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Der Strandvogt von Jasmund - Zweiter Band

Philipp Galen: Der Strandvogt von Jasmund - Zweiter Band - Kapitel 2
Quellenangabe
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typefiction
authorPhilipp Galen
titleDer Strandvogt von Jasmund - Zweiter Band
publisherA. Schumanns Verlag
printrunFünfte Auflage
year1905
firstpub1859
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Erstes Kapitel.

Schloß Spyker und seine Insassen.

Das Schloß Spyker, wie schon im vorigen Kapitel erwähnt, vom schwedischen Grafen Wrangel, dem berühmten Feldherrn Gustav Adolfs im Jahre 1650 kurz nach dem dreißigjährigen Kriege erbaut, trug ganz den trüben, festen und gewaltthätigen Charakter jener Zeit. Es war ein viereckiges, drei Stockwerke hohes, durchaus massives Gebäude, dessen Umfangsmauern eine bedeutende Stärke und Dauerhaftigkeit verriethen. Auf den vier Ecken sprangen runde feuerfeste Thürme mit kuppelartig gewölbtem Dache vor, die dazwischen liegenden Fronten aber stützten eckige thurmartige Vorsprünge, deren ausgeschweifte Giebel nach allen vier Himmelsgegenden sahen. Jede Front zeigte drei regelmäßig construirte Fensterreihen mit je vier Fensterreihen, von denen die der zwei oberen Stockwerke, worin die herrschaftlichen Prunkgemächer und Besuchzimmer lagen, sich durch ihre Größe auszeichneten; das hohe Erdgeschoß hatte eben so viel kleinere Fenster und hierin lag die Wohnung des Verwalters Ahlström und seiner Familie, der unter anderen Titeln vorzugsweise den des gräflichen Kastellans führte. Den Hof des Schlosses, mit großen Quadersteinen gepflastert, die ihren Ursprung vom Felsgeröll der umliegenden Ufer Jasmund's nicht verläugnen konnten, umschloß eine Mauer von unbedeutender Höhe, deren Hauptthor nach Norden führte. Gegenwärtig freilich sind manche Veränderungen an diesem Gebäude und seiner Umgebung vorgenommen worden, in dem Jahre aber, in welchem unsere Geschichte spielt, zeigten beide noch genau die beschriebene Gestalt.

Die Hauptgemächer der beiden oberen Stockwerke, namentlich des ersten, waren im Geschmacke der Zeit ihrer Entstehung eingerichtet, hoch, mäßig hell und geräumig. Waffen, alte Gemälde, Erinnerungen an den eben beendeten traurigen Bruderkrieg, waren in Fülle vorhanden, weniger aber machte sich eine übertriebene Pracht und ein gesuchter Luxus geltend, wie man ihn heutzutage in vielen neugebauten Schlössern findet. Die Treppen waren alle von Stein, die Wände der Zimmer meist mit Holzgetäfel, seidenen oder Ledertapeten geschmückt, die Fußböden von polirtem Eichenholz und nur hie und da mit weichen Teppichen bedeckt.

Einer besonderen Erwähnung verdient noch der nach Nordosten gelegene sogenannte Spukthurm. Dieser Name allein schon erklärt hinreichend die Bedeutung und Geltung, die derselbe bei den Bewohnern des Schlosses und seiner Umgebung genoß. Wunderbare Familienereignisse, bei denen Liebe, Eifersucht, Haß und endlich Blut die Hauptrolle spielen, sollen sich in demselben zugetragen haben, obwohl Niemand recht weiß, welche Personen er damit in Verbindung zu bringen hat. Er war sehr selten, in den letzten fünfzig Jahren gar nicht bewohnt gewesen, obwohl seine Räumlichkeiten vollkommen dazu eingerichtet waren. Seine Fenster, wie schon der alte Tarbot berichtet, blieben stets verhangen, Niemand bestieg seine schmale gewundene Treppe und zumal in der Nacht wagte fast kein Mensch, den alten Kastellan ausgenommen, sein Inneres zu betreten. Die Umwohner des Schlosses hatten eine heilige Scheu vor ihm und es ging die Sage, daß bisweilen um Mitternacht an einem seiner Fenster eine weiße Gestalt sichtbar werde, die die Umgegend nach Norden und Osten hin betrachte und, mit einem Tuche wie zum Gruße darüber hin winkend, nach einiger Zeit wieder in dem geheimnißvollen Innern spurlos verschwinde.

Wenn jene weiße Gestalt aus Liebhaberei für schöne Fernsichten diese nächtliche Umschau hielt – wozu sie natürlich mit überirdischen Augen begabt sein mußte – so dürfen wir ihr allerdings Geschmack in Dergleichen zuerkennen, denn das alte Schloß zeichnet sich in der That durch eine wunderbar schöne Lage aus, da Land und Meer nach allen Richtungen hin in anmuthigster Gestaltung prangen. Nach Westen hin überschaut man zuerst den Spyker'schen See, an dem das Schloß liegt, und dann den ganzen Jasmunder Bodden, dessen jenseitige bewaldete Ufer häufig im linden Nebeldufte verschwimmen. Im Norden streckt sich die schmale Schabe, die wir kürzlich betraten, wie eine ungeheure Riesenbrücke in schön geschwungenem Bogen nach dem dreigezackten Wittow hinüber, auf diese Weise das blau schimmernde Binnengewässer von der offenen See trennend, die, hier Tromper Wiek genannt, stolz ihre Wogen nach Arkona wälzt, dessen gebieterische Stirn kühn jedem Angriff des mächtigen Elementes trotzt. Nach Osten hin wogt dann die blaue See, bald grollend, bald lockend, und noch mehr nach Osten ragen jenseit des berühmten Todtenfeldes bei Quoltitz die Berge und dunklen Wälder der Stubnitz auf, deren gewaltige Laubkronen wie ein Meer von Smaragden funkeln, wenn die Frühlingssonne ihren leuchtenden Strahl darüber ausgießt. Im Süden endlich, etwas nach Osten hin, liegt in der Perspective das Dorf Bobbin, dessen Kirchthurm in nicht allzu weiter Ferne idyllisch aus den grünen Baumwipfeln hervorlugt.

Von lieblich duftenden Gebüschen, Rasenflecken mit Blumen und verschiedenartigen Baumgruppen umgeben, sollte man nun denken, müßte das Schloß Spyker, namentlich im Sommer, einen angenehmen Aufenthalt gewähren. Das mag wohl für einzelne die Einsamkeit liebende Menschen der Fall sein, aber im Allgemeinen war es nichts weniger als ein reizvoller Wohnort. Denn es lag, damals noch mehr als jetzt, eine gewisse düstere Färbung über das Ganze gebreitet, die wahrscheinlich theilweise dem finsteren, dicken Gemäuer ihren Ursprung verdankt. Hatte man diesen ersten Eindruck überwunden, so fand man sich allerdings bald heimatlich darin zurecht und es war dem mit solcher Stille und Abgeschiedenheit sympathisirenden Magnus Brahe wohl nicht zu verdenken, daß er sich dahin zurücksehnte, um seine völlige Genesung abzuwarten, wenn man auch die Nebenursachen, die ihn dahin zogen, nicht mit in Anschlag bringt.

Was die Spyker'schen Besitzungen im Ganzen betrifft, die etwa aus vierzig Gütern bestanden und einen großen Theil Jasmund's einnahmen, so gehörten sie ursprünglich einer lange erloschenen Familie von Kulpen, dann dem Geschlechte der von Jasmund, welches sie eine geraume Zeit besaß und nach deren Aussterben sie 1649 dem Grafen Wrangel zu Lehn gegeben wurden. Von diesem, welcher 1676 zu Spyker kinderlos starb, fielen sie durch Erbschaft an dessen nahe Verwandte, die schwedischen Grafen Brahe, welche sie theilweise verpachteten und die Administration einem Verwalter übergaben. Der alte Graf Brahe, der Vater von unserm Magnus Brahe, lebte nur zeitweise auf Spyker, größtentheils hielt er sich in Stockholm auf; wenn er aber kam, war es ein Fest für seine Untergebenen, von denen er fast abgöttisch verehrt und geliebt wurde. Diese Verehrung und Liebe hatte sich auch auf seinen einzigen Sohn Magnus vererbt, und das Bewußtsein davon mochte wohl viel dazu beigetragen haben, daß auch er von Jugend an immer gern und möglichst lange Zeit auf dem alten Stammsitze verweilte.

Vorzüglich jedoch war es die Familie des Kastellans Ahlström, in der sich Magnus von jeher außerordentlich heimisch gefühlt hatte, eine Familie, wie wir sie wohl zu alten Zeiten häufig unter den angesehenen Dienstleuten feudaler Herren finden, gegenwärtig aber allmälig aussterben sehen und nur noch selten in ihrer ganzen ursprünglichen Ergebenheit und Diensttreue antreffen. Ihr Herr war ihr Gott auf Erden und für sie von viel größerer Bedeutung, als der ferne König, der in seinem meerumflossenen Stockholm residirte und niemals unter ihnen sichtbar geworden war. Der alte Ahlström war mit Magnus' Vater groß geworden, der Glanz der Familie war sein eigener Glanz, das Glück derselben sein .eigenes Glück gewesen. Jedes Wort seines Herrn war ihm ein unumgängliches Gebot, jeder seiner Wünsche eine Aufgabe, die gelöst werden mußte, ohne Bedingung, ohne Bedenken. Wie er daher das Amt eines Verwalters des Gutes und eines Hüters des Schlosses versah, ergiebt sich hieraus von selbst. Er war ein ziemlich betagter Mann von kleinem Wuchse, mit schneeweißem Kopfe, aber noch rüstig und gutlaunig genug, um selbst die Drangsale des jetzigen Krieges ohne Beschädigung seiner Gesundheit und seines frischen Lebensmuthes zu ertragen, obgleich es oft sehr ungemütlich im Schlosse herging und alle Welt von dem Zwange, den die Franzosen rücksichtslos ausübten, bedrückt war. Sein Weib, Heylike, war das Muster einer Hausfrau, die nur für ihre Wirthschaft, die Erziehung ihrer Kinder und die leibliche Behaglichkeit ihres Mannes lebte. Diese Kinder waren zwei Mädchen von achtzehn und neunzehn Jahren, Gysela und Alheid, klein aber kräftig, weniger zart als gesund, mehr hübsch als schön, von durchsichtig heller Haut, sanften blauen Augen und einer Haarfarbe, wie man sie im Norden häufig findet und bei uns fälschlicher Weise roth nennt, da sie doch eigentlich ein unbestimmtes Gemisch von der Farbe des Goldes, des Feuers und der Sonne sind.

Bevor wir uns nun zu den Fremden wenden, die in der gegenwärtigen Kriegszeit leider eine so hervorragende Rolle auf Spyker spielten, müssen wir uns noch mit einer dahin gehörigen Person beschäftigen, die seit Beginn der Feindseligkeiten zwischen Schweden und Frankreich eine freiwillige Bewohnerin des alten Schlosses war. Es ist dies die schon mehrfach erwähnte Gylfe Torstenson. Sie war das einzige Kind eines armen Edelmanns, eines Freundes und früheren Kriegskameraden des Grafen Brahe, der mit in die Verschwörung Ankarström's gegen Gustav III. verwickelt gewesen war, deshalb verbannt ward und fern von seinem Vaterlande starb. Er hinterließ seiner Tochter nichts als einen anrüchigen Namen und verschiedene Gläubiger, unter denen Graf Brahe in Betreff der Höhe seiner Forderungen wie an persönlicher Uneigennützigkeit der bei Weitem hervorragendste war. Dieser erbarmte sich des verlassenen Mädchens, zerriß die Schuldbriefe ihres Vaters und nahm sie großmüthig in sein Haus und seine Familie auf, die damals auf Spyker ihren Wohnsitz hatte. Hier wuchs sie, nur wenige Jahre jünger als der einzige Sohn des Grafen, mit diesem auf, und von früher Jugend verband die beiden Kinder eine seltsam zärtliche Neigung, die von Magnus bis in sein männliches Alter fortgesetzt, von Gylfe aber stets vergessen wurde, sobald ihr der Sohn ihres ehrenwerthen Beschützers aus den Augen kam.

Um dem armen Mädchen, das auf keine Weise aus eigenen Mitteln sein Leben fristen konnte, für den Fall, daß er frühzeitig sterben oder daß es aus irgend einem Grunde seine Familie verlassen sollte, eine anständige Unterkunft zu bereiten, kaufte Graf Brahe es frühe in das Fräuleinstift zu Bergen ein, wohin sich Gylfe auch begab, als sie aus ihrer deutschen Pensionsanstalt zurückkehrte, da sie wenig geneigt schien, den Grafen nach Stockholm zu begleiten, gegen das sie einen ungewöhnlichen Widerwillen hegte – einmal weil sie insgeheim ihr Vaterland beschuldigte, ungerecht gegen ihren Vater gewesen zu sein, und sodann, weil sie in ihrer launenhaften Einbildung sich in den Kopf gesetzt hatte: Schweden sei ein eisiges Land und entspreche den warmen Gefühlen ihres Herzens nicht, eine Ansicht, die eben so unverständig wie falsch war, denn es giebt in Schweden eben so warme, ja heiße Gefühle, wie nur in irgend einem bei Weitem südlicher gelegenen Lande der Welt. Im Stift zu Bergen wohnte sie nun während der Abwesenheit des Grafen Brahe und seines Sohnes bis zum Ausbruche des Krieges; Magnus aber besuchte sie stets daselbst, so oft er die Insel Rügen betrat, wobei er jedesmal seine Neigung für sie wachsen fühlte, was er auch durch Wort und That sichtbar werden ließ, während Gylfe dieselbe stets so lange erwiderte, als sie ihn in ihrer Nähe wußte, dagegen vergaß, sobald er Bergen verlassen hatte.

Als nun beim Beginn des Krieges das Stift in Bergen zu einem Hospital für kranke Schweden, später aber, nachdem die Franzosen die Insel besetzt, zu demselben Zweck für diese umgewandelt wurde, verließ sie es und zog sich nach Spyker zurück, nachdem sie allen wiederholten Einladungen des Grafen, ihm nach Stockholm zu folgen, mit seltener Beharrlichkeit ausgewichen war. Hier, in Spyker, frei von jeder Fessel, lebte sie allein ihren Neigungen, die etwas weniger weiblich als tollköpfig und allen auf sie blickenden Augen ein Gegenstand gerechter Verwunderung, wenn nicht Mißbilligung waren. Denn sie ritt, jagte, schoß, segelte wie der keckste Mann und suchte stets in kühnen Unternehmungen, die manchen Schatten auf die Gediegenheit ihrer Weiblichkeit warfen, die Kraft ihres Willens und die Ausdauer ihres Mutes zu erproben. Als nun aber Schloß Spyker und ein großer Teil der umliegenden Gegend durch die Einquartierung der Franzosen beglückt wurde, und ein galanter Mann, der Kapitän der Chasseurs à cheval, Monsieur François de Caillard, lange Zeit seine Wohnung daselbst aufschlug, da war, wie sie selbst glaubte und behauptete, ihre sonnigste Zeit, der Gipfelpunkt ihrer siegesstrahlenden Jugend gekommen, denn nun fehlte es ihr keine Stunde mehr an längst gewünschten Vergnügungen und Zerstreuungen, und die Gelegenheit, ihre Künste zu produzieren und sich in den genialen Eigenschaften ihres Körpers und Geistes bewundern zu lassen, konnte ihr nie wieder so günstig geboten werden.

Wohin das alles führte und führen mußte, werden wir im Laufe der Erzählung mit eigenen Augen sehen, hier haben wir das kecke Mädchen, ein launiges und leider nicht allzu seltenes Spiel der Natur, vorläufig nur zu schildern.

Was zunächst ihre körperlichen Eigenschaften betrifft, so gehörte sie zu der nicht geringen Anzahl von Frauen, die von der Natur leider zu ihrem eigenen und anderer Unheil die so oft gepriesene und doch so trügerische Gabe der Schönheit empfangen haben und sie zu gewiß nicht beabsichtigten Zwecken zu gebrauchen oder vielmehr zu mißbrauchen verstehen. Sie war im ganzen und einzelnen bei oberflächlicher Betrachtung eine gefällige, ja eine liebliche Erscheinung. Hoch und herrlich schlank gewachsen, von wunderbarem Ebenmaß der Glieder, überragte sie alle ihre früheren Freundinnen und niemand lebte in der Umgegend, der sich in dieser Beziehung nur im geringsten mit ihr vergleichen konnte; und wie Hille mit Recht das schöne Mädchen von Sassnitz hieß, so wurde auch sie mit Recht in Spyker und der ganzen Nachbarschaft das schöne Fräulein von Spyker genannt: Ihr lichtblondes, fast goldgelbes reiches Haar floß gewöhnlich in langen fliegenden Locken um ihre wolkenlose und kecke Stirn; ihr Gesicht, von fast blendender Weiße, war namentlich in Augenblicken der Gefühlsanregung von einer mattrosigen Glut überhaucht, wie sie nur Blondinen so rein und zart zu eigen ist; und dabei war sie, auffallend genug, mit dunkelbraunen feurigen Augen begabt, die nach Gefallen sanft oder schelmisch zu lächeln verstanden, aber auch einen fast bohrenden Blick annehmen konnten, wenn ihre Laune beschattet oder ihr kokettes Gebahren nicht von dem gewünschten Erfolge begleitet war.

Schön vor allem waren ihre Arme und Hände, und da sie dies wußte und ihnen eine große Siegesmacht zutraute, so kämpfte sie damit zu gelegener Zeit auf eine ihr besonders eigentümliche Weise, indem sie damit sprach und handelte und oft schon durch eine bloße Bewegung derselben jedermann zu ihrem Willen zwang, ohne daß sie ihre Stimme zu bemühen brauchte, die, sagen wir es offen, einen etwas spitzen und kalten Ton hatte, der ein weich und warm fühlendes Herz nicht befriedigen konnte, eine Eigenschaft, die sie in geraden Gegensatz zu Hille stellte, der die Natur ein sanftes, anschmiegendes Organ verliehen, womit sie allein schon, ohne es zu beabsichtigen oder zu wissen, jedermann zu bezaubern imstande war.

Wie wir sehen, war Gylfe mit einer nicht unbedeutenden äußeren Mitgift für ihre Erdenlaufbahn ausgerüstet und dabei hatte sie auch geistige Fähigkeiten in reichlicher Fülle erhalten. Leider aber waren denselben Eigenschaften des Herzens und Charakters beigemischt, die wohl imstande sind, unter entsprechenden Verhältnissen ein ganzes Menschenleben mit Hindernissen und Widerwärtigkeiten zu erfüllen und es dadurch zu etwas ganz anderem zu gestalten, als wozu es die Vorsehung in ihrer Güte ursprünglich bestimmt haben mag. Gylfe gehörte zu den Menschen, welche die Berechtigung zu haben glauben, sich ins Leben hinein zu singen, zu spielen, zu lachen und zu tändeln, ohne vom Nachdenken gepeinigt zu werden, was die Klippe so mancher heiteren Lebensfreude ist. Wenn sie einmal ein ernster Gedanke erreicht, so besitzen sie das Talent, ihn von sich abzuschütteln, wie der Pudel das Wasser, sie haben die Kraft und Selbstverleugnung, zu sich zu sagen: »Ach, ich will nicht nachdenken, das Nachdenken macht traurig, macht häßlich, macht alt!« – Diese Menschen sind in der Regel, wenigstens dem äußern Anschein nach, sehr glücklich, die ernste Bürde des Lebens belastet sie nicht, kein Kummer drückt sie nieder, kein Schmerz wurzelt dauernd in ihnen. Werden sie einmal gebeugt, so erheben sie sich sogleich wieder, wie die Ähre des Feldes, wenn der Windstoß vorübergesaust ist. So wären sie wahrhaftig zu beneiden, da sie etwas besitzen, was niemand erreichen oder sich aneignen kann, dem es nicht von Hause aus gegeben ist: den so oft belobten leichten Sinn, wenn in dem Worte leichter Sinn eben nicht jene beklagenswerte Beimischung enthalten wäre, die wir schon oben angedeutet haben.

So war Gylfe gerade der vollkommenste Gegensatz von Magnus Brahe, den jeder Windhauch beugte, jeder Schmerz niederdrückte, ja jeder Gedanke peinigte, der seine Gefühle in lebhaften Umschwung setzte, und gerade vielleicht aus diesem Grunde fühlte sich der trübsinnige junge Mann zu ihr hingezogen, wie man ja schon oft die Bemerkung gemacht hat, daß ganz verschiedenartig gestaltete Charaktere sich gegenseitig zu ergänzen die Neigung spüren.

Die oben erwähnten Eigenschaften des Herzens und Charakters nun, die wenige Eltern als eine wünschenswerte Beigabe der Geistesentwickelung ihrer Töchter betrachten mögen, waren, obgleich ihr Keim schon von der Natur in Gylfe gepflanzt sein mochte, zu ihrer vollen Höhe und ihrem ganzen Umfange erst in einer Pensionsanstalt ausgebildet worden, in die sie gebracht zu werden – sagen wir es geradezu – das Unglück betroffen hatte. Und hierbei können wir nicht unterlassen, unsere offene Meinung über dergleichen Institute auszusprechen, da wir leider Gelegenheit gehabt haben, einen tieferen Blick in das Triebwerk dieser dampfmaschinenartigen Vorrichtungen zu werfen und zu erkennen, zu wessen Gunsten sie eigentlich ins Leben gerufen sind, unterhalten und in öffentlichen Blättern über alle Gebühr angepriesen werden, was, gerade herausgesagt, zu gunsten derer gewiß nicht der Fall ist, die darin erzogen und dem Ziele ihrer menschlichen Vollendung nahe geführt werden sollen.

Hiermit soll aber nicht behauptet sein, daß alle solche Anstalten ohne Ausnahme Tadel und Vorwurf verdienen, ach nein! es mag auch recht gute und empfehlenswerte unter ihnen geben, nur sind sie selten, und gerade die besten sind, wie es auch bei anderen Dingen in der Welt geht, die am wenigsten besuchten, wahrscheinlich deshalb, weil sie sich am anspruchlosesten gebärden.

Es ist heutzutage eine unglückliche Modesache geworden, alle jungen Mädchen, deren Eltern ein irgend auskömmliches Vermögen besitzen, in gewissen Jahren – und oft ohne jeden stichhaltigen Grund, bloß in affenartiger Nachbetung dieser oder jener hochtrabenden Familie – in eine Pensionsanstalt zu senden, um ihnen da, wie man sich ausdrückt, die letzte Feile einer guten Erziehung, den letzten Flitter einer großstädtischen Lebensart anlegen zu lassen. Ja, es gibt Städte, in denen es sich die Bewohner einer gewissen bemittelten Klasse beinahe zur Schmach anrechnen, wenn sie ihren edlen Pflanzen diese herrliche Ausbildung nicht zu teil werden lassen, eine Ausbildung, behaupten wir, die unter den Augen einer vernünftigen, naturgemäß denkenden und ihre Schuldigkeit begreifenden Mutter und unter der Aufsicht eines hilfsbereiten, rechtlich handelnden Vaters am allerleichtesten und ohne jede anderweitige Sorge zu erreichen wäre.

In eine solche Pensionsanstalt tritt nun das junge unerfahrene Mädchen mit ihrem bisher natürlich gewachsenen Verstande und ihrer unverfälschten jungfräulichen Schüchternheit ein, eine Blume, die, noch unerschlossen, für künftige Tage den herrlichsten Duft und den reinsten Farbenschmelz hoffen läßt – wie aber tritt sie wieder daraus hervor? Wahrlich, ein tiefer blickendes als das oberflächlich urteilende Auge der Welt kennt sie oft nicht wieder. Vollgestopft mit überflüssigem Wissen, ausgestattet mit, einer Jungfrau oft ganz ungeziemenden Kenntnissen, in allen Sprachen radebrechend, nur ihre eigene Muttersprache nicht kennend, nicht liebend, nicht achtend, die unruhige Phantasie erfüllt mit unerreichbaren Idealen einer glänzenden Zukunft, sinnlich entflammt und das echte weibliche Naturell und Gemüt unterdrückt, schreitet sie wie eine vollendete Weisheitsprophetin aus den geheimnisvollen Hallen; auf persönliche Vorzüge, die man ihr angezwängt hat, pochend, faßt sie die äußere Welt nach ihren beschränkten Ansichten auf, urteilt wie ein alter ausgelebter Mann, fordert gebieterisch die Erfüllung unmöglich zu realisierender Ansprüche, drängt sich der erstaunten Welt als eine bedeutende Persönlichkeit auf und vergißt dabei die zarten Schranken innezuhalten, die keine wohlerzogene Jungfrau jemals zu überspringen wagen sollte. Arme Männer! die eine solche verzogene Treibhauspflanze als das wünschenswerteste Ziel ihres männlichen Strebens erkennen und sie in ihr ehrbares bürgerliches Haus verpflanzen wollen, wo sie nicht allein nicht gedeiht, sondern jedes natürliche Wachstum mit dem stillwuchernden Unkraut erstickt, das sich heimlich in die Wurzel ihres Bestehens eingenistet hat. Denn wie ist es möglich, daß eine solche verbildete Puppe eine ehrsame Gattin, eine tugendhafte Freundin, eine verständige Mutter sein und werden kann? Statt der reinen Milch der Duldsamkeit, der Ergebenheit, der Unterordnung fließt parfümiertes Gift in ihren künstlich erregten Adern, statt vernünftiger, naturgemäßer Gedanken tauchen nur wahnschaffene Ideen in ihrem überspannten Kopfe auf, und was sie für Empfindungen, Gefühle, Sympathien hält, ist nichts als ein Gewirr unverarbeiteter Triebe und Regungen, die nach tausend verschiedenen Zielen irren, anstatt nach einem, dem einzigen zu streben und es in geregeltem Laufe zu gewinnen.

Wer uns nicht glauben oder vielleicht gar wegen dieser reiflich erwogenen Zergliederung hofmeistern, will, der gehe nur in eine solche Pensionsanstalt und sehe sich, wenn er die Fähigkeit und den guten Willen dazu besitzt, die jungen Zierpflanzen darin an. Er höre sie sprechen, wenn sie sich allein glauben oder wenn sie unter Menschen sind, von denen sie die Meinung hegen, sie seien nicht wie sie mit Hilfe einer Anstandsbonne, eines französischen und englischen Sprachmeisters groß geworden, und ihr Vater habe nicht wie der ihre jährlich 600 Taler übrig gehabt, um ihnen Weisheit, Moral und »Tournüre« beibringen zu lassen. Da wird man denn schöne Dinge erleben und unsere Schilderung nicht übertrieben, sondern noch weit hinter der Wahrheit zurückgeblieben finden, denn wir haben bei weitem noch nicht die dunkelsten Seiten dieser sogenannten Erziehungsanstalten aufgedeckt.

In einer ähnlichen Anstalt nun, die sich gleich einer heutigen Tages von uns gekannten rühmen könnte, aus ihrer Schule unter zehn Mädchen neune als Schriftstellerinnen, Künstlerinnen und sonstige aetherische Wesen hervorgehen zu lassen, war auch Gylfe zu einer selbstbewußten Jungfrau herangereift, ihre natürliche Anlage hatte daselbst einen fruchtbaren Boden für exzentrische Wucherungen, eine schmeichlerisch pflegende Hand für ihre Frühreife gefunden, und so war sie als vollendete Erscheinung ihrer Art aus den Reihen der pensionsanstaltbeglückten Mädchen Deutschlands ins Leben hinausgetreten.

Als sie so, innerlich gestählt gegen die feindseligen Anstürmungen der Welt, gepanzert mit eiserner Schnürbrust gegen das Wohlwollen und die natürliche Einfachheit ihrer Mitmenschen, in das Stift zu Bergen trat, glaubte sie eine von Gottes Gnaden beglückte Königin zu sein, der alles huldigend zu Füßen liegen müsse, und sie hielt sich für auserlesen, eine Rolle in der Welt zu spielen, zu der im gewöhnlichen Laufe der Dinge nur Prinzessinnen und derartig hochgestellte Personen berechtigt sind. Kein Wunder daher, daß sie nicht das geringste Verlangen trug, in das einfache Haus ihres edelherzigen Pflegers nach Stockholm überzusiedeln, dessen ruhige Alltäglichkeit und patriarchalische Würde sie kannte; daß sie es vielmehr vorzog, als eine Befehle diktierende Herrscherin auf Spyker zu residieren und da in süßem Nichtstun abzuwarten, welche Fülle von Anbetern ihr der Zufall oder das Schicksal zu Füßen legen würde. Und siehe, das Schicksal hatte es gut mit ihr gemeint, und sie hatte nicht vergeblich auf seine Güte gehofft. Die Allerweltsbesieger, die dünkelhaften, anmaßenden Franzosen, waren bei der allgemeinen Sturmflut der Zeiten auch auf das abgelegene Gut gekommen, hatten auch da ihren vergänglichen Tempel aufgeschlagen und verkündeten von seinen Altären aus das Tagen einer neuen großen Zeit und den überschwenglichen Segen einer glückverheißenden ewigen Ruhmes- und Liebesherrschaft.

Da kamen nun die goldgeschmückten, schlanken, behelmten Reiter auf ihren ganz Europa gestohlenen Rossen, überschwemmten Stadt und Land, traten zu Boden, was seit uralten Zeiten gerecht und ehrsam war, verpraßten mit gierigem Leichtsinn die Güter der widerstandslos Geknechteten und jagten und jubelten in den Wäldern und Häusern derer einher, die sich mit schweigsamer Unterwerfung unter den Willen der modernen Herren der Welt hatten beugen müssen.

Unter den Franzosen, die sich aus Spyker behaglich einnisteten und das wohlerworbene Hab und Gut des abwesenden Herrn verpraßten, befand sich nun jener Monsieur de Caillard, der ein vollkommener Typus der kleinen Machtvollstrecker jener Zeiten war, der Kommandeur einer Schwadron berittener Jäger, ein leichtfertiges Pariser Kind, das die Glorie der großen Nation in jeder Gebärde, in jedem Blick und Worte zur Schau trug.

Monsieur François de Caillard hatte viel Ähnlichkeit im Charakter und den Lebensansichten mit Gylfe, wenigstens jener leichte Sinn, den wir bei ihr angedeutet, mußte ihm vor allen zuerkannt werden, obgleich noch in Gylfe viel Kindliches, was auf Unerfahrenheit basierte, mit unterlief, also Schwäche war, was bei ihm, dem Manne, der sich und das Leben kannte, offenbar als Fehler auftrat.

Trotz seiner anscheinenden Milde, seiner äußeren Schmiegsamkeit und seines gefälligen höflichen Wesens, was man richtiger mit dem bezeichnenden Namen eines geleckten und aalglatt geschniegelten Weltkindes benennen könnte, war er einer der eingefleischtesten herzlosen Egoisten, den man sich denken kann, und der sich zu seiner vollen Größe nur in einem so tumultarischen Leben, wie eine große verderbte und sittenlose Stadt es bietet, emporzuschwingen vermag. Was galt ihm das Wohl oder Wehe, die Zufriedenheit oder Trübsal der ganzen Welt, wenn er selbst nur in sich befriedigt und beglückt war. Mochte alles um ihn her weinen, wenn er nur lachen konnte, mochte alles in Trümmer zerfallen, wenn er nur als ein von sich selbst beweihrauchter Götze auf dem mit eigenen Händen erbauten Altare seines Lebens stand. Es war ihm eine Notwendigkeit, herrlich und in Freuden zu leben, wo er auch war, und aus dem zerstörten Wohlbehagen anderer sich sein eigenes zu schaffen. Und warum sollte er nicht? Wer weiß, wie lange das lustige Leben noch dauert! Man muß für sich sorgen, so lange man oben auf der schaukelnden Woge des Lebens schwimmt. Die sich nicht neben uns halten können, tritt man nieder – warum sind sie so schwach im Sturme der Zeiten? Ich bin ich und sie sind sie! Überhaupt, alles ist eitel auf der Welt, also auch der dumme Gedanke, daß der eigene Vorteil eines anderen Schaden sein muß. Wer sich mit mir einläßt, pflegte er oft zu seinen Kameraden zu sagen, der sehe sich vor, was er tut – ich bin ein harter Felsen, an dem sich schon mancher ohne meine Schuld den Schädel zerstoßen hat. Was ich einmal in meinen Armen halte, muß mit in das Grab, wenn ich begraben werde, was sich an mich bindet, muß mit seinem selbst gewebten Schicksale zufrieden sein.

Mit diesem mehr angedeuteten als ausgeführten Charakter, der heutzutage in großen Städten so häufig geworden ist, daß eben die Andeutung schon genügt, stimmte seine ganze Erscheinung überein. Dieser Franzose war ein echtes vollkommenes Kind seiner Zeit, ein Sohn seines Volkes, ein duftender Pomadenherr, ein Stutzer in Uniform, der sogar Brillanten in den Ohrringen trug, ein Eroberer nicht allein im Reiche der Fürsten, die sein Kaiser bekriegte, sondern auch im Reiche der Gedanken und Empfindungen, wenn wir ihm letztere überhaupt zugestehen dürfen. Daß er daher bei dem kleinen Volke, unter dem er jetzt lebte und wirtschaftete, als ein ausländischer Riese, ein erhabenes Wesen nie dagewesener Größe auftrat, war ganz in der Ordnung, denn angestaunt, bewundert, vergöttert zu werden, das lag ganz in seinen Naturbedürfnissen, das war ein notwendiger Weihrauch, mit dem die Atmosphäre, in der er atmete, geschwängert sein. mußte.

Und diese Vergötterung mußte ihm ja unter diesem kleinen Volke von selbst zufallen, das ihm im ganzen und einzelnen nicht von der geringsten Bedeutung war, und auf dessen angeborene Niedrigkeit er von seiner ursprünglichen Höhe stolz und herrisch herabsah. Denn was war dieses Volk gegen ihn? Er war ja Franzose, das heißt Feind von allem, was sonst auf Erden lebte, Sieger über alles, was ihm entgegentrat, und er sollte Rücksicht auf Menschen nehmen, die auf dieser kleinen, abgelegenen, unbekannten Insel zufällig lebten und Fische fingen? Konnten sie etwa diese Rücksicht beanspruchen? Ha, das wäre ja eine seltsame, nicht zu duldende Anmaßung und Überhebung ihrer selbst gewesen! Was waren sie denn anders, als seine Knechte, seine Untergebenen, als ohnmächtig in seine Hand gelieferte Sklaven! Es kostete ihm nur einen Wink, und sie waren dahin, denn er war ja das zweite Ich, das Spiegelbild seines großen Kaisers, der mit der ganzen Welt tat, was er nur mit ein paar armseligen Menschen versuchte, die kaum einen Namen hatten, der menschlich klang und von seinen Lippen kaum ausgesprochen werden konnte.

Und nun gar eine Frau, ein Mädchen! Was war, was galt ihm ein solches! Was sind überhaupt Frauen in seinem Sinne? Ein Spielwerk, mit dem man tändelt und sich die Zeit vertreibt, so lange es neu und hübsch ist, und das man wegwirft, sobald es alt und häßlich wird. Warum sind die Männer so stark und mächtig und die Frauen so schwach und zerbrechlich? Nehmen sich diese also in acht, daß sie nicht zerquetscht werden, denn das Schwache ist dazu da, im Starken auszugehen und sein nebelhaftes Wesen in dem sonnigen Glorienschein der Größe dieses verschwinden zu lassen.

In seinem Äußeren, um es endlich mit wenigen Worten zu schildern, erschien er wie ein neu vergoldeter Modeherr in Uniform, frisch aus dem Ei geschält, immer höflich, immer lächelnd und triumphierenden Blicks, wenn er nicht seine dienstliche Herrschermiene aufzusetzen für nötig fand. Sein schwarzes funkelndes Auge sprühte sichtbar das Feuer aus, welches in seinen Adern rollte, und seine geschmeidige Gestalt trug schon die selbstbewußte Keckheit zur Schau, mit der sein übermütiger, aller Welt hohnlachender Geist überschwängert war. Schon auf zwanzig Schritte weit bemerkte man ihn, wenn man ihn auch nicht sah, denn er duftete wie der Laden eines Parfümeurs im Palais-royal. Sein schwarzer, wie ein Halbmond spitz nach oben gedrehter Schnurrbart schloß seine feine Spürnase wie mit zwei Ausrufungszeichen ein, als wollten sie dem ihm Gegenübertretenden zurufen, auf der Hut zu sein vor diesem kleinen Eroberer, der sich auch darin vom Glück bevorzugt sah, daß er auf Spyker einquartiert war, denn sogar seiner Meinung nach war dieses alte Schloß einer der wenigen Orte auf Rügen, wo ein anständiger und vornehmer Mann sich einigermaßen behaglich fühlen konnte. So geruhte der gnädige Herr denn, es sich daselbst wohlgefallen zu lassen. Er bewohnte die schönsten Gemächer des Schlosses, speiste täglich mit eingeladenen Kameraden auf das herrlichste, tat dem alten Keller seines abwesenden Wirts alle Ehre an, sorgte dafür, daß die Pferde nicht durch langes Stillstehen steif wurden, jagte in den wildreichen Wäldern nach Herzenslust und liebelte endlich mit der Pflegetochter des Grafen auf eine Weise, die einen Kundigen sehr bald erraten ließ, daß es ihm um wenig mehr als seine augenblickliche Unterhaltung und die Befriedigung einer angeborenen Laune zu tun sei.

So haben wir denn die Verhältnisse auf Spyker im allgemeinen bezeichnet; wenden wir uns jetzt zu den einzelnen Vorgängen, die sich unmittelbar an Waldemars unvermutetes Auftreten in diesem Kreise knüpften.

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