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Der seltzame Springinsfeld

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der seltzame Springinsfeld - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorGrimmelshausen
year1969
publisherMax Niemeyer Verlag
addressTübingen
isbn3-484-10113-X
titleDer seltzame Springinsfeld
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1670
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Das XX. Capitel.

Continuation solcher Histori bis
zum Fridenschlus und endtlicher Abdanckung.

DEr alte Stern wolte uns aber zur Erneuerung unsers alten Kriegs / wie etwann hiebevor / zum alten Glück nicht mehr leüchten: Mercy war todt: Joann de Werth nicht mehr unser: Und der Holtz=Apffel / sonst Melander / den Schweden und Frantzosen nicht so herb und handig / wie etwan zuvor den Kayserischen da er noch den Hessen dienete / wiewol der rechtschaffne Soldat das seinig thät / ja sein Leben dargab / als uns der Feind über den Lech und über die Yser jagte; damals schrien uns etliche vom Gegentheil über das Wasser zu (als wir nemlich wie eine Maur stunden / und uns durch des Feinds Geschütz sovil als nichts bewegen liessen) wir solten nur eilen mit der Flucht / so wolten sie uns an Oerter jagen / allwo eine Kuh einen halben Batzen gelten solte; dise haben errathen was sie wahrsagten / und als wir ihrem Rath zu folgen durch ihre Meng gezwungen wurden / hab ich endlich erlebt / daß under den Unserigen eine Kuh nicht nur um einen halben Batzen / sonder auch so gar um eine verächtliche Pfeiff Taback hingegeben worden; Damals stund unser Sach liederlich / der von Gronsfeld konde so wenig als Melander zu wegen bringen / daß jemand auß den unserigen füglich mit Lorbeer=Kräntzen bekrönt werden möchte / sonder wir müßten / was nicht in den wehrlichen Oertern ligen blibe / auch so gar über den Jnstrom hinüber passieren / welchen zu überschreiten auch das Gegentheil erkühnete.

Aber an disem strengen Fluß hat sich der strenge Siegs=Lauff und das Glück der Schweden und Frantzosen gestossen; ich lag vnder siben doch schwachen Regimenten in Wasserburg / als beide Feinds=Armeen suchten denselbigen Ort zu bezwingen und über besagten Fluß in das gegenüberligende volle Land zu gehen / in welchem etliche steinalte Leute die Tag ihres Lebens noch niemalen keine Soldaten gesehen hatten; weil aber wegen unserer tapferer Gegenwehr unmüglich war etwas daselbst auszurichten / unangesehen sie uns mit glüenden Kugeln zusprachen / giengen sie auf Mülldorf / und wolten dort ins Werck setzen / was sie zu Wasserburg nicht zu thun vermocht; aber ihnen widerstund daseilbst einer von Hunoltstein ein Kays: Generals=Person / bis sie der vergeblichen Arbeit müd wurden / und ihr Hauptquartir zu Pfarrkirchen namen / allwo sie erstlich der Hunger und endlich auch die Pest zu besuchen anfieng / die sie auch endlich zwischen dem Tyrolischen Gebürg und der Thonau / zwischen dem Yn und der Yser hinaus getriben / wann sie das General-Armistitium so dem volligen Friden vorgieng / nicht veranlast hätte / bessere Quartir zu beziehen.

Under wehrendem Stillstand wurde unser Regiment nach Hilperstein / Heydeck vnd selbiger Orten herumb gelegt / da sich ein artliches Spiel under uns zugetragen; dann es fande sich ein Corporal der wolte Obrister seyn / nicht weiß ich was ihn vor eine Narrheit darzu angetriben / ein Musterschreiber / so allererst aus der Schuel entloffen / war sein Secretarius, und also hatten auch andere von seinen Creaturen andere Officia und Aempter; vil naigten sich zu ihm / sonderlich junge ohnerfarne Leuth / und jagten die höchste Officir zum theil von sich / oder nahmen ihnen sonst ihr Commando und billichen Gewald / meines gleichen aber von under Officiren liessen sie gleichwol gleichsam wie Neutrale Leut in ihren Quartiren noch passiren; und sie hätten auch ein grosses ausgerichtet / wann ihr Vorhaben zu einer andern Zeit / nemlich in Kriegs=Nöthen / wann der Feind in der Nähe / und man unserer beyseits nöthig gewesen / ins Werck gesetzt worden wäre; dann unser Regiment war damals eins von den stärcksten und vermochte eitel geübte wol mondirte Soldaten / die entweder alt und erfahren / oder junge Wagehäls waren / welche alle gleichsam im Krieg auferzogen worden; als dieser von seiner Thorheit auf gütlichs ermahnen nicht abstehen wolte / kam Lapier und der Obriste Elter mit commandirten Völckern / welche zu Hilperstein ohne alle Mühe und Blutvergiessung Meister wurden; und den neuen Obristen viertheilen: oder besser zusagen / fünftheilen (dann der Kopf kam auch sonder) und an vier Strassen auf Räder legen: 18. ansehenliche Kerl aber von seinen Principal Anhängern zum Theil köpffen: Und zum Theil an ihre allerbeste Hälse aufhencken: Dem Regiment aber die Musquetten abnemmen: und uns alle auff ein neues dem Feldherrn wider schwören liessen; also wurde ich noch vor meinem Ende oder vor dem völligen Friden aus einem Forier zu einem Quartirmeister; und das Regiment aus Tragonern zu Reutern gemacht; und dises ist das letzte / was ich dir / mein Simplice, von meiner Teutschen Krigs=Histori zu erzehlen weiß / ohne daß wir bald hernach abgedanckt worden / zu welcher Zeit ich drey schöne Pferd / einen Knecht und einen Jungen: auch ohngefehr bey 300. Ducaten in parem Geld / ohne die drey Monat=Sold vermöchte / die ich bey der Abdanckung empfieng; dann ich hatte nun ein geraume Zeit hero kein Unglück gehabt / sonder Geld gesamlet; und also muste ich aufhören zu kriegen / da ich vermeinte ich könte es zum besten; den Knecht und Jungen fertigte ich ab so gut als ich konte / versilberte zwey Pferd und sonst alles was Geld golte / und begab mich mit dem Uberrest nach Regenspurg; um zu sehen wie ich meinen Handel ferner anstellen: oder was mir sonst vor ein Glück zustehen möchte.

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