann groß und tiefäugig ansah: »Gegen niemanden habe ich so schwere Schuld wie gegen dich. Und dennoch«, fuhr er fort, »ist es keine Schuld im gewöhnlichen Sinne. Es kommt mir so vor, Bettina, als ob ich mich jetzt erst begriffe. Wenn ich an dir gesündigt habe« – seine Stimme brach sich, als ob er innerlich leise weinte – »so sündigte ich aus Ehrfurcht vor dir!« Und sich fest an sie klammernd: »Ich hatte so eine namenlose Scham. Du mußt mich verstehen, liebe Bettina.«

Sie zuckte mit keiner Wimper.

»Ich verstehe dich«, antwortete sie, und ein großartiges Glücksempfinden verklarte ihr durchgeistigtes Gesicht. »Ich verstehe dich, Thomas, der du besser bist als alle anderen!«

»Nicht! ... nicht! ... Bettina«, er wehrte mit der Rechten ab.

Sein schmerzhafter und gequälter Gesichtsausdruck vernichtete alle ihre Hoffnungen.

Sie begann zu frieren.

Er war nicht mehr von dieser Welt ... Er lag am Wege ... war an ein einsames Kreuz geschlagen, draußen auf einer schneebedeckten, kahlen Winterhalde ...

Und als ob er plötzlich ihre Gedanken erriete, lächelte er sanft.

»Nein, Bettina, nein, so ist es nicht!«

Sie verstand kaum seine Worte, sie sah nur sein Todeslächeln und barg das Gesicht in die Hände.

Die ganze Nacht, als Thomas längst gegangen war, hatte sie aller Müdigkeit zum Trotz mit der Brose durchwacht. Die Malersfrau saß an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Bis in alle Einzelheiten mußte sie ihr erzählen wie es gekommen war. Wortlos lauschte Bettina. Nur zuweilen fiel ein scheuer Blick auf das Gesicht der anderen. Sie empfand, daß die mit ihr litt. Sie fühlte und hörte heraus, welchen Anteil die Brose an ihm nahm. Auch die, dachte sie schwermütig.

Jedes Wort sog Bettina wie eine Dürstende ein. Jedes Wort der Brose war Balsam auf ihre Wunden. Auch von den Konflikten, die er mit den Freunden gehabt, erfuhr sie, und daß er unbeirrt an dem, was er für recht und gerade erkannte, festhielt.

»Das Leben hat ihn nicht mürbe gemacht«, schloß die Brose. Und leiser fügte sie hinzu, wie stolz er jedes Mitleid zurückgewiesen. »Und doch gibt es nur eine Rettung für ihn: er muß von ihr los, er darf sich nicht unnütz aufreiben und aufopfern.« Das waren die letzten Worte, die die Brose sprach.

In der Nacht schmiedete Bettina die verwegensten und abenteuerlichsten Pläne. Aber jedesmal, wenn sie die Dinge zu einem glücklichen Ausgang geführt hatte, lächelte sie elend. Ich habe ja keine Macht über ihn, sagte sie sich in bitterem Weh. Und dann wälzte sie sich unruhig in den Kissen und errötete in mädchenhafter Scham.

Sie konnte es sich nicht vorstellen, daß er verheiratet, daß er Ehemann war und Tisch und Bett mit einer anderen teilte. Ihr ganzes Empfinden sträubte sich dagegen. Dann wieder beruhigte sie sich damit, daß er nichts, nein, nichts von einem Ehemann an sich hatte. Sein Gesicht war rein und edel wie das eines Jünglings geblieben. Weit eher sah er aus wie ein asketischer Mönch, der sich in Gewissenspein und Seelenqualen marterte. Und auf einmal richtete sie sich in ihren Kissen auf und faltete kindlich die Hände.

»Großer Gott, so soll es sein!« Wie eine Erleuchtung war es über sie gekommen.

Sie wollte zu dieser Frau gehen und sie flehentlich bitten, ihn freizugeben. Kein Vorwurf sollte über ihre Lippen kommen, nur bitten wollte sie, unterwürfig bitten ...

Aber wenn alles Bitten nichts half, wenn jene auf ihren Eheschein pochte, was dann? Ein heißes Gefühl des Zornes stieg in ihr empor, und böse Kindheitserinnerungen tauchten vor ihr auf. Sie dachte an den Haß, den sie all die Jahre gegen ihren Vater genährt hatte. Sie dachte daran, wie sie als kleines Mädchen in ahnungsvoller Grausamkeit ihm die kostbare Amati zertrümmert hatte; sie erinnerte sich, wie in der Zeit ihres künstlerischen Ringens eine der stärksten Triebfedern in ihr der Wunsch gewesen war, ihn durch ihr Können zu besiegen. Und nun fühlte sie, wie auch jetzt eine jähe Grausamkeit in ihr aufwucherte und über sie Gewalt bekam. In der undurchdringlichen Finsternis fiel ihr auch jene Kindheitsszene ein, wo sie im Nachtkittel an Thomas' Schlafzimmer gepocht und ihm das Dolchmesser abgefordert hatte, aus Angst, er könne sich vergehen. Er hatte es ihr willig durch die Türspalte gereicht und sie auf die Stirn geküßt. All die Jahre hatte sie dieses Messer wie eine Kostbarkeit mit sich geführt. Vielleicht konnte es ihr jetzt gute Dienste leisten.

Es fröstelte sie. Sie schlug die Zähne zusammen ... wenn das Thomas wüßte! ... Die Augen wurden ihr immer schwerer, und dennoch konnte sie keinen Schlaf finden ... Wenn ich ihm mit meiner Musik helfen könnte! Und dann wurde ihr Angst in dem Gedanken, daß sie schon in zwei Tagen vor wildfremden Menschen spielen sollte – in diesem Zustand spielen sollte! ... Wie hatte sie sich darauf gefreut, daß sie niemanden sehen, daß sie nur für ihn allein geigen würde – für ihn allein ...

Die graue Wintersonne stahl sich armselig durch die blinden Scheiben, als sie endlich müde und zerschlagen einschlief.

 << Kapitel 73  Kapitel 75 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.