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Der schwarze Meilenstein

Louis Weinert-Wilton: Der schwarze Meilenstein - Kapitel 52
Quellenangabe
typefiction
authorLouis Weinert-Wilton
titleDer schwarze Meilenstein
publisherWilhelm Goldmann Verlag
year1954
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
modified20160809
created20150721
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50

So sehr die arme Mrs. Drew sich auch bemühte, durch ausgiebige Schlucke die Schrecken der verflossenen Nacht loszuwerden, sie konnte mit ihren Gedanken nicht zu Rande kommen. Das flog und purzelte nur so durcheinander, und sogar die ganze niederträchtige Welt drehte sich um sie.

Sie hatte bis zum Morgen wahrhaftig kein Auge zugetan, und auch jetzt, da sie mit der Flasche auf der Hausbank saß, wagte sie es nicht, weil dann das brummende Ringelspiel in ihrem Kopf noch ärger wurde. Sie wußte nur eins: Molly, dieser ungeratene Balg, war weg. Und diese alberne Miss war auch weg. Und sogar das verdammte Biest, der Hund, war weg . . .

Mrs. Drew schluckte gewaltig, als sie sich dieser ihrer schrecklichen Verlassenheit bewußt wurde, und dann hatte sie plötzlich eine Vision, die sie völlig erstarren ließ . . .

Der Spuk am Hoftor war auch wirklich zu viel. Wenn dieser Teufel, der Perkins, vor ihr aus der Hölle heraufgefahren wäre, wohin er gehörte, schön. Aber jetzt stand er dort gleich doppelt.

»Da wären wir also wieder einmal, Mutter Drew. Machen Sie sich rasch fertig. Viel brauchen Sie ja nicht, wie Sie wissen.«

Mrs. Drew verstand zwar nicht so recht, aber sie hatte ihre Erfahrungen und ahnte, worum es sich handelte. Und wenn sie der scheußlichen Fratze am liebsten eine geschmiert hätte, wußte sie doch, was sich in solchen Augenblicken der Polizei gegenüber gehörte. Sie hätte auch gewiß einen Knicks gemacht und etwas Artiges gesagt, wenn ihre Beine und ihre Zunge nicht so verdammt schwer gewesen wären.

»Bitte, nach Ihnen, liebe Mrs. Drew«, sagte der Chefinspektor höflich, als sie nach einer Viertelstunde am Hoftor waren. »Molly ist schon im Wagen. Wir haben sie unterwegs aufgeklaubt. Sie werden zwar von ihrer Gesellschaft nicht viel haben, denn sie schläft, aber in Telesbury werden Sie sie ja von Zeit zu Zeit sehen.«

Diese Aussicht gab Mrs. Drew die Sprache wieder.

»Euer Gnaden«, lallte sie schwer gekränkt, »lieber ein Jahr mehr – aber woanders hin. So etwas darf mir nicht mehr unter die Augen. Zehn Schillinge . . . Oder vielleicht sogar noch mehr . . .«

*

Auch der große Künstler Mr. Gwynne beschäftigte sich mit verschiedenen bedenklichen Ereignissen der letzten Nacht und packte etwas eilig seine Koffer. Dieses Blackfield war zuviel für seine empfindsamen Nerven.

Er erschrak geradezu tödlich, als plötzlich die Tür knackte, aber Alf Duncan stand bereits im Zimmer, drehte den Schlüssel um und steckte ihn zu sich. Dabei lächelte er jedoch so harmlos und liebenswürdig, daß die verstörte und wenig freundliche Miene des Mimen gar nicht am Platze war. Sogar die gewisse alte Geschichte regelte der junge Gentleman mit größtem Takt.

»Ich sehe, daß Sie mir wegen des kleinen Scherzes im Klub noch immer etwas gram sind, Mr. Gwynne, und das tut mir aufrichtig leid. Im übrigen waren die Karten wirklich wunderbar gezeichnet, und ich habe dabei sehr viel gelernt. Aber deshalb bin ich natürlich nicht gekommen, sondern ich wollte Sie zu dem idyllischen Landsitz beglückwünschen, den Sie sich beigelegt haben. Schön ist dieses Alderscourt zwar nicht, aber es ist das, wonach man sich in unseren Kreisen zuweilen sehnt. Auslandsreisen lassen sich nicht immer so rasch bewerkstelligen, wie dies notwendig wäre, hier aber ist man im Handumdrehen geradezu völlig aus der Welt. Sie haben eine ausgezeichnete Wahl getroffen, Mr. Gwynne.«

Alf nickte anerkennend und setzte sich behaglich zurecht, der Komödiant aber zitterte mit den Lippen, Und sein schwammiges Gesicht war eine eindrucksvolle Maske von Bestürzung und grimmiger Wut. Er war auf irgendeine unliebsame Überraschung vorbereitet gewesen, aber daß es sich um Alderscourt handeln könnte, hätte er doch nicht erwartet. Es waren zwar dort in der verflossenen Nacht kritische Dinge vorgegangen, über die auch er sich nicht klar werden konnte, aber er hatte gehofft, der Gefahr, wenn auch nicht ganz heil, so doch wenigstens unerkannt entronnen zu sein. Als die Laterne zu Boden gepoltert und der erste Schuß gefallen war, hatte ihn plötzlich jemand im Dunkel hinter dem Vorhang angesprungen. Dann folgte der zweite Schuß, der ihm in den Arm fuhr und seinen Angreifer veranlaßte, loszulassen. Im nächsten Augenblick hatte er den Zugang zu der kleinen Treppe erreicht und hinter sich abgeriegelt und war auf seinem gewöhnlichen Wege durch die Wirtschaftsgebäude geflüchtet. Und nun kam dieser gefährliche Erpresser und begann von Alderscourt. Das mußte eine sehr schlimme Bedeutung haben.

»Sie gemeiner Schurke . . .«, zischte der entrüstete Mr. Gwynne, und der andere Gentleman stimmte ihm höflich bei.

»Ja, es ist kein besonders sauberes Geschäft und auch nicht allzu einträglich, aber man riskiert dabei wenigstens nicht viel. Der Fuchs lebt gewiß üppiger, als seine Flöhe, aber dafür bekommt er meist eins auf den Pelz gebrannt, das Ungeziefer aber springt gesund und munter ab. – Doch auch davon wollte ich nicht mit Ihnen sprechen, sondern ich wollte Ihnen als guter Freund sagen, daß es vielleicht böse Unannehmlichkeiten geben wird. Wegen des Besuches, den Sie in Alderscourt hatten. Was ist mit der Dame geschehen?«

Die unvermittelte Frage traf Mr. Gwynne schwer, denn der Schurke wußte offenbar sehr viel. Aber nun war es wenigstens klar, worum es ging, und der bedrängte Mime sah einen Ausweg.

»Darüber kann ich Ihnen keine Auskunft geben«, erklärte er bieder. »Ich habe der Dame Alderscourt auf Ersuchen eines Bekannten zur Verfügung gestellt und mich weiter nicht um sie gekümmert.«

»Und wer war dieser Bekannte?«

»Mr. Barres«, erklärte Gwynne ohne jeden Rückhalt, und Alf Duncan blies den Rauch seiner Zigarette in einer langen dünnen Säule zur Decke.

»Also Barres«, sagte er endlich. »Nun ist mir alles klar. Sie haben Ihrem Freunde, Mr. Fielder, der Sie doch bei dem einträglichen Dollargeschäft mitnahm, ein Schnippchen geschlagen und sich mit Mr. Barres assoziiert. Und auch Mr. Barres gedachte einmal ein Geschäft ohne die kluge Miss Reid zu machen. – Ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken, lieber Gwynne . . .«

Mr. Gwynne klang manches in diesen Worten bedrohlich, und er geriet noch mehr außer Fassung.

»Ich verstehe Sie nicht«, versicherte er. »Aber ich hoffe, daß Sie mir keine Unannehmlichkeiten bereiten werden. Es wäre mir peinlich . . . Sie begreifen . . . Und falls . . .«

Er begann hastig nach seiner Brieftasche herumzutasten, aber Duncan wehrte mit einer vornehmen Geste ab.

»Das können wir im Laufe des Tages irgendwie regeln«, sagte er und verschwand mit dem gleichen liebenswürdigen Lächeln, mit dem er gekommen war.

 

Auch beim Lunch, den sie nur zu zweien einnahmen, lächelte der junge Gentleman, aber so verträumt, daß der Arzt ihm plötzlich den Puls fühlte.

»Stimmt«, erwiderte Duncan ebenso lakonisch, was den andern Mann aus Cambridge veranlaßte, sich kräftig auf die Schenkel zu schlagen und in ein unbändiges höhnisches Gelächter auszubrechen.

»Hm . . .«, äußerte er bedenklich und hatte die strohblonden Brauen wieder einmal mitten in der Stirn.

Im übrigen verlief das Mahl sehr einsilbig. Perkins ließ vergeblich auf sich warten, und auch von Mrs. Hingley und dem Geschäftsführer war nichts zu sehen.

Die so schwer heimgesuchte Wirtin saß in ihrem halbwegs sicheren Winkel in der Küche und war nun schon so schreckhaft, daß sie Williams Hand überhaupt nicht mehr losließ. Und da der abgehetzte Mann, der furchtbar blaß und elend aussah, das sonst auf die Dauer nicht ausgehalten hätte, durfte er neben Mrs. Hingley sitzen.

So überraschte sie Alf, als er nach dem Essen den Kopf in die Küche steckte, um sich nach dem Befinden der Hausfrau zu erkundigen.

Mrs. Hingley wußte diese Artigkeit zu schätzen, und ihr Busen wogte äußerst stürmisch, als sie aufsprang und dabei William etwas unzart ihre Hand entriß.

»Oh, danke«, stammelte sie verwirrt – einmal wegen der Hand, und dann, weil sie sich erinnerte, daß ihre Frisur nicht so aussah, wie sie aussehen sollte, und daß ihre Fingernägel nicht frisch lackiert waren, da dies alles wegen William ja nicht notwendig war – »es ist sehr liebenswürdig von Ihnen, Mr. Duncan. – Ja, ich habe sehr viel durchgemacht in den letzten Tagen. Der Baumeister, der sich alles angesehen hat, meint, daß die Sache mindestens neun Pfund kosten wird, und was an den Möbeln verdorben wurde, macht sicher auch so viel. – Und dann sind jetzt auch noch das Fenster und der Türstock bei Mr. Gwynne dazu gekommen«, fügte sie mit einem tiefen Seufzer hinzu, und der Gedanke an diesen Riesenschaden ließ in ihr blitzartig einen heroischen Entschluß aufkommen.

»Ja«, fuhr sie mit krampfhaft gesenkten Augen tapfer fort und tastete nach der stützenden Schulter Williams, »in so einen Betrieb gehört eben ein Mann . . . Ein einfacher, braver Mann, wenn er auch von dem Geschäft nicht gerade viel versteht. Das lernt sich schon mit der Zeit. Die Hauptsache ist, daß man einen Schutz hat . . .«

Mrs. Hingley hatte sich doch etwas zuviel zugemutet, und ihre tiefe Stimme begann bedenklich zu zittern, aber der liebenswürdige junge Gentleman sprang ihr artig wie immer bei.

»Gewiß, liebe Mrs. Hingley«, sagte er in seiner lustigen Art, wenn ihm dabei vielleicht auch anders zumute war, »dasselbe wollte ich Ihnen auch schon raten. Hoffentlich verständigen Sie mich, wenn es so weit ist. – Bis dahin aber würde ich mir an Ihrer Stelle einen Hund anschaffen. Einen scharfen Köter, der jedem in die Beine fährt, der hier nichts zu suchen hat.«

Die Witwe nickte dankbar und gerührt und fand es sehr nett, daß auch der totenblasse William am ganzen Leibe zitterte.

 

So gegen halb drei Uhr kehrte Chefinspektor Perkins endlich von seiner langen Autofahrt zurück, und das Feixen um seinen breiten Mund verriet, daß die Dinge sich geändert hatten. Er war sogar beim Essen, das er mit großem Appetit verschlang, sehr gesprächig.

»Dieses Alderscourt habe ich also ausgeräumt«, erzählte er. »Das Mädel fand ich gleich bei der Scheune, und ein paar Schritte weiter lag ihr Koffer. Ich habe nur einen Blick hineingetan, aber es sind einige recht hübsche Sachen drin. Jedenfalls ist sie auch mit dem Mann mit dem Bart zusammengeraten, denn sie sah genau so aus wie Hunter. – Scheren Sie sich irgendwohin, sonst mache ich Ihnen Beine . . .«

Diese etwas unvermittelte und wenig höfliche Aufforderung galt William, der sich vom Frauendienst in der Küche freigemacht hatte, um rasch doch einmal im Speisesaal nach dem Rechten zu sehen. Als ihm sein Eifer so übel gelohnt wurde, schlich er mit einem gekränkten Achselzucken wieder ab.

»Wenn der Mann nicht irgend etwas mit dem Meilenstein zu tun hat, will ich mich selber hängen lassen«, murmelte Perkins, war aber doch überrascht, als Duncan gar so nachdenklich nickte.

»Gewiß hat er das. Sehr viel sogar. – Aber wenn Sie den hinkenden Mann mit dem Bart fangen und überführen wollen, sollten Sie vor allem auf Mr. Gwynne aufpassen.«

»An den habe ich natürlich auch schon gedacht«, erklärte der Chefinspektor. »Und wenn dieser Fielder nicht so ein käsiger Jammerlappen wäre und nicht gestern selbst das Malheur gehabt hätte . . .«

»Wollen Sie sich nicht nach seinem Befinden erkundigen?« meinte der höfliche Gentleman, und bevor sie zum Steinbruch aufbrachen, tat es der Chefinspektor auch wirklich. Er kam mit einem launigen Grinsen vom Telefon.

»Den hat die Geschichte so platt geschlagen, daß ihm noch heute die Zähne klappern«, teilte er mit, und Alf fand dies verständlich.

»Nun, es war ja auch ein aufregendes Erlebnis, und Mr. Fielder ist gerade kein Held.«

 

Die Schlucht beim Buschhaus hatte über Nacht ein völlig verändertes Aussehen bekommen. Nicht nur, weil anstelle der Hütte nun ein öder Schutthaufen lag, sondern auch dadurch, daß in der Wand, dort, wo die großen Blöcke gelehnt hatten, ein gewaltiges Loch gähnte.

Alf Duncan kletterte behend darauf zu, und kaum hatte er sich mit einem raschen Blick umgesehen, als er auch schon auf ein verbogenes Eisenstück wies, das aus dem Fels ragte.

»Also, hier haben Sie die Schiene, in der einer der Blöcke gelaufen, ist, und hier in der abgerissenen Wand scheint der Hebel gewesen zu sein. Damit ließ sich der Verschluß sehr leicht handhaben, und der Mann konnte rasch und spurlos verschwinden, nachdem er sich Hunter vom Hals geschafft hatte. Wahrscheinlich hätte er ihn sogar mitgeschleift, wenn Zeit dazu gewesen wäre. Mit dem Sergeanten und Barres hat er es so gemacht, und deshalb wurden sie an einer Stelle gefunden, an die sie von oben unmöglich abgestürzt sein konnten. Sie sind nämlich aus der Wand dort rechts hinausgeworfen worden. Das große Loch, durch das man jetzt in den Steinbruch sieht, hatte offenbar einen ähnlichen Verschluß.«

Der Chefinspektor blickte neugierig in den gewölbeartigen Raum, den sie vor sich hatten und in den von zwei Seiten das Tageslicht fiel. Es schien gefährlich, ihn zu betreten, denn stellenweise haftete das arg zerrissene Gestein bedenklich lose. Trotzdem wagte sich Perkins in das Geröll und begann an einem Stück Draht zu ziehen.

Duncan wehrte ihm ab.

»Das hat gar keinen Zweck. Sie werden kaum mehr etwas Brauchbares finden. Ich habe Ihnen ja schon gesagt, daß der Mann sein Unternehmen liquidiert hat. Da man ihm so dicht auf den Fersen war, hatte es keinen rechten Zweck mehr für ihn. Allerdings dürfte er gehofft haben, Sie und Ihre Leute dabei mit zu erledigen, und wenn Sie sich auch nur noch eine kleine Weile mit Ihren Nachforschungen aufgehalten hätten, wäre ihm dies wohl auch gelungen. Die Explosion hat ja auch hier draußen schrecklich gehaust. Der Raum wurde wahrscheinlich seinerzeit von dem Werkmeister des Steinbruchs als Magazin für seine Sprengstoffe angelegt, und dann hat sich ihn Marwel für seine verschiedenen Experimente eingerichtet. Dabei lernte den Schlupfwinkel später wohl auch der andere kennen und hat ihn für seine Zwecke besonders günstig gefunden. Er konnte in wenigen Minuten überm Hang drüben sein und ebenso rasch wieder untertauchen. Auch dürften hier die gewissen Empfänger für die Fernzündung und die Relais aufbewahrt gewesen sein, die Marwel offenbar in Vorrat hergestellt hatte. Ich zweifle nämlich, daß der hinkende Mann mit dem Bart von der Sache mehr versteht als die bloße Handhabung.«

Der Chefinspektor erwachte aus seiner tiefen Nachdenklichkeit; die anscheinend anderen Dingen gegolten hatte.

»Ich bin vormittags herumgefahren und habe mich wegen der verunglückten Leute erkundigt«, sagte er. »Dabei habe ich erfahren, daß zwei von ihnen tatsächlich unmittelbar vorher größere Geldbeträge flüssig gemacht hatten.«

»Alle«, erklärte Duncan bestimmt. »Darauf war es ja bei den Unfällen abgesehen. Es haben nur diejenigen am Schwarzen Meilenstein dranglauben müssen, die wegen der Dollars mit vollen Taschen kamen. Wenn die Sache mit den Dollars nicht gewesen wäre, hätte es wahrscheinlich nie einen Schwarzen Meilenstein gegeben. Jedenfalls aber wäre ich dann nicht bei der Hand gewesen, um Ihnen wieder einmal aus der Patsche zu helfen, lieber Mr. Perkins.«

Der liebe Mr. Perkins überhörte die taktlose Bemerkung, da er schon wieder tief in seine geheimnisvolle Gedankenwelt versunken war.

Zwei Stunden später aber überraschte er das Golfhaus plötzlich durch den Entschluß, mit seiner Begleitung nach London zurückzukehren, und sogar der noch immer arg benommene Mr. Hunter wurde aufgeladen. Ajax der Rasende sträubte sich zwar, wo anders als am Steuer Platz zu nehmen, aber auf einen energischen Wink des Chefinspektors faßte ihn Sergeant Bell an den Hosen und am Kragen und setzte ihn behutsam nach rückwärts.

Auch Alf Duncan, der wieder einmal das Telefon nach Wellingborough in Bewegung gesetzt hatte, brachte seinen Wagen aus der Garage, und Mrs. Hingley verfolgte von ihrem sicheren Winkel in der Küche alle diese Vorbereitungen mit tränenschweren Augen. Sie wäre um ihr Leben gerne noch hinausgegangen, um von dem einzigen vielleicht ein bißchen sündhaften Traum ihres Lebens Abschied zu nehmen, aber erstens wußte man nicht, was im letzten Augenblick noch Schreckliches geschehen konnte, und zweitens war sie eine Frau von Grundsätzen und starkem Willen. – Wenn aber wenigstens William zugegen gewesen wäre, damit sie an seiner Hand eine Stütze hätte finden können . . .

Aber William war nicht zugegen, weil er den abreisenden Gästen noch mit allerlei an die Hand gehen mußte. Er tat dies so willig und flink, wie ihn Mrs. Hingley noch nie gesehen hatte, und ihr Herz richtete sich an diesem Anblick auf.

Sehr überrascht war Mr. Fielder, der fahl und gebrochen im letzten Augenblick in einem Taxi langsam angeschaukelt kam.

»Ich wollte mich Ihnen trotz meines Zustandes doch zur Verfügung stellen«, erklärte er dem erstaunten Chefinspektor. »Ich dachte, daß es sich vielleicht um etwas Wichtiges handeln könnte, weil Sie mich angerufen hatten . . .«

Als er vernahm, daß er nicht gebraucht würde, wußte er sich über seine vergebliche Bemühung zu trösten.

»Dann werde ich nur einen kleinen Imbiß nehmen und gleich wieder zurückfahren. Die frische Luft hat mir ja ganz gut getan aber es ist ein furchtbares Gefühl nach so einer Sache zum ersten Mal wieder in einem Wagen zu sitzen. Dabei fahren diese Taxichauffeure so schrecklich schnell und unvorsichtig. Und an der gewissen Stelle mußte ich die Augen schließen . . .«

Zehn Minuten später saß er völlig verlassen auf der Terrasse, und William durfte es sich nun gestatten, müßig herumzulungern.

Mr. Gwynne aber schickte sich an, einen Spaziergang zu machen. Auch seine Koffer standen zwar bereits gepackt, doch hatte er es nun nicht mehr gar so eilig wegzukommen.

Es war mit einem Mal still und friedlich im Golfhaus, und der Mann vom Schwarzen Meilenstein ahnte nicht, daß seine Stunden gezählt waren.

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