Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Philipp Galen >

Der Strandvogt von Jasmund - Dritter Band

Philipp Galen: Der Strandvogt von Jasmund - Dritter Band - Kapitel 6
Quellenangabe
pfad/galen/jasmund3/jasmund3.xml
typefiction
authorPhilipp Galen
titleDer Strandvogt von Jasmund - Dritter Band
publisherA. Schumanns Verlag
printrunFünfte Auflage
year1905
firstpub1859
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120822
projectide2e79393
Schließen

Navigation:

Fünftes Kapitel.

Der Mensch denkt und Gott lenkt.

Der Tag der Flucht war angebrochen, und wie es alle Mitwisser und Teilnehmer derselben gewünscht, war das Unwetter eingetreten, welches man schon am Abend vorher mit ziemlicher Sicherheit hatte voraussagen können. Der ganze Himmel war mit dicken Wolkenmassen bedeckt, wie sie Rügen so oft heimsuchen, und ein pfeifender Nordostwind jagte über die Gewässer und wühlte sie gegen das Außengestade auf, so daß auch der Bodden wirbelte und kochte, als wäre er in Aufruhr geraten und sehnte sich entfesselt zu werden, um auch einmal brausen zu können, wie die stürmende See jenseits seiner Landschranken.

Als Waldemar früh am Morgen von seinem Versteck aus dies Unwetter sah, gab er laut seine Freude kund und sprach mutige Worte zum Freunde, der mit verschränkten Armen auf dem weichen Moospfühle saß und sinnend vor sich her in das trübe Reich unholder Phantasien starrte.

»Nur immer guten Mut, Magnus,« sagte er, »das Wetter begünstigt uns und also will uns die Vorsehung wohl, die dies Wetter schickt. Wir haben Nordostwind. Wenn er anhält, fahren wir mit halbem Winde bis Lebbin und mit vollem bis zur Buge. Dann aber werden wir lavieren müssen, wenn er sich nicht dreht, oder zu den Riemen greifen, was ein hartes Stück Arbeit sein wird, bis wir Schwedens Küste erreichen.«

»Ich bin noch nicht mit meinen Gedanken in Schweden,« sagte Magnus finster, »es liegt noch viel Wasser zwischen uns und ihm.«

»Hast du deine Absicht geändert, nach deiner eigentlichen Heimat zu gehen?«

Magnus erhob sein mattes Auge, das bei diesen Worten heller aufblitzte. »Nach meiner eigentlichen Heimat?« sagte er, »ja, dahin gehe ich bestimmt, ich weiß es.«

»Ich meine Schweden,« fuhr Waldemar fort, mit Wehmut den Doppelsinn erratend, den der so hoffnungslose Freund in seinen Ausspruch gelegt hatte.

»So – du meintest Schweden. Ach ja, wenn wir es erreichen, werde ich und wirst du geborgen sein. Aber ich erreiche es so wenig wie du.«

»Magnus,« mahnte Waldemar mit ernster Stimme, »verdirb mir wenigstens die Hoffnung und den guten Mut nicht. Warum sollen wir Schweden nicht erreichen, wenn Gott es will?«

»Ja, wenn Gott es will. Aber der Mensch denkt und Gott lenkt, mein Freund, also warten wir es ab. Du ahnst aber vielleicht nicht den Grund, warum ich nicht glaube, daß ich nach Schweden entkomme.«

»Nein, den ahne ich nicht. Welcher ist es?«

»Ich habe einen Traum gehabt –«

»Ach! Schon wieder ein Traum!« dachte Waldemar seufzend.

»Und dieser Traum hat mir gesagt, daß ich glücklich nach Schweden entkommen werde, wenn ich nicht vergesse, was ich mir in jener schrecklichen Nacht auf Spyker gelobt habe.«

»Was hast du dir da gelobt?«

»Mich zu rächen an dem Elenden, der mir das Glück meines Lebens und Gylfe Torstenson den Frieden und die Ruhe des ihrigen geraubt hat. Und das habe ich nicht getan, Waldemar.«

»Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr, Magnus. Ich habe es dir schon einmal gesagt. Oder wolltest du unsern Plan durchkreuzen und anstatt nach Schweden, noch einmal nach Spyker gehen, um diese Rache zu üben?«

»Ich müßte es, wenn ich sicher gehen will; da ich aber entschlossen bin, diesen Plan aufzugeben, so mißglückt mir mein Vorhaben und dir das deine also auch.«

»Das ist eine fixe Idee, Magnus, und der willenskräftige Mann muß sich von dergleichen Einflüssen freizumachen suchen.«

»Das ist keine fixe Idee. Aber laß uns davon schweigen; ich sehe, daß du mich nicht verstehst. Die Folge wird lehren, wer von uns beiden recht hat.«

Waldemar fühlte sich durch diese Unterhaltung unbehaglich gestimmt, wie es nicht anders sein konnte, da sie ihm Unheil voraussagte. Er überlegte im stillen hin und her, ob er auch diesmal seinem Freunde nachgeben solle, aber als er die bereits aufgebotenen Mittel in Betracht zog, und erwog, daß die günstige Gelegenheit, von Rügen wegzukommen, sobald nicht wiederkehren würde, so beschloß er diesmal seinem eigenen Triebe und dem Rate des alten Schweden zu folgen und zu fliehen, so lange noch die Möglichkeit dazu vorhanden war. Mit diesem Gedanken nahm er ein Buch vor und brachte den größten Teil des Tages mit Lesen hin, während Magnus, scheinbar untätig, auf seinem Lager liegen blieb und sich in trübes Sinnen verlor, was ihn immer in die Untiefen seiner Einbildungen riß, die ihn nun einmal nicht frei zu den Sternen emporblicken ließen, die der allmächtige Gott auch über ihn in aller ihrer Herrlichkeit hatte aufgehen lassen.

*

Der trübe Tag verging, der Abend kam heran und Wind und Wetter blieben unverändert, nur der Nebel hatte sich aus der Höhe herniedergesenkt und verhüllte schon in so großer Nähe die Aussicht, daß Waldemar von seinem Beobachtungsposten aus nicht einmal den Wasserstreifen erkennen konnte, der zwischen Pulitz und All-Rügen lag. Mit ernstem Auge und klarem Bewußtsein schaute er auf diese Erscheinung hin, die ihm Gutes, aber auch Schlimmes im Gefolge zu haben schien. Gutes, weil sie die Flüchtlinge und ihr Boot den Feinden verbarg, Schlimmes, weil, wenn der Nebel sich noch mehr verdichtete, ihre Fahrt eine sehr schwierige werden konnte. Und in der Tat, es wäre ein tollkühnes Unternehmen gewesen, bei so dunkler Nacht, so dickem Nebel und so starkem Winde durch die vielfach gewundene Wasserstraße, die Meerengen mit ihren gefährlichen Landspitzen und zahllosen Untiefen einen so weiten Weg zurückzulegen, allein mit dem Beistande erfahrener und kühner Schiffer, die ihr Wasser und Land überall kannten und unter schwierigeren Verhältnissen schon größeren Gefahren preisgegeben gewesen waren, erschien das Gelingen desselben möglich, wenn Nebel und Wind stetig blieben und weder in Seedaak, noch Sturm ausarteten. Aber das befürchtete unser kühner Freund nicht, er hatte nur eins jetzt vor Augen: Befreiung aus der lähmenden Gefangenschaft, Befreiung vom Nichtstun, Befreiung von tausend Befürchtungen, die viel Schlimmeres verhießen, als bisher geschehen war, und so ging er mit Vertrauen auf einen glücklichen Ausgang auch diesem Wagnis entgegen.

Es war zehn Uhr vorbei, als Magnus und Waldemar ihr Versteck verließen und der kleinen Hütte Lebewohl sagten, die sie so sicher beherbergt hatte, um nach dem Strande zu gehen und an der bezeichneten Stelle das Boot des treuen Freundes auf Pulitz zu erwarten.

Der alte Schwede war auch diesmal pünktlich wie immer. In wenigen Minuten kam sein kleines Boot vorsichtig von der Südseite von Pulitz herangerudert und legte dicht am Ufer des Werders an. Außer dem Pächter selber befand sich Jochen, sein bester und zuverlässigster Knecht, und noch ein dritter Mann darin, der den ersteren wieder nach Pulitz zurückrudern sollte, nachdem er die Flüchtlinge an Ort und Stelle gebracht. Aber auch mit anderen nützlichen Dingen war das Boot befrachtet, die man alle der Sorgfalt und dem Wohlwollen des alten Ehepaares verdankte. So waren Körbe mit Eßwaren allerlei Art, Fleisch und Gebackenem, aber auch verschiedene Getränke in wohlverwahrten Kruken und Flaschen vorhanden, als ob es auf einen wochenlangen Ausflug abgesehen wäre. Allein der alte Schwede hatte Mutter Talke bemerklich gemacht, daß sechs Mäuler auf dem Boote vielleicht tagelang zu sättigen wären, und so hatte sie reichlich in jeder Beziehung gesorgt. Außer den Nahrungsmitteln lagen zwei gute Büchsen, Pulver und Blei, auch wollene Decken und warme Kleidungsstücke darin, für den Fall, daß das Wetter naß und kalt werden sollte, damit dann die Reisenden in einem offenen Boote nicht schutzlos der Einwirkung desselben ausgesetzt wären.

Dies alles bemerkte Magnus und Waldemar erst, als man schon unterwegs und in der Mitte des kleinen Boddens war, den man durchfuhr, ohne ein Segel auszuziehen, da der Wind scharf aus Nordost, also den Schiffenden gerade entgegenwehte. Die beiden Ruderer aber, die im Buge saßen, waren kräftig und gewandt und so flog das kleine Fahrzeug rasch und geräuschlos dahin; so daß man bald die Insel Pulitz im Rücken hatte und dem waldgekrönten Vorsprunge bei Thiessow zustrebte, vor den sich jedoch ein so dicker Nebel gelagert hatte, daß er den Blicken gänzlich verborgen war, wie man denn überhaupt auf fünfzig Schritte ringsum weder Land noch Wasser unterscheiden konnte. Der alte Schwede aber hielt unverwandt das Steuer in der gehörigen Richtung fest, und da die Ruderer ihre Riemen mit gleichmäßiger Kraft in Bewegung setzten, so konnte man ziemlich gewiß sein, auf den richtigen Punkt loszusteuern. Leider konnte man weder jetzt noch bei der späteren Fahrt in den ersten Nachtstunden sich zu jeder beliebigen Zeit des Kompasses bedienen, den Waldemar stets bei sich trug und der ihm gewiß bei Bestimmung der ihm bekannten Landspitzen sehr nützlich gewesen wäre, denn die Laterne, die unter einer Verhüllung mitten im Boote stand, durfte man nicht immer zur Hand nehmen und nur von Zeit zu Zeit mußte ein rascher und vorsichtiger Blick darauf hinreichen, sich zu orientieren und eine Übereinstimmung zwischen der Angabe des Kompasses und der Berechnung zu finden, die der Steuernde stets im Kopfe vorzunehmen hatte, damit man nicht auf irgend einen Punkt loslaufe, der von Strandwachen besetzt war oder unter seiner Oberfläche gefährliche Sandbänke verbarg.

Ohne ein Wort zu reden, war man auf diese Weise über Pulitz hinausgekommen, und erst als man die Insel längst im Rücken hatte, wandte sich der alte Schwede zu Waldemar und sagte: »Nun paß auf, mein Junge, und strenge dein gutes Auge etwas an. Ich halte nördlich von Thiessow hinüber, gerade auf das große Steinlager zu, wo der Schilfbusch steht, etwa in der Mitte zwischen Thiessow und Lietzow. Wenn du da ein rotes Licht einen Augenblick in der Luft schweben siehst, so sag' es, denn das wird Piesing mit seinen Leuten sein, die uns dort in einer sicheren Bucht erwarten wollen.«

»Wohl, ich schaue schon danach, aber ich sehe noch nichts. Wird aber das rote Licht nicht auch die Aufmerksamkeit anderer unberufener Lauscher auf uns ziehn?«

»Nein doch, dafür ist gesorgt. Nur von Zeit zu Zeit wird man es zeigen und dann wieder rasch verbergen, damit es nicht zu lange irgendwelchen Blicken ausgesetzt ist, obwohl keines Menschen Auge so leicht durch diesen Nebel dringen kann, der, straf' mich Gott, immer dicker und fast zu dick für Eure Fahrt wird.«

»Noch geht es,« erwiderte Waldemar, »wir sind hier im engen Fahrwasser; im großen Bodden hat es soviel nicht zu sagen, wenn wir einmal die Richtung haben und wissen, daß wir bei diesem Winde etwa in anderthalb Stunden, vor Lebbin sein können.«

»Rechne nicht zu sicher, mein Junge, der Wind ist nicht stichhaltig; er huscht dann und wann still dahin und bis an die Schabe wird ihn Euch die Waldung von Jasmund wegfangen. Rechne also lieber zwei Stunden bis Lebbin, dann bei vollerem Winde bis zur Buge wieder zwei Stunden, einigen Aufenthalt mit eingerechnet, den Euch die Wasserengen und etwaige Wachtschiffe bereiten dürften, und dann könnt Ihr um drei oder halb vier Uhr morgens in der Gegend von Goos auf Wittow sein, wo Ihr bald das hohe Meer erreicht haben werdet. Seid Ihr erst so weit, dann habt Ihr Zeit und braucht Euch nicht zu übereilen. Auf der hohen See lauern keine Franzosen und passen Euch ihre Wachtschiffe nicht auf.«

»Es müßten denn Dänen sein!«

»Ha, die verfluchten Kerle, ja, das ist wahr. Sind unsere nächsten Nachbarn und meinen es so gut mit uns, daß sie sich mit den Franzmännern gegen uns verbinden! Aber habt Ihr schon jemals einen Dänen auf der schwächeren Seite stehen sehen? Na, hoffentlich trefft Ihr keins ihrer Schiffe oder vermeidet es.«

»Ja, wenn der Nebel anhält und bis dahin alles gut vonstatten geht.«

»Darauf muß man rechnen, wenn man ein Wagestück unternimmt, sonst wäre es besser, zu Hause zu bleiben. – Nun, siehst du noch nichts?«

»Nichts, Oheim; am ganzen Horizont da drüben ist kein rotes Licht zu sehen.«

»Heda, Ihr Burschen da vorn! Laßt einmal Eure Streichhölzer etwas langsamer gehen, wir sind am Ende doch von der Richtung abgekommen.«

»Nein, Herr,« antwortete der aufmerksame Jochen, der unausgesetzt ruderte und seinen buschigen Kopf dabei stets, nach der Landseite gewendet hielt. »Wir sind auf ganz richtiger Fahrt und dort luvwärts habe ich eben ein Licht in Thiessow schimmern sehen.«

»Es wird doch nicht das unsrige gewesen sein, Jochen?«

»Nein, Herr, es brannte ruhig und anhaltend in einem Hause und muß ein Herdfeuer im Thiessower Hofe sein; es war groß genug dazu, sonst hätte ich es auch nicht in der Entfernung durch den Nebel wahrnehmen können.«

»Halt,« rief Waldemar freudig. »Wenn ich nicht irre, schwang eben jemand dort ein rotes Licht empor.«

»Wo denn, wo?«

»Genau in unsrer Richtung, aber es ist schon wieder fort.«

»So wird es Piesing sein. Dann nur darauf los. Jungen, zieht einmal kräftig an – so! Aber still, macht nicht so viel Geräusch und immer hübsch langsam und gleichmäßig gezogen!«

Nachdem man auf diese Weise noch etwa zwanzig Klafter durchlaufen hatte, zeigte sich das rote Licht abermals und zwar dicht vor dem Buge des Pulitzer Bootes. Auf Waldemars Zuruf ruhten sogleich die Riemen und das kleine Fahrzeug schoß mit gemäßigter Schnelligkeit, nur seinem Steuer gehorchend, dem Schilfe zu.

Als man nun so lautlos wie möglich dahinstrich, ließ sich aus derselben Richtung, in der das Licht erschienen war, ein leises Pfeifen vernehmen, und augenblicklich tauchte auch das Licht selbst wieder aus der Dunkelheit hervor.

»Sie sind's,« rief Jochen, der dem Schilfe zunächst saß. »Legt um, Herr, wir sind dicht heran.«

Einen Augenblick später hatte man das harrende Boot erreicht, das pünktlich seinen Posten inne hielt. Es war hochbordig und stark genug, um selbst bei stürmischem Wetter die hohe See halten zu können, und mit einem großen Stag- und Ewersegel versehen.

»Guten Abend,« flüsterte der alte Schwede. »Ihr seid es, Piesing, nicht wahr?«

»Wer sollte es sonst sein, der Euch so gut gelaunt empfängt, wenn nicht wir? Nur heran, Herr, so, ich muß Euch schon entern, aber das könnt Ihr Euch wohl von mir gefallen lassen.«

Der riesige Lotse streckte seinen langen Arm aus und schwenkte das Pulitzer Boot herum, als wäre es ein Kinderspielzeug von Baumrinde gewesen, bis es Bord an Bord mit dem großen Ewerschiff lag.

»Nun nicht gezaudert,« rief Adam Sturleson. »Rasch, Herr Graf, steigen Sie an Bord, ich werde die Ladung schon hinüber stauen.«

Magnus sprang zuerst in das Boot, dann folgte ihm Waldemar; dieser wollte sich eben dem älteren Piesing nähern und ihm für seinen guten Beistand danken, als er einen Ruf des Erstaunens hören ließ, denn eine Gestalt hob sich ihm jetzt entgegen, die er sogar in der dunklen Nacht und dem dichten Nebel erkannte.

»Hille,« rief er und streckte schon beide Hände nach ihr aus. »Du selber kommst hierher? Um Gotteswillen, was unternimmst du – wer hat dich zu diesem Wagestück überredet?«

»Niemand, Waldemar, niemand. Ich bin aus eigenem Antriebe gekommen, um deinen Eltern die Botschaft heimbringen zu können, daß du glücklich das Boot erreicht hast, da keiner von den Männern hier nach Sassnitz zurückkehrt; außerdem aber konnte niemand sonst als ich das Kiekhaus verlassen.«

»Keiner, sagst du, kehrt nach Sassnitz zurück? Wo bleibst du denn diese Nacht?«

»Ich werde den Ohm Sturleson bitten, mich mit nach Pulitz zu nehmen und morgen von dort aus nach Jasmund zurückbringen zu lassen.«

»Das soll geschehen, du kleine Hexe,« sagte der Alte, der das Gespräch mit angehört hatte, während er sich eifrig bemühte, die Körbe und Kisten mit Nahrungsmitteln und Flaschen so rasch wie möglich in das große Boot hinüber an einen passenden Ort zu stauen.

»Eigentlich sollte ich dir zürnen,« fuhr Waldemar zu Hille gewendet fort, »daß du dich so unnötig Gefahren aussetzest, die selbst für Männer groß genug sind, aber ich kann es nicht, denn mich rührt deine Aufopferung für meine Eltern.«

»Du tätest auch unrecht, zu zürnen, Waldemar, in einem Augenblick, wo Gott dir so große Gnade erweist, indem er dir Freunde sendet, die dir redlich helfen. Du willst also nach Schweden?«

»So Gott will, ja!«

»Wann kommst du wieder?«

»Wenn wir Frieden haben oder hoffen können, Sieger zu sein.«

»Das sind weitabliegende Aussichten und Hoffnungen. Wenn Ihr aber verhindert werdet, die Küste von Schweden zu erreichen, wie dann?«

»Dann wenden wir uns nach Süden und suchen Colberg zu gewinnen. Auch da gibt es keine Franzosen.«

»Aber dänische Schiffe!«

»Denen muß man aus dem Wege gehen.«

»Auf diese Weise kämst du ja wieder an Sassnitz vorüber?«

»Ja, und wir können uns von weitem grüßen.«

»So gern ich es täte, so sähe ich es doch lieber, wenn dieser Gruß diesmal nicht erfolgte und Ihr zu derselben Zeit schon in Schweden geborgen wäret. Für alle Fälle aber werde ich vor dem Kiekhause ein Stück Wäsche ausbreiten, das soll meine Flagge sein, und wenn du in Sehweite vorübersegelst, magst du eine ähnliche an deinem Maste aufhissen.«

»Gut, das will ich tun, du wirst aber hoffentlich vergebens warten.«

»Nun,« unterbrach der alte Schwede das harmlose Geplauder – »wir sind fertig; seid Ihr es auch?«

»Ja, Ohm,« sagte Hille mit kaum hörbarem Tone, während ihr die hellen Zähren über die Wangen liefen, die sie aber so viel wie möglich vor Waldemar zu verbergen strebte.

»So steige in das kleine Boot, Mädchen, wenn du nicht mit nach Schweden willst.«

Hille befolgte den Wink sogleich, von Waldemar und dem alten Schweden selbst unterstützt, damit sie nicht ausgleite, da die tauige Nachtluft alle Planken glatt und schlüpfrig gemacht hatte. Aber sobald sie im Pulitzer Boote war, kehrte sie sich wieder nach dem großen herum und hielt die überflutenden Augen unbeweglich auf Waldemar gerichtet.

»Nun sagt Euch Lebewohl!« rief der alte Schwede. »Aber macht es kurz, Kinder. Wiedersehen schmeckt besser als Trennung.«

Waldemar streckte seine Hand mit einer unwillkürlich etwas heftigen Bewegung nach Hille aus; Hille faßte die seine und hielt sie eine Weile fest, ohne ein Wort dabei sprechen zu können.

»Ich danke,« sagte Waldemar endlich mit gebrochenem Tone, »ich danke tausendmal! Gott segne dich, Hille, dich und die Eltern. Grüße sie herzlich von mir.«

»Ja – und Gott segne dich auch!«

Der alte Schwede stieg hastig in das kleine Boot zurück und gab Piesing, der schon am Steuer des großen saß, einen Wink mit der Hand. Auch Jochen war schon auf seinen Platz im Schnabel getreten und hielt die Schote des Stagsegels in der Hand, das bereits entrollt war und heftig im Winde flatterte. Neben Jochen saß der Lotse Gingst aus Sassnitz, auf der vorderen Bank der jüngere Piesing aus Lietzow. Magnus hatte die Ducht unter dem großen Segel eingenommen, Waldemar stand noch dicht neben Piesing in der Nähe der Ruderpinne und dem Boote Sturlesons zugekehrt.

»Gute Reise und grüßt mir mein Vaterland!« rief dieser und stieß sein Boot kräftig von dem großen ab.

»Lebe wohl!« tönte es aus beiden Booten hinüber und herüber, und einen Augenblick darauf holte Piesing der Ältere die Schote des Ewersegels an, das Boot beugte sich seitwärts und folgte dann der Gewalt des Windes, der es sogleich mitten in das Fahrwasser des kleinen Boddens riß.

Zwei Minuten später sahen sie ihren früheren Begleiter schon nicht mehr; er war im Schatten der Nacht verschwunden, und auch der Nebel hatte das Seinige getan, ihn in seinen undurchdringlichen Mantel zu hüllen.

Waldemar ließ sich sprachlos auf die Bank neben Magnus nieder. Ganz gegen seine Gewohnheit war er in tiefe Träumerei versunken, die ohne Zweifel etwas Schmerzliches hatte.

»Waldemar!« sagte da eine Stimme leise an seiner Seite.

»Was willst du, Magnus?« fuhr der Angeredete halb erschrocken empor.

»Du kannst zufrieden sein mit diesem Abschied. Ein treues Herz begleitet dich bis an die letzte Pforte der Möglichkeit. O Gylfe, warum bist du nicht wie dieses Mädchen? Du hättest viel von ihr lernen können!«

»Es ist nur ein einfaches Landmädchen,« erwiderte Waldemar, ohne zu wissen, was er sprach.

»Aber sie ist tugendhaft und treu.«

»Tugendhaft? Ja. Aber treu – wie meinst du das?«

»Sie ist dir nicht abtrünnig geworden, wie Gylfe mir.«

»Das wurde ihr nicht schwer, denn sie war meine Geliebte nicht.«

»Nicht? Du täuschest dich vielleicht selber.«

Er erhielt keine Antwort mehr; nur der Wind, der von Jasmund herüberstrich, brauste in seinen Ohren, und in seinem Herzen wühlte von neuem ein Orkan auf, der noch lange nicht ganz besänftigt war und immer wieder mit der alten Gewalt ausbrach.

*

Eine Weile fuhr man schweigend fort, der Nordostwind blähte die Leinwand auf und trieb das gut segelnde Boot mitten durch den kleinen Bodden nach Norden hin.

»Es zieht gut,« sagte endlich Piesing an der Pinne und blickte vergnügt zu dem Raasegel auf, das vor ihm den Wind von der Steuerbordseite her empfing. »Wenn wir über die Fähre hinaus sind, können wir noch ein Leesegel aufsetzen, meint Ihr nicht, Herr Granzow?«

»Ja, tut, was Euch nützlich scheint. Ihr seid ein zu erfahrener Schiffer, als daß wir Euch nicht vollkommen vertrauen sollten. Nur, meine ich, würdet Ihr gut tun, so weit wie möglich von Jasmund abzuhalten, damit wir nicht zu nahe an der Lietzower Fähre vorüberkommen, von wo aus man uns sehen könnte.«

»Das versieht sich – seht, ich halte schon westwärts. Aber der Nebel begünstigt uns sehr und die Herren Franzosen, die an der Fähre biwakieren, können sich die Augen ausgucken und werden doch nichts erblicken.«

»Biwakieren sie wirklich schon unsretwegen dort?«

»Wie wenn sie vor einer Festung lägen, die sie im Sturm nehmen wollen. Die Esel! Als ob ein Mann von Rügen die Fähre wählen würde, um von einer Insel zur andern überzusetzen, wenn er ihnen entschlüpfen will! Gelt, das sind keine Insulaner, selbst die Dänen würden klüger sein! Aber hier in Lietzow fürchte ich sie nicht, das Fahrwasser ist zu breit, und auf Booten treiben sie sich nur bei Tage umher. Vor der Wittower Fähre aber habe ich Respekt, das Wasser ist mir für unsere heutige Fahrt etwas zu enge, und wenn der Nebel fallen sollte, oder die Teufel gegen Morgen auf Booten herauskommen, dürften wir einen schweren Stand haben.«

»Nicht verzagt vor der Zeit! Meiner Meinung nach sind wir hier dicht an der Naselow.«

»Ihr habt recht, so weit sind wir. Jetzt aber muß ich, ostwärts hinüber, der kleine Bodden wird hier sehr seicht, und unser Boot – es heißt die Grille – geht etwas tief.«

»Wo habt Ihr es hergenommen?«

»Es gehört eigentlich nach Arcona und hat erst vorgestern die Reise mit Getreide hierher gemacht. Die Franzosenkerle schleppen alle Außenboote einwärts, wo sie sie nur ergattern können, diesmal aber haben sie uns damit die Mahlzeit aufgetischt.«

»Halte noch mehr nach Lietzow hinüber!« rief der jüngere Piesing vom Buge her. »Es ist mir, als ob ich den Sand unter unserm Kiele knirschen fühlte.«

Der Steuermann befolgte augenblicklich den Wink, die Schoten wurden etwas nachgelassen, und die Grille strich scharf nach Lietzow hinüber.

»Ha, was ist das?« rief Waldemar plötzlich.

In der Richtung nach Lietzow lohte in diesem Augenblick ein in Nebel schwimmender düsterer Lichtstrahl auf, der schnell an Größe zunahm, und hoch in die Luft flackerte. Das Nebelchaos, das zwischen ihm und den Segelnden wogte, dämpfte seinen glühenden Schein, aber dennoch durchdrang er die dichten Luftschichten und bot in seiner hin und her flatternden Gestalt einen gespenstischen Anblick dar.

Gleich darauf zeigte sich in der Ferne, etwas mehr nordwärts, ein zweites Feuer und bald darauf ein drittes, was den Beweis lieferte, daß man es mit der Bewachung der Fährstraßen sehr ernstlich nehme.

»Ha! Da haben wir sie ja schon,« rief der riesige Piesing. »Das sind die Franzosen mit ihren Biwakfeuern, die sie so hoch schüren, um sich zu wärmen, die frostigen Hunde, und um uns besser zu sehen. Na, wenn die einmal einen Winterfeldzug machen sollten, dann sind sie geliefert!«

Nach diesen Worten verhielt er sich still, wie alle Übrigen im Schiffe, denn man war der Landungsstelle sehr nahe gekommen, und dicht am Ufer hatte sich ein Trupp Soldaten um das Feuer gelagert, so daß man sogar einzelne Gestalten im Scheine desselben unterscheiden konnte.

Lautlos kam die Grille vor dem Feuer an, und lautlos strich sie daran vorüber, nur das Brodeln des Wassers vor ihrem Buge ließ sich innerhalb des Boots vernehmen, während es nach außen hin der in den Baumwipfeln sausende Wind verschlang. In wenigen Minuten war daher keine Gefahr mehr, vom Lande aus bemerkt zu werden, vorhanden, und man segelte nun, von dem östlichen Ufer abhaltend, möglichst weit nach der westlichen Seite des schmalen Wassers hinüber, um sich nicht ganz den Wind von dem Semperschen Hochlande wegfangen zu lassen.

Die Meerenge zwischen dem großen und kleinen Bodden ist aber nur eine Viertelmeile lang, und diese kurze Strecke hatte man bald zurückgelegt. Daß man nun im großen Bodden war, sah man zwar nicht, denn die weite Wasserfläche war ja durch den Nebel den Augen der Flüchtenden entzogen, aber man konnte es deutlich an den größeren Wellen wahrnehmen, die sich ungestüm vom Jasmunder Strande herwälzten, da sie der herrschende Wind gerade nach Westen trieb. Auch fühlten die Segel wohl die stärker treibende Kraft, und die Grille beugte ihr Backbord tief in das Wasser, da die Gewalt des Windes die Segel nach dieser Seite niederdrückte.

Die Männer auf dem Boote hüllten sich fester in ihre Sturmwämser, die sie alle zur Hand hatten, denn der Wind blies frischer und frischer, je weiter sie in das Binnenwasser vordrangen. Am heftigsten aber wehte er, als man der Mündung des Spykerschen Sees nahe kam und hier das schützende Land allmählig schmäler ward, – bis er endlich stürmisch wurde, als nur noch der dünne Erdgürtel, den wir schon früher mit dem Namen Schabe bezeichnet, den Bodden vom freien Meere trennte, und das niedrige Ufer dem Andrängen der Luftströmung kein Hindernis mehr in den Weg legte.

Waldemar hatte längst im stillen berechnet, in wieviel Zeit sie in die Gegend von Spyker gelangen würden, aber er verschwieg es weislich, um seinem Freunde nicht wieder wehe zu tun, indem er ihn an die naheliegende Heimat erinnerte. Er hatte sich aber in Magnus geirrt, wenn er von ihm gedacht, er werde jene Berechnung nicht auch für sich anstellen. Denn als Waldemar nach Ablauf einer kleinen Stunde, seitdem sie die französischen Wachtfeuer passiert, nach Osten blickte und den Nebel vergeblich zu durchdringen strebte, der ihm die Aussicht auf das Land verhüllte, legte sich Magnus' Hand sanft auf seine Schulter, und eine bebende Stimme sagte langsam und feierlich:

»Dort liegt Spyker, Waldemar. Still ruht die Mitternacht auf meinem väterlichen Hause. Wie mag es darin aussehen? Ha, mich ergreift eine namenlose Begier, ans Land zu steigen und noch einmal sein mir heiliges Dach aufzusuchen. Was meinst du, soll ich es unternehmen?«

»Zu welchem Zweck?« entgegnete Waldemar, ablehnend den dunklen Kopf schüttelnd. »Willst du dir ganz den Schädel einstoßen, der jetzt schon wirr und wüst genug ist? Ich dächte, du wärst froh, jene Erinnerungen hinter dir zu haben, und sehntest dich nicht noch einmal nach ihnen zurück. Aber tue, was du willst, ich für meine Person möchte diesmal lieber nach Schweden gehen.«

»So will ich dir folgen, wenngleich mir eine innere Stimme sagt, daß ich das schwedische Land nicht betreten werde. Mag es denn gehen, wie es will – ja, ja, ich sehe es, der Mensch kann nicht wider sein Schicksal streiten.«

Mit diesen Worten lehnte er sich zurück an den Mast, vor dem er saß, hüllte sich fest in seine Decken und schloß die Augen, als wollte er nicht ihnen einmal erlauben, durch die Luft zu dringen, dahin, wo das unselige Vaterhaus lag, das ihm früher so lieb und teuer gewesen war. –

»Wo denkt Ihr, daß wir jetzt sind?« fragte nach langer in allseitigem Schweigen hingebrachter Pause der ältere Piesing den jungen Granzow, als dieser sich aus seiner Untätigkeit aufgerafft hatte, um ringsherum zu spähen, ob nicht irgend etwas zu entdecken wäre, woran er ein Gespräch knüpfen könnte, denn sein rastloser Geist fühlte sich durch das lange Schweigen und das Nachsinnen über trübe Dinge äußerst bedrückt.

»Wo wir sind, Piesing? Ei, das, dächte ich, wäre nicht schwer zu sagen für jemanden, der sich jeden Fuß breit Landes gemerkt hat, an dem wir vorübergekommen sind. Meiner Meinung nach müssen wir gleich westlich den Liddowschen Haken haben, also in zwanzig Minuten in der Meerenge von Lebbin sein – habe ich recht?«

»Auf ein Haar, Meister Granzow, und ich wundere mich, daß Ihr das so gut wißt, da Ihr doch nichts vom Lande vors Gesicht gekriegt habt.«

»Euch ist es ja ebenso ergangen, und Ihr wißt es.«

»Ha, ich! Das ist etwas anderes. Ich steure das Schiff, und ein Steuermann muß pflichtgemäß stets im Kopfe rechnen, besonders in diesem kleinen faulen Wasser. Außerdem aber habe ich wahrhaftig diesen Weg unter ähnlichen Umständen öfter als Ihr zurückgelegt, da ich den Jahren nach Euer Vater sein könnte, und die ganze Zeit meines Lebens in diesen Meeren zugebracht habe, also muß ich ihn auch besser kennen. Doch vielleicht irre ich mich. Ich bin nur ein gemeiner Lotse und habe nicht die Wissenschaft in mir, die Ihr zu erlernen tausendfache Gelegenheit gehabt, und das muß wahr sein, man hört es wenigstens alle Tage, die Wissenschaft überflügelt alle Erfahrung, und wohl dem, der sich bescheiden kann, das als eine Sache hinzunehmen, die nicht zu bestreiten ist.«

»Ihr setzt Euch zu tief herab, guter Piesing. Was mich wenigstens betrifft, so schätze ich Eure Erfahrung höher als meine Wissenschaft und ordne daher meine Meinung jederzeit der Euren unter.«

»Tun Sie das nicht, junger Granzow, lassen Sie Ihr Licht leuchten, so hell es will, es ist klar, und wir alle erkennen das an, die wir aus der Schule Ihres Vaters sind, der ein tüchtiger Seemann ist und seinerzeit ein unerschrockener und braver Lotsenkommandeur war. Aber es ziert ein junges Blut, wenn es bei seinem Werte zugleich bescheiden ist, und das haben wir von jeher an Euch zu schätzen gewußt und lieben Euch auch alle darum. Doch nun genug davon, es ist heute nicht die Zeit, mit der Bescheidenheit große Dinge zu verrichten; wenn Ihr also etwas besser wißt, als wir, so sagt es gerade heraus, ich lerne noch in meinen alten Tagen gern etwas Neues, da ich weiß, daß ein Mensch nicht alles wissen kann. – Heda, Ihr Jungen da vorn, schlaft Ihr? Ihr seht ja, daß ich nach Westen wende, also helft Eurem Segel ein Bischen nach.«

»Wir erwarteten nur Eure Befehle,« sagte der untertänige Jochen, der von dem alten Schweden gut geschult war, während der schweigsame Bruder des Riesen schon seine Schoten angezogen hatte.

»So, jetzt sind wir Gelm gegenüber, und hier herum muß die Lebbiner Spitze liegen. Seht mal nach, Herr Granzow, was Eure Uhr ist.«

Waldemar bückte sich zur Laterne nieder, die in einem bedeckten Wassereimer zu seinen Füßen stand, und sah nach der Uhr. »Es ist zwei vorbei,« sagte er, »und mir scheint, wir haben uns etwas über Gebühr bei Thiessow aufgehalten.«

»Zeit genug,« bemerkte Magnus, der nur höchst selten sprach, »wir kommen früh genug an unser Ziel.«

»Wenn wir wüßten, wo wir morgen nacht schlafen werden,« nahm Piesing das Wort auf, »so wäre mir das recht angenehm, da ich es aber nicht weiß und wissen kann, so bemühe ich mich auch nicht, darüber nachzudenken. Es wäre vergebliche Arbeit, und die scheue ich wie den Tod. Aber seht, Herr Granzow, jetzt sind wir wieder im engen Fahrwasser, und doch däucht mir der Nebel dünner zu werden.« »Er wird nicht dünner, Piesing, aber der Tag oder vielmehr der Morgen ist in der Nähe, auch wirkt vielleicht das Mondlicht etwas stärker, da hier kein hohes Land zwischen dem Monde und uns liegt, der im Westen vor uns steht.«

»Donnerwetter, ja, daran habe ich nicht gedacht. Seht wie Eure Wissenschaft besser ist als meine Erfahrung.«

»Nur beide zusammen, Piesing, machen den Mensch für seine Stellung vollkommen brauchbar.«

»Ja, ja, der Meinung bin ich auch. – Jetzt aufgemerkt, Ihr Jungen da vorn, ich halte ganz nach Westen hinüber, und so wird der Wind bald mit vollen Backen hinter uns herblasen, was auch nicht ganz angenehm ist. Nun still, Kinder, da drüben zur Rechten liegt der Breeger Bodden, und wir kommen bald an die Camminer Fähre. Da werden wir wieder französische Feuer sehen.«

»Schade,« sagte Waldemar, »daß sie mit Rügianischem Holze genährt werden, sonst wollte ich es ihnen noch danken,, daß sie die Güte haben, uns die Stellen anzudeuten, die wir vermeiden müssen.«

Piesing brummte mürrisch etwas vor sich hin; Waldemar hatte einen Punkt berührt, der allen Inselbewohnern schwer auf dem Herzen lag, denn das schmerzte sie am tiefsten, daß die Franzosen in zwei Jahren mehr Holz verbrauchten, als in fünfzig gewachsen war. »Da brennen sie schon!« rief er plötzlich. »Seht Ihr sie? Da, ich zähle eins – zwei – drei. Paßt auf, da vorne, ob Ihr ein Wachtschiff wittert.«

»Hier werden wir keins finden,« erwiderte der Lotse Gingst, »wir sind noch nicht an der Eingangspforte von Rügen, aber eine halbe Stunde später, wenn der Wind so fort bläst, werden wir sie wohl zu Gesicht kriegen, denn sie werden doch nicht so dumm sein, das Wittower Schlupfloch offen zu lassen?«

Jetzt war man ganz in den engen, ziemlich glatt verlaufenden Kanal eingesegelt, der Rügen von Wittow trennt. Die Wachtfeuer am Camminer Ufer waren schnell im Nebel, verschwunden, denn die Grille, vom vollen Nordost getroffen, schoß unter ihrem straff gepreßten Raasegel dahin, obgleich es durch das Segeln vorm Winde, wie es der Seemann nennt, dem Stagsegel den Luftzug abfing. Allein der herrschende Wind war für das Hauptsegel schwer genug, um das Boot, flüchtig vorwärts zu treiben, und da man sich, dem natürlichen Laufe des Kanals folgend, bald etwas nach Süden bewegte, so war Hoffnung vorhanden, daß auch das Stagsegel nicht lange außer Tätigkeit bleiben würde. Fünf Minuten, später bestätigte sich diese Hoffnung, und mit beschleunigter Eile flog man dahin, als würde man durch unsichtbare Gewalt über die Wellen gerissen.

»Es geht flott,« bemerkte Waldemar. »Wenn nur die Leinwand hält, sie ist mir fast zu straff gespannt. Ich glaube, wir machen hier doppelt so viel Knoten als im Bodden und werden bald am Woldenitzer Haken sein.«

»Das ist auch mein sehnlichster Wunsch,« entgegnete Piesing, »ich wäre gar zu gern bei voller Nacht durch die Wittower Enge gefahren, aber wie es scheint, wird nichts daraus, denn es wird auffallend rasch heller, und der Nebel – nun, was sagt Eure Wissenschaft jetzt dazu, Herr Granzow?«

»Sie streicht vor Eurer Erfahrung die Flagge, der Tag ist es nicht allein, der Licht bringt, auch der Nebel fällt, jetzt sehe ich es.«

»Oder steigt, was für uns heute ganz dasselbe ist. Verflucht! Ich kann mit meinen Katzenaugen schon vierzig Schuh weit rings um mich sehen. Ganz hübsche Wellen das, nicht wahr, mein Junge?«

»Ja, sie rollen vortrefflich. Eine würgt die andere ab, und da draußen werden sie noch besser rollen und würgen.«

»Ach, ich wünschte, ich könnte sie erst da draußen rollen sehen, dann hätten wir Wittow mit heiler Haut hinter uns; aber so weit sind wir noch nicht, und das kränkt mich.« –

So war man allmählich der Wedder Spitze gegenüber angekommen, und alle Augen, die an Bord waren, sahen sie zu ihren Schrecken ganz deutlich und fast vom Nebel frei in das Wasser vorspringen. Kein Mensch sprach ein Wort, nur die Augen blitzten sich ernste Gedanken zu. Piesing war von der Steuerbank aufgestanden und ragte mit seiner hohen Figur wie ein dräuender Meergott aus dem Boote auf. Seine Augen flogen nach allen Seiten und verschlangen zunächst die nächste Umgebung und dann den Horizont, so weit es der rasch aufsteigende Nebel gestattete.

»Noch sehe ich nichts,« sagte er, »aber ich kann freilich die Wassermenge noch nicht ganz überblicken. Der Wind tut seine Schuldigkeit, Gott sei Dank! Wenn er jetzt zu blasen aufhörte, wäre es schlimm. Ha, da fällt mir zu rechter Zeit etwas ein. Wir befinden uns im Kriege, und da ist jeder Kniff erlaubt. Ich habe einen Lappen dänischer Flagge, Herr, soll ich ihn aufhissen, um die etwaigen Frühaufsteher zu foppen?«

»Nein!« riefen Magnus und Waldemar in einem Atem. »Wir fahren nicht unter dänischer Flagge.«

»Ich auch nicht gern, aber eine List, denke ich, ist keine Schande. So lassen wir es also. Aufgepaßt, Ihr da vorne, und sobald Ihr ein Segel oder Ruderboot seht, komme es, woher es wolle, so gebt Ihr ein Zeichen.«

Waldemar bückte sich zu der Laterne nieder und blies sie aus. Man brauchte sie nicht mehr, denn der Morgen dämmerte langsam herauf und goß trotz des Nebels ein fahles Licht über die rollenden Gewässer, das von Minute zu Minute leuchtender wurde und endlich an beiden Seiten das Land mit seinen grünen Ufern erkennen ließ, das nur noch von einem dünnen Nebelflor umschleiert war.

»Was ist die Uhr?« fragte Piesing noch einmal.

»Es ist halb vier, und in wenigen Minuten werden wir der Fähre gegenüber sein; der Breeger Bodden liegt schon hinter uns.«

»Gott gebe, daß wir keinen Widerstand treffen,« dachte Waldemar, »ich möchte nicht im letzten Augenblick, wo ich mein Vaterland verlasse, Blut fließen sehen, daß meinetwegen mit vergossen wird. Vater da oben, lenke es zum Besten, ich spreche nicht aus Furcht, sondern aus –«

»Menschenliebe!« wollte er zu sich sagen, aber da schreckte ihn ein Zuruf, der vom Schnabel her erscholl, aus seinen Gedanken. »Feuer!« lautete die Meldung. »Ein – zwei Stück bis jetzt, und sie brennen dicht am Ufer.«

»So, also jetzt sind wir heran,« bemerkte Piesing der Ältere. »Jetzt macht Euch fertig, Leute. Es gilt einen schnellen Lauf und ein kaltes Herz. Noch seh' ich nichts, aber wenn sie kommen, müssen wir darauf vorbereitet sein. Sollten sie schießen, Jungen, so bückt Euch. Ich habe eine Krokodilshaut, mir schadet das nichts, und einer muß das Steuer halten. Falle ich, so faßt Ihr es, Granzow, alles Übrige versteht sich von selbst.«

Jetzt rüttelte sich auch Magnus aus seiner Apathie auf. Er hörte von Kampf und Sterben sprechen, und das hauchte wie immer Feuer in sein kühles Blut. Er bückte sich, sah nach seinen Pistolen und griff nach einer Flinte, deren Schloß er prüfte.

»Wer hat das Kommando?« fragte Waldemar in einem ihm selten entschlüpfenden strengen Tone.

»Nehmt Ihr es,« sagte Piesing rasch, »Ihr seid gewandt und kaltblütig dazu. Der Herr Graf nimmt es nicht übel, denn er ist kränklich, und das trübt das gesundeste Auge.«

Magnus lächelte schwermütig und blickte dann zustimmend seinen Freund an. »Nimm es,« sagte er ruhig, »ich nehme es nicht übel, denn ich kenne dich, wie ich mich kenne, und vertraue dir mehr als mir. Was wirst du also befehlen?«

»So schießen wir nicht eher, als bis die höchste Not es gebietet, dann aber sicher und immer nach dem Steuermann, wenn es kein Landsmann ist. Überhaupt liebe ich in so engem Wasser das Knallen der Flinten nicht, es zieht uns zu viel Feinde auf den Hals, so lange wir nicht freie Fahrt haben. Kommen sie uns etwa von Grieben aus entgegen, meinethalben, dann liefern wir immerhin eine Schlacht, aber hier –«

»Hier rennen wir sie nieder! Brav!« rief Piesing, »das ist auch meine Meinung. Und wer mir vor den Bug meiner Grille kommt, den bohre ich in den Grund. Wir sind fest an unsrer Brust gepanzert und können einen guten Puff vertragen, zumal wir mit dem Winde segeln. Also fertig, alles in allem.«

Alle Köpfe hatten sich jetzt gegen Westen gewendet, und alle Augen waren starr auf die Wasserfläche gerichtet, die in ihrer ganzen Ausdehnung bis zur schmälsten Enge vor ihnen lag, ja sogar schon hinter derselben tauchte das breitere Wasserbecken auf, welches man den Rassower Strom nennt, der gegenwärtig mit großen rollenden dunkelgrauen Wogen bedeckt war.

Piesing warf Waldemar einen Blick zu, der so viel sagen wollte als: Es ist kein Schiff in Sicht. Aber kaum hatte er ihn abgesendet, so stieß er einen zischenden Laut aus und deutete nach Wittow hinüber. Waldemar hatte zu gleicher Zeit mit ihm dieselbe Bemerkung gemacht. Ein mit Ruderern bemanntes Boot stieß einige hundert Klafter von ihnen vom Lande ab und strich quer über das Wasser, augenscheinlich in der Absicht, um ihnen den Weg abzuschneiden.

»Da sind sie!« rief Piesing. »Aber sie kommen zu spät; ich halte nach dem Trenter Wege hinüber, so werden sie gerade zur rechten Zeit zur Stelle sein, um unser Kielwasser zu durchschneiden. Paßt auf die Segel, Jungen, und jeden Luftzug benutzt Ihr!«

»Halt!« rief der jüngere Piesing vom Buge aus, und in demselben Augenblick hatten auch Magnus und Waldemar die neue Gefahr bemerkt, denn von der Rügenschen Küste zu ihrer Linken stieß soeben ein gleichfalls stark bemanntes Boot ab und bemühte sich mächtig, dasselbe Ziel zu erreichen, welches das Boot von Wittow aus erstrebte.

»Ha!« rief Waldemar beherzt und mit funkelnden Augen aus, »sie wollen uns in die Mitte nehmen und, wie zwei Bullenbeißer das Wild, an beiden Ohren packen. Aber auch sie haben falsch gerechnet und kommen zu spät, wir fliegen und sie flattern nur. Haltet jetzt getrost die Mitte, Piesing. Vorwärts! In der Mitte ist frei Wasser genug für uns.«

Piesing nickte Beifall; das Steuer hatte den Druck schon erhalten, und die »Grille« flog wie ein wackerer Renner durch die Flut, die hoch auf an seinem Schnabel emporspritzte und ein ächzendes Stöhnen hören ließ, als würde es ihr schwer, so schnell aus dem Wege zu weichen.

»Es wird gehen,« sagte Magnus mit seiner ruhigen Würde, die er in gefährlichen Momenten immer zeigte, »wiewohl etwas knapp. Ha, sie braien uns schon an – was wollen sie?«

Die Franzosen, die in den beiden von entgegengesetzten Seiten auf die Grille zusteuernden Booten saßen, brüllten dieser nicht allein durch ein Sprachrohr, sondern auch mit allen ihnen zu Gebote stehenden Stimmen den Befehl zu, beizulegen und sich gefangen zu geben, denn, mochten es nun Feinde sein oder nicht, sie wollten unter jeder Bedingung Rechenschaft von der frühen Fahrt der Reisenden abgelegt haben.

Alle in der »Grille« Sitzenden verstanden den Befehl, aber keiner beachtete ihn oder zeigte die geringste Neigung, ihn zu befolgen.

»Sehr gut gebrüllt!« sagte der unerschütterliche Piesing, »das muß man sagen, trotzdem sie an so frühem Morgen gewiß noch nüchtern sind, aber wir haben leider sehr schlechte Ohren, und der Wind allein braust in ihnen. Aufgepaßt also, Jungen, sie werden ihren Wink gleich verständlicher wiederholen.«

Er hatte noch nicht ausgesprochen, so krachten einige wohlgezielte Schüsse von dem Wittower Boot herüber, denen alsbald die Antwort von dem zweiten folgte, die jedoch beide ohne Wirkung blieben, denn die Bewegung der Wellen war zu mächtig, und die beiden kleinen Boote tanzten wie Nußschalen darauf herum, so daß die Kugeln weit über ihr Ziel hinausflogen.

»Gut gezielt, das muß wahr sein, die Luft haben sie sicher getroffen,« spöttelte Piesing, während die andern im Boote sich vollkommen schweigsam verhielten. »Die Franzosen mögen zu Lande wohl tanzen und schießen können, aber auf dem Wasser, das eine Böe durcheinander rüttelt, können sie es nicht. Doch halt – Donnerwetter! Was ist das? Wir haben die Augen nur nach rechts und links gehabt – da kommt Nummer drei angeschaufelt, und gerade mitten auf uns los steuert der mutige Junge.« Alle drehten die Köpfe nach der Spitze des Bootes und bemerkten, was ihnen bisher die aufgespannten Segel verborgen hatten, zumal ihre Aufmerksamkeit auf die seitlichen Feinde allein gerichtet gewesen war, daß nämlich gerade von vorne her, die Mitte der Wasserenge genau innehaltend, ein drittes Boot herangerudert kam, das ihnen den Weg abschneiden und sie mit kühner Stirn aufhalten wollte, bis die Hilfe von den Seiten herangekommen wäre.

Magnus und Waldemar sowohl wie die drei anderen Männer griffen jetzt zu ihren Schußwaffen und machten sich bereit, nicht ohne Kampf den Schauplatz zu verlassen. Kaum aber sah das der ältere Piesing, so vergaß er, wer das Kommando hatte und rief mit einer Donnerstimme: »Ruhig, Ihr da mit Euern Knallern! Mit denen da vorn werde ich ganz allein fertig. Ich segle sie nieder, ehe sie an uns heran zu sein denken, denn die »Grille« überragt sie um zwei Drittel Höhe und läuft mit vollem Winde auf sie los. Hurra, meine Burschen, haltet Euch fest, es gibt einen guten Ruck, aber er wird uns die aufdringlichen Racker vom Halse schütteln.«

Mit atemloser Spannung hatten die im Boote Sitzenden diesen Zuruf gehört und sahen nun seiner Ausführung entgegen, wobei sie ganz vergessen zu haben schienen, daß sie auch von der Seite her bedrängt werden konnten. Gerade vor ihnen, etwa nur noch zwanzig Klafter von ihnen entfernt, ruderte ein kleines, schwächliches Boot heran, das bei dem hohen Wellenschlage mit Menschen fast überfüllt war Aber nicht die Flüchtlinge allein, auch ihre Verfolger von beiden Seiten schauten mit Ungeduld und Spannung auf den nun folgenden Vorgang hin, indem sie die kühne Erwartung hegten, das zuletzt sichtbar gewordene Boot, ein schlau berechneter Hinterhalt, werde die »Grille« aufhalten, worauf sie dann selbst an Bord derselben gelangen und seine Insassen gefangen nehmen würden, die, nach ihrem ganzen Gebahren zu urteilen, unzweifelhaft die überall vergeblich gesuchten Staatsverbrecher waren.

»Hoho!« sagte jetzt Piesing, und sein Gesicht nahm einen Ausdruck furchtbaren Hasses und wilder Leidenschaft an, »sie denken uns schon zu haben, aber dabei ahnen sie weder, was ihnen selbst bevorsteht, noch fühlen sie den Durst, den sie sogleich löschen werden. Die Tröpfe! Aufgepaßt! Nach dem Stoße wende ich einen Strich nordwärts, vergeßt also die Segel nicht.«

Das von dem unerschrockenen Sassnitzer Lotsen beabsichtigte Manöver war seiner Ausführung nahe. Er leitete es folgendermaßen ein. Das von Wittow heransegelnde Boot war am weitesten von der »Grille« entfernt, also am unschädlichsten. Zwischen ihm und dem dritten durch Ruder getriebenen Boote blieb ein kleiner Spielraum, der möglicherweise zum Schlupfloch für die Flüchtlinge dienen konnte, was auch die Franzosen anzunehmen schienen. In demselben Augenblick nun, als die »Grille« über die beiden von den Seiten kommenden Feinde hinaus war, wandte Piesing das Steuer der »Grille« etwas luvwärts, als wollte er dem dritten Boote nach Norden hin aus dem Wege gehen. Die in demselben Sitzenden waren schon teilweise aufgesprungen und machten sich bereit, den Feind zu packen, wenn er in ihren Bereich käme. Da sie ihn aber ausweichen sahen, wandten sie in der Besorgnis, er könne ihnen entwischen, die Spitze ihres Bootes in dieselbe Richtung, die er einzuschlagen geneigt schien.

Dies war der Moment, den Piesing vorausgesehen hatte und den er nun auf eine für die Franzosen sehr unerwartete Weise benützte. Denn als so die Schiffe dicht beieinander waren, wandte er plötzlich den breiten hochragenden Schnabel der »Grille« gegen das feindliche Gefährt, stieß mit furchtbarer Heftigkeit auf sein Steuerbord und drückte es buchstäblich mit dem scharfen Vorderteil seines schweren Bootes in den Grund.

Nach einem gewaltigen Krachen der zermalmten Planken des kleinen Schiffes tönte ein furchtbares Geschrei, untermischt mit Flüchen und Notrufen, über das Wasser nach beiden Seiten hin, das übersegelte Boot kenterte völlig, und zwölf bis sechzehn Menschen lagen im Wasser, schwammen und rangen mit den stürmischen Wellen und riefen ihren Gefährten zu, ihnen zu Hilfe zu eilen. Alles das war so rasch vor sich gegangen, daß selbst die in der »Grille« Sitzenden nicht jeden einzelnen Zug wahrgenommen hatten, und erst als ihr siegreicher Segler schon längst von der unheilvollen Stelle hinweggerauscht war, sahen sie die beiden Boote von den weiten sich nähern und die Sinkenden auffischen.

»So,« sagte Piesing, nachdem er einen ungeheuren Atemzug getan hatte, »die haben wir hinter uns, und das Fahrwasser ist rein gefegt. Die werden an uns denken ihr Leben lang. Es war ein hübscher Stoß und das Ganze in einer halben Minute abgemacht. Nun, Waldemar, mein Junge, verzeih mir, daß ich dich in diesem Augenblick der Freude duze, habe ich nach deinem Sinne gehandelt und Menschenblut gespart?«

»Ja, Ihr habt eines echten Seemanns würdig gehandelt, und auch wir werden Eure Tat nicht vergessen. Nicht wahr, Magnus?«

Magnus antwortete nicht, sein Herz war zu stürmisch bewegt, um ihm Worte zu gestatten, was auch die bleiche Farbe bewies, die seine Wangen bedeckte, aber er reichte dem Steuermann die Hand und drückte sie warm.

Sodann wandte man die Köpfe wieder rückwärts und sah dem noch immer nicht beendeten Auffischen der Franzosen zu, die für heute keine Lust mehr bezeigten, die kecken Flüchtlinge weiter zu verfolgen, was auch bei der schnell segelnden »Grille« ein vergebliches Bestreben gewesen wäre.

»Aufgepaßt! Vorwärts ausgeschaut!« donnerte Piesings Stimme wieder. »Ist die Luft da vorne rein? Ich kann nicht alles überwachen, drum müßt Ihr mir dabei helfen.«

Alle in Boote Sitzenden blickten sich nach allen Seiten um, aber nirgends war ein Feind zu sehen, der wahrscheinlich zu sicher auf den Hinterhalt bei der Wittower Fähre gerechnet hatte, um noch an andre Angriffspunkte und Mittel zu denken.

»Mord und Tod!« rief Piesing. »Die ganze Geschichte hat mir Appetit und Durst verursacht, meine Herren. Ans Essen aber will ich nicht eher denken, habe ich mir gelobt, als bis wir am Dornbusch vorüber sind; ein Schluck gebrannten Wassers aber würde mir und Euch allen von Vorteil sein, glaube ich.«

Waldemar, der die Vorräte bereits untersucht hatte, nahm eine Flasche scharfen Getränks heraus, reichte sie Magnus, tat selbst einen Zug und ließ sie dann vom Steuermann zu den Leuten im Vorderteil des Bootes wandern, von wo sie leer in seine Hände zurückkam.

»So,« sagte Piesing, »das hat mir das Herz gestärkt. Nun kann es an der Insel Pipi Volksname der kleinen Insel Neu-Bassin an der Südspitze der Wittower Buge. von neuem losgehen.«

»Ich würde Euch aber doch raten,« bemerkte Waldemar? »nicht zwischen Neu-Bassin und der Buge durchzusteuern. Das Wasser ist zu eng, und wir wollen uns nicht zum zweitenmal auf Gottes Hilfe verlassen. Also haltet nach Süden, Piesing, der Wind hält an, und wir brauchen den kleinen Umweg nicht zu scheuen.«

»Das denke ich auch – so, nun mag es genug sein. Seht, wie hell es geworden ist, da sehe ich schon das Posthaus auf der Buge unter den Bäumen stehen, wie niedlich nimmt sich das aus!«

Waldemar nahm sein Rohr zur Hand und suchte durch dasselbe nach dem Posthause hinüberzuschauen, ob er etwa eine wachsame Strandwache wahrnehmen könne, allein der Rassower Strom war so unruhig, und die »Grille« stieg so schnell über die Wogenberge und sank so hurtig wieder hinab, daß er keinen Gegenstand fest ins Auge fassen konnte.

Schweigend, aber immer aufmerksam auf ihre Umgebung, setzten die kühnen Männer nun ihre Fahrt nach Westen fort, umschifften Neu-Bassin, auf der nur Kühe grasten, und steuerten dann, bei halbem Winde segelnd, dem langen Orte entgegen, stets beflissen, möglichst fern von der schmalen Landzunge zu bleiben, die vom Dornbusch auf Hiddens-öe nach Süden läuft und hinter welcher das gastfreie Kloster lag, in dem Magnus und Waldemar vor einigen Wochen so freundlich bewirtet worden waren. Etwa Dreiviertelstunden mochten sie so gefahren sein, bis sie den Dornbusch auf Hiddens-öes Nordspitze mit seinem geröllreichen Strande und seinen wilden Bergrissen zur Seite liegen sahen, und nun, keinen Feind von Rügen her mehr befürchtend, segelten sie stramm nach Norden, um, nachdem sie glücklich die hohe See erreicht, den Kurs nach Schweden einzuschlagen.

Aber der Menschen Gedanken eilen nur zu oft den Gedanken Gottes voraus, das sollten auch unsere Flüchtlinge sehr bald erfahren. Denn nachdem sie alle ein wohlverdientes Frühstück eingenommen und sich für die Anstrengungen und Wachen der Nacht hinreichend entschädigt hatten, hielten sie es für zeitgemäß, den Stand der Dinge genauer zu prüfen, und da gewahrten sie sämtlich kein so erfreuliches Bild, als sie zu finden erwartet, solange sie das verhältnismäßig ruhige Binnenwasser durchsegelt, hatten.

Waren die Wellen auf den verschiedenen Straßen desselben schon ziemlich groß gewesen, so wurden sie zu gewaltigen, donnernd dahinrollenden Wogenbergen, als man den ungastlichen Dornbusch hinter sich hatte, und noch höher und gewaltsamer stiegen sie auf, als die Küsten von Wittow das aufgewühlte Meer nicht mehr bändigten und seinen Anprall mäßigten. Wild und schaurig brausten sie von Nordosten daher, und der Wind heulte, zwar nicht mit Sturmesungestüm, aber wie eine heftige Böe heulen kann, so daß die Wogenspitzen fortwährend über Bord schlugen und anhaltend zwei Männer beschäftigten, um das überflüssige Wasser aus dem Boote zu schaffen. Dabei erreichte der Himmel die aufmunternde Klarheit nicht, die er, als der Nebel so rasch stieg, wenigstens für kurze Zeit hatte hoffen lassen. Wild und unheilschwanger zogen schwarze Wolkenmassen von Schweden nach Deutschland herüber und drohten mit einer noch anderen Unannehmlichkeit, mit strömendem Regen, der indessen glücklicherweise ausblieb, da der stoßende Wind die Wolken rasch vorüberjagte. Dies alles hätte sich nun noch ertragen lassen, da die in der Grille befindlichen Männer sämtlich mit jeglichem Unwetter vertraut waren und schon stärkere Stürme überstanden hatten. Das Übelste aber war dabei, daß der Wind eine große Neigung verriet, umzuspringen, und bald von Nordost nach Nordwest ging, als hätte er sich mit seinem Kollegen in jener Weltgegend verabredet, mit doppelter Wut über die ratlosen Flüchtlinge herzufallen. Hätten diese keinen menschlichen Feind zu fürchten gehabt, und wäre es ihnen nicht um ein bestimmtes Ziel zu tun gewesen, so würden sie ihre Lage gerade nicht angenehm, aber doch erträglich gefunden haben; so aber mußten sie jedes auftauchende Segel mit Argwohn betrachten, und die schwedische Küste war ihnen als das Hauptziel vorgezeichnet, nach dem sie zu streben hatten.

Sobald sie aber über Wittow hinaus und dem wieder vollen Nordostwinde preisgegeben waren, sahen sie ein, daß sie den geraden Strich nach Nordosten hin, den sie verfolgen mußten, nicht einhalten konnten, denn trotz aller Bemühung Piesings und trotz der Geschicklichkeit seiner Mitschiffer wich die Grille von Minute zu Minute bei weitem mehr westwärts ab, als ihnen lieb sein konnte.

Eine Zeitlang beobachteten die Männer mit schweigender Aufmerksamkeit diese Wirkung des Gegenwindes, immer noch hoffend, er werde seine Gewalt mäßigen und das Schiff wieder in glatteren Lauf kommen, aber endlich gewannen sie die Überzeugung, daß sie vergeblich gehofft hatten, worauf Piesing wieder der erste war, der seine Befürchtung laut aussprach.

»Der Strich, meine Herren,« sagte er, »dem wir hier wider unsern Willen folgen müssen, gefällt mir nicht. Wollten wir auf Falster einen Besuch abstatten, so könnte man sich's behagen lassen, aber nach Schweden kommen wir bei diesem Unwetter nimmermehr. Wenn wir wirklich noch einige Stunden den Kurs nordwärts halten, so erreichen wir höchstens Möen und laufen da den Dänen in die Arme. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß sie sie offen halten, bis wir hineingefallen sind, aber nie wieder öffnen werden, wenn sie uns einmal mit ihrer gewohnten Gastlichkeit empfangen haben. Was ist also hier zu tun?«

»Lavieren wir langsam vorwärts und nehmen wir uns Zeit,« erwiderte Waldemar mit seiner unbeugsamen Entschlossenheit, »ewig kann dieser Unglückswind nicht fortblasen. Meinst du nicht auch, Magnus?«

Magnus nickte und lächelte seltsam, fast unheimlich dabei. »Ich habe Zeit, um nach Schweden zu kommen,« sagte er düster, »wenn du sie auch hast, so laß uns die Geduld zu Hilfe nehmen.«

»Es bleibt uns wahrhaftig nichts anderes übrig,« sagte Piesing und kratzte sich verlegen hinter den Ohren, »ich weiß auch nichts Besseres. Also Geduld, meine Herren, wir haben das Gute genossen und müssen nun mit dem Schlimmen vorlieb nehmen.«

Die angepriesene und zur Richtschnur empfohlene Geduld aber sollte auf eine etwas harte Probe gestellt werden, denn das Lavieren brachte sie zwar vorwärts, aber mit so langsamem Schneckengange, daß sie nach mehreren Stunden kaum von der Stelle gekommen waren. Endlich gegen Mittag gab Waldemar noch einen Rat, nämlich den, die Riemen zur Hand zu nehmen und auf diese Weise ihr Heil zu versuchen. Er selbst ging dabei mit gutem Beispiel voran und saß bald auf einer Ruderbank neben dem Lotsen Gingst, während der jüngere Piesing und Jochen vorn im Buge ihre Kräfte zeigten. Eine Zeitlang schien dies letzte Mittel zu helfen, aber bei dem starken Gegenwinde und dem heftigen Wogendrange war es eine unendlich schwierige Arbeit, und gar zu oft mußten vier Hände ganz davon ablassen, um zu den Schöpfeimern und den Segeln zu greifen, die beide notwendig in Gang und richtiger Stellung erhalten werden mußten.

So war es allmählich Nachmittag geworden, und man fühlte sich aufgelegt, eine kräftige Mahlzeit einzunehmen, da alle Männer ziemlich ermattet waren, und selbst Magnus seinen Beistand vergeblich geliehen hatte. Man beeilte sich damit, indem immer zwei und zwei aßen, die anderen aber ohne Unterlaß weiterarbeiteten. Um fünf Uhr endlich, nachdem man trotz aller Bemühung hin und her geworfen, war man nach der angestellten Berechnung etwa auf den Punkt gelangt, der in der Mitte zwischen der südlichsten Spitze von Schweden und Arcona liegt. Hier aber schien allen die Kraft zu erlahmen, und man beschloß eine letzte Beratung zu halten, was unter den obwaltenden Umständen zu tun sei.

»Ich sehe schon im Voraus, was geschehen wird,« nahm Piesing als der Älteste zuerst das Wort. »Es ist recht hübsch, daß wir so weit vorgerückt sind: nun aber wird die Zeit kommen, wo wir an das Rückwärts denken müssen, und da wir nicht auf die Westseite von Rügen zurücklaufen dürfen, weil man uns da gewiß in Voraussicht unsres Mißgeschicks erwarten wird, so weiß ich keinen besseren Rat, als mit dem herrlichsten Winde von der Welt südöstlich zu steuern.«

»So,« sagte Waldemar in einer Aufregung, »wo bleibt dann Schweden, Piesing? Oder wollt Ihr gleich das erste Ziel aufgeben, sobald Euch Mühe und Arbeit in den Weg tritt, und das zweite verfolgen, nämlich anstatt der schwedischen die deutschen Küsten zu erreichen suchen?«

»Herr,« sagte Piesing dreist und ehrlich, »ich weiß nichts Besseres, als was ich sage, und wenn wir bei Nacht und Nebel an Rügen wieder vorbeikommen können, werden wir das Beste getan haben, was uns zu tun übrig bleibt.«

»Ich kann mich noch nicht dazu entschließen,« erwiderte Waldemar mit innerem Widerstreben, »wir dürfen so schnell nicht den besten Plan aufgeben, um einem viel weniger guten uns zuzuwenden. Warten wir es also noch eine Weile ab, wir sind schon ziemlich weit vorgerückt und werden allmählich noch weiter vorrücken.«

»Ja, Herr Granzow, ja, das werden wir, sobald Sie uns frische Kräfte verschaffen, denn die Jungen dahinten, obwohl sie tüchtig sind und ihre Schuldigkeit unausgesetzt verrichten, sind mit ihren Leistungen zu Ende, sehen Sie sie sich einmal an.«

Waldemar wandte den Kopf und bemerkte, daß allerdings die Gesichter der beiden Männer braunrot von der Anstrengung des Ruderns waren, und der Schweiß ihnen in Strömen von den erhitzten Backen floß.

»Es ist übel,« sagte er, »ich sehe es. Was meinst du, Magnus?«

Graf Brahe hatte dem Gespräch der beiden schweigend zugehört und seine Augen dabei mit habichtsartiger Schärfe gegen Nord und Nordost gewendet. »Was ich sage,« rief er plötzlich und erhob sich von seiner Bank, »ich sage dasselbe, was Euch die da sagen, die ich schon seit einer Weile bemerkt habe, und die eine undurchdringliche Mauer um uns schließen werden, wenn wir ihnen nicht bald aus dem Wege gehen.«

Alle Köpfe wandten sich erschrocken in die angedeutete Richtung, und man sah die Segel vier großer Schiffe am Horizonte auftauchen, die je zwei und zwei von Nord und Nordost heranwogten.

»Sind es Dänen? Weißt du das so bestimmt?« fragte Waldemar mit letztem inneren Widerstreben.

»Sie sind es,« entgegnete Magnus mit sicherer Überzeugung, »ich habe es schon lange gewußt.«

»Ha!« rief Piesing, »ich sage das auch, denn die Schweden werden bei diesem Winde nicht in dieser Richtung auslaufen. Jetzt schicke uns Gott einen Nebel wie vorige Nacht, oder – wir werden Schwedens Küste niemals erreichen.«

»Nein,« rief Waldemar mit plötzlicher fester Entschlossenheit, die er in bedenklichen Momenten immer bewahrte, »Schwedens Küste erreichen wir nun nicht, ich begreife es. Aber Gott schickt uns auch den Nebel nicht, und darum lebe wohl, schöner Traum von Schweden. Wendet, Piesing, in Gottes Namen, und gehen wir auf der Ostseite von Rügen südwärts hinab.«

»Nach Deutschland, Herr, nicht wahr?«

»Wie Gott will, ja, ich beuge mich seinem allmächtigen Willen.«

Ohne weitere Worte zu verlieren, ging man an die Arbeit, und die Wendung des Steuers, und die Umlage der Segel nach Süden geschah so regelrecht, wie nur ein kundiger Seemann sie ausführen kann, und in wenigen Minuten brauste die Grille südwärts, alle Mühe und Arbeit den Männern ersparend, die bis jetzt mit übermäßiger Anstrengung gerudert hatten. Als Piesing so sein schönes Boot wieder in lebhafter Fahrt sah, dabei aber leider den Wind nicht von der Seite hatte, von der man ihn anfangs gewünscht, setzte er sich nieder und sagte traurig: »Nun bleibt uns nichts übrig, Kinder, als uns zu ruhen und unsere Kräfte zu sammeln. Wer weiß, ob wir sie später nicht wieder gebrauchen werden. Macht also noch einmal die Fleischtöpfe auf, Herr Granzow, und laßt eine Flasche über Bord springen, wir haben es alle nötig.«

»Der gute alte Schwede!« seufzte Waldemar trübselig, »wie hat er doch so väterlich für uns gesorgt und in seinem ahnenden Geiste unsere Notdurft vorausgesehen!«

Alle aßen und tranken, nur Magnus nicht. Ihm widerstanden die salzigen Speisen und scharfen Getränke, und Wasser hatte man leider nicht, da kein Mensch an eine so lange Fahrt gedacht hatte. Mit finsterem Brüten, beinahe drohend im Ausdruck seiner Mienen, saß er da, den Kopf auf die rechte Hand gestützt, und schaute nach Süden, wo man gegen Abend hinter den Wogenbergen die äußerste Küste von Wittow auftauchen sah.

»Du siehst,« sagte er zähneknirschend zu seinem Freunde Granzow, »es ist mein Geschick, das mich von dieser kleinen Insel nicht fortlassen will. Ich habe davon fortgewollt, aber Gott hat meine Schritte wider meinen Willen dahin zurückgelenkt. O ja, ja, ich weiß es wohl, der Mensch denkt und Gott allein lenkt.«

»Es kann dieser göttliche Wille auch mir gelten,« erwiderte Waldemar besänftigend, »denn auch für mich, hoffe ich, hält er sein Vaterauge offen. Was mich aber betrifft, so gehe ich dahin mit Freuden zurück, wie ich stets diese zerklüfteten Felsen Jasmunds mit einem wahren Schauer patriotischen Entzückens angeschaut und sie als meine einzige Heimat auf Erden betrachtet habe. Ich segne auch jetzt den Augenblick, wo ich meinen irrenden Fuß wieder auf den geweihten Boden setzen kann.«

»So erging es mir früher auch, guter Waldemar, aber seitdem ich Zeuge jener traurigen Niederlage in Stralsund gewesen bin und jenes – jenes einst so heißgeliebte Weib mich leichtfertig verraten hat, ist mir zumute, als ob mein Grab auf jener Insel schon gegraben wäre, und dennoch, dennoch – o wer kann für seine Gefühle stehen! – flattern alle meine Gedanken um jenes alte Schloß da drüben herum, wie die Motte um das Licht, das mit wohltuender Wärme sie lockt, dann aber plötzlich und verräterisch in glühender Lohe vernichtet!«

 << Kapitel 5  Kapitel 7 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.