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Der Ueberkater Band II

Johann Richard zur Megede: Der Ueberkater Band II - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorJohann Richard zur Megede
titleDer Ueberkater Band II
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
volumeBand 2
printrunFünfzehnte bis siebzehnte Auflage
year1918
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20060526
modified20150128
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Vierzehntes Kapitel

Ich habe die Menschen immer für dumm gehalten, aber sie sind noch dümmer!

Jeanette angekommen – verrückt. Josefa angekommen – noch verrückter. Jedenfalls weiß ich nicht, was ich mit zwei Gesichtern anfangen soll, von denen das eine nach dem galligsten Tintengenuß, das andre nach dem verklärtesten Haschischrausch aussieht. Wenn beide zusammen das Doppelgesicht des Schicksals darstellen sollen, so hat offenbar Josefa die falscheste Glückslarve und Jeanette die echteste Unglücksmaske angelegt. Larven und Masken: in dieser Welt des Scheins ist eben beständig Fasching. Und wer zum Beispiel wie ich die beiden Damen vormittags jede auf ihrem Zimmer gesehen hat: der blonde Kopf starrend auf das Gebetbuch, die Gedanken etwas tiefer, nämlich in der Hölle – dagegen die braunen Augen nebenan leuchtend auf einem Bild, Phantasie etwas höher, nämlich im Paradiese . . . Und wer zum Beispiel wie der Oberkellner die gleichen Damen bei der Table d'hote beobachtet, die Blonde etwas blässer, die Braune etwas rosiger, wie sich's so gehört, aber beide sanft, lächelnd, freundschaftlich . . . Die Menschen, deren Leben ein ewiger Maskentanz ist, gebärden sich in der Gesellschaft wie kurzweilige Eintagsfliegen, in der Einsamkeit wie langweilige Unsterbliche. Und auf dieses verlogene Pack soll man sich nun in irgendeiner Weise verlassen! Ist es denn glaublich? Die gleichen Geschöpfe, die sich die Augen auskratzen möchten, sich aber vor Liebe beinah küssen, sind bei aller innerlichen Komödiantenhaftigkeit doch so miserable Schauspieler, daß der Name Rhyn kaum erwähnt wird, daß sie sich nie nach ihren jüngsten Reiseerlebnissen näher erkundigen, daß sie sich überhaupt ungefähr so geistvoll benehmen, wie ihre geschworenen Freunde, die Hunde, wenn sie einen Knochen vergraben wollen und doch alles zusieht; jedenfalls nicht viel weiser als die Wüstenstrauße, die den Kopf gläubig in den Sand stecken, während der Jäger ihnen bereits die besten Schwanzfedern ausreißt. Mein Freund Talleyrand hat einmal gesagt: »die Sprache sei zum Verschweigen der Gedanken da,« – ich füge hinzu: »aber das Verschweigen noch weit mehr zum Erraten des Verschwiegenen!« Das kleine Gänschen, das glücklich ihre erste Kußsünde binnen hat, wird nie von solchen Kußsünden sprechen. Gesellschaftsnovize! Aber die große Dame, die ihrer zahllosere auf dem Gewissen hat als gefärbte Haare auf dem Kopfe, wird ruhig und gern von andrer Sünden sprechen. Es ist die glückliche Mitte, die alle Sympathien auf ihrer Seite hat, weil sie ehrlicher als Bismarck scheint und darum noch infamer als Metternich lügt. Ueberhaupt die richtige Mitte! Wer eine Malice freundlich ausspricht und eine Gemeinheit sachlich, der wird immer die düpierten Zuhörer auf seiner Seite haben.

Ich machte Jeanette Quedenberg, wie gesagt, eine offizielle Anstandsvisite. Sie sah mich, ließ mich und sagte nur zu der später eintretenden Jungfer: »Schaffen Sie das Tier 'raus!« Kurzsichtige Törin! Aber edle Triebe sind solchen Geschöpfen mit Recht von der Natur versagt. Es war ein Wahn, das eigne große Katzenherz ihr öffnen zu wollen. Ich war nicht etwa empört, mein Mitleid ist immer stärker. Wie sie geartet ist, genügt ein einziger feindlicher Krallenzug, um mich binnen weniger als einer Stunde am Fensterkreuz meines eignen Salons baumeln zu sehen. Es dürfte dies freilich auch ein Bild erhabenen Martyriums sein, aber da dies nur den lebenden Andächtigen, jedoch nicht dem toten Kater zugute kommen würde und da ich von dem Katzenhimmel keine übertriebenen Vorstellungen hege, von wegen zahlloser piepsender Vögel, die unter gänzlicher Verkennung der besten Absichten nur mein Mordkonto bei Petrus belasten würden, so dachte ich vorläufig auf dieser Erde weiter zu wallen, die meiner Ratschläge noch recht bedürftig ist. Josefa ohne mich, welch hoffnungslose, haltlose Frau! . . . Ich bin überhaupt absolut selbstlos, wie ich immer im Unglück merke. Duftende Sahnentöpfe und schwellende Chaiselonguekissen kann ich nun einmal nicht leiden sehen. Jedenfalls werde ich abwarten, ob und wie die Dame sich macht, bis ich mich definitiv zu einer neuen Stelle entschließe. Schlimmstenfalls biete ich der Falbkatze die Pfote zu einer Scheinehe, die ihr ein Märchenglück, mir wenigstens die Hotelküche garantiert. Am Ende ist sie doch eine edle Seele, deren reiner Spiegel nur durch die Prinzessinnenphantasien der hochstapelnden Tochter getrübt worden ist. Mir liegt mehr an einer gesicherten Existenz als an einem erschlaffenden Liebesrausch. Ich traf die Dame heute auf dem Dach und erkundigte mich höflich nach ihrem Befinden.

Ich bin natürlich zu Josefa zurückgekehrt. Ich empfing sie ohne Vorwurf mit selbstloser Wiedersehensfreude. Sie ist ein törichtes, aber gutmütiges Geschöpf, die mir sofort die ganze Kakesbüchse zur Verfügung stellte, im übrigen aber von ihrem verliebten Herzen so präokkupiert ist, daß dieses klopfende Menschenspielzeug zurzeit wohl ihr ganzes Sein ausfüllt. Und wenn die Leute verrückt sind, so muß man eben von ihrer Verrücktheit profitieren. Ich stelle mich verständnisvoll wie nie, und sie ist zum Dank von dieser Treue hochbeglückt, die weit mehr meinem Kopf als meinem Herzen entspringt. Sie hat nämlich offenbar einige Anwandlungen durchzugehen, und dann möchte ich lieber mit. Es ist Zeit! Neulich kroch zum Beispiel ein fabelhafter Riesenskorpion gemütlich über die Souterrainfliesen – ich danke für solches Ende. Die Moskitos umfingen mich, daß ich ganz nervös werde – Biskrafieber auch nicht mein Fall. Aber auf früheren Erfahrungen fußend, bin ich jetzt gegen das ganze Hotel, das ich lieber heut als morgen verlassen möchte, sanft, fast hingebend. Ich möchte jetzt niemand kränken, der mir später schaden kann. Es sind auf einmal alles so unsichere Verhältnisse hier. Dieser verwünschte Rin! Er ist sicher ein sehr mittelmäßiger Pflanzengeograph, und die Gräflichkeit dürfte auch ihren Haken haben. Aber selbst, wenn er im Augenblick vor mir stünde, würde ich ihn meine Abneigung nicht merklich fühlen lassen. Ist es doch das Z der Weisheit im Diplomaten-Abc, daß Liebe und Haß nur vorübergehende Gleichgewichtsstörungen sein dürfen. Man soll scheinen, und muß sein! Selbst treulos, aber von Treue umgeben; selbst weise, aber ein freundlicher Gönner der Schafe; selbst schön, aber den Häßlichen vertraulich zublinzelnd. Und wer einen Feind nicht umschmeicheln kann, weil der ihm schaden könnte, und einen Freund nicht opfern, weil der ihm nichts nutzt, der wird sich im Konflikt zwischen Kopf und Herz verzehren. »Carlo, ich bewundere dich!« Gott, man muß doch seine Erfahrungen verwerten. Im Hafen das Schiff mit Kostbarkeiten vollstauen, aber bei Sturm sich mit Gemütsruhe dieses Ballastes entledigen! Der harte Taler hat eben nur da Wert, wo er gilt, und bei Wilden kommt man mit Glasperlen weiter. Die Moral der Küche sollte auch die Moral der Menschen sein: man pflegt den Kapaun voll Hingebung, bis man ihn ißt. Fette Kapaunen schmecken nun einmal am besten. Dabei kommen Kopf und Herz zu ihrem Recht. Es ist dieselbe Geschichte wie bei der Lokomotive, Josefa: wer gut ankommen will, muß gut fahren, und wenn ein Zug entgleist, wird niemand der Carpenterbremse dankbar sein, die nicht funktionierte! Das Herz ist eine überheizte Maschine, der Kopf der dazu gehörige Regulator. Es könnte sich ereignen, gnädigste Frau, daß Sie schon bei der nächsten Kurve umkippen. Es geht scharf bergab, fahren Sie also mit Kontredampf, solange es noch Zeit ist!


Peter bleibt noch fünf Tage. Sie jagen zusammen mit Engländern und sind sehr befriedigt.

Fünf Tage! Es ist wie eine Galgenfrist des Schicksals. Und ich sehne mich so nach dem Ende hier. Biskra ist mir verhaßt. Ich liebe allein El-Kantara. Die Glücksinsel so nah, so fern! Ich fühle mich auch nicht mehr sündig. Ehe man die Sünde begeht, bereut man, nicht nachher. Und ich kann wieder so inbrünstig beten, das Gesicht immer nach El-Kantara.

Jeanette ahnt nichts, oder sie will wenigstens nicht ahnen. Mir tut sie schrecklich leid! Warum muß man immer in dieser Kampfwelt andern Glück und Leben nehmen, um selbst zu leben und glücklich zu sein? Es ist gewiß traurig! Aber ich konnte doch nicht anders. Und wenn sie ihn auch noch so leidenschaftlich liebte, ich liebe ihn noch leidenschaftlicher. Denn ihm gehört alles, alles von mir. Das wurde mir so recht klar an dem Brief von Mama, den ich bei der Rückkehr vorfand. Ach, sie ist so gut, und ich habe doch an sie gar nicht gedacht im Glück, nicht einen Moment! Ist das der häßliche Kinderundank, von dem geschrieben steht, daß eine Mutter eher sieben Kinder ernähren könne als sieben Kinder eine Mutter, oder ist es das unerbittliche Lebensgesetz, daß die Früchte fallen müssen, wenn der Baum alt? Sie schreibt so weich, so zärtlich, sie freut sich beinah, daß ich ihr so lange nicht schrieb, weil es mir dann wohl besonders gut gehen müsse. »Vergiß mich, mein Kind, aber sei glücklich!« Es ist das heilige Muttergefühl, das ich auch kennen sollte. Wenn sie ahnte, was vorging, was noch vorgehen muß?! Sie wird's vergeben, denn sie ist gut; sie wird's aber nicht verstehen, denn sie ist fleckenlos. Und doch bin ich fest. Ich habe zu rein, zu groß gefühlt, als ich den Altareid brach. Ich fühle mich auch jetzt noch groß und rein. Innerlich wandle ich mich nicht mehr. Es geht ein sehnsüchtiger Friedenshauch durch Mutters Brief. Ich aber bin noch viel zu jung für den Frieden. Ach, daß der Kampf auch liebe Leichen fordert! . . . Aber ich wünschte doch, Peter stünde jetzt vor mir voll guter Lehren, voll eifersüchtiger Vorwürfe. Die Szene ist dann leicht konstruiert, die zwei Menschen scheinbar durch ein Nichts auf ewig trennt. Warum eigentlich die Frist? Ich habe nichts zu überlegen . . . Denn wenn ich überlege, . . . o ich kenne mich!

Und dann gehe ich in die Wüste nach dem Col-de-Sfa zu und bleibe bis Sonnenuntergang.

Die heiße Sonne sticht – ich bin die Saharasonne gewöhnt; das kümmerliche Pflanzenleben siecht – ich muß mich an den Tod gewöhnen; der ekle Lehmstaub wallt auf – auch im Schmutz muß man seinen Weg finden. Und oben auf dem Felsgrat der Blick in den Atlas hinein, wo El-Kantara liegt. Ich sende ihm meine Küsse, meine Grüße. Ich bin bei ihm, glücklich, ich wähne, daß ihn der Lufthauch in den Palmen weicher umfächeln muß, wenn er von mir raunt, mit meiner Liebe ihn umsäuselt. Die große, hehre, unnahbare Wüste, die er liebt um ihres heiß starrenden Medusenantlitzes willen, weil ihm das erst die ganze zähe Kraft weckt, die jede Gefahr überwindet, jede Zeit – diese Wüste sagt mir, daß alles Große vergibt, vergißt, daß nur das Große dauert. Fühle ich klein? – Nein, ich fühle groß! Habe ich eine kleine menschliche Schranke durchbrochen? – Ja, aber nur um die höchste Lebenspflicht zu erfüllen! Und wieder kommt die heiße Sehnsucht, die trunkene Seligkeit heischt. Ich möchte fliegen. O, ich kann's! Ich kann alles angesichts der Größe.

Tief unten eine Kamelkarawane rastend, die Tiere angepflöckt, die Männer im Gebet. Die Sonne sinkt, sie schauen gläubig nach Mekka. Und auch ich knie nieder und bete. In der Wüste mißt man nicht. Auch ich schaue nach Mekka. Du wohnst überall, Gott, wo wir dich glauben!

Beim Zurückgehen in der niedersinkenden Dämmerung, in der alles grau, verschwommen, tot, bis endlich die elektrischen Lampen von Biskra auftauchen, im heißen Dunst wie Irrlichter schwimmend, da habe ich noch einmal durchdacht, was ich machen muß. Keine Szene, kein Kampf, kein Aussprechen, nur das unentwegte: Ich gehe und kehre nie wieder.


Am vorletzten Tag, wo mir Peter depeschierte, daß sie wahrscheinlich mit sinkender Nacht in Biskra eintreffen würden, ging ich nachmittags noch einmal nach dem großen Wehr, das wohl sehr kunstvoll sein muß und eigentlich den Ort ernährt. Ein flaches, weißes Flußbett, wie für einen Riesenstrom bestimmt, aber trocken, hoffnungslos trocken. Und unter jedem glatt gewaschenen Stein, die zahllos wie gebleichte Schädel den Boden bedecken, zur Sommerszeit ein lauernder Skorpion, wie die Eingeborenen sagen. Es war eine so köstliche, zitternde Helle in der Natur! Wo das Graugrün der Wüste stumpf auf Fels und Hügel schimmert, Millionen gelber Heuschrecken, die sich im Schwarm hoben, im Schwarm niederfielen, in der Sonne flimmernd wie Gold. Es ist die Sommerplage Algeriens. Aber die hier sind noch so jung, des Fliegens ungewohnt – und sie sind noch so frei, so glücklich, diese Kinder des Lichts! Ein bettelnder Araberbengel tappt immer neben mir auf dem weißen Flußgeröll, er erzählte, daß er zum Marabut bestimmt sei, also zum Heiligen, und zeigte die schwarzgeringelte Skalplocke auf dem schon rasierten Schädel zum Zeichen dafür. Mich aber interessierten weit mehr die schwirrenden Heuschrecken, diese surrenden Freiheitsträume, und wie es weich gleißte im Hoffnungsschimmer des Glücks. Ich hatte auf einmal sehr stark die Empfindung, daß man, um glücklich zu sein im Leben, frei sein muß, ganz frei, und um jeden Preis! Wenn ich nichts abwartete, nichts sagte, wenn ich von hier stehenden Fußes zu ihm hinübereilte: »Hier bin ich, mein Geliebter!« Dann lasse ich eben die stumpfe Moral der Welt und verlache sie in meinem sündigen Freiheitsglück. Er würde mich mit offenen Armen empfangen, er würde mich ans Herz drücken; all die langen Wege, die ich noch gehen muß, all die Steine, an denen ich mich noch stoßen muß, all die Hindernisse, all die Lügen – denn ich werde auch lügen müssen – sie wären mit einem Fittichschlage der Freiheit überflogen! Aber ich kann das nicht ihm, ich will es nicht meiner Mutter antun. Wen der freie Entschluß rettet, der ist wahrhaftig doch frei genug!

Und es war doch ein Wink des Schicksals, er war es.

Heute morgen war der französische Briefträger bei mir. Zum erstenmal übrigens, weil sonst immer meine Jungfer die Post bringt. Ein Brief von ihm! Ich erkenne die Hand sofort: dieser große, sichere Zug. Es war mir Glück und Qual zugleich. Denn in derselben Hand hielt der Mann einen Brief an Jeanette Quedenberg, – auch von ihm. Ich kann ungefähr erraten, was er enthalten muß. Wie wird die Unglückliche leiden! Ich komme mir so schlecht, so heimtückisch vor. Ich habe sie gehaßt, diese Frau, ja, ich habe sie gehaßt! Damals war sie reich und ich arm. Heute bin ich reich, und ich fühle mit der Armen. Ich wäre am liebsten zu ihr hinübergegangen, hätte ihr alles erzählt, hätte mich nicht geschont, hätte sie angefleht, mir zu verzeihen, die doch für ihre Liebe auch nichts kann. Vielleicht hat sie Tag und Nacht auf einen Brief gewartet, nun kommt der Brief! Würde ich den Brief überhaupt ertragen nach der Oase? Aber ich kann sie doch nicht trösten, ich darf nicht! Es ist nicht kleine Angst vor meiner Beichte und ihren Vorwürfen. – Ich will ja gern meine Träne mit ihren Tränen mischen. Doch wozu eine Verschmachtende noch quälen, indem man das volle Glas vor ihren Augen leert? Alles, was ich gelitten, erscheint mir so klein gegenüber dem, was sie jetzt leidet.

Ich habe den Brief von »ihm«, nach dem ich mich doch so sehne, erst nach einer langen, dumpfen Pause geöffnet, weil ich angstvoll horchend immer vor einer schrecklichen Konsequenz bebte, die Wand an Wand mit mir ein vom Schicksal getretenes Geschöpf vielleicht zog. Die Konsequenz ist übrigens nicht gezogen worden. Robert schrieb mir, »daß er mich lieb habe, daß ich ihm alles sei!« Ich habe natürlich geweint vor Freude und natürlich diese Zeilen geküßt, bis die Schrift ineinander lief. Der erste Liebesbrief, der allererste, – wer küßt ihn nicht?! Und dann zum Schluß . . .: »Uebereile nichts, Geliebte, aber verträume auch nichts! Bedenke, was du mir bist, und was ich dir hoffentlich auch einmal sein werde: Alles. Ich kann dir auch heute nichts raten, ich kann dir nur Kraft wünschen und nochmals Kraft und höchstens noch hinzufügen: Tu nach deinem Herzen! Es gibt für mein Gefühl nur einen Weg, hoffentlich ist es auch der deine . . . P. S. Ich habe nach kurzem Ueberlegen gleichzeitig auch an Jeanette Quedenberg geschrieben, die, ich gebe dir mein Wort, niemals meine Geliebte war. Ich habe mit ihr definitiv gebrochen, obgleich's mir schwer genug. Denn sie ist weit mehr für mich gewesen, als ich für sie. Aber wer ein neues Leben beginnt, darf's nicht beginnen mit einer Erinnerung an das alte. Erinnerungen sind Fesseln, wer sie pflegt, sein eigner Gefangener. Es klingt hart, und es soll auch hart klingen, aber ich bin ein Rhyn. Und ein Rhyn hat sich, glaube ich, sein Leben lang mit einer Erinnerung herumgeschlagen, die nur ein Achselzucken wert war im Grunde: natürlich die Frau, wenigstens ihr Phantom. Und der Sohn hat nicht die Absicht, sich in ähnlichen Familientraditionen zu verzetteln. Er hat seine Kräfte nötig für die Wirklichkeit und nicht für Gespenster. Ideale – warum nicht! Jeder muß etwas Heiliges haben in seiner Brust, an das er glaubt und das ihn hält. Aber es dürfen nicht Fetische sein. Fetische sind lächerlich und Fetischdiener verächtlich. Erinnerungen aber sind Fetische. Du weißt, welche Erinnerungen ich meine: nämlich die schwächlichen, die uns herabziehen. Vergib, Geliebte, dieses Herbe, das nur die eine Hälfte einer weichen Natur ist! Vielleicht bist du das Heilige in mir, du liebe Unheilige! In diesem Gefühl küsse ich dich.«


Bei dem Lunch war Jeanette nicht. Ich kam mir vor wie eine Verbrecherin.

Als ich später an ihrer Tür vorbeiging, horchte ich. Kein Laut. Ich schlich in mein Zimmer. Eine Visitenkarte p. p. c. auf dem Tisch, keine Zeile sonst. Ich klingle nach meiner Jungfer: »Wo ist Gräfin Quedenberg?« – »Die Frau Gräfin fährt eben nach dem Bahnhof.« Ich lief die Treppe hinunter, ich sah den Wagen, der gerade abfuhr, ich rief ihr nach, sie muß es gehört haben, und nur ein scharfes: »En avant, en avant!« an den Kutscher klang als Echo. Ja, sie faßt ihre Entschlüsse schnell und unwiderruflich, die Glückliche!

Drei Stunden später kam die Karawane. Ich sah sie von Neugierigen umringt, ich hörte Peter die Treppen zu mir hinaufeilen. Er öffnet die Tür, ich richte mich langsam aus meinem Sessel auf. Ich bin innerlich eiskalt. Ich weiß, was ich zu sagen habe. Ich will, ich muß es ihm sagen gleich zum Willkommen, wenn ich nicht zeitlebens ein verworfenes Geschöpf bleiben soll. Ich weiß, was ich ihm und mir schuldig bin, nicht die Wahrheit, aber den Bruch. Er darf meinen Mund nie mehr küssen, sonst beschmutzt er mich, und ich beschmutze ihn!


Ich hab's nicht gesagt, weder damals noch später. Ob ich's überhaupt jemals werde sagen können? Herr des Himmels, warum kann mich dieser Mensch nicht hassen! Warum muß er mich lieben? Sein Fluch wäre mir Segen. Er hat mich wie wahnsinnig geküßt, obwohl ich mich in seinen Armen qualvoll wand; er hat vor mir gekniet, obgleich ich ihn lieber mit den Füßen weggestoßen hätte; er hat mir den Mund zugehalten, als ich reden wollte. Er muß wahnsinnig geworden sein, denn er hat aus meinem kalten Auge nur die heiße Liebe gesehen. Nie, nicht einmal an unserm Hochzeitstag war der Mensch so im tiefsten Innern erregt als bei diesem Wiedersehen! Welcher Teufel hat ihn wohl verblendet? Es ist nur der Ritt, der unselige Ritt damals. Ach, es ist eine so ekle Ironie des Schicksals! Der Mensch weiß alles, alles – weiß, daß ich geritten bin, wie ich geritten bin, daß es über den Atlas ging, wie ich in El-Kantara ankam. Er weiß alles, nur nicht des Rätsels Lösung: daß ich Rhyn liebe und Rhyn mich! Mir ist es schleierhaft, woher er die Wissenschaft hat. Bloome wird sie ihm eingeblasen haben. Bloome, den die Abenteuerlust in die Wüste zurücktrieb, vielleicht auch die Angst um mich, für die er natürlich ein Faible hat und die nach aller menschlichen Berechnung entweder verschollen sein mußte oder von Rhyn gerettet. Der arabische Diener wird haben beichten müssen. Die Leute in der kleinen Oase haben sicher gern gebeichtet. Nicht einmal die Wüste kann schweigen! Es ist mir schließlich auch gleichgültig, wie alles herauskam. Die extravagante Laune, zu der ich meine Expedition im Hotel gemacht habe, die Lächerlichkeit, zu der ich sie ihm gemacht hätte, hat sich in seinem Kopf gewandelt zu einer Wahnsinnstat der Gattenliebe. Es mag im Leben oft so gehen! Durch irgendeinen schiefen Sonnenstrahl werden Sünder zu Heiligen, Heilige zu Sündern, und das für alle Ewigkeiten. Aber warum muß es mir gerade passieren, mir, die ich stets waffenlos war gegen Kinder und Toren?!

Es hat sich natürlich nichts geändert in mir, nichts, aber die Hände fallen mir, die Stimme versagt. Ich kann den Menschen, der nichts getan hat als mich lieben und der sich heute in die Illusionen festgeschmiedet hat, daß ich ihn auch liebe, nicht mit einem einzigen kalten Wort aus allen seinen Himmeln reißen. Ich muß warten, bis dieser Strom abebbt, bis das Grau der Alltäglichkeit uns das Scheiden möglich macht! Aber wann wird dieses Grau kommen für ihn! Es ist lähmend, den Mann, den man doch einmal zu lieben sich eingebildet hat, und den man doch nun einmal nicht mehr liebt, neben sich auf der Chaiselongue sitzen zu sehen, gut, liebevoll wie nie, – man hat selbst keinen Blick für ihn, nur stumpfe Apathie, – und sich erzählen zu lassen, wie er niemals in seinem Leben so glücklich gewesen sei als in dem Momente, wo ich von der Sehnsucht gedrängt ihm so kopflos nachritt in die Wüste . . . »Nein. Liebling, ich werde auch keine Jagdexpedition mehr so ausdehnen – ich werde den Ritt nicht vergessen, ich nicht! Ich werde immer daran denken, daß meine geliebte Frau sich so kindisch sehnen kann, auf Torheiten verfällt, unter deren Folgen ihre Nerven noch jetzt zittern. Aber sie war doch entzückend, diese Torheit, mein Liebling, und ich hätte sie offenbar nie für möglich gehalten von dir. Und wenn wir Stunden eher hier angekommen sind vom Raier, so war es die Sehnsucht nach dir und die Angst um dich, die uns immer Karacho reiten ließ! Die Weichen von meinem Maultier waren nur zwei große Blutplarren zuletzt. Und was mich so glücklich macht: jetzt endlich weiß ich's gewiß, daß du mich lieb hast, jetzt endlich! Ich hatte mich schon beinah mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß wir immer nur nebeneinander hergehen würden, wie so viele andre. Gegangen wär's ja schließlich auch – aber nicht wahr, so ist es doch besser, viel besser? Und du bist doch eine perfekte Schauspielerin gewesen, Josefa, die ganzen drei Jahre! Immer kaltes Herz, nicht mal Sinne.« Und dann beugt er sich ganz tief auf meinen Kopf und fragt glücklich: »Sag mal, Schatz, hast du mich denn wirklich so lieb?«

Ich habe natürlich nicht gelogen, ich habe mich nur wortlos nach der andern Seite gedreht. Aber ich hätte ihm ehrlich antworten müssen: »Nein, ich liebe dich nicht, ich habe dich überhaupt nicht geliebt, nie, nie!« Das Herz wäre ihm nicht gebrochen. Keinem Mann bricht das Herz. Und wenn's ihm gebrochen wäre, – es muß auch Tote geben. Wo blieben sonst die Lebendigen?! Aber ich konnte nicht, ich konnte nicht!

Man hat mich zur sanften Lüge erzogen mein Leben lang, nicht zur herben Wahrheit. Ja, Mutter, in aller deiner Güte bist du die schlechteste Mutter gewesen deinem Kind. Du hast auch nie gekämpft, darum hast du auch nie gesiegt. Und ich bin deine Tochter. Ich hasse die Schwäche – und bin schwach, ich hasse die Lüge – und bleibe stumm. Mir schwant etwas Schreckliches. Es ist mit heute etwas vorbei. Und wenn »er« mir mit heute verloren wäre, wenn »er« mir verloren wäre?

Nein, Herrgott, ich bete nicht! Ich darf nicht. Ja, »er« hat recht: solch Gebet ist Schwäche.

Dann schlief ich eine Stunde, dann zog ich mich zur Table d'hote an, dann habe ich Mufflons- und Gazellengehörne bewundert. Ich habe gesprochen, ich habe gelächelt, ich habe mich benommen wie der Automat der Verhältnisse, der ich nie sein wollte. Ich habe im Kreise der Afrikaner alle die Jagdgeschichten über mich ergehen lassen, die solche Expedition in den andern wachruft. Heute erfuhr auch mein Ritt erst die richtige Würdigung. Ich wurde bewundert, beglückwünscht. Die Schamröte, die mir dabei das Gesicht dunkelrot färbte, war ja doch nur der rosige Widerschein des Glücks!

Sie diskutierten auch die Frage eines Araberaufstandes. Die alten Afrikaner sagten reserviert: »Es scheint wenigstens alles ruhig. Wir verstehen auch nicht recht. Aber so viel ist sicher, daß ein Mann wie Rhyn die Furcht nicht kennt.« Sie fügten weiter hinzu: »Ja, er hat eben kein Glück!« Ja, er hat in der Tat kein Glück! »Vielleicht hat er auch nicht den richtigen Schneid im richtigen Moment,« näselte der Rittmeister. Quedenberg lächelte zerstreut. Seine Gedanken, wenn er überhaupt welche hat, sind wohl bei der Frau, die ihn malträtiert, und die er darum liebt. Peter zuckte die Achseln. »Er« ist auch während der ganzen Expedition so unnahbar eisig gewesen, daß er eigentlich alle Sympathien verlor. Aber Bloome, der wohl nicht umsonst mit »ihm« jahrelang in einem Zelt geschlafen hat, wurde sofort feindlich gegen die Tadler: »Meine Herren, Sie kennen ihn nicht, urteilen Sie also, bitte, nicht! Rhyn und keinen Schneid? Und wenn Sie's mir hundertmal krumm nehmen – das ist einfach zum Lachen! Er hat uns nicht einmal, aber vielleicht fünfzigmal mindestens mit seiner eisernen Energie durchgerissen. Die Kamele gefallen wie die Fliegen, die Kerls, die Träger lallen nur noch – und er wie ich absolut fertig. Aber er sagte: »Es geht!« Und es ging auch immer. Ich könnte Ihnen von einem Moment erzählen, wo wir alle einfach Bestien waren vor Hunger und Durst. Er konnte noch gerade stehen und sagte zu mir zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch ohne Komplimente: »Herr, Sie sind der erste, den ich über den Haufen schieße, wenn Sie Miene machen, hier liegen zu bleiben.« Er hätte es getan, das wußte jeder. Schwächliches Paktieren war nie . . . Und wenn ihm schließlich Afrika auch mal auf die Nerven geht, so bitte ich Sie, lieber Lasowitz, zu bedenken, daß Ihnen schon das Rekrutenreiten an die Nerven gegangen ist, darum sind Sie doch à la suite!« Dann wandte er sich zu mir: »Verzeihung, gnädige Frau, er war ja auch gegen Sie etwas merkwürdig!« Ich lächelte darauf nichtssagend. Ein Wort mehr – und ich hätte losgeweint.

Sie haben nachher noch Sekt getrunken zur Feier des Tages. Ich ging unauffällig nach dem ersten Glas. Bloome, der doch wohl feinfühliger ist als die andern, kam mir nach und fragte: »Gnädigste Frau, fehlt Ihnen etwas?«

»Nein.«

»Wollen Sie mir etwas versprechen? Machen Sie nie wieder solche Parforcetour!«

»Sie ist mir aber vortrefflich bekommen, lieber Graf.«

»Das freut mich! Ich persönlich habe auf einmal das Gefühl, als wenn ich Ihren Ritt nicht mit so grellen Farben hätte schildern sollen. Mancher liebt's nicht. Es gibt auch Mißverständnisse. Ich übertreibe eben gern. Das ist das alte Vorrecht aller Afrikaner.«

Ich antwortete ihm natürlich, daß es keine Mißverständnisse gegeben habe und daß der Ritt in der Tat die gewaltigste körperliche Strapaze meines Lebens gewesen sei. Darauf ging ich gleich zu Bett. Als mir Peter viel später gute Nacht sagen wollte, antwortete ich ihm nicht.

Ich schlief nicht etwa. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich habe gelegen mit offenen, heißen Augen und mir in allen Tonarten wiederholt, was ich hätte tun sollen und was ich getan habe: ›Du weißt, was recht ist. Und tust es doch nicht! Es ist ein falsches Mitleid, eine falsche Rücksicht, eine elende Moral vor allem, die Güte scheint und Schwäche ist, die alles will und nichts vollbringt!‹ Und das ist das Schreckliche bei Menschen wie mir, daß sie eigentlich gar nicht anders können. Die Dinge machen uns, wir nicht die Dinge. Wir lieben, wie man so liebt; wir heiraten, wie man so heiratet; wir bleiben anständig, wie man so anständig bleibt. Unsre Moral verbricht alles, verzeiht alles – nur nicht die Wahrheit! Ich habe meinen Verlobungsring abgezogen, mit dem ich so oft spielte. Es war ja auch nur ein Spielzeug. Heut ist der Ehering so kalt, so fest, die Bagnofessel meines Glücks. Ich hätte sie abstreifen können in einem einzigen, freien Entschluß. Warum fehlte mir dieser freie Entschluß? Warum? warum? warum? Weil wir im Grunde allesamt des feigen Ehebruchs fähig sind, aber nicht seiner anständigen Konsequenz!

Ich habe die Sonne aufgehen sehen von meinem Bett, die heiße, starke Wüstensonne, die nie lange mit der Dämmerung kämpft. Die Dschins fliehen bei ihrem ersten Strahl. Und wie mit dem Licht immer der Wille zum Leben und zur Tat zurückkehrt, so habe ich mir auch gesagt, daß ich nun endlich wählen muß. Es gibt drei Wege: »ihm« auf der Stelle schreiben, ›ich bin schwach, deiner nicht würdig, und werde es nie sein. Vergiß mich!‹ Das ist undenkbar. Wenn er's auch erträgt, ich ertrag's nicht. Oder ich kann auf die Szene warten mit heimtückischer Ruhe, das widerstrebt jedoch meiner besseren Natur. Was gestern noch Notwehr, wäre heute Niedertracht! Ich könnte auch meines Mannes Traum gewähren lassen, bis er ganz von selbst zerflattert, und das wäre klug. Aber wann zerflattert dieser Traum? In einem Monat, in einem Jahre, in zehn Jahren? Und wenn wir uns dann endlich ohne Maske gegenüberstünden, alt, kalt, mit leeren Herzen, leeren Händen, dann hätte es keinen Sinn mehr, ein Leben zu beginnen, dessen Strom verrauscht. O, ich habe Angst vor dieser schrecklichen Leere, die dann ein Herz ausmacht, das einst so übervoll war! Bei dem Gedanken springe ich aus dem Bette, drücke den Kopf gegen die Fensterscheibe, starre in die Sonne. Mir ist, als wenn ich ihn schon verloren hätte. Ihn! Das darf, das kann nicht sein, das Schicksal wird einen Tag des reinsten Sündenglücks nicht mit so viel grauer Nacht vergelten!

Es gibt noch einen Ausweg: Geliebte . . . Ich hab's nicht gedacht, und schon bedecke ich die Augen mit beiden Händen. Wo will ich hin? – Das ist der Anfang vom Ende.


Wir sind beim Rennen gewesen, Peter und ich allein. Quedenberg ist voller Angst seiner Frau nachgereist. – Rennen in der Wüste!

Vor mir schwankt es bunt und vielgestaltig. Beduinenscheichs, französische Offiziere. Ein Falke, dem die Kappe genommen wird, streicht einem Reiher in die Dunes de fable nach. Ich höre Peter immer sagen: »Schlechte Pferde! Die Kerls hocken ja wie Affen.« Ich sehe die Ouled-naëls in bunten, phantastischen Gewändern auf einer Separattribüne; die Gold- und Silberzieraten an Hand und Fuß klirren, die verschleierten Augen leuchten. Wenn ein Franzose gewinnt, schweigen sie, wenn ein Araber siegt, dann rufen sie. Ein eigentümlich monotoner, weithallender Laut.

Ich sehe alles – und sehe nichts. Der einzige, klare Gedanke: darf ich seine Geliebte sein? – Nein, nein! Aber wenn er mir dann verloren ist? – Ja, ja! Und das, während mein angetrauter Mann neben mir sitzt, mit seiner Hand nach der meinen herübertastet. O, es ist scheußlich, ich weiß es! Aber ich kann doch nicht anders, ich kann nicht! »Er«, der meine Schwäche nicht verstehen kann, wird meine Liebe wenigstens verstehen. Ich will ja auch frei werden, ich will's ganz gewiß, aber ich muß Zeit haben, Zeit.

Ich bin entschlossen. Ich will seine Geliebte sein mit allen Konsequenzen!

Ich reise angeblich übermorgen mit der Bahn nach Batna. Peter und Bloome reiten schon morgen eben dahin über Benifera oder Tilatu. Ich animierte sie zu dem Ritt, an dem ich auf keinen Fall teilnehmen werde. Denn in Wahrheit reise ich schon morgen nachmittag und unterbreche die Fahrt in El-Kantara. Robert ist noch da. Volle vierundzwanzig Stunden gehören uns. Ich muß zu ihm! Ich werde ihm alles erklären. – Ich will ihm alles geben, was ich habe, weil ihm alles gehört. Und wieder gaukelt um mich der goldige Flimmer, aber auch ein Grauen schleicht mit – ein schwächliches Grauen . . . Wie wenig man sich doch selbst kennt! – Ist's nur Liebe, ist's nur Schwäche, was mich zu dem treibt, was ich nie war – zur gefallenen Frau? . . . Es ist Liebe, nur Liebe.

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