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Der Weg des Thomas Truck

Felix Hollaender: Der Weg des Thomas Truck - Kapitel 42
Quellenangabe
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typefiction
authorFelix Hollaender
titleDer Weg des Thomas Truck
publisherVEB Hinstorff Verlag Rostock
year1988
isbn3356001620
firstpub1902
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20120423
projectid0d7c86f0
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XXV.

Sie nahmen einen Wagen und fuhren in raschem Tempo zur Bahn. Bettinas Gepäck hatten sie bereits vorher dorthin gebracht. Der Perron war nur mäßig belebt und der Zug auffallend leer. Vor einem Kupee dritter Klasse reichte sie ihm beide Hände, und diese Hände waren feucht und kalt.

»Um des Himmels willen, Bettina, was ist dir?«

»Nichts«, brachte sie geängstigt hervor, und ein zerrissenes, wehes Lächeln schnitt sich in ihre Züge ein ... ein unsagbar scheuer, wunder Ausdruck in ihrem Gesicht, den er nie mehr vergaß.

Er stieg mit ihr in das Kupee ein. Sie setzte sich sofort, legte auf ihren Schoß den Geigenkasten, auf den sie beide Hände tat.

»Geh, ich bitte dich, geh jetzt.«

Er wagte es nicht, sie zu küssen.

Als er ihr schon den Rücken gewandt, rief sie ihn noch einmal.

»Thom, was meinte er mit dem dritten Reiche?«

Sie sah ihn dabei bange an, und ihr Lächeln hatte jetzt etwas Erschütterndes.

»Er meinte«, entgegnete Thomas nach einer kleinen Pause mit schwerer Zunge, »jenes dritte Reich, an dessen verschlossenen eisernen Toren wir mit demütigen Fingern klopfen, das alle diese Menschen in angstvoller Sehnsucht suchen.«

»Das also meinte er.« Und dann wiederholte sie mehr für sich: »Das dritte Reich!«

Eine flüchtige Spanne Zeit standen sie sich in letztem, tiefstem Schweigen gegenüber.

»Gute Nacht, Thom«, hauchte sie endlich.

»Gute Nacht, Bettina.«

Ohne daß sie ihn zu sehen vermochte, blieb er auf dem Bahnsteig ... und als der Zug sich längst in Bewegung gesetzt hatte, schritt er auf dem menschenleeren Perron immer noch auf und nieder. Die Beamten warfen verdächtige Blicke auf ihn, aber er sah es nicht einmal. Er schritt gepeinigt auf und nieder. Er konnte sich nicht von der Stelle trennen, wo er sie vielleicht zum letzten Male gesehen hatte.

Endlich klopfte ihm jemand auf die Schulter und sagte: »Ich denke, Sie sollten jetzt nach Hause gehen.«

Er zuckte zusammen, starrte den Menschen verwirrt, wie geistesabwesend, an, stammelte ein paar zusammenhanglose Worte, und sich fest auf das Geländer stützend, ging er langsam die Stufen hinab. – – –

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