Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Stefan Großmann >

Der Vorleser der Kaiserin

Stefan Großmann: Der Vorleser der Kaiserin - Kapitel 11
Quellenangabe
typenovelette
booktitleDer Vorleser der Kaiserin
authorStefan Großmann
year1918
firstpub1918
publisherFritz Gurlitt
addressBerlin
titleDer Vorleser der Kaiserin
pages152
created20131013
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Das Kichern

1.

Während das Publikum in dichten Reihen vor der Bühne stand und dem Schauspieler Friedrich Sonnen in singenden Chören huldigte, stand der rauschend Gefeierte in einem halb beleuchteten Seitengang und las den unterfertigten Vertrag, den ihm Direktor Laube soeben durch den Theatersekretär zugeschickt hatte. Er hörte hinter dem herabgelassenen Vorhang die süße brausende Beifallsmusik der Zuschauer, die nicht fortgehen wollten, das heftige Geknatter der klatschenden Hände und immer wieder von hohen Frauenstimmen gerufen seinen Namen: »Sonnen! Sonnen!« Direktor Laube hatte im Hotel Sacher ein kleines Kabinett für den Abend gemietet, und da saß Sonnen, vom Taumel dieses brausenden Erfolges trunken, inmitten von Kollegen, Theaterfreunden, Schriftstellern, schönen Frauen in ausgeschnittenen Kleidern, unfähig, viel zu sprechen, ausgehungert, erschöpft, entleert, und doch wieder voll wogenden Lebens elektrisch geladen, zu höchster Lebendigkeit 132 aufgestachelt. Er saß ganz still da, trank diesem und jenem wortlos-freundlich zu, ohne den anderen deutlich wahrzunehmen, aß sein Schnitzel und war ganz glücklich, daß ihm dieses Stück gebratenen Fleisches gewissermaßen das Recht gab, zu schweigen und auf seinen Teller zu schauen. Von Zeit zu Zeit hörte er das Klirren von Champagnergläsern, blickte auf, stieß mit seinem Glas an ein anderes, lächelte einer Nachbarin etwas starr zu und spürte, wie ihm die Wirklichkeit in dieser Wolke von Rauch, Müdigkeit, Sekt und nachklingendem Applaus allmählich entschwand . . . . Plötzlich hörte er die Stimme des großen Direktors:

»Nichts hat mich in Ihrer Leistung heute so gepackt wie dieses kuriose Kichern, das Sie dem Franz Moor gaben. Sie verwenden dieses unheimliche Gekicher sehr sparsam, aber jedesmal, wenn Sie es brachten, wurde es totenstill im Hause.«

Der große Schauspieler beugte sich angelegentlichst über sein Schnitzel.

»Sonnen,« rief der Charakterkomiker Wessely über den Tisch, »du errötest ja lieblich . . . . Wahrhaftig, Herrschaften, seine Wangen sind glutübergossen.«

Laube griff ein: »Lassen Sie ihn doch ruhig essen, Wessely; ich wüßte freilich gern, wie Sie zu diesem merkwürdigen Kichern gekommen sind.«

133 Friedrich Sonnen kaute ruhig zu Ende, so konnte er sich innerlich soweit sammeln, um wieder ohne Unsicherheit um sich zu blicken. Er verbeugte sich mit der Verbindlichkeit eines wahrhaft höflichen und dankbaren Gemütes zu Laube hinüber und sagte: »Ich wußte, daß ein Lob von Ihnen, Herr Direktor, ganz besonders sachverständig sein werde. Nachdem Wessely, der Schurke, mein Erröten öffentlich ausgestellt hat, will ich Ihnen aufrichtig gestehen, daß ich auf gar nichts in meiner Rolle so stolz bin, wie gerade auf dieses Kichern. Ich spiele den Franz Moor beinahe wegen dieses Kicherns.«

»Woher haben Sie's denn?« fragte Laube noch einmal. Sonnen lächelte: »Ich könnte mir jetzt mit der Hand durch die Locken fahren, leider hab' ich keine, und mit erstaunten Augen fragen: Hab' ich denn gekichert? Aber . . . . in Wahrheit verdanke ich diesem Kichern meine ganze Schauspielerei. Ich habe es von meinem Mathematikprofessor in der Oberrealschule! Dieser Mathematiklehrer war der perfideste Mensch, der mir im Leben begegnet ist. Wenn wir zitternden Schüler ratlos vor der schwarzen Tafel standen, mit der Kreide in der Hand, unfähig, ein Wort zur Lösung der ausgesucht schweren Aufgaben hervorzubringen, wenn uns in dieser gräßlichen Pause der Angstschweiß auf die Stirne trat, dann 134 konnten wir von Herrn Professor Johannes Dechant, so hieß der Menschenquäler, dieses kurze, unheimliche Meckern hören. Gott weiß, wieviel Selbstmorde, aus dem Gleise geworfene Entwicklungen diesem Kichern zuzuschreiben sind.«

»Hm,« brummte Laube, »ich hätte gedacht, es wäre ein früherer Kindheitseindruck. Ein ganz großer Schauspieler ist man nämlich dann, wenn man die Gesichter und Geräusche, die man als Kind aufnahm und unwillkürlich erzeugte, als Mann wieder auferstehen lassen kann.«

Sonnen hatte nicht genau verstanden und wandte sich wieder seinem Schnitzel zu. Der Zigarrenrauch wurde immer dicker. Die Gläser klirrten wie aus weiter Ferne, die Backen des großen Schauspielers glühten . . . . Wessely, der Charakterkomiker, geleitete ihn nach Hause.

2.

Sonnen saß bei der vierzehnten Probe von »Kabale und Liebe« in dem verfinsterten Zuschauerraum, um sich Wessely als Wurm anzusehen. Mitten in der großen Szene, in der Wurm der armen Luise jenen schmählichen Brief diktiert, hielt es Sonnen auf seinem Platz nicht länger aus. Die Schauspieler auf der Bühne hörten, wie dort hinten, etwa in der sechzehnten Reihe, ein Sitz in die Höhe klappte, 135 dann hörten sie die schnellen Schritte eines Rasenden, die gepolsterte Parkettür schwirrte, wütend aufgestoßen, etliche Male auf und nieder. Wessely blinzelte von der Rampe aus neugierig in die große Finsternis . . . Mit zehn Sprüngen war Sonnen in der Direktionskanzlei.

»Den Direktor!« schrie er den großen Dramaturgen an.

»Bedaure,« erwiderte der Dramaturg, »er ist auf der Probe.«

»Holen Sie ihn!«

»Nach dem Aktschluß, früher darf ich nicht.«

Da warf sich Sonnen in den großen Lederfauteuil und blieb, ohne sich eine Sekunde zu regen, in dem tiefen Sessel liegen, wie er sich hineingeschleudert hatte. Erst, als nach einer halben Stunde Laube eintrat, fuhr Sonnen in die Höhe und sagte mit drohender Kürze: »Ich bitte um fünf Minuten Gehör.«

Gelassen erwiderte Laube, während er die hohe Tür zu seinem Arbeitsraum öffnete: »Bitte, treten Sie ein.«

»Zigarette gefällig?«

»Danke, nein«, sagte Sonnen dumpf.

»Ein Glas Portwein?«

»Danke, nein.«

»Wollen Sie gefälligst Platz nehmen?«

»Nein, ich bin zu erregt.«

»Warum?«

»Fragen Sie mich nicht. Sie wissen es so gut wie ich. Sie sind im Begriffe, mich zu vernichten!«

»Wegen des Wurm? Sie werden alternieren!«

»Ich werde nicht alternieren. Ich alterniere nicht mit Herrn Wessely!«

»Dann nicht.«

Einen Moment blieb Sonnen ganz stille. Dann trat er an Laube heran und sagte, am ganzen Leibe zitternd: »Sie haben mich bestohlen! Verstehen Sie wohl, Herr Heinrich Laube, Sie haben mich in der schändlichsten Weise bestohlen! Zwei Jahre lang sind Sie da unten gesessen und haben mich bei jeder Probe und jeder Vorstellung angestiert und mit Ihren runden Glotzaugen aufgefressen, Sie haben meine Art, zu gehen, und meine Art, Pausen zu machen, meine Stille und meine Steigerungen haben Sie mir abgelauscht und abgeguckt, und nun gehen Sie her und behängen damit einen elenden, mittelmäßigen Kerl, weil ich Ihnen vielleicht zu teuer bin oder weil Sie zeigen wollen, was ein Regisseur kann. Aber ich habe das alles heute gesehen, und ich sage Ihnen, das ist mein Gang, das sind meine Pausen, das ist meine Stimme, was Sie 137 da Herrn Wessely gegeben haben. Das Frechste aber ist dieses Kichern, das Sie ihm aufsetzen, mein Kichern, mit dem ich als Franz Moor Furore gemacht habe. Auch dieses Kichern haben Sie mir gestohlen, jawohl, alles gestohlen!« Sonnen bebte. Laube setzte sich hinter seinen Schreibtisch und sagte unbewegt: »Sonnen, Sie sind doch sonst ein vernünftiger Mensch. Es mag sein, daß Wessely unter Ihrem Einfluß steht, aber . . . .«

»Einfluß hin, Einfluß her, ich kenne Wessely, das tut er nicht, wenn Sie es ihm nicht sagen. Dieses Kichern . . . . haben Sie ihm eingegeben! Sie haben mich für ihn bestohlen.«

Sonnen schüttelte den Sessel in der Hand . . .

Der Direktor erhob sich unwillig: »Herr Sonnen, ich bitte, überlegen Sie Ihre Worte. Ich weiß wohl, daß gerade die besten Schauspieler an der Grenze der Normalität stehen. Aber bleiben Sie an der Grenze! . . . . Ich habe als Regisseur nicht nur das Recht, ich habe die Pflicht, meinem Mitglied Anregungen zu geben. Ich stecke ihn in das beste Kostüm, ich wähle ihm die wirksamste Perücke, ich kann ihm, aus meinem inneren Fundus, auch die beste Nüance geben. Dazu bin ich da.«

Sonnen starrte den Direktor an: »Sie geben also zu, mich geplündert zu haben.«

138 »Bedaure, in diesem Ton können Sie mit Ihrem Direktor nicht sprechen . . . . Ich habe übrigens gar nicht zugegeben, daß man Ihnen eine von Ihren heiligen Nüancen gestohlen hat. Was das Kichern anlangt, so hat es Herr Wessely wohl auf meinen Rat eingefügt, aber es ist durchaus nicht Ihr Kichern, sondern seines oder vielleicht meines.«

»Sooo,« schrie der Schauspieler, »dann werde ich Ihnen beweisen, woher dieses Kichern stammt!« riß die Tür auf und stürzte die Treppe hinunter.

3.

Mit einem kleinen, fast nicht bemerkbaren Lächeln sagte der Landesgerichtsrat zu Sonnen: »Wir haben Ihre Klage verlesen lassen und bis zu Ende angehört, weil wir jedes Rechtsbegehren mit Ernst und Aufmerksamkeit aufzunehmen verpflichtet sind. Sie sind dem Gericht als ein weltberühmter Künstler bekannt. Wir können nicht annehmen, daß Sie sich mit dem Gericht einen Scherz erlauben wollten, aber Künstlerlaunen sind ja nicht ganz auszurechnen, und so frage ich Sie noch einmal, ob Sie Ihr Klagebegehren, womit dem Charakterdarsteller Ignaz Wessely die Verwendung bestimmter schauspielerischer Nüancen, im besonderen ein an bestimmten Stellen 139 vorgebrachtes Kichern untersagt werden soll, wirklich aufrechterhalten wollen?«

Sonnen bemerkte während dieser Rede Laube im Zuschauerraum; der kleine, dicke Kerl stierte ihn wieder mit seinen runden Augen unverwandt an, so daß Sonnen das Bedürfnis fühlte, den Rock zuzuknöpfen, um sich vor diesen plündernden Blicken zu schützen. Während er noch das Auditorium, in dem viele Theaterleute saßen, aufmerksam musterte, war sein Rechtsanwalt Doktor Pfeffer schnell aufgesprungen:

»Wir verharren bei unserem Klagebegehren. Es handelt sich hier, wie wir zugeben, um einen neuartigen Rechtsfall, um den Schutz des schauspielerischen Urheberrechts. Ein Schriftsteller, der einen anderen abschreibt, ist verfehmt. Ein Schauspieler aber soll ganz ungestraft die künstlerischen Mittel des anderen benutzen dürfen? Das widerspricht unserem verfeinerten Rechtsgefühl!«

»Schön,« unterbrach der Landesgerichtsrat, »wir verstehen schon . . . . aber nun möchte ich an Sie selbst, Herr Sonnen, die Frage richten: Angenommen, das Gericht stellte sich im Prinzip auf Ihren Standpunkt, glauben Sie denn wirklich, daß Sie nachweisen können, daß das Kichern des Herrn Wessely identisch ist mit Ihrem Kichern!«

140 Sonnen erwiderte schnell: »Ganz gewiß!«

Mit seinem kleinen, fast unbemerkbaren Lächeln, das Laubes runde Augen sofort aufsogen, fragte der Landesgerichtsrat fast jovial: »Also, verehrter Herr Sonnen, wollen Sie uns gefälligst erklären, wie Sie dieses Kichern als das Ihre nachweisen können.«

Sonnen ging ganz nahe an den Richtertisch heran: »Ich beantrage die Einvernahme des Oberrealschulprofessors Johannes Dechant. Bei ihm habe ich dieses einzige Gekicher erlebt, nie wieder hat ein Mensch so tückisch gekichert, nie wird ein anderer Mensch so verschmitzt, halblaut, vergnügt das Elend eines anderen bekichern . . . .«

Da der Vorsitzende Miene machte, zu unterbrechen, fuhr Dr. Pfeffer, der Rechtsanwalt, schnell in die Höhe: »Im Zuschauerraum ist während der Ausführungen meines Klienten gelacht worden, ich bitte den Herrn Vorsitzenden, jede Kundgebung der Zuhörer zu untersagen.«

Der Landesgerichtsrat erwiderte gelassen: »Ich habe kein Gelächter vernommen, selbst ein Kichern wäre mir nicht entgangen.« Dann wandte er sich an Sonnen: »Wir wollen, gerade weil es sich um einen neuartigen Fall handelt, in Ihnen nicht das Gefühl aufkommen lassen, als hätten wir Ihnen Ihr Recht 141 verweigert. Darum wollen wir wenigstens den Versuch unternehmen, uns mit Ihren Gedankengängen vertraut zu machen! . . . . Gerichtsdiener, rufen Sie den Zeugen Johannes Dechant auf.«

Es erschien ein kleiner, magerer, zappliger, pomadisierter Herr in schwarzem Gehrock, der unruhig nach allen Seiten guckte.

»Kennen Sie Herrn Sonnen?« fragte der Vorsitzende.

Professor Dechant sah den großen Schauspieler mit hurtig auf- und absteigendem Blick an, dann sagte er kurz, fast schnippisch: »Nee, bedaure.«

»Aber ich kenne Sie,« erwiderte Sonnen, »ich war Ihr Schüler in der Oberrealschule in Brünn.«

»Möglich.«

»Erinnern Sie sich noch, Herr Professor, warum mein Mitschüler Heinrich Kurz Selbstmord beging?«

»Weil er durch Liebesgeschichten vom Unterricht abgelenkt wurde.«

»Aber hat er sich nicht gerade nach der Mathematikstunde erschossen, kurz nachdem Sie ihn herausgeholt und vor allen Schülern blamiert hatten. Hat er nicht in seinem Abschiedsbrief ausdrücklich gesagt, ein merkwürdiges Kichern von Ihnen habe ihn ganz aus der Fassung gebracht?«

142 »Ich kann mich nicht an Schülerbriefe, die zwanzig Jahre zurückliegen, erinnern, muß mir aber ganz entschieden den Schutz des Gerichts ausbitten!«

Der Rechtsanwalt Pfeffer schnellte in die Höhe: »Ihre Antwort ist ausweichend!«

Der Vorsitzende sagte, zu Sonnen gewandt: »So kommen wir nicht weiter.«

Aber Sonnen stand da, als wäre er um zwanzig Jahre jünger, die Wangen hochrot, die Augen brennend auf Professor Dechant gerichtet, taub für den Vorsitzenden, nur von dem grimmigen Eifer gegen den alten Peiniger fortgerissen. Der glattrasierte Mensch hatte sein aufgeregtes Schülergesicht wieder. »Er sieht jetzt aus, als trüge er noch kurze Hosen«, sagte Laube zu seinem Dramaturgen.

»Erinnern Sie sich auch daran nicht, daß der Schüler Fritz Neumann einmal, als Sie wieder seine Verlegenheit mit Ihrem giftigen Kichern beantworteten, das Tintenfaß nach Ihnen schleuderte?«

»Genug!« rief jetzt der Vorsitzende, »ich dulde dieses Verhör nicht, Herr Professor Dechant hat sich hier nicht zu verantworten. Ich breche die Vernehmung ab.«

Nach einem Moment der Stille sagte Professor Dechant, nachdem er sich vorher im Saale wie fassungslos nach einem Bundesgenossen umgesehen 143 hatte, »Herr Vorsitzender, ich muß eine Bemerkung machen. Es ist richtig, daß ich in Brünn und leider später auch in Wien mit einem wenig begabten Schülermaterial, zu dem auch Herr Sonnen gehörte, arbeiten mußte. Aber immer habe ich es für die hehrste Aufgabe des Lehrers, ich wiederhole: die hehrste – gehalten, gerade dem gering Begabten nachsichtig und hilfreich zur Seite zu stehen . . . .« Bei diesen Worten kixte seine hohe Stimme vor Erregung . . . . »Meine vorgesetzte Behörde kennt diese meine Schwäche, sie mißbilligt meine Langmut, und mit Recht, denn der Lehrer wirkt wohltätiger, der unfähige Elemente vom Studium energisch fernhält. Aber diese hämische Freude am Scheitern, diese schadenfrohe Feindseligkeit gegen die werdende Jugend, nichts liegt meinem innersten Wesen ferner, ich bin, das darf ich sagen, einer so niedrigen Regung nicht fähig.«

»Gewiß nicht,« begütigte der Vorsitzende, »wir zweifeln nicht daran . . . . Ich frage Sie noch einmal, Herr Sonnen, wollen Sie Ihre Klage nicht lieber zurückziehen?«

»Nein.«

Der Vorsitzende beugte sich nach rechts, nach links, wechselte drei, vier Worte mit seinen Beisitzern und verkündete dann: »Die Klage wird abgewiesen, 144 über den Kläger Friedrich Sonnen wird eine Mutwillensstrafe von 200 Kronen verhängt.«

Während dieser unerwarteten Wendung wurde es ganz still im Saal.

Plötzlich . . . . vernahm man von der Zeugenbank, auf der Professor Dechant saß, ein ganz deutliches, kurzes Kichern. Es waren drei, vier hingemeckerte Laute . . . . Nach einem Augenblick Stille, der das Kichern gewissermaßen umrahmte, brach unter den Schauspielern ein tosendes Gelächter los.

»Direktor,« schrie Sonnen über die Bänke weg zu Laube, »hören Sie? . . . . Mein Kichern!«

Im Lärm hörte man noch die ärgerliche Stimme des Vorsitzenden: »Die Verhandlung ist geschlossen, wollen die Herren den Saal verlassen.«

Professor Dechant verharrte auf der Zeugenbank, bis der aufgeregte Schwarm sich verzogen hatte, dann stieg er, etwas mißmutig, hart ans Geländer gedrückt, die Treppe hinunter.


 << Kapitel 10  Kapitel 12 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.