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Der Waldläufer

Gabriel Ferry: Der Waldläufer - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorGabriel Ferry
titleDer Waldläufer
publisherVerlag Lothar Borowsky
illustratorGustave Doré
translatorDr. G. Füllner
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070807
projectid2a1dd165
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27 Die Steppe aus der Vogelperspektive

Ungefähr vierzehn Tage nach dem letzten von uns erzählten Ereignis – das heißt, nach dem Sturz und dem Verschwinden Tiburcio Arellanos' oder vielmehr Fabians von Mediana im Salto de Agua – fanden andere Szenen in einer Gegend der Steppen statt, die sich vom Präsidio von Tubac bis an die mexikanische Grenze ausdehnen. Bevor wir jedoch die handelnden Personen wieder aufsuchen, wollen wir den Schauplatz beschreiben, auf dem sie uns wieder begegnen werden.

Die weiten Ebenen, die Mexiko von den Vereinigten Staaten trennen, sind nur durch die ziemlich schwankenden Berichte der Jäger und der Goldsucher in einem Teil des Landes bekannt, der durch den Rio Gila und seine Nebenflüsse gerade am wenigsten bewässert ist. Dieser Fluß, dessen Quelle in den fernen nördlichen Bergen liegt, ist der einzige, der unter verschiedenen Namen einen unermeßlich ausgedehnten, sandigen und baumlosen Landstrich durchströmt, dessen dürre Einförmigkeit nur durch die von den Regenwassern ausgehöhlten Schluchten unterbrochen wird; aber diese Gewässer verwüsten, ohne zu befruchten.

Der steinige Boden zeigt dem Reisenden nur die abschüssigen Schluchten – das Bett ausgetrockneter Gießbäche –, die seinen Marsch hemmen, ohne irgendeine Nahrung für ihn oder sein Pferd zu bieten. Der Damhirsch und der Büffel fliehen diese Einöden, wo höchstens ein spärliches Gras zu wachsen scheint, das schon vertrocknet, ehe es nur ausgewachsen ist. Selbst die Indianer durchstreifen sie nur, wenn der sengende Wind, der einen Teil des Jahres in diesen Steppen weht, vorüber ist.

Wir führen den Leser an einen Ort, der etwa sechzig Meilen vom Presidio von Tubac und etwa hundert Meilen von der Grenze der Vereinigten Staaten entfernt ist. Die Sonne neigt sich nach Westen und sendet schon schrägere Strahlen herab. Das ist die Stunde, wo der Wind, obgleich er immer noch durch die Ausstrahlungen des glühenden Sandes erhitzt ist, doch nicht mehr aus der Öffnung eines Schmelzofens herauszuwehen scheint. Es mochte etwa vier Uhr nachmittags sein. Leichte, weiße Wolken, die anfingen, eine rosige Färbung zu bekommen, bewiesen, daß die Sonne zwei Drittel ihres Laufes vollendet hatte.

Mitten am unermeßlichen Himmel, dessen dunkler Azur hier und da hinter Wolkengruppen verschwand, schwebte ein Adler bewegungslos über der Steppe. Er war hier der einzige Bewohner dieses Luftmeeres. Von dem erhabenen Punkt aus, wo der König der Vögel sich majestätisch wiegte, konnte sein durchdringendes Auge menschliche Geschöpfe auf den Ebenen der Erde zerstreut erblicken; die einen bildeten eine Truppe, die anderen waren ziemlich weit davon entfernt, so daß sie nur ihm allein sichtbar waren und einander nicht sehen konnten.

Gerade unter ihm dehnte sich ein unregelmäßiger Kreis aus, der durch eine natürliche Hecke von großen Kakteen mit scharfen Spitzen und stachligen indianischen Feigenbäumen gebildet wurde. Einige wenige Eisenholzgebüsche mischten ihr bleiches Laub unter die Feigenbäume und die Kakteen. An dem einen Ende dieses Kreises erhob sich ein Hügel mit flachem Gipfel einige Fuß hoch und beherrschte diese Umzäunung nach allen Seiten hin. Rings um diese Verschanzung, bei deren Errichtung die Hand des Menschen sich nicht beteiligt hatte, lagen kalkige Strecken, sandige Heide oder eine Anzahl nacheinander folgender kleiner Hügel, die wie versteinerte Wellen in diesem Sandozean aussahen.

Ein Trupp von ungefähr sechzig Reitern war in dieser Umzäunung von Kakteen und Gebüsch abgestiegen. Die Flanken der Pferde dampften wie nach einem angestrengten Marsch. Es war ein verworrener Lärm von Rufen, Wiehern der Pferde und Klappern von Waffen aller Art, denn dieser Reitertrupp schien kein gewöhnlicher zu sein. Lanzen mit roten fliegenden Fähnchen, Musketen, Büchsen, Doppelgewehre hingen noch am Sattelbogen. Von den Reitern putzten die einen ihre Pferde; andere lagen auf dem Sand im spärlichen Schatten der Kakteen und dachten nur daran, sich vor allem nach einem ermüdenden Tagesmarsch auszuruhen, auf dem die glühende Sonne die Glieder ebenso erstarrt wie die Kälte in der nördlichen Zone.

Etwas weiter zurück kamen die beladenen Maultiere zu der für das Nachtlager gewählten Stelle, und noch weiter zurück, hinter diesen, fuhren schwer beladene Wagen – zwanzig an der Zahl – in einer krummen Linie; die vorgespannten Maultiere zogen sie in langsamstem Schritt heran.

Endlich entdeckte das Auge des Adlers in der Richtung, der die Reisenden hatten folgen müssen, noch ohne Mühe, was das Auge keines Reiters oder Wagenleiters mehr sehen konnte: nämlich Leichname von Menschen und Tieren, die auf diesen dürren Flächen verstreut lagen und die den blutigen Weg bezeichneten, den diese Expedition von Abenteurern mitten unter stets erneuerten Kämpfen und unter den Gluten eines feurigen Himmels hatte machen müssen. Man hat gewiß schon die Schar Goldsucher unter den Befehlen Don Estévans wiedererkannt.

Als die Maultiere und die Wagen das Nachtlager erreicht hatten, gab es zwar einige Verwirrung, aber sie dauerte nur wenige Augenblicke. Die Wagen waren bald abgeladen, die Maultiere ausgespannt, die Pferde abgesattelt. Die Wagen wurden nun Deichsel an Deichsel mit eisernen Ketten zusammengebunden, und die Packsättel der Maultiere füllten mit den übereinandergelegten Sätteln der Pferde, mit den Kakteen und den Feigen die Zwischenräume zwischen den Rädern, so daß augenblicklich eine furchtbare Barrikade daraus entstand.

Im Innern des Lagers wurden die Tiere an die Wagen gebunden, Küchengeräte mit dazugehörigen Reisbündeln wurden in die Wagen hineingelegt. Eine tragbare Schmiede wurde aufgerichtet, und diese Kolonie, die wie durch ein Wunder aus der Erde emporgewachsen zu sein schien, war bald in voller Tätigkeit. Der Amboß ertönte von den Schlägen des Hammers, mit denen man die Hufeisen oder die Beschläge der Wagenräder in die gehörige Form brachte.

Ein reichgekleideter Reiter, dessen Anzug jedoch von Staub und Sonne verblaßt war, saß auf einem schönen Schweißfuchs und war allein inmitten des Lagers, das sein Auge in allen seinen Einzelheiten sorgfältig prüfte, im Sattel geblieben. Der Herzog von Armada, der Chef der Truppe, war leicht in diesem Reiter wiederzuerkennen.

Unterdessen waren drei Männer beschäftigt, auf dem Gipfel des kleinen Hügels die Pflöcke eines leinenen Zeltes in die Erde zu schlagen. Als das Zelt aufgerichtet und mit Stricken befestigt war; als auf dessen Spitze ein entfaltetes Banner mit sechs goldenen Sternen im azurenen Feld und der Umschrift »Ich werde wachen« im Wind flatterte, stieg der Reiter ebenfalls ab; er schien einem seiner Leute einen Befehl zum Überbringen zu geben, denn dieser stieg wieder auf und ritt aus dem Lager. Darauf ging der Herzog mit nachdenklicher Miene in das Zelt.

Alle diese Vorbereitungen hatten kaum die Zeit von einer halben Stunde in Anspruch genommen, so sehr schien die Gewohnheit alles vereinfacht zu haben. Zur Rechten des Lagers – in östlicher Richtung, aber noch weit hinter den wellenförmigen Hügelreihen – erhob sich aus dem Sandmeer ein breites, dichtes Gehölz von Gummibäumen und Eisenholz, den einzigen Bäumen, die in diesen verlassenen Ebenen wuchsen.

Eine zweite Reitertruppe hatte im Schatten dieses dichten Waldes haltgemacht. Hier gab es weder Wagen noch beladene Maultiere und keinen Verhau irgendwelcher Art. Aber das war nicht die einzige Verschiedenheit, den die letztere Truppe mit der ersteren darbot. Sie schien mehr als doppelt so stark zu sein. An dem bronzefarbigen Teint der Reiter, von denen die einen fast nackt, die anderen mit einem weiten, flatternden Lederanzug bekleidet waren; am Kopfputz, auf dem die Adlerfeder schwankte; an der gelben Ockerfarbe, mit der ihre Gesichter bemalt waren; am wilden Zierat ihrer Pferde konnte man leicht eine Abteilung Indianer auf einem Kriegszug erkennen.

Zehn von ihnen – ohne Zweifel die Anführer – saßen in ernster Haltung rund um ein Feuer, das mehr rauchte als brannte, und ließen das Kalumet oder die lange Beratungspfeife von Hand zu Hand gehen. Die vollständige Rüstung eines jeden Häuptlings – das heißt, ein lederner Schild, mit dicken Fransen aus ähnlichen Federn besetzt, wie sie sich an ihrem beweglichen Kopfputz fanden, eine lange Lanze, eine Streitaxt und ein Messer – lag an der Seite eines jeden auf dem Sand.

In einiger Entfernung vom indianischen Beratungsfeuer – weit genug, um die Worte der Ratsversammlung nicht hören zu können – hielten fünf Krieger je zwei sonderbar aufgeschirrte Pferde am Zügel; ihre hölzernen Sättel waren mit rohem Leder überzogen, und Fuchspelze schmückten ihr Hinterstück. Es waren die Pferde der zehn Häuptlinge; die fünf Krieger schienen nur mit großer Mühe die feurigen Tiere zu bändigen. Während das Kalumet seinem Nachbarn gereicht wurde, zeigte einer der Häuptlinge den anderen mit dem Finger einen Punkt am Horizont. Die Augen eines Europäers hätten an dem azurenen Himmel nur eine kleine graue Wolke mehr gesehen; aber das Auge des Indianers unterschied dort eine leichte Rauchsäule, die sich wirbelnd aus dem rings eingeschlossenen Lager der Weißen erhob.

In diesem Augenblick brachte ein indianischer Bote ohne Zweifel irgendeine wichtige Nachricht, denn alle Reiter gruppierten sich um ihn.

Jetzt entdeckte das Auge des Adlers zwischen dem Lager der Indianer und dem Verhau der Weißen noch einen Reiter; aber allein und ohne daß er von den Weißen und den Indianern gesehen werden konnte. Es war dies offenbar der Reiter, zu dessen Suche, wie wir gesehen haben, einer aus dem Lager der Goldsucher abgesandt war. Er ritt einen grauen Apfelschimmel und hielt jetzt an, und sein Pferd schien mit ausgestrecktem Hals und offenen Nüstern ebenso wie sein Reiter eine noch unsichtbare Spur zu suchen. Der Reiter trug den Lederanzug der Weißen, und seine – wenn auch sonnverbrannte – Gesichtsfarbe bewies hinlänglich, daß er der weißen Rasse angehörte.

Der Mann zu Pferd war Cuchillo; er schlug plötzlich die Richtung mitten durch die Steppe ein und ließ dann sein Pferd den Gipfel einer Anhöhe in der Ebene ersteigen. Hier angelangt, fuhr er vor einem zweifachen Anblick zurück, denn seine Augen richteten sich abwechselnd auf die Rauchsäule, die sich aus dem Lager der Abenteurer erhob, und auf das Biwak der Indianer.

Die Indianer bemerkten ihn aber ebenfalls, denn ein langes Gebrüll wie von hundert Panthern erhob sich zum Himmel, und der durch den Aufruhr erschreckte König der Vögel verlor sich bald wie ein schwarzer Punkt mitten in den Wolken.

Der Bandit entfloh mit verhängten Zügeln nach der Rauchsäule hin, als er die Indianer wie hungrige Wölfe auf einer Hirschjagd zu seiner Verfolgung aufbrechen sah. Endlich unterschied sich noch weiter am Horizont – doch kaum dem Adler selbst sichtbar – eine andere Männergruppe ziemlich undeutlich inmitten eines leichten Nebels. Ihre Stellung war so, daß sie ein Dreieck mit den beiden Lagern – dem der Rothäute und dem der Weißen – bildete. Jener Nebel war durch die Ausdünstungen eines ziemlich breiten Flusses erzeugt, dessen Ufer von Bäumen beschattet waren und der in seinem Lauf eine kleine, dicht bewachsene Insel bespülte. Mitten auf diesem Eiland befanden sich augenblicklich die zuletzt angeführten Personen. Waren es aber zwei oder drei oder vier – das konnte man vor Nebel nicht unterscheiden. Doch überstieg ihre Zahl wohl nicht die zuletzt genannte.

Dieser Teil der Steppe, dessen verschiedene Bewohner wir kennengelernt haben, endete an dem obenerwähnten Fluß. Er strömte von Osten nach Westen, teilte sich eine Meile westlich von der Insel in zwei Arme und bildete ein weites Delta, das von einer Bergkette begrenzt wurde; aber ein dichter Nebel bedeckte diese Anhöhen, und das Auge Gottes allein hätte diesen Dunstschleier durchdringen können, der – je nachdem die Sonne sich ihrem Untergang zuneigte – auch lebhaftere violette und azurfarbige Schattierungen darbot.

In diesem Delta, das mehr als eine Quadratmeile groß ist, beinahe in gleicher Entfernung von der Hügelkette und dem Anfang der vom Fluß gebildeten gabelförmigen Landzunge, lag das Val d'Or.

Um die Erwartung des Lesers nicht länger zu ermüden und seinen Augen nicht bloß schweigende Schatten vorzuführen, wollen wir diesen Schatten zuerst Gedanken, dann Worte und endlich gleichzeitig Handlungen verleihen. Diese verstreuten Gruppen streben nach demselben Ziel; zwei von ihnen aus entgegengesetzten Interessen, die anderen als ihre Nebenbuhler. Einzeln oder vereint werden sie bald zusammenstoßen, wie die von entgegengesetzten Winden gepeitschten Sturmfluten aufeinandertreffen und im unermeßlichen Ozean eine an der anderen zerschellen.

Infolge geschickter, von Pedro Diaz geleiteter Bewegungen hatte die Expedition am Tag vor ihrer Ankunft im Val d'Or die Richtung, die sie eingeschlagen hatte, vor den Indianern seit zwei Tagen verheimlichen können. Aber sechzig Gefährten, mit denen Cuchillo teilen mußte – darauf hatte der Bandit nicht gerechnet. Er mußte diese Zahl vermindern, und unter dem Vorwand, den Weg auszukundschaften, hatte er sich seit zwei Tagen von seinen Kameraden getrennt. Voll Vertrauen auf die Schnelligkeit seines Pferdes und auf die genaue Kenntnis dieser Steppen wollte Cuchillo abermals die Indianer auf die rechte Fährte bringen.

Um ihn seinen Weg finden zu lassen, falls sich etwas ereignete, das war der Grund, warum im Lager ein Feuer angezündet war, dessen Rauch ihm als Führer dienen sollte, und warum Don Antonio de Mediana einem seiner Leute, der sich auch – wie man gesehen hat – aus dem Verhau entfernte, den Auftrag gegeben hatte, das Feld zu durchstreifen, um den Führer der Expedition wiederzufinden. Ein kühnerer Gedanke keimte noch im Herzen Cuchillos; aber die Ausführung dieses Planes sollte ihn nur zu einer schrecklichen Strafe führen, die er so wohl verdiente. Doch hier ist noch nicht der Ort, davon zu reden.

Wir hatten gesagt, daß ein Läufer mit anscheinend wichtigen Nachrichten im Lager der Indianer angekommen war. Dieser Läufer war beim Suchen der Weißen, die er verfolgte, bis an die Ufer des Flusses vorgedrungen; unter den dortigen Weiden versteckt, hatte er auf einer kleinen Insel drei von ihren weißen Feinden bemerkt. Diese drei Männer konnten nach der Beschreibung des Indianers nur der Kanadier Bois-Rosé, der Spanier Pepe und Fabian de Mediana sein, der nun ihre Abenteuer mit ihnen teilte. Es waren wirklich die drei Freunde, die man vielleicht nicht ohne einige Befriedigung wiederfinden wird.

Wir haben Bois-Rosé und Pepe den Schläfer vierzehn Tage vor diesem Augenblick am Rand der Schlucht verlassen, in der der junge Spanier in dem blinden Ungestüm seines Alters und noch besonders aufgeregt durch die Erzählung des gewesenen Grenzjägers von der Ermordung seiner Mutter beinahe sein Grab gefunden hätte. Glücklicherweise war der Sturz nur für das Pferd tödlich gewesen; der Reiter war wie durch ein Wunder gerettet und dem Schicksal entgangen, das ihn auf dem Grund des Salto de Agua erwartet hätte.

Die drei Freunde nahmen also die Verfolgung, die der Sturz Fabians gewaltsam unterbrochen hatte, wieder auf; da sie jedoch gezwungen waren, zu Fuß denselben Weg zu verfolgen, den ihre Feinde zu Pferd zurücklegten, so waren Fabian und die beiden Jäger erst an dem Tag in Tubac angekommen, an dem die Expedition es verließ; das heißt, nachdem sie durch den Sturz Fabians einen Tag verloren, hatten sie nur fünf gebraucht, um zu Fuß ungefähr sechzig Meilen zurückzulegen.

Nun wurde es leichter, der auf ihrem Marsch durch die schwerbeladenen Wagen aufgehaltenen Kolonne von Abenteurern zu folgen; zehn Tagereisen hatten somit die drei unerschrockenen Freunde ebensoweit geführt als die Expedition. Obgleich sie durch die Sorge für ihre Sicherheit genötigt waren, einen Weg einzuschlagen, der von dem, den die Expedition genommen hatte, verschieden war, so hatten sie doch nur selten die Feuer ihrer Lagerplätze seit dem Abmarsch aus dem Presidio aus dem Gesicht verloren. Von einem solchen Gefolge umgeben wie hier, war Don Antonio keineswegs eine leichte Beute.

Als der indianische Läufer, von dem wir vorhin gesprochen haben, seinen Bericht beendet hatte, berieten sich die Apachenkrieger, die zum Rat gehörten, abermals über den Entschluß, der gefaßt werden mußte. Bis hierher gab es unter den Feinden, mit denen sie auf diesem letzten Kriegszug gekämpft hatten, keine zwei Männer, auf die man die Schilderung hätte anwenden können, die der Kundschafter von Bois-Rosé und Pepe dem Schläfer entworfen hatte.

Der jüngste unter den zehn Häuptlingen, der aufgefordert wurde, zuerst seine Meinung auszusprechen, zog langsam den Rauch aus seiner langen Pfeife und sagte: »Die Weißen haben bald die Füße des Hirsches, bald den Mut des Pumas oder die List des Schakals. Sie haben ihre Spuren seit zwei Tagen vor Augen zu verbergen gewußt, die die des Adlers in der Luft ausfindig machen könnten; es ist abermals eine List ihrerseits, ihre Krieger auf der weiten Steppe zu zerstreuen; nach der Insel des Flusses Gila hin also muß man sie suchen. Ich habe gesprochen.«

Nach einem kurzen Schweigen nahm ein anderer Häuptling das Wort: »Die Weißen verfügen offenbar über tausend Kriegslisten; aber haben sie auch die, ihren Wuchs größer zu machen? Nein. Wenn sie im Gegenteil sich so klein machen könnten, daß die Augen des Indianers sie nicht sähen, so würden sie es tun. Unsere Feinde kommen aus dem Süden; diejenigen, die man eben gefunden hat, kommen aus dem Norden; wir dürfen also nicht zur Insel hin aufbrechen.«

Als diese beiden entgegengesetzten Ansichten ausgesprochen waren, brach plötzlich das Geheul der Indianer los beim Anblick Cuchillos. Die Apachenhäuptlinge hoben ihre Beratung bis zu dem Augenblick auf, wo die Krieger, die ihn verfolgt hatten, mit der Nachricht zurückkamen, daß sie die Spur zum Lager der Weißen wiedergefunden hätten.

Darauf nahm der zweite Häuptling, der gesprochen hatte, wieder das Wort; er war ein Mann von hohem Wuchs und einer viel dunkleren Gesichtsfarbe als die meisten seiner Gefährten, weshalb man ihm auch den Namen der »Schwarze Falke« gegeben hatte. »Ich habe gesagt, daß die Männer, die aus dem Norden kommen, nicht zu denen aus dem Süden gehören. Ich habe immer gesehen, daß der Norden und der Süden einander feindlich sind wie der Wind, der aus jeder der beiden Richtungen weht. Laßt uns einen Boten zu den drei Kriegern auf der Insel schicken, damit sie sich mit uns gegen die Krieger mit den Wagen verbinden, und der Indianer wird sich freuen über den Tod der Weißen durch die Weißen.«

Aber dieses Bündnis, das Klugheit und Menschenkenntnis geboten hatte, fand im Rat keine Unterstützung. Alleinstehend mit seiner Ansicht, mußte der Schwarze Falke sie fallenlassen, und es wurde beschlossen, daß der Haupttrupp gegen das Lager marschieren, während zugleich eine Abteilung zur Insel aufbrechen sollte.

Eine Viertelstunde später bewegten sich hundert Krieger in der Richtung nach dem Lager hin, während zwanzig andere erprobte Krieger sich zur Insel wandten, dürstend nach dem Blut der drei Männer, die sich augenblicklich noch in deren Schutz befanden.

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