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Der Seelensucher

Georg Groddeck: Der Seelensucher - Kapitel 27
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Seelensucher
authorGeorg Groddeck
year1971
firstpub1921
publisherLimes Verlag
addressWiesbaden
titleDer Seelensucher
pages377
created20130129
sendergerd.bouillon@t-online.de
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26. Kapitel.

Eine Schlägerei. Was das Du eines Prinzen vermag.

»Saukerl,« schrie der Schlosser außer sich vor Wut und suchte dem Gegner an die Gurgel zu springen, aber die Umstehenden, die mit lautem Lachen die Bewegungen des feinen Herrn verfolgt hatten, hielten ihn fest und der Student, der ihn am Arm gepackt hatte, sagte mit seiner scharfen, befehlenden Stimme: »Bleiben Sie ruhig, der Herr hat recht, und Sie als Mechaniker sollten froh sein, zu lernen, warum die Maschine jeden Menschen so stark anzieht.«

»Weiter reden!« rief der Friseur, neben den sich ein aufgeputztes Frauenzimmer in weißer Bluse mit grellroten, riesigen Schleifen aufgepflanzt hatte, und der Apfelsinenmann erklärte, was dem Drehorgler recht gewesen sei, müsse dem Schlosser billig sein.

Thomas griff das Wort des Studenten auf. »Anziehen, Sie brauchen den richtigen Ausdruck. Woher kommt es, daß man einem einfahrenden Zug fast in die Räder läuft; da reichen die physisch-physiologischen Theorien nicht aus, ebensowenig für die Übelkeit, die Tausende beim Eisenbahnfahren befällt. Und daß alle Kinder Eisenbahn spielen,« er lächelte im Gedanken an sein letztes Beisammensein mit Lachmann, »erklärt sich auch nur durch psychische Vorgänge tiefster Art, innere Ansteckung. Puff-Puff, merken Sie es denn nicht? Es liegt doch im Namen.«

Der Bursche in der Ballonmütze wieherte los und griff gleichzeitig der aufkreischenden Schleifenprinzessin von hinten die Brüste aus.

Thomas ließ sich nicht stören und setzte ruhig dem wutblassen 185 Schlosser seine Ansichten weiter auseinander. Er hatte die eine Hand oben in den zugeknöpften Rock gesteckt, mit der anderen wippte er seinen Stock auf und nieder, während er das Apfelkrautbein herausfordernd vorgestellt hatte. »An der Lokomotive fällt zunächst das Ding auf, das an der Seite hin und her geht, Kolben, und Zylinder, rein und raus. Oben antwortet der Schornstein kurzatmig vor Anstrengung und dampfend im Schweiß: Sch – Sch – Sch –. Vor einem großen, schwarzen Loch, in dem das Feuer brennt, steht ein Mann aufrecht und stochert mit der Stange die Glut an. Ein Pfiff ertönt – Sie wissen, was eine Pfeife bedeutet, Frauen dürfen nicht pfeifen – und ab und zu öffnet sich ein Hahn und dieses lebendige Eisenmonstrum schlägt sein Wasser aus dem Bauche ab. So ist's mit der Lokomotive, ähnlich mit allen Maschinen, und Sie, der Sie damit umzugehen haben, fühlen das auch recht gut, wollen es nur nicht wahrhaben. Sie müssen es doch fühlen, daß der Schlüssel der Mann ist und das Schlüsselloch das Weib. Wenn Sie nur für drei Pfennige Beobachtungsgabe hätten, müßten Sie längst das Material gesammelt haben, um es den Leuten an der Nase anzusehen, warum Sie einen Schlüssel verlieren oder ein Schloß verdrehen. Das Schloß verschließt die Tür und die Tür das Zimmer, das Frauenzimmer. Jede Frau hat ein Schloß, das der Mann aufschließt. Lesen Sie nur den »Faust,« lieber Mann, den zweiten Teil, die Szene von den Müttern, da finden Sie, was der Schlüssel bedeutet. Der Schlüssel öffnet jede Schatzkammer, auch die Ihres Schatzes wird er öffnen, wenn es nicht längst geschehen ist. Aber die Menschen sind ja so dumm, sie wissen nicht, daß überall das Weib ist, daß sie wahrhaft die Mutter aller Dinge ist. Keller und Küche, Haus und Hof, alles ist weiblich. Denn im Keller ruht das Faß, in dem der neue Wein gärt, lesen Sie nur das Weinlied von Novalis, da finden Sie es. Und in der Küche, im Herd wird alles gekocht, wie im Weibesschoß das Kind. Das erste Haus, das bewohnt ward, war der Frauenleib, der Hof und der Garten mit Springbrunnen und Buchsbaumhecke und Rosenlaube sind auch entstanden durch innere Ansteckung. Die Frau ist die Burg, die erobert werden muß und wenn sie schön ist, ist sie ein Schloß. Haken und Öse nennt der Tiroler Männchen und Weibchen –«

186 »Und der Strick, an dem man Sie aufhängen sollte, wäre dann auch ein Weib,« schrie der Schlosser, der allmählich rasend wurde.

»Gewiß, gewiß,« Thomas jubelte es förmlich. »Der Galgen, die segnende Teufelshand, die den Dieb mit dem Strick zusammengibt. Freund, Bruder,« rief er und breitete die Arme aus, um den Schlosser an sich zu ziehen, »du verstehst mich.«

»Ich bin kein Du von Sie.« Der Mann hatte sich mit einem plötzlichen Ruck losgerissen und sich auf Thomas geworfen, der zurück taumelte, dem Apfelsinenmann auf die Füße trat und fast das Gleichgewicht verlor. Dann aber faßte er sich, legte seine Arme über den Kopf des Angreifers und drückte ihn mit seiner schweren Körperlast nieder, bis er wie ein Taschenmesser zusammenklappte. Ein wildes Durcheinander entstand, während der Apfelsinenmann Thomas von hinten umschlang, rissen andere den Schlosser zurück. Geschrei und Fluchen ertönte und es entwickelte sich eine richtige Schlägerei, als der Schaffner erschien. Der Kampf brach plötzlich ab und der Streitfall wurde der hohen Obrigkeit zur Entscheidung vorgelegt.

Innerlich war der Schaffner davon überzeugt, daß Thomas ein durchtriebener Halunke sei, der irgendwelche unsauberen Absichten hatte. Was hätte er sonst mit seinem Billett I. Klasse in der IVten zu suchen gehabt? In Anbetracht des empfangenen und in Hoffnung auf ein neues Trinkgeld jedoch versuchte er es, den feinen Herrn irgendwie zu rechtfertigen. Das war nicht leicht, weil mit Ausnahme des Studenten die sämtlichen Insassen des Wagens Partei gegen Thomas nahmen. Vor allem predigte der Apfelsinenmann in hohen Tönen der Entrüstung gegen die Unsittlichkeit des reichen Eindringlings, der, weil er Geld habe, glaube, in anständiger Gesellschaft Zoten reißen zu dürfen, und der ehrlichen Leuten auf die Hühneraugen träte. Ihm sekundierten eifrigst der Bursche in der Ballonmütze, der sich rühmend einen braven Metzger nannte, und die Dame mit der roten Busenschleife, die in seltsamer Geistesverwirrung ihre gänzlich zerschundene Jungfräulichkeit durch sittliches Pathos zu ersetzen strebte. Also bestürmt, entschloß sich der Schaffner, nachdem er mit halboffenem Munde und gesträubtem Schnurrbart die Ankläger durch ein mehrmaliges Abwinken mit der Hand in ihre Schranken 187 zurückgewiesen hatte, zu einem Rüffel und sagte in dem erhabenen Tone der ewigen Gerechtigkeit zu dem Angeklagten: »Man sollte doch von einem Herrn, der für gebildet gelten will, ein anständigeres Betragen erwarten. Sie haben doch schon das königliche Eigentum verdreckt und nun fangen Sie hier Stänkereien an. Schämen Sie sich doch.« Damit wandte er sich zum Gehen, froh, sich aus der Affäre gezogen zu haben. Aber er hatte seine Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Thomas hatte, als der Kampf abgebrochen wurde, die Hände in die Hosentaschen gesteckt und hörte sich schweigend den Sturm an. Sein Blick ruhte dabei auf dem buckligen Apfelsinenhändler und der schwarzen Binde über dessen linkem Auge. Als der Schaffner seine Rede hielt, wollte er von seinem Allhilfsmittel, dem Gold, Gebrauch machen, merkte aber zu seinem Erstaunen, daß seine Taschen leer waren. Er fühlte seine Brusttasche, auch die war leer, seine Briefmappe mit ein paar hundert Mark war verschwunden. Er wollte gerade Beschwerde über den Diebstahl führen, da fiel wieder sein Blick auf den Händler und aus einer plötzlichen Ideenverbindung heraus tauchte der Entschluß in ihm auf, noch einmal den Weg der Schmerzen zu wandeln. Statt also ruhig das erhabene Geschwätz des Schaffners hinzunehmen, antwortete er im schnoddrigsten Ton, den er aufbringen konnte:

»Sie haben hier die Fahrkarten nachzusehen, weiter nichts, dafür bezahlt Sie der Staat, das heißt die Steuerzahler, zu denen ich gehöre. Sie sind mein Angestellter und haben sich demgemäß bescheiden zu betragen. Verstanden?«

Der Schaffner kriegte ein Gesicht so blau, als ob es mit Heidelbeersaft beschmiert wäre: »Ihr Angestellter, was? Sie, Sie, Sie.« Er fand aus den vielen Sies nicht mehr heraus, da ihn der ruhige Blick Weltleins vollends verwirrte. Die Sprache versagte ihm und nur noch ein stoßweises Fauchen kam aus ihm heraus.

»Eisenbahn!« rief Thomas triumphierend, »er spielt Eisenbahn.«

»Ich werde Ihnen was beeisenbahnen. Auf der nächsten Station werden wir ja sehen, ob ich Ihr Angestellter bin oder umgekehrt.«

»Ich weiß, daß der Staat das Publikum der Beamten wegen hält,« grinste Thomas.

188 »Sie werden schon sehen, was ein Beamter ist,« drohte der Schaffner. »Man wird es Ihnen auf der Polizei beibringen. Hier sind genug Leute, die bezeugen können, daß Sie einen Beamten beleidigt haben.«

Die Stimmung war umgeschlagen. Fast jeder der Insassen hatte trübe Erfahrungen mit Beamten gemacht und gar das Wort Polizei nahm dem Schaffner die Sympathien. Weder der Ballonmützenmann noch der Friseur noch gar das Weib in der Schleifenbluse wünschten mit diesem Organ die Bekanntschaft zu erneuern, und auch das Stelzbein und der Student sahen plötzlich so aus, als ob sie die Sache nichts anginge. Nur der Apfelsinenmann erbot sich von selber, dem Herrn Schaffner zu bezeugen, daß er beleidigt worden sei.

Der Zug hatte inzwischen schon Vorortestationen von Berlin durchfahren und der Schaffner eilte, den Zugsführer aufzusuchen, um ihm über Thomas Bericht zu erstatten.

Während der kurzen Fahrt, bis der Zug im Anhalter Bahnhof in Berlin einlief, entwickelte sich ein lebhaftes Gespräch zwischen dem Studenten und Thomas, das sich im wesentlichen um den Polizei- und Beamtenkoller drehte. Während jedoch der Student ganz verständige Ansichten über diese merkwürdige Erscheinung äußerte, brachte Thomas Behauptungen vor, die die Zuhörer nicht aus dem Lachen herauskommen ließen. Zunächst stellte er den Satz auf, Beamter komme von dem Wort Amme her oder zum mindesten werde jeder Beamte durch den Klang des A m so infiziert, daß er Bruchstücke des Ammeseins in seinen Charakter aufnähme.

»Der Beamte betrachtet das Publikum als Wickelkind,« sagte er, »muß es so betrachten, er hält sich für verpflichtet, dieses hilfslose Wesen, das nur saugen und heulen kann, zu leiten, hat aber neben und durch dieses Verantwortlichkeitsgefühl auch die Größenidee, das Säuglingspublikum zu erziehen und zu strafen. Dabei ist er sich jedoch seiner Unvollkommenheit bewußt, da ihm das Wichtigste zur Amme, die Milch fehlt, was sich in den beiden weggelassenen Buchstaben m und e ausspricht. Und gerade aus dem Mangel der Milch, aus diesen fehlenden zwei Buchstaben, erklärt sich auch die Abneigung des Publikums. Es befindet sich dem Beamten gegenüber im Zustand der Entwöhnung, die Brüste schmecken bitter, weil sie 189 mit Chinin bestrichen sind, und es sucht sich durch versteckte Auflehnung dafür zu rächen; daß diese verstümmelte Amme Gehorsam verlangt, ohne dafür süße Milch zu geben. Dieser Ammencharakter hat sich in der Gewohnheit der unteren Beamten erhalten, der Mutter der Kompagnie beispielsweise ein Notizbuch vorn zwischen die Brustknöpfe zu stecken, sie betonen so die Milchwirtschaft und reizen damit das Publikum-Säugling noch mehr, das solches Betonen eines Mangels ja als Hohn auffassen muß. Bei der Polizei ist die Sache noch viel schlimmer. Da liegt in der ersten Silbe das Wort Popo drin, mit den fatalen Erinnerungen an die Haue, die man bekommen hat. Die zweite Silbe li ist abgekürzt aus Liebe und weckt den Gedanken an die geradezu ungeheuerliche Anmaßung der Erzieher, daß man sie auch noch dafür lieben soll, wenn sie einem die Hosen stramm gezogen haben. Und das zei ist nun gar die Tatsache, daß man nachher in die Ecke gestellt wurde, bis man um Verzeihung gebeten hatte.«

Der Zug lief gerade in die Bahnhofshalle ein, als Thomas diese Auseinandersetzungen beendet hatte. Er gab dem Studenten sein Hotel und seinen Namen an und bat ihn, ihn zu besuchen, dann schritt er, nach allen Seiten höflich grüßend, hinaus.

Auf dem Bahnsteig erwarteten ihn Schaffner und Zugsführer, die ihn sofort zwischen sich nahmen, um ihn zur Polizeiwachstube zu bringen. Ihr Triumphzug litt jedoch von vornherein darunter, daß keiner der Mitreisenden sich als Zeuge anschloß. Der Apfelsinenmann war auf eine rätselhafte Weise verschwunden, man sah nur, wie er durch die Bahnsteigsperre ging. Da außerdem Kleidung und Wesen des Angeklagten in der freien Luft ganz anders zur Geltung kamen, wie in der schmierigen Umgebung der 4. Wagenklasse, stiegen dem Schaffner allerlei Bedenken auf, ob es wohl angebracht sei, diesen Herrn vor die Polizei zu bringen. Dort konnte das Goldstück erwähnt werden, das er als Trinkgeld angenommen hatte, und er stellte sich vor, daß es gar leicht wieder aus seiner Tasche herauswandern könne, in der es doch so lieblich klingelte. Dem Zugsführer paßte es erst recht nicht, eine langwierige Verhandlung mitzumachen, die ihm an seiner freien Zeit abgeknapst wurde.

190 Thomas dagegen wuchs mit jedem Schritt, den er zwischen den mürrischen Wächtern machte. Er war wieder ganz erfüllt von der Weihe des Leides, das ihn bis zu der Idee des Heilands zwischen den Schächern begeisterte. Er stürmte förmlich dem Golgatha entgegen, gewillt, bei dem Polizeiwachtmeister neue Qualen auf sich herab zu beschwören.

Der Aufzug dieser drei Leute erregte die Aufmerksamkeit des Publikums, zumal Thomas heftig gestikulierend laute Selbstgespräche über seinen Erlöserberuf hielt. Plötzlich teilte sich der Strom der Reisenden, die nach dem Ausgang zustrebten. Ein hochgewachsener Offizier in der Uniform der roten Husaren, dem zur Seite einen halben Schritt dahinter ein Adjutant schritt, kam schnellen Ganges daher. Hie und da blieben die Leute stehen und grüßten ihn in besonders auffallender Weise. Die beiden Eisenbahnbeamten blieben stehen und machten Front, während Thomas weiter stelzte.

Der Offizier stutzte einen Moment, als er den großen, dicken Mann sah, dessen linkes, helles Hosenbein mitsamt dem Lackschuh und dem violetten Seidenstrumpf aussah, als ob er durch einen Abtritt gezogen wäre, dann ging er mit ausgestreckter Hand auf Thomas zu und rief: »Müller, Laban, alter lieber Kerl, wo, Teufel, kommst du her?«

Thomas hielt im Laufe inne, riß sich heraus aus seinen Träumen, ergriff gleichzeitig respektvoll und kameradschaftlich die Hand des Prinzen Viktor, des roten Prinzen, wie ihn der Volksmund nannte, und erwiderte: »Direkt aus dem Fegefeuer, Königliche Hoheit, und werde vor das jüngste Gericht geschleppt, um in die Hölle geworfen zu werden.«

»Kannst du nicht mitkommen; ich fahre hinaus ins Schlößchen und würde mich freuen, ein paar Stunden mit dir zu plaudern, alte Erinnerungen aufzufrischen. Freilich, ganz präsentabel siehst du nicht aus.«

»Kann auch nicht mitkommen, so gerne ich es täte. Ich bin auf dem Wege zu Gefängnis, Handschellen und Zuchthaus. Hier sind die Schergen des Gerichtes.« Er ergriff die beiden Beamten, die in untertänigem Staunen erstarben.

Der Prinz warf einen fragenden Blick auf den Zugsführer.

191 »Es soll nur festgestellt werden,« stammelte dieser, »ob –. Der Schaffner behauptet, daß –. Ich hoffe, es ist ein Irrtum –. Der Schaffner –.«

Der Schaffner stand da und schwitzte vor Aufregung. Er wünschte sich selbst zu allen Teufeln und war sogar bereit, sein Goldstück herzugeben, wenn er nur aus der beklemmenden Nähe des roten Prinzen wegkäme, dessen wenig zartes Wesen er noch von einer unangenehmen Affäre seiner Dienstzeit her im Gedächtnis hatte.

Der Prinz wurde ungeduldig. »Ich bin gewohnt, klare Antworten zu bekommen, Zugsführer. Wie heißen Sie?«

»Rehbaum, Königliche Hoheit.«

»Und der Mann da?«

»Kalkner, zu Befehl, Königliche Hoheit.«

»Also was ist los, heraus mit der Sprache –« und als nicht sofort Antwort kam, brach er mit den Worten ab. »Ich habe keine Zeit, bis es Ihnen gefällig ist, zu antworten. Mein Zug wartet nicht. Ich hoffe, Sie belästigen den Herrn nicht unnötig. Adieu, Laban, wir sehen uns wohl bald einmal.« Damit ging er davon.

Dem Zugsführer war die Lust vollkommen vergangen, mit dem Herrn, der sich mit dem roten Prinzen auf Du und Du stand, Skandal zu haben. Er grüßte kurz und ging wieder zum Zuge zurück. Aber so leicht sollte er von Thomas nicht los kommen; der packte ihn hinten am Rockschoß und erklärte, er wolle sein Urteil haben. Als sich der Zugsführer mürrisch nach ihm umdrehte, benützte der Schaffner die Gelegenheit, mit langen Schritten davon zu eilen, und Thomas mußte nun diesem wichtigeren Schächer nachlaufen. Der aber sprang über die Schienen und durch einen leeren Wagen eines haltenden Zuges davon, und das Ende vom Liede war, daß Thomas pustend und aufgeregt allein dastand, da seine beiden Verfolger vor ihm ausgerissen waren. Verstimmt schritt er dem Ausgang zu und lief beim Durchschreiten der Sperre direkt in die Arme Keller-Capreses. 192

 


 

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