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Der versunkene Erdteil

Walter Horst: Der versunkene Erdteil - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorWalter Horst
titleDer versunkene Erdteil
publisherLoewes Verlag Ferdinand Carl
illustratorWilly Planck
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160530
projectid036121c9
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27. Kapitel.
Ausklang.

Als Walter Arndt in sorgenvollen Gedanken nach dem kleinen Gasthof zurückkehrte, in welchem er vorläufige Unterkunft gefunden, überreichte ihm der Hausdiener einen Brief, den in seiner Abwesenheit ein Bote der geographischen Gesellschaft für ihn abgegeben hatte.

Der Brief kam aus Dänemark und trug eine ihm unbekannte Handschrift.

Auf der Rückseite fand er den Namen des Absenders: Lord Harry Bentham.

Der Lord schrieb:

Lieber Herr Arndt!

Mit meinem »Meteor« auf der Ostsee kreuzend, erfahre ich eben in Kopenhagen, daß Sie die Unterwelt wieder herausgegeben hat. Ich freue mich aufrichtig darüber. Wenn sie frei sind, kommen Sie mit mir als mein ständiger Reisebegleiter, ich habe mit meiner Jacht eine Expedition nach der Osterinsel vor, welche, wie Sie wissen, noch rätselhafte Reste einer untergegangenen Kultur und eine merkwürdige aussterbende Menschenrasse birgt, vielleicht könnte bei unseren fortzusetzenden Forschungen auch mehr Licht in die Frage des »Atlantis« kommen. Ich pflege nicht viel Worte zu machen. Ich stehe für alles ein, auch für Ihre weitere Laufbahn und werde darüber Ihren Vormund, Kapitän Arndt, verständigen. Aber auf Sie kommt es an. Ihre Antwort – ja oder nein – erwarte ich auf Rügen, Saßnitz-Hafen (Jacht »Meteor«), wo meine nächste Landungsstelle ist.

Ihr
Harry Bentham.

Dieser Brief versetzte Walter in ungewöhnliche Aufregung. Eben hatten ihn schwere Bedenken gequält, daß er die Hilfe seines Onkels noch länger in Anspruch nehmen mußte – und da bot sich ein wunderbarer Ausweg! Nein! Hier durfte er niemanden um Rat fragen, am wenigsten den Kapitän Arndt, der schon aus Zartgefühl nein gesagt hätte, hier mußte er die Entscheidung allein treffen. Er fühlte sich mündig.

War es nicht auch eine besondere Fügung, daß er im Einvernehmen mit dem Kapitän eine Herbstwoche gerade auf Rügen verbringen wollte, an der Fundstätte des seltsamen Götzenbildes, in jenem Fischerhäuschen, das ihn schon einmal beherbergt hatte. Saßnitz lag nicht weit davon, zu Wasser konnte man es in einer guten Stunde erreichen.

Noch hatte er den Wirt im »Krug« nicht von seinem Kommen benachrichtigt. Er kündete auf einer Karte seinen Besuch an, aus Vorsicht nur für einen Tag und schrieb dem Lord einige Zeilen des Dankes. Er teilte ihm zugleich seinen künftigen Aufenthaltsort auf Rügen mit und bat für alle Fälle um eine Zusammenkunft.

Als er seine Post besorgt hatte, atmete Walter auf wie von einer schweren Last befreit. Noch scheute er sich vor dem unbedingten Ja, es kam ihm hart an, die Freunde in der Heimat zu verlassen, Isold, die gütige, zurückzuweisen, aber noch weniger vermochte er Nein zu sagen, er hatte das Gefühl, daß er vor einer Lebenswende stand: ein solches Angebot wie das des großzügigen englischen Milliardärs würde nicht wiederkommen, das wußte er.

Er packte seine Sachen, zwei Tage später reiste er.

Noch war er nicht völlig entschlossen, als er am Strande vor dem altvertrauten »Krug« aus dem Wagen stieg. Draußen auf der ruhigen stahlfarbenen See sah er in einiger Entfernung eine Yacht liegen, das Herz klopfte ihm.

Die Wirtsleute, die mit ihren Kindern den Ankömmling froh begrüßten, erklärten ihm, die Yacht sei nachts angekommen und gehöre einem Engländer. Der habe schon in aller Frühe durch einen Matrosen nach Walter gefragt. Der Matrose habe ein zweites Boot mitgeführt und für Walter dagelassen und außerdem eine Karte für ihn abgegeben. Walter griff hastig danach und las:

Illustration: Willy Planck

Lord Harry Bentham.

I am waiting!

Ich warte, war dabei mit Bleistift geschrieben.

Walter trat nachdenklich vor das rätselhafte Götzenbild in der Wirtsstube. Während der alte Stör ihm schmunzelnd erzählte, man habe ihm für dieses Stück eine beträchtliche Summe geboten, aber er gäbe es nicht her, fühlte Walter, daß von diesem uralten Heiligtum ein dämonischer Zauber auf ihn überging. »Tlaloc« dachte er, der fruchtbare Gott des Wassers, aus dem alles Leben der Erde gestiegen ist, er ruft mich – ich folge diesem Zeichen!

Walter verabschiedete sich von den erstaunen Wirtsleuten, entschädigte sie für den verlorenen Tag, stellte mit Hilfe des alten Stör sein Gepäck in das englische Boot und ruderte hinüber zum »Meteor«. Die Marineflagge des Engländers flatterte im Winde, als er sich der Yacht näherte.

Entschlossen zog Walter die Ruder ein:

»Tlaloc ruft!«

Illustration: Willy Planck
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