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Gutenberg > Hugo von Hofmannsthal >

Der Schwierige

Hugo von Hofmannsthal: Der Schwierige - Kapitel 8
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDer Schwierige
authorHugo von Hofmannsthal
year1998
publisherFischer Verlag
addressFrankfurt am Main
isbn3-596-27111-8
titleDer Schwierige
pages3-14
created19990519
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1921
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Dritte Szene

Antoinette mit Edine, Nanni und Huberta sind indessen in der Mitteltür erschienen und kommen nach vorne.

Antoinette So sagt's mir doch was, so gebt's mir doch einen Rat, wenn ihr seht's, daß ich so aufgeregt bin. Da mach' ich doch die irreparablen Dummheiten, wenn man mir nicht beisteht.

Edine Ich bin dafür, daß wir sie lassen. Sie muß wie zufällig ihm begegnen. Wenn wir sie alle konvoiieren, so verscheuchen wir ihn ja geradezu.

Huberta Er geniert sich nicht. Wenn er mit ihr allein reden wollt', da wären wir Luft für ihn.

Antoinette So setzen wir uns daher. Bleibt's alle bei mir, aber nicht auffällig. Sie haben sich gesetzt.

Nanni Wir plauschen hier ganz unbefangen: vor allem darfs nicht ausschauen, als ob du ihm nachlaufen tätest.

Antoinette Wenn man nur das Raffinement von der Helen hätt', die lauft ihm nach auf Schritt und Tritt, und dabei schaut's aus, als ob sie ihm aus dem Weg ging.

Edine Ich wär' dafür, daß wir sie lassen, und daß sie ganz, wie wenn nichts wär', auf ihn zuging.

Huberta In dem Zustand, wie sie ist, kann sie doch nicht auf ihn zugehen, wie wenn nichts wär'.

Antoinette dem Weinen nah Sagt's mir doch nicht, daß ich in einem Zustand bin! Lenkt's mich doch ab von mir! Sonst verlier ich ja meine ganze Contenance. Wenn ich nur wen zum Flirten da hätt'!

Nanni will aufstehen Ich hol' ihr den Stani her.

Antoinette Der Stani tät mir nicht so viel nützen. Sobald ich weiß, daß der Kari wo in einer Wohnung ist, existieren die andern nicht mehr für mich.

Huberta Der Feri Uhlfeldt tät vielleicht doch noch existieren.

Antoinette Wenn die Helen in meiner Situation wär', die wüßt' sich zu helfen. Sie macht sich mit der größten Unverfrorenheit einen Paravent aus dem Theophil, und dahinter operiert sie.

Huberta Aber sie schaut ja den Theophil gar nicht an, sie is' ja die ganze Zeit hinterm Kari her.

Antoinette Sag' mir das noch, damit mir die Farb' ganz aus'm G'sicht geht. Steht auf. Red't er denn mit ihr?

Huberta Natürlich red't er mit ihr.

Antoinette Immerfort?

Huberta Sooft ich hing'schaut hab'.

Antoinette Oh mein Gott, wenn du mir lauter unangenehme Sachen sagst, so werd' ich ja so häßlich werden! Sie setzt sich wieder.

Nanni will aufstehen Wenn dir deine drei Freundinnen zuviel sind, so lass' uns fort, ich spiel' ja auch sehr gern.

Antoinette So bleibt's doch hier, so gebt's mir doch einen Rat, so sagt's mir doch, was ich tun soll.

Huberta Wenn sie ihm vor einer Stunde die Jungfer ins Haus geschickt hat, so kann sie jetzt nicht die Hochmütige spielen.

Nanni Umgekehrt sag' ich. Sie muß tun, als ob er ihr egal wär'. Das weiß ich vom Kartenspielen: wenn man die Karten leichtsinnig in die Hand nimmt, dann kommt's Glück. Man muß sich immer die innere Überlegenheit menagieren.

Antoinette Mir is' grad zumut, wie wenn ich die Überlegene wär'!

Huberta Du behandelst ihn aber ganz falsch, wenn du dich so aus der Hand gibst.

Edine Wenn sie sich nur eine Direktive geben ließ! Ich kenn' doch den Männern ihren Charakter.

Huberta Weißt, Edine, die Männer haben recht verschiedene Charaktere.

Antoinette Das Gescheitste wär', ich fahr' nach Haus.

Nanni Wer wird denn die Karten wegschmeißen, solang' er noch eine Chance in der Hand hat.

Edine Wenn sie sich nur ein vernünftiges Wort sagen ließe. Ich hab' ja einen solchen Instinkt für solche psychologische Sachen. Es wär' ja absolut zu machen, daß die Ehe annulliert wird, sie ist eben unter einem moralischen Zwang gestanden die ganzen Jahre, und dann, wenn sie annulliert ist, so heirat' sie ja der Kari, wenn die Sache halbwegs richtig eingefädelt wird.

Huberta die nach rechts gesehen hat Pst!

Antoinette fährt auf Kommt er? Mein Gott, wie mir die Knie zittern.

Huberta Die Crescence kommt. Nimm dich zusammen.

Antoinette vor sich Lieber Gott, ich kann sie nicht ausstehen, sie mich auch nicht, aber ich will jede Bassesse machen, weil sie ja seine Schwester is'.

Vierte Szene

Crescence kommt von rechts Grüß euch Gott, was macht's ihr denn? Die Toinette schaut ja ganz zerbeutelt aus. Sprecht's ihr denn nicht? So viele junge Frauen! Da hätt' der Stani halt nicht in den Klub gehen dürfen, wie?

Antoinette mühsam Wir unterhalten uns vorläufig ohne Herren sehr gut.

Crescence ohne sich zu setzen Was sagt's ihr, wie famos die Helen heut ausschaut? Die wird doch als junge Frau eine Allure haben, daß überhaupt niemand gegen sie aufkommt!

Huberta Is' die Helen auf einmal so in der Gnad' bei dir?

Crescence Ihr seid's auch sehr herzig. Die Antoinette soll sich ein bißl schonen. Sie schaut ja aus, als ob sie drei Nächt' nicht g'schlafen hätt'. Im Gehen Ich muß dem Poldo Altenwyl sagen, wie brillant ich die Helen heut find'. Ab.

Fünfte Szene

Antoinette Herr Gott, jetzt hab' ich's ja schriftlich, daß der Kari die Helen heiraten will.

Edine Wieso denn?

Antoinette Spürt's ihr denn nicht, wie sie für die zukünftige Schwägerin ins Zeug geht?

Nanni Aber geh', bring' dich nicht um nichts und wieder nichts hinein in die Verzweiflung. Er wird gleich bei der Tür hereinkommen.

Antoinette Wenn er in so einem Moment hereinkommt, bin ich ja ganz – bringt ihr kleines Tuch vor die Augen – verloren.

Huberta So gehen wir. Inzwischen beruhigt sie sich.

Antoinette Nein, geht's ihr zwei und schaut's, ob er wieder mit der Helen red't und stört's ihn dabei. Ihr habt's mich ja oft genug gestört, wenn ich so gern mit ihm allein gewesen wär'. Und die Edine bleibt bei mir.

Alle sind aufgestanden, Huberta und Nanni gehen ab.

Sechste Szene

Antoinette und Edine setzen sich links rückwärts.

Edine Mein liebes Kind, du hast diese ganze Geschichte mit dem Kari vom ersten Moment falsch angepackt.

Antoinette Woher weißt denn du das?

Edine Das weiß ich von der Mademoiselle Feydeau, die hat mir haarklein alles erzählt, wie du die ganze Situation in der Grünleiten schon verfahren hast.

Antoinette Diese mißgünstige Tratschen, was weiß denn die!

Edine Aber sie kann doch nichts dafür, wenn sie dich hat mit die nackten Füß' über die Stiegen 'runterlaufen gehört und gesehen mit offene Haar im Mondschein mit ihm spazieren gehen. – Du hast eben die ganze G'schicht' von Anfang an viel zu terre à terre angepackt. Die Männer sind ja natürlich sehr terre à terre, aber deswegen muß eben von unserer Seiten etwas Höheres hineingebracht werden. Ein Mann wie der Kari Bühl aber ist sein Leben lang keiner Person begegnet, die ein bißl einen Idealismus in ihn hineingebracht hätte. Und darum ist er selbst nicht imstand', in eine Liebschaft was Höheres hineinzubringen, und so geht das vice versa. Wenn du mich in der ersten Zeit ein bißl um Rat gefragt hättest, wenn du dir hättest ein paar Direktiven geben lassen, ein paar Bücher empfehlen lassen – so wärst du heut seine Frau!

Antoinette Geh, ich bitt' dich, Edine, agacier' mich nicht.

Siebente Szene

Huberta erscheint in der Tür Also: der Kari kommt. Er sucht dich.

Antoinette Jesus Maria! Sie sind alle aufgestanden.

Nanni die rechts hinausgeschaut hat Da kommt die Helen aus dem andern Salon.

Antoinette Mein Gott, gerade in dem Moment, auf den alles ankommt, muß sie daherkommen und mir alles verderben. So tut's doch was dagegen. So geht's ihr doch entgegen. So halt's sie doch weg, vom Zimmer da!

Huberta Bewahr' doch ein bißl deine Contenance.

Nanni Wir gehen einfach unauffällig dort hinüber.

Achte Szene

Helene tritt ein von rechts Ihr schaut's ja aus, als ob ihr gerade von mir gesprochen hättet's. Stille Unterhalt's ihr euch? Soll ich euch Herren hereinschicken?

Antoinette auf sie zu, fast ohne Selbstkontrolle Wir unterhalten uns famos, und du bist ein Engel, mein Schatz, daß du dich um uns umschaust. Ich hab' dir noch gar nicht guten Abend gesagt. Du schaust schöner aus als je. Küßt sie Aber lass' uns nur und geh wieder.

Helene Stör' ich euch? So geh' ich halt wieder. Geht.

Neunte Szene

Antoinette streicht sich über die Wange, als wollte sie den Kuß abstreifen Was mach' ich denn? Was lass' ich mich denn von ihr küssen? Von dieser Viper, dieser falschen!

Huberta So nimm dich ein bißl zusammen,

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