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Der Weg des Thomas Truck

Felix Hollaender: Der Weg des Thomas Truck - Kapitel 43
Quellenangabe
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typefiction
authorFelix Hollaender
titleDer Weg des Thomas Truck
publisherVEB Hinstorff Verlag Rostock
year1988
isbn3356001620
firstpub1902
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20120423
projectid0d7c86f0
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Drittes Buch
Leid – Kampf

I.

Auf weiße Ostern, Winterstürme und Regengüsse war ein Sonnengeflimmer und Gefunkel gefolgt, das leicht und tänzerisch über die schwarze Erde glitt, die Gräser hervorlockte, auf Bäumen und Sträuchern die Knospen wach küßte und mit seinen Strahlen die dunkle Ackerscholle durchflutete. Aber auch die nüchternen Häuser der Stadt sahen heller aus: die kahlen Mauern schienen vergoldet von der jungen Frühlingssonne, die ihre Lichter durch die Fensterscheiben warf und liebäugelnd und sehnsüchtig, zärtlich und weich sich an alles schmiegte, was ihr in den Weg kam. Sie glich einer Mutter, die auf Reisen gewesen und länger, als man erwartet hatte, fern geblieben war. Leer und öde war das Haus gewesen – nun aber tritt sie über die Schwelle, und die Kinder jauchzen ihr entgegen, der Hausvater lacht über das ganze Gesicht, und sie ist doppelt zärtlich, doppelt hingebend und in sich selbst von tief freudigem Stolze, als habe sie wegen ihrer späten Heimkehr jedem etwas abzubitten.

Niemand, so glaubte Thomas Truck, konnte von dem Mysterium der Auferstehung tiefer als er erfüllt sein, niemand den Frühling aus so goldenem Becher trinken wie er ...

Sie stand im duftigen Frühjahrskostüm vor ihm, legte die Hand auf sein Haupt und sah ihn mit guten, frommen Augen an ... und alles um ihn in seiner engen Mansarde war verwandelt.

Er schritt mit ihr über Höhen und Gipfel, durchquerte Wälder und Wiesen, auf denen der Morgentau blinkte und glitzerte; an den Büschen hingen die weißen Tropfen wie wundervolle Perlen, oder wie leuchtende Steine. Und immer höher stiegen sie, Nebelwände hüllten sie ein, Berge und Täler verwebten sich, Bäume und Sträucher, die nur wenige Schritte entfernt waren, nahmen wunderliche Gestalten und Formen an. Die Landschaft lag da, verzaubert, in Urzeiten zurückversetzt, die Bäche rieselten und raunten in geheimnisvollen Lauten. Felswände, steil und jäh, taten sich vor ihnen auf, um gleich darauf im Nebel zu verschwinden; tiefster Einsamkeit Glück durchdrang sie in dieser Stille, die etwas Ewiges hatte. Und dann fielen die Nebel, und durch die weißen Wolken flammte die Sonnenkugel wie ein ungeahntes Gotteswunder, alles und jedes in ihr flüssiges Gold tauchend. Und dann glitt sie langsam und leise auseinander, und das rote Gold versank allmählich in einem silberigen Strom. – – –

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